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Gedanken zur Parascha 2009 von Raw Pardess Nachdem Ja'akow 14 Jahre (statt der vereinbarten sieben Jahre) für seine Frau Rachel und anschließend weitere sechs Jahre für seinen Schwiegervater Lawan unter ständig wechselnden, ihn benachteiligenden Bedingungen gearbeitet hatte, entschloss er sich, zurück zu seinen Eltern nach Erez Israel zu gehen. Doch sein Schwiegervater reiste ihm nach und stellte ihn zur Rede. Er warf Ja'akow vor, dass er die Frauen, die Kinder, und seinen ganzen Besitz von ihm habe, und wollte Ja'akow verbieten, zu gehen. Nach den vielen harten Jahren, die Ja'akow mit Lawan hatte, nach seiner Täuschung bei der Hochzeit, nach den Schikanen in den sechs Jahren, in denen er für ihn arbeitete, und nachdem ihm obendrein noch vorgeworfen wird, Personen und Besitz mitzunehmen, die Lawan gehören, hätte man von Ja'akow erwarten können, dass er sich wehrt, oder zumindest etwas zu entgegnen hat. Doch Ja'akow schwieg.
Wir können aus diesem Verhalten zwei Charaktereigenschaften lernen: Wenn jemand streitet und lautstark ungerechtfertigte und überzogene Vorwürfe macht, hat es oft keinen Sinn zu antworten. Es ist in diesen Fällen besser, einfach zu schweigen. Denn so eine Person hört nicht zu, sondern wirft nur vor, und jedes weitere Diskutieren führt nur zu verzichtbaren Streitereien.
Ja'akow hat seine beiden Frauen rechtmäßig mit Lawans Einverständnis geheiratet, und auch seinen Besitz hat er sich in den sechs Jahren redlich verdient. Doch Lawan hatte mit seiner Aussage auch recht, wonach die Frauen, die Kinder, und der ganze Besitz Ja'akows von ihm sind, d.h. Ja'akow, der vor 20 Jahren komplett mittellos bei seinem zukünftigen Schwiegervater auftauchte, hat sie diesem zu verdanken. Und da Lawan also nicht ganz unrecht hatte, entgegnete Ja'akow ihm nichts. Denn wenn in einer Diskussion die andere Seite mit etwas recht hat, muss man ihr das zugestehen, auch wenn man sich im allgemeinen im Recht sieht. Gedanken zur Parascha 2008 von Raw Pardess
Ja'akow ist auf dem Weg nach Charan, als er sich zum Schlafen an der Stelle niederlegt, an der Später der Tempel erbaut wurde. Im Traum spricht G'tt zu ihm, und verspricht ihm, dass seine Nachfahren das Land Israel bekommen werden, und dass sich seine Nachfahren zu einem großen Volk entwickeln werden, das unter G'ttes Schutz steht. Als er aufwacht sagt er: "G'tt ist an diesem Ort und ich wusste es nicht!" Raschi ergänzt: "Hätte ich das gewusst, hätte ich nicht an solch einem heiligen Platz geschlafen," denn es ist verboten, am Ort des Tempels zu schlafen. Man muss sich vor Augen halten, dass Ja'akow damit riskiert hätte, dass G'tt nicht zu ihm gesprochen hätte, und er damit die wichtigen versprechen über das Land Israel und das entstehende Volk vielleicht nicht bekommen hätte.
Später in der Parascha will Ja'akow Rachel heiraten. Da das Brautpaar den Verdacht hat, dass der Brautvater Lawan Rachel bei der Hochzeit mit der älteren Schwester Lea austauschen könnte, machen sie sich drei Zeichen aus, anhand derer Ja'akow Rachel erkennen kann. Da Rachel aber merkt, dass eine Zurückweisung durch Ja'akow Lea sehr beschämen würde, gibt sie die drei Zeichen ihrer Schwester bekannt. Damit hat sie aber riskiert, dass Ja'akow sie nicht heiratet, und damit auch, dass sie nicht Stammmutter des jüdischen Volkes wird.
