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Paraschat Behalotcha

Gedanken zur Parascha 2010
von Raw Pardess

In der Parascha dieser Woche werden 70 Weise als Unterstützung für Mosche ernannt, der sich von seiner Aufgabe überfordert fühlt. G'tt befiehlt Mosche, dass dieser "70 Männer aus den Ältesten des Volkes,  von denen du weißt, dass sie Älteste des Volkes und seine Wachleute sind" aussuchen soll.

In der Zeit in Ägypten gab es Vorarbeiter, die dafür sorgen mussten, dass das Volk eine bestimmte Arbeitsleistung erbrachte. Dazu sollten sie die Leute mit Schlägen antreiben. Erreichte das Volk das Soll nicht, wurden diese Vorarbeiter bestraft. Die Vorarbeiter handelten aber nicht so, wie es Pharao erwartete: Sie ließen sich schlagen, und wendeten ihren Brüdern gegenüber keine Gewalt an.
Raschi erklärt, dass die Ältesten, die Mosche aussuchen sollte, diese Vorarbeiter waren, die Mitleid mit ihren Brüdern hatten, und sie nicht schlugen. Sie waren also "Älteste des Volkes und seine Wachleute." Als Belohnung für das Leid, das sie für das ganze Volk erlitten haben, wurden sie mit dieser Aufgabe belohnt.

Wenn einem Mitmenschen etwas zustößt, muss man ihm beistehen und helfen. Es ist eine der am schwierigsten zu verwirklichenden Charaktereigenschaften, das Leid eines anderen wie sein eigenes mitzufühlen, wie es zum Beispiel bei Raw Arye Lewin war, der einem Arzt sagte: "Das Bein meiner Frau schmerzt uns." Leichter ist es, wenn man den selber Schmerz schon einmal selber erlebt hat - dann ist es wesentlich leichter, der Person beizustehen. Die Vorarbeiter haben in Ägypten sehr viel Leid erlitten. Daher waren genau sie die richtigen Führer für das Volk, die es anders als so manche andere Führungspersönlichkeiten verstehen, dass ihre Untertanen Sorgen haben, auf die man eingehen muss.

 

Gedanken zur Parascha 2009
von Raw Pardess

Die westliche Flamme ("Ner Ma'arawi") auf der Menora hat zuerst im Mischkan in der Wüste 40 Jahre, und später im Tempel in Jerusalem 360 Jahre durchgehend gebrannt. Aus dem Wortlaut in der dieswöchigen Parascha geht aber hervor, dass der Kohen Gadol die Flamme entzünden soll. Für diesen scheinbaren Widerspruch gibt es mehrere Erklärungen:

Eine Erklärung besagt, dass die sechs anderen Flammen täglich durch den Kohen Gadol entzündet wurden, der damit diese Mizwa erfüllte.
Einer anderen Erklärung nach musste der Kohen Gadol die Flamme täglich auslöschen, um sie dann wieder neu zu entzünden.
Nach einer dritten Erklärung schließlich fügte er täglich etwas Öl zur Flamme hinzu, denn die Brenndauer einer Flamme zu verlängen ist - wie wir auch bei den Halachot von Schabbat sehen - dem eigentlichen Entzünden gleichzuhalten. Wir sehen also, dass der Kohen Gadol etwas fortsetzte, wobei er natürlich - wie immer, wenn man einen Weg fortsetzt - wissen musste, wer diese Kette begonnen hat.


Gedanken zur Parascha 2008
von Raw Pardess

In der Parascha dieser Woche sprechen Miriam und Aharon, die beiden Geschwister von Mosche, darüber, dass Mosche sich seit der Toragabe von seiner Frau Zippora getrennt hat. Da sie selber als Propheten auch ihr Familienleben weiterführen konnten, verstehen sie nicht, wieso Mosche das nicht auch tut.

Nachdem das geschehen war steht in der Tora, dass G'tt "plötzlich" die drei Geschwister versammelte, um Miriam und Aharon zurechtzuweisen. Für das Wort "plötzlich" gibt es zwei Erklärungen:

G'tt erschien Miriam und Aharon normalerweise im Traum. Nur Mosche war so nahe zu G'tt, dass er jederzeit bereit und spirituell rein sein musste, um in Kontakt mit G'tt zu treten. Seine Geschwister irrten im Glauben, genauso Propheten zu sein wie ihr Bruder. Das machte ihnen G'tt sehr anschaulich, indem er ihnen "plötzlich" erschien, wie er es sonst nur bei Mosche tat. Laschon Hara geschieht oft, weil man nur einen Teil des ganzen sieht, und daraus voreilige Schlüsse zieht.

