Gedanken zur Parascha 2010 von Raw Pardess
In der Parascha dieser Woche werden gleich am Anfang zweimal alle Stämme aufgezählt. Einmal werden die Vertreter der Stämme erwähnt, die für die Volkszählung zuständig sind, und dann wird die Aufstellung der Stämme um den Mischkan (Stiftszelt) beschrieben. Bezüglich der Stämme Efraim und Menasche steht beim ersten Mal: "Für die Söhne Josefs, Efraim (...) und Menasche (...)." Bei der zweiten Aufzählung steht: "Für die Söhne Josefs, für die Söhne Efraims (...) und für die Söhne Menasches (...). Die zusätzliche Erwähnung des Wortes "Söhne" vor den Namen der Söhne Josefs ist eigentlich überflüssig, denn die Nachfahren von Efraim sind natürlich auch Nachfahren seines Vaters Josef.
Die Aufstellung der Stämme um den Mischkan entsprach der Aufstellung der Söhne Ja'akows bei der Überführung von dessen Leichnam von Ägypten nach Israel. Diese wiederum entsprach der Aufstellung der Söhne um den im Sterben liegenden Ja'akow, als er sie segnete. Doch Josef konnte sich nicht an der Überführung seines Vaters nach Israel beteiligen, da dies ein ägyptisches Gesetz dem König ausdrücklich verbat. Er wurde deshalb von seinen beiden Söhnen Efraim und Menasche vertreten.
Dementsprechend stand der Platz in der Aufstellung um den Mischkan auch nicht Efraim und Menasche als Nachfahren Josefs zu, sondern einerseits den Nachfahren Efraims, und andererseits den Nachfahren Menasches. Dementsprechend werden sie auch im entsprechenden Passuk beide extra erwähnt.
Gedanken zur Parascha 2009 von Raw Pardess In der dieswöchigen Parascha wird das jüdische Volk erneut gezählt, obwohl es einige Monate davor bereits eine Zählung gab. Raschi erklärt, dass diese Zählungen in der Zuneigung G'ttes gegenüber dem Volk begründet ist, so ähnlich wie ein Sammler seine kostbaren Stücke wieder und wieder zählt, um sich an ihnen zu erfreuen, auch wenn er vorher bereits weiß, wieviele es sind.
Es gibt auch einen Hinweis darauf, dass das Ergebnis der Zählung bereits bekannt war, und G'tt das Volk nur aus Zuneigung zählen lies: Bei der Aufzählung der Mitglieder jeden Stammes beginnt jeder Absatz mit "Für den Stamm ...". Bei Naftali, dem letzten Stamm der Aufzählung, steht nur "Der Stamm Naftali...". Daraus kann man schließen, dass der Stamm Naftali gar nicht mehr gezählt wurde: Da die Gesamtzahl von der letzten Zählung bekannt war und alle anderen Stämme erneut gezählt wurden, konnte man sich die Zahl der Mitglieder des Stammes Naftali ohne Zählung ausrechnen.
Dieser Beweis der andauernden Zuneigung G'ttes zum jüdischen Volk erfolgte kurz nach der Sünde vom Goldenen Kalb, also nach einem der schlimmsten vorstellbaren Sündenfälle des Volkes. So wie wir allgemein aus dem Verhalten G'ttes moralisches Verhalten für uns selbst ableiten sollen, zum Beispiel in dem wir Kranke besuchen oder Trauernde trösten, so sollen wir uns auch diese Eigenschaft G'ttes zu eigen machen: Ehrliches Verzeihen und Vergeben von Verfehlungen und Sünden unserer Mitmenschen. Wenn G'tt sogar die komplette Abwendung des Volkes durch das Goldene Kalb verzeihen konnte, sollten wir uns bemühen, unseren Mitmenschen ihre Verfehlungen ebenfalls zu vergeben.
Gedanken zur Parascha 2008 von Raw Pardess
In der Parascha dieser Woche wird das jüdische Volk gezählt. In der Tora steht, dass sie "bemispar schemot" gezählt wurden. Mispar bedeutet Zahl, und Schemot bedeutet Name. Daraus können wir lernen, dass jeder einzelne zwei Aufgaben auf dieser Welt hat: eine alleine, aber auch eine zusätzliche in der Gemeinschaft. Deshalb wird man nach Zahl, als Teil der Gemeinschaft, und nach Name, als Einzelperson gezählt.
Auch gegenüber nachkommenden Generationen ist man verpflichtet. Obwohl man natürlich nicht für Sünden seiner Vorfahren bestraft wird, kann man doch Belohnungen aufgrund der Taten der Vorfahren erfahren. Zum Beispiel verdanken Kohanim und Lewi'im bis heute ihren Status dem vorbildlichen Verhalten ihrer Vorfahren bei der Sünde vom Goldenen Kalb.
Gedanken zur Parascha 2007 von Raw Pardess
"Und sie ließen sich in die Geburtsverzeichnisse eintragen nach ihren Sippen, nach ihren Vaterhäusern." Unsere Parascha erzählt, wie sich alle über 20jährigen Juden mit ihrem Stammbaum in ein Register eintragen ließen, welches dann für die Aufstellung der Streitkräfte benutzt wurde. Aber ist für die Musterung eines Heeres nicht entscheidender, welche physischen Fähigkeiten jemand mitbringt, als seine Herkunft?
Ein Soldat ist immer in - nicht nur physischer - Gefahr. Wenn man sich lange nur mit Krieg und Kampf beschäftigt, kann es passieren, dass man einerseits soweit verroht, dass man auch ohne Grund tötet, während es andererseits auch passieren kann, dass man im Kampf ungerechtfertigtes Mitleid bekommt, und milde ist, wenn hartes Durchgreifen gefragt ist.
Wer aber aus einer guten Familie kommt, dessen Charakter wird diesem Druck standhalten können. Dies ist der Grund, weshalb am Anfang unserer Parascha jeder Erwachsene seinen Stammbaum offenlegte.
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