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Paraschat Re'e

Gedanken zur Parascha 2010
von Raw Pardess

In der Parascha dieser Woche steht, dass man dem Armen das geben muss, was ihm fehlt. Man denkt dabei im ersten Augenblick wahrscheinlich, dass man dem Armen das geben muss, was er zum Leben notwendig hat, also das, was ihm fehlt.
Die Gmara erklärt aber, dass damit gemeint ist, dass man ihm geben muss, was ihm persönlich fehlt, mit anderen Worten, das was er hatte, bevor er verarmt ist. Unter Umständen muss man ihm also auch eine Kutsche und Dienstpersonal zur Verfügung stellen. Es wird auch die Geschichte von Hillel, dem damaligen Führer des Jüdischen Volks, erzählt, als er einen reichen Mann sah, der plötzlich verarmt ist. Da niemand anderer zur Verfügung stand, stellte er sich vor dessen Wagen und führte ihn durch die Stadt.

Heißt das aber tatsächlich, dass man einer reichen Person, sollte sie verarmen, alles zur Verfügung stellen muss, was sie bereits vorher hatte?
Nach einer Meinung gilt diese Halacha nur in einem sehr kurzen Zeitraum, zwischen der Verarmung und dem Zeitpunkt, an dem dieser Umstand allgemein bekannt wird. Diese Phase ist sehr heikel für den ehemals reichen Menschen, und in dieser Zeit ist es eine Mizwa ihn so zu stellen, als wäre er noch so reich wie vorher.

Einer anderen Meinung nach ist der Verlust des gesamten Vermögens nicht nur eine Geldfrage. Die Person könnte aufgrund dieses großen Verlustes, den sie erlitten hat, auch - G'tt behüte - ihren Glauben verlieren.
"Zdaka" zu geben beinhaltet nicht nur, Geld zu geben. Jemand, der einem armen Geld gibt, erfüllt damit sechs Mizwot, jemand, der ihn mit Worten tröstet oder aufbaut erfüllt damit elf Mizwot. Und es geht um diese Art der Zdaka, die man einem ehemals reichen Menschen in dem Maß geben muss, wie es ihm fehlt. Das bedeutet, dass man ihn nicht schlechter behandelt soll als vorher, dass man ihm Trost zusprechen muss, damit er seinen Verlust verkraftet, ohne seinen Glauben zu verlieren.

Gedanken zur Parascha 2009
von Raw Pardess

G'tt befiehlt dem Volk nach dem Betreten des Landes Israel den dortigen Götzenkult zu vernichten. Im Passuk steht: "Vernichte alle Orte, an denen die Völker (...) ihren Göttern gedient haben." Raschi erklärt, dass die Götzen, die sich an diesen Orten befinden, zerstört werden sollen. Trotzdem bedarf es einer Erklärung, weshalb die Tora vorschreibt, die Orte selbst zu zerstören. Eigentlich müsste es doch reichen, die Götzen zu zerstören, die Orte aber beizubehalten.

Für die Nationen, die aus dem Land Israel vertrieben werden sollten, waren nicht nur die Götzen selber von Bedeutung. Auch die Tempel und sonstigen Bauwerke waren wichtig, wie allgemein Äußerlichkeiten von Bedeutung waren - da es ja keinen Inhalt gab.
Dies steht im Gegensatz zum Judentum. Ein Beit Knesset braucht keine besondere imposante Bauweise, braucht auch keinen besonderen Schmuck oder sonstige Äußerlichkeiten. Der Fokus liegt auf dem Inhalt: Auf den Gebeten und der Tora, die sich darin befindet.

Es musste daher befohlen werden, alle Orte zu vernichten, an denen Götzen gedient wurde, denn diese Orte waren ein wichtiger Bestandteil des Götzenkultes.


Gedanken zur Parascha 2008
von Raw Pardess

In der Parascha dieser Woche steht: "Vielmehr nach dem Ort hin, den G'tt (...) erwählen wird (...) nach der Bekundung seiner Gegenwart sollt ihr forschen, dass du dorthin kommst." Unsere Weisen erklären, dass uns dieser Passuk sagt, dass wir uns immer erkundigen müssen, wie es um das Land Israel im allgemeinen und Jeruschalajim im besonderen steht, wie die politische, gesellschaftliche und religiöse Situation ist, was die Probleme sind.

Dies beinhaltet auch, dass wir uns mit der Zerstörung des Tempels in Jerushalajim beschäftigen müssen. Wir müssen uns mit dem Grund für Zerstörung, dem grundlosen Hass der Juden untereinander, beschäftigen, und mit der Frage, was wir daraus lernen und was wir dagegen tun können. Das erklärt auch, weshalb zuerst im Plural "ihr sollt forschen" steht, und dann im Singular "dass du dorthin kommst": Wenn sich alle mit der Zerstörung des Tempels und mit dem grundlosen Hass, der dazu führte, beschäftigen, werden wir diesen ablegen, und wieder, wie bei der Toragabe "wie ein Mensch mit einem Herzen" ins wiedererbaute Jerushalajim zurückkehren.


Gedanken zur Parascha 2007
von Raw Pardess

Im aktuellen Wochenabschnitt behandelt die Tora die Mizwa von Zdakka, Wohltätigkeit. In Bezug auf Zdakka steht sogar: "Wegen dieser Sache segne ich dich".
Die Gmara erklärt zu diesem Satz, dass das Leben wie ein sich drehendes Rad ist. Was ist damit gemeint?

Es gibt im Leben keine Garantie, dass etwas, das heute ist, auch morgen so sein wird. Jemand, der heute reich ist, kann morgen alles verloren haben, und jemand, der nichts hat, kann morgen reich sein.
Wenn sich ein Mensch dieser Tatsache immer bewusst ist, wird er von ganzem Herzen spenden, denn er weiß, dass er sein Vermögen jetzt nur hat, weil G'tt es so bestimmt hat, und es kann sein, dass er später selber von Wohltätigkeit abhängig sein wird.


Gedanken zur Parascha 2006
von Raw Pardess

"Siehe, ich lege euch heute Segen und Fluch vor." Mit diesem Satz beginnt die Parascha dieser Woche. Weshalb beginnt dieser Satz in der Einzahl "siehe", endet aber in der Mehrzahl "ich lege euch vor"?

Für jeden Juden ist es eine Aufgabe, dass nicht nur er selber die Tora hält, sondern dass auch alle anderen Juden die Tora halten. Deshalb sagt Haschem dem Einzelnen, dass er der Gesamtheit Segen und Fluch vorlegt, denn dies gilt für alle, für das ganze Volk.

Wie soll man diese Aufgabe erfüllen? Wie soll man andere dazu bringen, G'ttes Gebote zu halten?
Jeder einzelne muss in erster Linie darauf schauen, dass er selber und seine Familie sich mit der Tora und den Mizwot beschäftigen. Wenn er und seine Familie die Gebote halten, dann wird das seine Umgebung zum Positiven beeinflussen.

Manche Leute denken: "Man muss zwar alle Gebote halten, aber ich tue es nicht; es reicht, wenn so viele andere alles halten. Das jüdische Volk ist so groß, nicht jeder muss alle Gebote halten."

Daher sagt Hashem dem Einzelnen: Siehe, ich gebe euch allen Segen und Fluch, damit keiner sagen kann, die Gebote sind für ihn nicht von Bedeutung, denn jeder ist ein Teil des Ganzen.