Home Dwar Tora
Paraschat Waetchanan

Gedanken zur Parascha 2010
von Raw Pardess

In der Parascha dieser Woche lässt Mosche drei der sechs Zufluchtsstädte für Menschen, die unabsichtlich geötet haben, außerhalb des Landes Israel errichten. Die anderen drei werden dann später, nach der Eroberung des Landes, errichtet werden.
Es stellt sich die Frage, weshalb die Städte überhaupt schon errichtet wurden, da sie erst nach Eroberung des Landes und Errichtung der anderen drei Städte überhaupt in Betrieb genommen werden sollten. Mit dem Bau wurde die Mizwa der Tora nicht erfüllt, denn diese ist nur erfüllt, wenn alle sechs Städte errichtet werden. Es wurde also nur ein Teil getan, beziehungsweise ein erster Schritt zur Erfüllung einer Mizwa gesetzt.

Wir lernen daraus, dass wir uns nicht nur bemühen sollen, Mizwot zu erfüllen, sondern sogar, nur zu beginnen, Mizwot zu erfüllen und einen ersten Schritt zu setzen, selbst wenn ein anderer den Rest tun muss. So wie auch König David, dem von G'tt gesagt wurde, dass nicht er, sondern sein Sohn Schlomo den Tempel errichten wird, zumindest Geräte und andere Gegenstände für den Tempel vorbereiten lies, obwohl er wusste, dass er die Mizwa der Tempelerrichtung sicher nicht erfüllen wird.

Das ist auch die Bedeutung des Verses, der unmittelbar darauf in der Tora steht: "Das ist die Lehre, die Mosche vor die Kinder Israels brachte." Die Lehre, die Mosche uns übermittelte ist es, die Erfüllung von Mizwot sofort anzugehen, ohne Rücksicht darauf, ob wir sie schlussendlich alleine komplett erfüllen können.

Gedanken zur Parascha 2009
von Raw Pardess

Als die Lewi'im im Zuge des Aufstands von Korach, Datan und Awiram mehr Aufgaben für sich beansprucht hatten, hatte Mosche sie mit den Worten "Es ist zu viel für euch" zurechtgewiesen. Doch diese Zurechtweisung war unangebracht. Die Lewi'im hatten zwar tatsächlich keinen Anspruch auf andere als die ihnen zugewiesenen Aufgaben. Aber unabhängig davon, ist es ein guter Gedanke, mehr heilige Aufgaben übernehmen zu wollen. Mosche hätte ihnen also erklären müssen, dass ihre Aufgaben festgelegt sind, und mehr Einsatz von ihnen nicht gefordert wird. Für die dennoch erfolgte kritische Zurechtweisung wurde Mosche später, kurz vor seinem Tod, von G'tt bestraft, in dem er ihn mit seinen damaligen Worten zurechtwies:

Mosche und Ahron hatten in der Wüste einen Stein geschlagen, um an Wasser zu kommen, anstatt wie befohlen mit dem Stein zu reden. Daraufhin verbot ihnen G'tt, das Land Israel zu betreten. Hätte Mosche 515 Gebete gesprochen, wäre sein Wunsch dennoch erfüllt worden. Nach dem 514. Gebet jedoch wurde er von G'tt mit den Worten "Es ist zu viel für dich, sprich nicht weiter mit mir über diese Sache" davon abgehalten, ein weiteres Mal zu beten.

Doch warum wollte G'tt Mosche eigentlich nicht weiter beten lassen? Was wäre das Problem daran, wenn Mosche das Land Israel betreten dürfte?

In der Gemara steht, dass ein Gebäude, das von Mosche oder von König David erbaut wurde, niemals zerstört werden kann. Hätte Mosche die Juden nach Israel gebracht, hätte er dort sofort ein Beit Hamikdasch, einen Tempel, aufgebaut, der nie zerstört worden wäre. Als G'tt dann später vom Volk enttäuscht wurde, wollte er eigentlich das Volk vernichten. Stattdessen zerstörte er den Tempel, gewissermaßen stellvertretend für das Volk. Ein von Mosche erbauter Tempel wäre aber nicht zerstört worden - was zur Vernichtung des Volkes geführt hätte.

Wie man sieht, kann es also viele Gründe geben, warum auch ernste und intensive Gebete manchmal ihren Zweck nicht erfüllen. Wir Menschen mit unserem beschränkten Verstand können G'ttes Wege und Entscheidungen nicht ergründen. Deshalb müssen wir trotz unserer Gebete akzeptieren, dass G'tt manchmal auch zu unserem Besten unsere Wünsche und Gebete nicht erfüllt.