Wir lernen daraus, dass keine gute Tat und kein noch so großer potentieller Vorteil, den man aus eine Handlung haben könnte, auch nur die kleinste Kränkung oder gar die Verletzung eines Tora-Gebotes rechtfertigen kann. Deshalb hätte Ja'akow nicht an der Stelle des späteren Tempels geschlafen, auch wenn das bedeuten könnte, dass seine Nachfahren das Land nicht bekommen, und deshalb hat Rachel die Kränkung ihrer Schwester verhindert, obwohl sie damit ihre Eheschließung mit Ja'akow riskierte.
Gedanken zur Parascha 2007 von Raw Pardess
In der dieswöchigen Parascha wird berichtet, dass Lea ihren vierten Sohn bekam. Daraufhin sagte sie: "Dieses Mal werde ich G'tt danken." Sie nannte diesen Sohn "Jehuda", was sich vom hebräischen Wort für Dank ableitet. Raschi erklärt, dass sie sich deshalb so sehr bedankte, weil sie nun mehr Söhne hat, als ihr bei gleichmäßiger Verteilung (12 Söhne bei 4 Müttern) zugestanden wären. Der Midrasch erklärt, dass sie es deshalb verdiente, dass von ihr Leute abstammen werden, die es verstehen, sich zu bedanken.
Auf Hebräisch wird für "danken" und "etwas eingestehen" das selbe Verb verwendet. Der Midrasch führt daher weiter aus, dass einerseits König David in seinen Psalmen viel Dank an G'tt richtete, und andererseits Jehuda selber, beim Vorfall mit Tamar, "eingestand", dass Tamars Söhne von ihm waren. Es stellt sich aber die Frage, wie Jehudas "Eingestehen" mit dem großartigen Dank seiner Mutter an G'tt verglichen werden kann.
Danken und etwas eingestehen bewirken in der Psyche das selbe. Bei beiden Vorgängen muss der Mensch akzeptieren, dass jemand anderer etwas geleistet hat oder recht hatte, und er selber nicht. Lea hatte also mit ihrem großen Dank verdient, dass unter ihren Nachkommen Leute sein werden, die keine Hemmungen haben, derartige Tatsachen zu akzeptieren. Dies ist deshalb so wichtig, weil eine derartige Einstellung auch für einen echten Glauben an G'tt und an die Tora notwendig ist. Denn auch zum Glauben muss man akzeptieren, dass jemand anderer etwas leistet, was man selber nicht kann.
Gedanken zur Parascha 2006 von Raw Pardess
Ja'akow wacht nach einem Traum auf, in dem ihm G'tt erschienen ist. Er merkt, dass der Ort, an dem er sich befindet, heilig sein muss. In der Früh steht er auf, nimmt den Stein, auf dem er in der Nacht gelegen ist, gießt Öl über ihn und nennt den Ort Beit-El (Haus G'ttes).
Es ist eine Mizwa für das jüdische Volk, einen Tempel, den Bejt HaMikdasch, zu errichten. Eine Halacha besagt, dass der Tempel am Tag und nicht in der Nacht gebaut werden muss. Das erklärt, wieso Ja'akow bis zum Morgen gewartet hat, um den Stein mit Öl zu begießen, und dies nicht gleich getan hat, nachdem er aufgewacht ist; denn dieser Stein war der Grundstein für den Tempel, den König Schlomo über tausend Jahre später fertigstellte, und wie bereits gesagt, darf der Tempel nur am Tag gebaut werden.
Diese Episode ereignete sich, als Ja'akow gerade auf der Flucht vor seinem Bruder Esaw war, weg vom Ort, wo seine Eltern wohnten, einer ungewissen Zukunft entgegen. Es war eine sehr schlechte Zeit für ihn. Damit symbolisiert Ja'akow das jüdische Volk, das ausgerechnet in so einer Zeit des Leidens Hoffnung bewahrt und den Grundstein für die Geula, die Erlösung legt.
Wir hoffen, dass wir in unseren Tagen den dritten Tempel und die endgültige Erlösung erleben werden!
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