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Jom Kippur

Gedanken zur Tfila
von Raw Pardess

In den Asseret Jemej Tschuwa, den Tagen von Rosch Haschana bis Jom Kippur, sagt man als Teil von Tfilat Schacharit Psalm 130. Die letzten beiden Sätze lauten: "Israel erwartet G'tt, denn mit G'tt ist die Güte, und eine große Errettung. Und er soll Israel von all seinen Sünden retten."

Auf den ersten Blick ist gemeint, dass G'tt es ist, der uns von allen Sünden erlösen soll. Doch nach einer anderen Erklärung soll uns das Zurückkehren und das Erwarten der Rettung durch G'tt, also das ernsthafte Bemühen, Tschuwa zu machen, bereits erlösen.

In diesem Sinne müssen wir uns in den letzten Tagen vor Jom Kippur bemühen, Tschuwa zu machen, und hoffen, dass G'tt uns unsere Sünden verzeihen wird.

Gmar chatima Towa!

 


 

In der Tfila von Jom Kippur steht: "Der, der Awraham Awinu beim Har Hamorija geantwortet hat, soll uns auch antworten." Damit ist das Gebet gemeint, dass Awraham betete, als ihm befohlen wurde, seinen Sohn Jizchak zu schlachten. So wie G'tt damals auf Awrahams Gebete hörte, soll G'tt auch unsere Gebete beantworten.


In der Tora steht aber gar nichts von einem Gebet Awrahams. Im Gegenteil: Sogar als der Engel ihm sagt, er solle seinem Sohn nichts antun, beruft Awraham sich noch auf G'ttes Befehl. Was ist also das Gebet am Har Hamorija, das G'tt damals beantwortete?

Es gibt zwei Sorten des Gebets. Zum einen das, das der Mensch mit seinen Lippen spricht. Zum anderen aber auch das Gebet im Herzen. Manchmal kann ein Mensch sein Gebet gar nicht ausdrücken - aber im Herzen betet er doch.

So auch Awraham: Natürlich wollte er den Auftrag G'ttes erfüllen, aber als Vater wollte er natürlich nicht seinen Sohn schlachten. Er hat diesen Willen überwunden, aber im Herzen wollte er es nicht tun und betete zu G'tt.
Ein Midrasch erzählt, dass Awraham weinte, als er seinen Sohn zur Opferung brachte, und seine Tränen sind in Jizchaks Augen geflossen und haben so seine Schwersichtigkeit verursacht.
Das ist das Gebet, das G'tt damals angenommen hat.