Hätten Miriam und Aharon erfahren, dass sie Mosche unrecht getan haben, hätten sie sofort bereut und Tschuwa gemacht. Dann wären sie natürlich auch nicht bestraft worden. G'tt musste sie aber in diesem Fall bestrafen, denn vom persönlichen Angriff auf Mosche abgesehen wurde hier ja auch Mosche als Prophet und als Mann G'ttes angegriffen. Wären Miriam und Aharon nicht dafür bestraft worden, hätte das zu einem großen Ansehensverlust für Mosche geführt, woraufhin man ihn und seine Lehre, die Tora, nicht mehr so respektiert hätte wie früher. Deshalb erschien G'tt den beiden "plötzlich", um ihnen keine Chance zum Bereuen vor der Bestrafung zu geben.


Gedanken zur Parascha 2007
von Raw Pardess

Am ersten Tag nach der Einweihung des Stiftszelts in der Wüste waren Nadaw und Awihu, zwei der Söhne Aharons, verstorben. Mosche hatte daraufhin ihre Cousins Mischael und Elzafan beauftragt, die beiden zu begraben, wodurch sie aber für sieben Tage rituell unrein wurden. In der dieswöchigen Parascha kommen diese beiden Cousins zu Mosche und beschweren sich, dass sie wegen der Unreinheit vom Pessach-Opfer ausgeschlossen sind. Mosche wendet sich daraufhin sofort an G'tt, um ihn zu fragen, wie diese Anfrage zu beantworten ist. Daraufhin wird Pessach Scheni, eine zweite Gelegenheit für das Pessach-Opfer, für solche, die beim ersten verhindert waren, eingeführt.

Bemerkenswert ist, dass Mosche sich mit diesem Anliegen sofort an G'tt wendet. In anderen Fällen hat sich Mosche mehr Zeit gelassen, um das Anliegen vor Haschem zu bringen. Es gibt nur eine andere Stelle, wo Mosche sich auch sofort ohne Verzögerung an G'tt gewendet hat.
Ein Mann namens Zlofchad verstarb in der Wüste und hinterließ nur Töchter. Als das Land Israel an das Volk verteilt wurde, erhielten nur Männer einen Teil, Frauen hatten kein Erbrecht. Die Töchter Zlofchads gingen daraufhin zu Mosche, der dann von G'tt die Antwort erhielt, dass die Beschwerde der Töchter berechtigt ist, und sie den Anteil ihres Vaters erben.

Gemeinsam ist diesen beiden Fällen, dass eine Gruppe von Menschen besondere Liebe zu den Mizwot oder zu Erez Israel gezeigt hat. Die Cousins von Nadaw und Awihu waren von der Mizwa des Pessach-Opfers befreit, aber es war ihnen so wichtig, diese Mizwa erfüllen zu können, dass Mosche sich veranlasst sah, sich sofort an Haschem zu wenden.
Die Töchter Zlofchats wollten unbedingt ihren Anteil am Land Israel, als sich - nach der Episode mit den Kundschaftern - der Großteil des Volkes vor diesem Land vor allem fürchtete, und gar nicht dorthin wollte. Auch diese besondere Liebe zum Land Israel veranlasste Mosche, umgehend mit Haschem zu sprechen.

Wir lernen daraus, dass wir uns bemühen sollen, jede Mizwa so gut wie möglich zu erfüllen. Wir dürfen nicht bei den ersten Schwierigkeiten aufgeben, sondern sollten uns bemühen, soviel Einsatz für die Erfüllung der Mizwot zu zeigen, wie die Cousins von Nadaw und Awihu.


Gedanken zur Parascha 2006
von Raw Pardess

Am Ende der dieswöchigen Parascha spricht Miriam, die Schwester von Mosche, Laschon Hara (Üble Nachrede) über ihren Bruder, weshalb sie als Strafe einen besonderen Ausschlag, Zaarat bekommt. Sie musste dann sieben Tage alleine leben, bevor sie geheilt wurde und weiter mit dem Volk ziehen konnte. Währenddessen wartete das ganze Volk auf sie.

Die Gmara stellt die Frage, weshalb das restliche Volk, immerhin einige Millionen Menschen, nicht vorgegangen ist, sondern auf eine einzige Person gewartet hat.
Miriam hat auf Mosche, als dieser im Nil ausgesetzt wurde, noch 15 bis 20 Minuten gewartet und hat ihm aus der Entfernung nachgeschaut. Ihre Belohnung für diese Sorge um ihren Bruder war, dass das nun das ganze Volk eine Woche lang auf sie wartete. An der Dimension - eine viertel Stunde im Vergleich zu einer Woche, eine Person im Vergleich zum gesamten Volk - sieht man, in welchem Ausmaß G'tt gute Taten belohnt. Auch wenn man manchmal den Eindruck hat, dass man viel tut, und es schon genug ist, soll man sich der Belohnungen bewusst sein, die G'tt für einem gute Taten zuteil werden lässt.