Gedanken zur Parascha 2008
von Raw Pardess

In der Parascha dieser Woche kommt das "Schma Israel" vor. Ein Bestandteil des Schma Israel, und damit anscheinend eine Basis des jüdischen Glaubens, ist die Mizwa der Tefilin. Umgekehrt enthalten die Tefilin den Text des Schma, genauso wie die beiden anderen Mizwot, die im Schma erwähnt werden, Torarolle und Mesusa.
Es stellt sich die Frage, weshalb die Tefilin so eine zentrale Stellung haben, dass sie im Schma Israel erwähnt werden, und nicht eine andere Mizwa, zum Beispiel der Schabbat.

Das ganze Buch Dwarim, aus dem wir momentan lesen, ist in erster Linie eine Wiederholung und Präzisierung der vorigen vier Bücher. Es zeigt uns, dass die Tora zwar auf mehrere Teile aufgeteilt ist, aber dennoch eine Einheit darstellt.
Die Kopftefilin enthalten vier Stellen aus der Tora auf vier Pergamentrollen. Diese stehen für die ersten vier Bücher der Tora. Die Handtefilin enthalten dieselben vier Torastellen, aber auf einer einzigen Pergamentrolle. Diese steht für das Buch Dwarim, das auch eine Wiederholung der anderen Bücher darstellt. Diese Pergamentrolle symbolisiert die Einheit der Tora.

Wir sollten diese Sichtweise auch für unser tägliches Leben übernehmen. Es kann oft etwas passieren, dass wir nicht verstehen, oder als ungerecht empfinden. Das liegt aber daran, dass wir nur einen Teil des ganzen sehen. Würden wir die Geamtheit betrachten, wie im Buch Dwarim und in den Tefilin, würden wir sofort verstehen, weshalb die Dinge so geschehen, wie sie geschehen.


Gedanken zur Parascha 2007
von Raw Pardess

In der dieswöchigen Parascha kommt die bekannte erste Zeile des "Schma Israel" vor. Beim Sagen des "Schma" muss man die ersten beiden Gebote der zehn Gebote im Sinn haben. Bei "Schma Israel, Haschem Elokenu" - "Höre Israel, Haschem ist unser G'tt", soll man das erste Gebot im Sinn haben, dass Haschem als unseren G'tt deklariert. Bei "Haschem Echad" - "Haschem ist einzig" soll man das zweite Gebot im Sinn haben, das besagt, dass man keine anderen Götter neben Haschem anbeten darf.
Es ist daher wichtig, das Kriat Schma langsam und kozentriert zu sagen, um sich genau mit der Bedeutung des Gesprochenen beschäftigen zu können.

Die Gmara erzählt, dass Rabbi Akiva das "Schma Israel" sagte, als er von den Römern verhaftet und getötet wurde. Seine Schüler fragten ihn, wie er das tun könne, und er antwortet: "Ich habe mein ganzes Leben auf die Gelegenheit gewartet, für Kiddusch Haschem, die Heiligung von G'ttes Namen, zu sterben.

Weder die Frage noch die Antwort sind wirklich verständlich.

Es wird erklärt, dass die Schüler Rabbi Akiva fragten, woher er die seelischen Kräfte nahm, in solch einer Situation, wo er zu seiner Hinrichtung geführt wird, ein Gebet an Haschem zu richten. Und er antwortete sinngemäß: Mein ganzes Leben, immer wenn ich Schma Israel gesagt habe, hatte ich im Sinn, dass es nur einen G'tt gibt. Ich habe mich mein ganzes Leben darauf vorbereitet, für Kiddusch Haschem zu sterben. Deshalb bin ich jetzt, wo es soweit ist, vorbereitet, und habe auch die Kraft dazu.

 
Gedanken zur Parascha 2006
von Raw Pardess

Mosche bittet G'tt in der dieswöchigen Parascha noch einmal, Erez Israel betreten zu dürfen. Doch dieses Ansinnen wirkt auf den ersten Blick aussichtslos: Ein einzelner kann ein g'ttliches Urteil nicht zu Fall bringen. Nur die Gemeinschaft kann unter Umständen ein schon gefälltes himmlisches Urteil aufheben. Weshalb hat Mosche dann trotzdem zu Haschem gebetet?

Zwischen einer Privatperson und der Gemeinschaft gibt es noch eine Zwischenstufe: eine Person, die eine Funktion in der Gemeinde hat. Diese wird wie eine Gemeinschaft behandelt, und hat es daher leichter, Tschuwa (Buße) zu machen. Mosche hat 515 mal zu G'tt gebetet, dass er das Land Israel betreten dürfe, und der Midrasch sagt, dass er sein Ziel erreicht hätte, wenn er noch eine Tfila mehr gesprochen hätte, und dies dank seiner Funktion für die Gemeinschaft, wegen der er den Status einer Gemeinschaft, und damit die Chance hatte, ein G'ttliches Urteil anzufechten.

Wir lernen daraus, dass es leichter ist, Tschuwa zu machen, wenn man eine Funktion in der Gemeinschaft einnimmt, und es lohnenswert ist, sich für die Allgemeinheit zu engagieren.