Gedanken zur Parascha 2009 von Raw Pardess In der Parascha dieser Woche befindet sich Ja'akow bereits in Ägypten, und Josef stellt ihm seine beiden Enkelkinder Menasche und Efraim vor. Ja'akow segnet beide. In der Tora steht: "Mit dir wird das Volk segnen." Menasche und Efraim können damit nicht gemeint sein, denn die Tora formuliert im Singular, und nicht "mit euch", im Plural. Daher ist Josef, der Vater der beiden, gemeint. Normalerweise hat jede neue Generation einen niedrigeren Status als die vorangehenden. Man kann deshalb Jizchak nicht mit Awraham, und Ja'akow nicht mit Jizchak vergleichen. Bei Josef war es aber anders: Seine beide Söhnen waren mit ihm auf einem Level. Deshalb hat Ja'akow sie gesegnet, und seinen 12 Söhnen gleichgestellt. Wir segnen daher unsere Kind "mit Josef", also dass sie so wie Josefs Kinder mit ihren Eltern auf einer Stufe stehen. Gedanken zur Parascha 2008 von Raw Pardess
Nach dem Tod von Ja'akow befürchten die Brüder, dass Josef nun, da der Vater nicht lebt, sich an ihnen dafür rächen könnte, dass sie ihn vor Jahren verkauft hatten. Doch woher kommt diese Befürchtung? Josef hat mehrfach betont, dass er ihnen verziehen hat, und hat keine Andeutungen gemacht, dass sich nach dem Tod des Vaters etwas daran geändert hat. Die Brüder haben aber zwei Dinge beobachtet, die sie zu diesem Verdacht veranlasst haben: Auf der Rückkehr von Ja'akows Begräbnis kommen sie an der Grube vorbei, in die die Brüder Josef einst geworfen haben. Josef bleibt kurz bei der Grube und spricht etwas. Außerdem hat Josef seine Brüder nicht mehr zum gemeinsamen Essen eingeladen, wie das zu Ja'akows Lebzeiten üblich war. Für die Brüder ist klar: Josef wurde durch den Besuch der Grube an den Verkauf durch die Brüder erinnert, und weil er sich von ihnen zunehmend entfernen will, lädt er seine Brüder nicht mehr zum gemeinsamen Mahl ein. In Wirklichkeit gab es ganz andere Gründe für Josef verhalten. In der Grube schwebte er in Lebensgefahr, da sich dort giftige Schlangen befanden. Durch ein Wunder überlebte er. Wenn man an einen Ort kommt, an dem einem einmal ein Wunder geschehen ist, muss man eine bestimmte Bracha sprechen. Deshalb ist Josef bei der Heimkehr an diesen Ort gekommen, und hat dort diese Bracha gesagt. Solange Ja'akow lebte, war klar, dass er am Kopfende des Tisches sitzt. Doch nach seinem Tod gibt es plötzlich einige Anwärter auf diesen Platz: Josef ist der Vizekönig Ägyptens und Hausherr, Reuwen ist der Erstgeborene, von Jehuda werden die Könige der Juden abstammen. Um erneuten Streit zwischen den Brüdern zu vermeiden, entschied sich Josef, seine Brüder nicht mehr zum Essen einzuladen. Wir lernen daraus, wie wichtig es ist, miteinander zu sprechen und zuzuhören. Die Missverständnisse zwischen Josef und seinen Brüdern wären nie entstanden, wenn sie die Ereignisse und Befürchtungen offen angesprochen hätten. Gedanken zur Parascha 2007 von Raw Pardess In der dieswöchigen Parascha rügt Jakow seinen Sohn Ruwen für ein Fehlverhalten, das bereits 48 Jahre zurückliegt. Auch bei anderen Gelegenheiten, hat Jakow bewiesen, dass er lange Schweigen kann: 17 lange Jahre hat er nicht weiter nach seinem verloren geglaubten Sohn Josef gefragt, obwohl er spürte, dass dieser nicht tot ist. Und 20 Jahre lang hat er unter sehr schweren Bedingungen bei seinem Schwiegervater Lawan gearbeitet und wurde dabei vielfach betrogen, ohne dass er ein Wort darüber verloren hat. Erst am Ende der 20 Jahre hat er sich beschwert. Der Kozker Rebbe hat dazu gesagt, dass es nicht prinzipiell eine Kunst ist, zu schweigen, sondern vor allem dann, wenn man sprechen kann, und trotzdem schweigt. Außerdem hat er noch eine weitere Feststellung über Reden und Schweigen getroffen: "Nur wer es versteht zu schweigen, verdient es auch, zu sprechen." Beides sieht man deutlich bei Jakow: Er hat nach 20 bzw. 48 Jahren gesprochen. Aber davor konnte er sich lange zurückhalten und schweigen, womit er es verdient hat, nachher so deutlich zu sprechen. Gedanken zur Parascha 2006 von Raw Pardess Der Midrasch erzählt, dass Ja'akows Söhne an seinem Sterbebett "Schma Israel" sagten: "Höre Israel, Haschem ist unser G'tt, Haschem ist der Einzige". Ja'akow wurde nämlich in diesem Moment von der Schechina, der g'ttlichen Gegenwart, verlassen. Er befürchtete, dass etwas mit den Söhnen nicht stimme. Deshalb fragte er sie danach, und sie antworteten Ja'akow, dessen zweiter Name Israel war: "Höre Israel, Haschem ist (immer noch) unser G'tt, Haschem ist der Einzige", er brauche sich also keine Sorgen zu machen. Darauf antwortete Ja'akow: "Baruch Schem Kwod malchuto leolam waed." Diesen Passuk sagen wir bis heute immer leise zwischen "Schma Israel" und dem darauffolgenden Satz "We'ahawta". Weshalb hat Ja'akow mit diesem Satz geantwortet? Im Beit Hamidkasch wurde der Name G'ttes anders ausgesprochen, als wir es heute beim Gebet tun. Und jedes Mal, wenn der Kohen Gadol den Namen im Beit Hamikdasch so aussprach, antworteten alle Anwesenden mit diesem Passuk. Aber weshalb verwendete Ja'akow ihn in dieser Situation? Der Grund ist, dass er seinen Söhnen sagte, dass sie so, wie sie jetzt um ihn stehen, um den Mischkan in der Wüste lagern werden. Ja'akows Bett nahm in dieser Aufstellung die Position des Mischkans mit den Tafeln mit den Zehn Geboten und mit dem Sefer Tora ein. Aus diesem Grund haben die Brüder den G'ttesnamen so ausgesprochen, wie er später nur im Beit Hamikdasch ausgesprochen wurde. Und deshalb antwortete Ja'akow mit "Baruch Schem kwod malchuto leolam waed."
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