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Paraschat Matot-Masaj

Gedanken zur Parascha 2010
von Raw Pardess

In der Parascha dieser Woche werden die "Arej Miklat", die Zufluchtsstätte, beschrieben. Nach der Besiedlung des Landes Israel sollen sechs Städte eingerichtet werden, in die Leute, die unabsichtlich getötet haben, vor den Angehörigen des Opfers Schutz beziehen können, damit diese nicht den Tod ihres Angehörigen Rächen.
In der Tora gibt es auch das Gebot, eine Beschilderung zu diesen Zufluchtsstätten einzurichten, damit ein Täter sofort die nächstgelegene findet.
Interessanterweise gibt es kein derartiges Gebot beim anderen Fall, in dem Leute eine bestimmte ihnen unter Umständen nicht bekannt Stadt aufsuchen müssen: Bei den Wallfahrt nach Jeruschalajim zu den Feiertagen.

Eine Erklärung hierfür besagt, dass damit die würde des Täters gewahrt werden soll. Dass er Zuflucht in einer Ir Miklat nehmen muss ist Strafe genug, er soll nicht auch noch anderen enthüllen müssen, was er getan hat, in dem er sie nach dem Weg fragt. Dies ist natürlich bei der Wallfahrt anders, wo man durch das Lob und die Anerkennung, die man beim Fragen nach dem Weg erhält, bestätigt wird.

Eine andere Erklärung meint, dass die Tora Kontakt zwischen den Leute auf dem Weg und dem Täter verhindern will, den jeder Kontakt zwischen zwei Leuten schafft eine emotionelle Bindung, und jede Begegnung hat einen Einfluss auf den Menschen, was man bei jemandem, der soeben jemanden getötet hat, verhinder will. Im Falle der Wallfahrer verlangt die Tora keine Schilder, damit man unterwegs nach dem Weg fragen muss, und die Leute so in Kontakt mit Leuten kommen, die eine Mizwa auf sich genommen haben, und so von diesen Wallfahrern beeinflusst werden.


Gedanken zur Parascha 2009
von Raw Pardess

In der Parascha dieser Woche steht: "Wenn ein Mann G'tt ein Gelübde gelobt (...) darf er sein Wort nicht kraftlos lassen, nach allem, was aus seinem Mund geäußert worden, hat er zu tun."

Die Tora verbietet hier zuerst, sein Wort zu brechen, und anschließend befiehlt sie, sich an das eigene Wort zu halten. Wenn also jemand sein Wort bricht, übertritt er ein Verbot und hält andererseits ein Gebot nicht ein. Damit will die Tora klarstellen, wie schwer auch die Übertretung eines Gebotes wiegt, die nur durch gesprochene Worte verübt wird. Denn Versprechen werden oft leichtfertig gegeben, da man denkt, dass nur "handfeste Tatsachen" verpflichten. In Wahrheit verpflichtet einen aber jedes Versprechen, auch wenn es nicht als solches bezeichnet wird, und sogar, wenn man es "bli neder", ohne zu schwören, gibt.

Die Tora will uns mit dem oben zitierten Passuk aber noch etwas sagen: Man darf ein Versprechen nicht brechen; aber nicht nur das: So, wie man das Versprechen gegeben hat, so soll man es auch einhalten. Wenn man aus vollem Herzen eine Spende versprochen hat, soll man sie auch mit der selben Begeisterung geben, und nicht nur, weil man es früher versprochen hat - "Nach allem, was aus seinem Mund geäußert wurde, so hat er es zu tun."


Gedanken zur Parascha 2008 - Matot

Die Parascha dieser Woche spricht von Nedarim - Schwüren. Jemand der schwört verbietet sich etwas, das sonst erlaubt wäre, oder er legt sich etwas auf, das er eigentlich nicht tun müsste.

Ein solcher Schwur kann von einem Beit Din unter bestimmten Bedingungen aufgehoben werden. Es gibt diesbezüglich zwei mögliche Fälle:

1. Der Schwörende hat sich zum Zeitpunkt des Schwurs über zukünftige Entwicklungen getäuscht. Zum Beispiel hätte er nicht gedacht, dass seine Frau negativ auf den Neder reagieren würde. In solch einem Fall hätte er den Schwur gar nicht gemacht, wenn er vorher gewusst hätte, was das für Konsequenzen hat. In diesem Fall ist es verständlich, dass ein Beit Din den Neder aufheben kann.

2. Die Gemara sagt aber, dass auch ein Neder aufgehoben werden kann, wenn man später bereut, ihn ausgesprochen zu haben, ohne, dass man sich über etwas geirrt hätte.
Wenn man schwört, hat man immer unterbewusst den Gedanken, dass der Schwur nur gelten soll, wenn das Beit Din zustimmt. Der Schwur steht also von vornherein unter der Bedingung, dass das Beit Din ihn nicht auflöst. Das ist der Grund, weshalb es sogar in diesem Fall möglich ist, sich von einem Schwur zu lösen.

Raw Elijahu Dessler schrieb, dass manche Leute die Kraft des Wortes verstehen. Die meisten Leute aber ahnen gar nicht, welche Kraft in gesprochenen Worten steckt. Sie sprechen Laschon Hara, sie lügen, sie schwören, und sie denken, dass das nur "leere Worte" sind. Deshalb sind sie auch nicht voll Konzentriert, wenn sie einen Neder sprechen. Denn würden sie die Bedeutung der Kraft der Worte verstehen, würden sie den Schwur gar nicht erst sprechen.


