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Paraschat Wajeschew

Gedanken zur Parascha 2009
von Raw Pardess

In der Parascha dieser Woche hat Josef, der zweitjüngste der Söhne Ja'akows, Träume, die er dahingehend deutet, dass seine Eltern und seine Brüder sich vor ihm verbeugen werden. Er entschließt sich dazu, diese Träume seiner Familie zu erzählen, woraufhin er von seinem Vater zurechtgewiesen wird.

Wenn man bedenkt, dass Josefs Brüder schon sehr schlecht auf ihn zu sprechen waren, weil Ja'akow ihn bevorzugte, scheint es nicht sehr klug gewesen zu sein, seiner Familie von seinen Träumen zu berichten. Doch Josef hatte einen guten Grund: Bei den Träumen handelte es sich um Prophezeiungen, und die Halacha sieht für einen Propheten, der eine Prophezeiung nicht veröffentlicht, die Todesstrafe vor. Er sah sich deshalb zu seinem Verhalten verpflichtet, auch wenn es dazu führte, dass seine Brüder ihn noch mehr hassten, und ihn schlussendlich verkauften.

Die Brüder sahen das allerdings anders: Denn ein Traum muss nicht unbedingt eine Prophezeiung sein. Normalerweise träumt man von den Dingen, die einen den Tag über beschäftigt haben. Josefs Brüder warfen ihm vor, dass er den ganzen Tag nur davon träumte, über sie zu herrschen. Wenn das wirklich so gewesen wäre, wäre es tatsächlich auch kein Wunder, wenn man dann solche Träume hat.

Träume, die nicht die Ereignisse des Tages verarbeiten, sondern überraschende Dinge beinhalten, haben in der Halacha jedenfalls eine große Bedeutung. Am Schabbat darf man zum Beispiel - von Jom Kippur abgesehen - nur nach einem besonders schlechten und besorgniserregenden Traum, der nichts mit aktuellen Ereignissen zu tun hat, fasten. Denn es besteht die Möglichkeit, dass am Traum etwas dran ist. Dann sollte man die Möglichkeit haben, zu fasten und zu beten, um etwaiges Unheil abzuwenden.


Gedanken zur Parascha 2008
von Raw Pardess

Josef kommt ins Gefängnis, weil die Frau seines Herren behauptet, er hätte sie bedrängt. Zur selben Zeit befinden sich auch der Mundschenk und der Bäcker des Pharaos im selben Gefängnis, und so kommt es, dass sie eines Nachts schlecht träumen und Josef ihnen am nächsten Tag ihre Träume deutet. Da seine Deutungen sich als richtig herausstellen, wird Josef letztenendes Jahre später zum Pharao gerufen, um diesem einen Traum zu deuten.

Auf den ersten Blick könnte man sagen, dass der Mundschenk und der Bäcker dafür verantwortlich sind, dass Josef schlussendlich aus dem Gefängnis befreit wird, und später zum Vizekönig von Ägypten wird. Wenn man sich den Text in der Tora genau anschaut, sieht man aber, dass Josef merkt, dass die beiden betrübt sind, und sie deshalb nach ihrem Wohlbefinden fragt. In der Folge erfährt er, dass sie geträumt hatten, und deutet die beiden Träume. Eigentlich ist es also Josef selber, der durch sein Interesse am Wohlbefinden seiner Mitmenschen seine eigene Befreiung verursacht hat.
 

Gedanken zur Parascha 2007
von Raw Pardess

Am Anfang der Parascha steht, dass Ja'akow sich in dem Land niederließ, in dem sein Vater sich aufhielt. Den Unterschied zwischen Niederlassen und Aufhalten erklärt Raschi damit, dass Ja'akow sich endlich in Ruhe niederlassen wollte, und sich nicht mehr nur irgendwo "aufhalten" wollte. Die Tora erzählt aber gleich weiter, dass ihm das nicht beschert war, denn gerade als Ja'akow denkt, er hat seine Aufgabe erfüllt und kann sich zur Ruhe setzen, wird sein Sohn Josef vermeintlich getötet.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie ein Mensch auf einen Schicksalsschlag reagieren kann. Dies ist mit einem tatsächlichen Schlag vergleichbar. Wenn man von einem zunächst Unbekannten geschlagen wird, möchte man reagieren. Wenn man dann aber erkennt, dass der Schlag von einem Freund oder vom Vater ausging, interpretiert man den selben Schlag sofort ganz anders, zum Beispiel als freundschaftliches Boxen.

Genauso verhält es sich auch bei einem Schicksalsschlag. Wenn man g'ttgläubig ist, und weiß, dass nichts zufällig geschieht, interpretiert man eine schlechte Nachricht ganz anders - als würde sie von einem Vater oder von einem Freund kommen. So war auch Ja'akow: Er verlor seinen Glauben nicht, und obwohl er nicht glücklich darüber war, akzpetierte er G'ttes Wege.


Gedanken zur Parascha 2006
von Raw Pardess

In der dieswöchigen Parascha wird erzählt, wie Josef von seinen Brüdern ausgesetzt wurde. Zuerst sollte er getötet werden, doch auf Intervention von Re'uwen, dem ältesten der Brüder, wurde er nur in eine Grube geworfen. Anschließend steht in der Tora: "damit er ihn aus ihrer Hand errettete, um ihn zu seinem Vater zurückzubringen." Hier ergänzt G'tt die Erzählung, und erklärt, dass Re'uwens Hintergedanke war, dass seine Brüder weggehen werden, und er dann zurückkehren kann, um Josef zu retten.

Weshalb hatte Re'uwen mehr Verantwortungsgefühl für Josef als seine Brüder?
Einerseits war er der Erstgeborene, und fühlte sich als solcher mehr für seine Geschwister verantwortlich.
Es gibt aber noch eine weitere Erklärung dafür: Längere Zeit vor dieser Episode fand Re'uwen einmal besondere Blumen, die er seiner Mutter Lea brachte. Rachel wollte diese Blumen haben; sie musste auf eine Nacht mit Ja'akow zu Leas Gunsten verzichten, um sie zu erhalten. Die Blumen waren Rachel so wichtig, weil sie die Fähigkeit haben, Frauen zur Schwangerschaft zu verhelfen, und Rachel hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Kinder. Und tatsächlich wurde sie kurz darauf schwanger mit Josef.
So hat Re'uwen über die Blumen verursacht, dass Josef zur Welt kommen konnte. Deshalb spürte er eine viel größere Verantwortung für seinen Bruder als die anderen Geschwister.
Die Lehre, die wir daraus ziehen sollen, ist folgende: Wenn man Kinder in die Welt setzt, ist man für sie voll und ganz verantwortlich und kann sich nicht auf andere Personen oder das Umfeld ausreden.