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Gedanken zur Parascha 2010 von Raw Pardess
In der dieswöchigen Parascha werden die zwölf Kundschafter des Volkes ausgeschickt, um das Land Israel zu entdecken und auszuspionieren. Mosche gibt den zwölf Gesandten, einer pro Stamm, einige Anweisungen, was sie erkunden sollen. Unter anderem stellt er folgende Fragen: Ist das Land gut oder schlecht? Ist es fruchtbar oder mager? Wachsen Bäume oder nicht? Die Fragen scheinen sich sehr ähnlich zu sein. Das Land ist doch gut, wenn es fruchtbar ist, und wenn Bäume wachsen, ist es fruchtbar.
Raschi erklärt, dass mit "Gut" bzw. "schlecht" gemeint ist, ob es Wasserstellen und gute Vorraussetzungen für gute Bewirtschaftung gibt, und mit der zweiten Frage, ob auch tatsächlich etwas wächst. Man erkennt hier, worauf man vor einer wichtigen Anschaffung oder Entscheidung schauen muss. Es kommt nicht nur auf den jetzigen Zustand an, sondern auch auf das Potential. Mosche wollte nicht nur wissen, wie gut das Land jetzt gerade, in diesem Zustand ist, sondern vor allem, welches Potential es hat, wenn das Volk es erstmal in Besitz nimmt. Aber dieses Potentiel haben die Kundschafter nicht erkundet, sondern lediglich den aktuellen Zustand des Landes.
Ein weiterer Auftrag von Mosche war es, Früchte des Landes mitzunehmen. Denn an den Früchten erkennt man die wahre Qualität des Landes, so wie man allgemein an den Früchten eines Gebietes oder eine Arbeit die Qualität der Quelle erkennen kann. Gedanken zur Parascha 2009 von Raw Pardess
In der Tora steht dreimal Mal "Und sehet": Einmal "und sehet das Land" bei der Episode der Kundschafter in der dieswöchigen Parascha, einmal "und ihr seht ihn" im dritten Absatz des "Schma Israel" und "sehet Ägypten" beim Auszug aus Ägypten.
In der Mischna steht in Pirkej Awot 3,1: "Wisse woher du kommst, wohin du gehst, und vor wem du einmal Rechenschaft wirst ablegen müssen." Die drei oben erwähnten Stellen aus der Tora sind Hinweise auf diese drei Elemente: "Sehet Ägypten (aus dem ihr kommt)", "und sehet das Land (Israel, in das ihr geht)", und "sehet Ihn (G'tt, vor dem ihr einmal Rechenschaft ablegen werdet)".
Gedanken zur Parascha 2008 von Raw Pardess
In der Parascha dieser Woche wird das Gebot erwähnt, Zizzit zu tragen. Der Vers gibt auch den Sinn dieser Mizwa an: "sodass ihr sehet und euch an alle Gebote G'ttes erinnert und sie erfüllet." Wie soll man sich das vorstellen, dass man sich anhand der Zizzit an alle Gebote der Tora erinnert?
Raschi erklärt, dass der Zahlenwert von Zizzit 600 ist. Dazu kommen die acht Fäden und die fünf Knoten der Zizzit, was zusammen 613 ergibt. Das ist genau die Anzahl der Gebote der Tora.
In der Gmara wird erklärt, dass das "Tchelet", also der hellblaue Faden, der ursprünglich die Zizzit ergänzte, den wir aber heute nicht mehr tragen, weil wir nicht wissen, wie die Farbe genau gewonnen wird, an das Meer erinnert, dieses wiederum an den Himmel, und dieser an den Thron G'ttes im Himmel.
Eine dritte Erklärung bezieht sich auf die Ursprünge des Gebotes der Zizzit: Als Noach betrunken und nackt in seinem Zelt lag, bedeckten ihn seine Söhne Schem und Jefet mit einem Tuch. Laut Raschi war Schems Lohn für diese Mizwa der Tallit, also das Gewand, an denen die Zizzit befestigt werden. Zehn Generationen später befreite Awraham seinen Neffen Lot aus der Gefangenschaft, und mit ihm auch die Bewohner und den König von Sdom. Obwohl alle Befreiten den damalien Gesetzen entsprechend Awraham als Knechte zustanden, bat der König ihn, die Leute ziehen zu lassen und nur die Beute zu behalten. Awraham jedoch antwortete: "Nicht vom Faden bis zum Schuhriemen werde ich nehmen", denn "du sollst nicht sagen: Ich habe den Awram reich gemacht." Er wollte sein Vermögen nur G'tt zu verdanken haben. Die Gmara erklärt, dass die Belohnung dafür war, dass die Juden die Mizwa der Zizzit-Fäden erhalten werden. Das Gewand mit den Fäden verdanken wir also dem sittsamen Schem, der seinen Vater mit einem Gewand bedeckte, und dem g'ttesfürchtigen Awraham, der nicht einmal einen Faden als Beute behielt, da er sein Vermögen ausschließlich von G'tt abhängig machte.