Gedanken zur Parascha 2008 - Masaj
von Raw Pardess

In der Parascha dieser Woche befiehlt G'tt Mosche, die Stationen der Wanderung der Juden in der Wüste aufzuschreiben. In der Tora steht: "Er schrieb ihre Aufbrüche zu ihren Weiterzügen (...) und dies sind ihre Weiterzüge zu ihren Aufbrüchen." Was will uns die Tora mit diesen beiden Formulierungen sagen?

Nach dem Auszug aus Ägypten bewegten sich die Juden zunächst vorwärts. Anschließend bewegten sie sich aber wieder in die andere Richtung - in Richtung "ihrer Aufbrüche" um so die Ägypter anlocken zu können, damit G'tt diese bestrafen konnte.

Während der 40jährigen Wanderung durch die Wüste suchten die Juden einige Male darum an, fremdes Gebiet durchqueren zu dürfen. Wenn ihnen das untersagt wurde, mussten sie den Weg, den sie gekommen waren, wieder zurück gehen - sie mussten zu "ihren Aufbruchsorten weiterziehen."

Nach Aharons Tod verschwanden die g'ttlichen Schutzwolken, die Ananej Kawod, die in Aharons Verdienst die Juden in der Wüste vor allen Gefahren bewahrten. Das Volk geriet daraufhin in Panik und zog sehr schnell den Rückzug von der Richtung Land Israel in Richtung Wüste an: Sie zogen zu ihren Aufbruchsorten weiter.

Alle drei Episoden erklären die eingangs zitierte Formulierung. Es gibt aber auch einen philosophischen Ansatz zu dieser Frage:
Es kann im Leben immer wieder geschehen, dass jemand ins Ausland oder in eine andere Stadt siedelt. Dafür kann es oberflächlich betrachtet verschiedenste Gründe geben, zum Beispiel eine Eheschließung, ein besserer Job, etc. In den Worten des Passuks: "man bricht auf und zieht weiter." Man muss aber wissen, dass es neben den offensichtlichen Anlässen für so eine Übersiedlung immer auch einen tieferliegenden Grund gibt. Man geht woanders nicht um dieses "Weiterziehens" Willen, sondern man zieht weiter, um zum Beispiel Erfahrungen mitzunehmen, oder Gelegenheiten zu ergreifen, die es am Aufbruchsort nicht gibt. In den Worten des Passuks: "man zieht weiter um der Aufbrüche willen".
Die Tora will uns also auch vermitteln, dass wir uns bei jedem Ereignis, das das Leben entscheident ändert, auch überlegen sollen, was die tieferliegenden Gründe dafür sind, und wie wir uns dementsprechend verhalten.

 

Gedanken zur Parascha 2007
von Raw Pardess

In unserer Parascha steht, dass man, wenn man einen Eid schwört, sein Wort nicht brechen soll. Anschließend steht: "Nach allem, was aus seinem Mund hervorgegangen ist, soll er tun." Daraus lernen wir, dass nicht nur, wenn man explizit schwört, oder etwas verspricht, die Regeln des Schwurs gelten. Auch eine vermeintlich unverbindliche Zusage oder ein beiläufiges Versprechen sind verbindlich, und man übertritt ein Verbot, wenn man eine Zusage nicht einhält. Deshalb soll man nach Möglichkeit formulieren: "Ich werde mich bemühen", "ich versuche", etc.

Man kann den Satz aber auch anders verstehen: "Genauso wie es aus seinem Mund hervorgegangen ist, soll er tun": Wenn man zum Beispiel in vollem Enthusiasmus eine Spende verspricht, soll man sie dann auch genauso enthusiastisch hergeben. Mann soll nicht beim versprechen und Schwören eifrig und beim einhalten zögerlich sein, sondern genauso einhalten, wie man es versprochen hat.


Gedanken zur Parascha 2006
von Raw Pardess

Mosche führt eine Diskussion mit den Führern der Stämme Reuwen und Gad, die beide auf der Ostseite des Jordans bleiben wollen, und nicht mit dem restlichen Volk ins Land Israel ziehen wollen. Mosche ist nicht sehr glücklich mit diesem Wunsch und stimmt erst zu, als ihm beide Stämme versichern, dass sie mit dem restlichen Volk Erez Israel befreien, und sich erst dann wieder östlich des Jordans ansiedeln werden. Nach sieben Jahren der Eroberung siedelten diese beiden Stämme und der halbe Stamm Menasche tatsächlich dort. Auf den ersten Blick haben sie es dabei besser getroffen als die anderen neuneinhalb Stämme, da sie ein viel größeres Gebiet erhielten.
Doch längerfristig erwies sich das als falsch: die Siedler östlich des Jordans wurden elf Jahre vor dem restlichen Volk ins Exil verschleppt, elf Jahre vor der Zerstörung des Tempels.

Manchmal kann man sich denken: Wenn man zur Tfila oder zu einem Schiur geht, versäumt man wichtige Dinge, Erledigungen oder Termine. Man erleidet finanzielle Verluste, wenn man sich bemüht, zu jeder Tfila zu kommen, und zu Schiurim zu gehen. Doch langfristig stimmt das nicht - man wird durch die Tfila, oder das Tora-Lernen, nichts verlieren, sondern im Gegenteil, etwas gewinnen.