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Paraschat Chukat

Gedanken zur Parascha 2010
von Raw Pardess

Die Mizwot werden unter anderem in Chukim und Mischpatim eingeteilt. Mischpatim sind Vorschriften, die den Menschen verständlich sind. Beispiele dafür sind das Verbot zu stehlen, zu morden, und so weiter. Chukim sind Vorschriften, deren Grund und Sinn wir nicht verstehen können.
In der dieswöchigen Parascha wird die Prozedur mit der Roten Kuh (Para Aduma) beschrieben, die zur rituellen Reinigung benötigt wird. Sie beginnt mit den Worten: "Das ist die Vorschrift ("chukat") der Tora." Raschi erklärt dazu: Die anderen Völker werden uns fragen, was der Grund für diese Mizwa ist. Deshalb wird betont, dass es sich um ein "Chok" handelt, das wir nicht hinterfragen dürfen. Es ist allerdings nicht ganz einsichtig, wie diese Antwort für die anderen Völker eine ausreichende Antwort auf ihre Fragen sein kann.

Einer Erklärung nach ist es weniger eine Antwort für die anderen Völker, sondern eine Antwort für uns, wenn wir aufgrund ihrer Fragen diese Mizwa und andere Chukim anzeifeln. Und wenn wir Juden verstehen, dass es solche Chukim gibt, dass wir für sie keinen Grund kennen können, und trotzdem mit voller Überzeugung an sie glauben, wird niemand, auch nicht andere Völker, auch scheinbar grundlose Mizwot wie die der Para Aduma anzweifeln.

Die Vorschriften für die Rote Kuh werden aber nicht nur als Chok bezeichnet, sondern auch als Gsera, ein Wort, das auch für nachvollziehbare Mizwot verwendet wird. Einer zweiten Erklärung nach war die Rote Kuh für Mosche verständlich. Er hat dieses Wissen aber nicht weitergegeben, wodurch es für alle folgenden Generationen, und auch für uns heute, ein Chok geworden ist. Hier liegt der Grundstein für die mündliche Tora: Es gehört zum Wesen des Judentums, dass gewisse Regeln mündlich überliefert wurden, die in der schriftlichen Tora nicht stehen. Es reicht, wenn die Weisen in der Nachfolge von Mosche in allen Details verstehen, was die Gründe für die verschiedenen Regelungen sind. Für uns reicht es, dass wir uns auf die Führung verlassen können, und die Mizwot einhalten. Dieses Prinzip können auch die anderen Völker verstehen, womit sie auch einsehen können, dass wir für dieses und manche andere Gebote keinen nachvollziehbaren Grund haben.


Gedanken zur Parascha 2008
von Raw Pardess

In Paraschat Beschalach, die wir schon vor längerem gelesen haben, befiehlt G'tt Mosche einen Stein mit seinem Stab zu schlagen, damit Wasser aus ihm fließt. In der dieswöchigen Parascha, Chukat, befiehlt G'tt Mosche den Stab zu nehmen, und zum Stein zu sprechen, damit Wasser fließt. Mosche widersetzt sich diesem Befehl aber und schlägt den Stein, wie in der ersten Episode in Paraschat Beschalach.

Es gibt mehrere Erklärungen, wieso G'tt zuerst wollte, dass der Stein geschlagen wird, und später befahl, mit dem Stein zu sprechen.
Einerseits befinden wir uns bei der zweiten Episode am Ende der 40jährigen Wüstenwanderung. Das Volk bestand aus einer neuen Generation, die die Wunder der Meerspaltung und der Zehn Plagen nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Es war daher notwendig, ein besonderes Wunder zu vollbringen, um den Glauben zu stärken.
Andererseits befinden wir uns bei der zweiten Episode nach der Toragabe. Die Juden haben mittlerweile den Verdienst, dass sie die Mizwot der Tora halten. Daher verdienen sie auch ein größeres Wunder als früher, als sie nur an die sieben noachidischen Gebote gebunden waren.

Es stellt sich außerdem auch die Frage, ob Mosche wirklich irrtümlich geschlagen statt gesprochen hat, etwa weil er schon früher schlagen sollte, und weil er den Stab ja auch diesmal mitnehmen sollte?
Es gibt einen Midrasch, eine überlieferte Auslegung, die besagt, dass Mosche sich absichtlich G'ttes Befehl widersetzt hat. Er befürchtete, dass die Engel den Juden den Vorwurf machen könnten, dass ein Stein auf einfaches Zureden G'ttes Befehl erfüllt, während die Juden oft erst die Mizwot erfüllen, wenn sie mehr oder weniger dazu gezwungen werden.
Ähnliches finden wir auch beim Propheten Jona, der der Stadt Ninwe nicht ihre Zerstörung prohpezeien wollte, aus Angst, die Bewohner könnten - anders als viele Juden in der selben Situation - Tschuwa, Buße, tun, was ebenfalls einen Vorwurf an die Juden ermöglichen würde.

Aber auch wenn Mosche gute Motive für seine Missachtung von G'ttes Befehl hatte, stellt G'tt klar, dass Mosche nicht richtig gehandelt hatte, und verhängt eine für Mosche sehr schlimme Strafe: Er durfte das Land Israel nicht betreten, sondern nur von einem Berg aus einen Blick auf das schöne Land werfen.


Gedanken zur Parascha 2006
von Raw Pardess

In Paraschat Chukat wird von Ahrons Tod erzählt. G'tt befahl Mosche vorher, Ahron das Gewand des Kohen Hagadol auszuziehen, und es vor Ahrons Augen dessen Sohn Elasar anzuziehen, ihn damit also zum neuen Kohen Hagadol zu machen. Erst dann starb Ahron.
Weshalb war es nötig, Elasar schon zum Kohen Hagadol zu machen, noch so lange sein Vater lebte?

Es gibt darauf eine einfache halachische Antwort: Sobald Ahron tot war, wäre Elasar ein Awel (Trauernder) geworden und hätte sieben Tage Schiwa sitzen müssen, und in dieser Zeit hätte es keinen Kohen Hagadol gegeben. Daher muss Elasar zuerst zum Kohen Hagadol ernannt werden.
Eine andere Erklärung: Der größte Nachat für einen Vater ist es, zu sehen, dass sein Sohn ihm in seinem Weg nachfolgt. Haschem wollte Ahron eine besondere Belohnung zuteil werden lassen. Deshalb hat er ihm die Gelegenheit gegeben, seinen Sohn in seinen Fußstapfen als Kohen Hagadol zu sehen.