Wenn man sich die Zizzit also anschaut sieht man, nach den verschiedenen Erklärungen, die 613 Mizwot, durch den Zahlenwert repräsentiert, den Thron G'ttes, der dem blauen Faden ähnlich ist, und die Sittsamkeit und G'ttesfürchtigkeit Schems und Awrahams.
Als der Gaon von Wilna im Sterben lag, weinte er. Sein Schüler, Reb Chaim Woloschiner, fragte ihn, wieso er weine, ein so heiliger Mann würde doch sicher gleich in den Himmel kommen, also sei das doch ein Grund zur Freude. Der Gaon von Wilna antwortete: Auf dieser Welt habe ich die Möglichkeit, für wenig Geld eine Mizwa zu erfüllen, die so wichtig ist, wie die ganze Tora, nämlich die Mizwa der Zizzit. Und in ein paar Minuten bin ich tot und kann gar keine Mizwot mehr erfüllen...
Gedanken zur Parascha 2007 von Raw Pardess
Als die 12 Kundschafter ins Land Israel gehen, um es zu erkunden, geht einer der zwölf, Kalew, nach Chewron, um dort bei den Gräbern der Vorväter und - mütter dafür zu beten, dass er von den anderen Kundschaftern, die von Anfang dem Land gegenüber negativ eingestellt waren, nicht beeinflußt werde. Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt einen Grund gibt, weshalb man bei Gräbern von Vorfahren beten sollte. Ist die Seele des Verstorbenen dort? Merkt sie etwas vom Besuch?
Die Gmara erklärt, dass man auf einem Friedhof seine Zizit einstecken soll, denn Verstorbene können keine Mizwot erfüllen, und würden sie unsere Zizit sehen, würden sie daran erinnert werden. Daraus kann man lernen, dass sich die Seelen manchmal noch bei den Gräbern befinden. Das ist zum Beispiel im Trauerjahr oder zur Jahrzeit so.
Es gibt auch einen Engel namens Duma, der die Seelen über Besuche an ihrem Grab informiert. Es ist deshalb auch ein Brauch, am Grab Neuigkeiten aus dem eigenen Leben zu erzählen, damit die Verstorbenen erfahren, wie es ihrer Familie geht. Es gibt auch einen Brauch, um sicherzugehen, dass die verstorbenen Vorfahren am Grab sind, wenn man sie besucht: Man spendet am Friedhof Geld für Zdakka und sagt: "Ich spende 'leiluj Nischmat' der Seele, die zur Seele meines Vaters oder meiner Mutter geht und ihr sagt, dass ich an ihrem Grab bin." Eine der anwesenden Seelen wird daraufhin die gesuchte Seele informieren.
Man sieht also, dass sich die Seelen der Verstorbenen zuweilen bei ihrem Grab aufhalten, und es daher einen Sinn hat, an diesem für sich zu beten. Daher ist auch Kalew nach Chewron gegangen, wo seine Vorfahren Adam, Chawa, Awraham, Sarah, Jizchak, Riwka, Ja'akow und Lea begraben waren.
Gedanken zur Parascha 2006 von Raw Pardess
Die Kundschafter, die Mosche ausgesandt hat, um das Land Israel zu erkunden, kamen zum Volk zurück. Zehn der zwölf Kundschafter waren der Meinung, dass das Volk das Land nicht erobern wird können. Nur zwei waren der Meinung, dass das Volk sofort das Land betreten soll.
Bekanntlich hat das Volk auf die Mehrheit der Kundschafter gehört, und sie wurden daraufhin von Haschem bestraft. Die Kommentatoren beschäftigt die Frage, weshalb es eine Strafe gab; es ist doch legitim, dass das Volk auf die Kundschafter hört, und diese haben nur ihre ehrliche Meinung mitgeteilt. Der Or Hachajim erklärt, dass es in der Halacha keinen Unterschied gibt, ob zwei oder 100 Leute etwas bezeugen - beides hat die selbe Beweiskraft. Das bedeutet nicht, dass es immer richtig ist, was zwei Leute sagen, aber das ist der bestmögliche Beweis, der zur Verfügung steht.
Die Juden haben in dieser Halacha geirrt, weil sie eigentlich beiden Meinungen den gleichen Glauben hätten schenken müssen. Die Meldungen hätten sich gegenseitig aufgehoben, übrig geblieben wäre der g'ttliche Befehl, nach Israel zu gehen. Doch das Volk hörte nur auf das, was es hören wollte, nämlich auf die Kundschafter, die negativ über das Land Israel sprachen.
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