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Josef Karniel*: Der Chassidismus in Wien und die Beziehungen zwischen polnischer und ungarischer Orthodoxie Übersetzung: Lea Freudiger
* Dr. Josef Karniel
Josef Karniel wurde am 7. Mai 1923 als Walter Krampel in Wien geboren. 1939 kam er mit der Jugendalija nach Israel. Er wirkte lange Zeit als Lehrer an verschiedenen religiösen Grund- und Mittelschulen und von 1985 an als Forscher und Vortragender am Institut für die Erforschung der Schoa an der Bar-Ilan Universität in Ramat-Gan, Israel. Karniel widmete seine Arbeiten dem Judentum in Österreich vor der Schoa. Seine Bücher: "Die Toleranzpolitik Kaiser Josephs II.", Gerlingen: Bleicher Verlag, 1986; "A Listing of Articles on Orthodox Jewry in Austria, Published in the Austrian Orthodox Jewish Press 1918-1938" (heb.), Ramat-Gan: Bar-Ilan University, 1996. Dieses Kapitel ist eine Übersetzung aus seinem Werk "Das orthodoxe Judentum in Österreich 1918 – 1939" (heb.), seiner Doktorarbeit. Das Werk ist wegen seines frühen Todes leider nicht mehr zur Veröffentlichung gelangt, weswegen diese Übersetzung auch ein Gedenken an diesen hingebungsvollen Autor darstellt. a. Die Niederlassung der Admorim im assimilierten Wien (1)
Im Verlauf des Ersten Weltkrieges erstürmte die russische Armee Galizien und die Bukowina. Im Rahmen dieser Feldzüge wurden viele Juden in das russische Landesinnere verschleppt. Unter diesen Umständen flüchteten zehntausende Juden, unter ihnen auch etliche Admorim und ihre Chassidim , in die westlichen Länder der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und vor allem in die Hauptstadt Wien. Als Wohnsitz wählten sie vor allem die ursprünglichen Judenviertel (2). Zwischen den Admorim war die Rozin-Dynastie, die vor der russischen Herrschaft ins österreischische Kernland fliehen musste, am herausragendsten. Die Russen hatten noch seit Lebzeiten des Dynastie-Gründers, des Admor Jisrael von Rozin, eine alte historische Rechnung mit dieser Familie zu begleichen. Der erste Admor wurde des Putsches gegen das Herrscherhaus bezichtigt und musste daher aus Russland fliehen. Im Verlaufe des Ersten Weltkrieges zerstörten die Russen die neuen Zentren in Galizien und der Bukowina und die Nachkommen des Hauses Rozin musste durch Flucht ihr Leben retten. Vier Äste dieser Dynastie wurde in Wien sesshaft und verblieben dort auch in der Zwischenkriegszeit: Czortkow, Sadegora, Husslatyn und Bojan. Der Familenname dieser Admorim lautete Friedmann. Weiters gab es auch die Dynastie Kopschnitz, deren Mittglieder den Namen Heschel trugen. Es gab noch einige weitere Admorim, die den Weg nach Wien fanden. Klarerweise hatten es die Flüchtlinge anfangs sehr schwer, sich an das neue Umfeld zu gewöhnen. Sie trafen dort ein zum grössten Teil zur Assimilation und Anpassung neigendes Judentum an. Die Neuankömmlinge wurden als sonderbare kulturlose Geschöpfe angesehen, die das Judentum in den Augen der Nichtjuden beschämten. Doch nach einer gewissen Zeitspanne kristallisierte es sich heraus, dass das neue Element einen frischen Wind einbrachte und eine Erneuerung der altansässigen jüdischen Gemeinde bedingte. Viele der originellen Wiener Juden begannen ein Interesse sowohl für den Chassidismus als auch allgemein für Ihre jüdischen Wurzeln zu zeigen(3). Anfangs war die finanzielle Situation der Admorim etwas kompliziert. Ihre Chassidim, selbst Flüchtlinge, hatten kaum Besitztümer mit sich gebracht und konnten daher die Kosten des Hofes nicht tragen. Es gab auch Kommunikationsprobleme und grossen Diveregenzen in punkto Lebensweise. Der Grossteil der Chassidim fand sich aber nach einiger Zeit im Wirtschaftsleben zurecht und nahm an Handel, Werktstätten und Kleinerzeugung Anteil (4). Inzwischen konnten auch die Admorim durch die, sie zur Beratung aufsuchenden Chassidim, Informationen über den neuen Lebensraum sammeln. Im Endeffekt waren es dann nicht nur die Chassidim, die sich wirtschaftlich eingliedern konnten, sondern auch die Admorim und vor allem deren Kinder, also die Nachfolgegeneration. Einige der Admorim verliessen das Rabbinat und wandten sich statt dessen dem Handel zu. Unter ihnen gab es äusserst begabte Individuen, die ein gutes Erinnerungsvermögen mit Geschäftsinn und mehrerer generationsalten Erfahrung verbinden konnten. Ihre besonderen Begabungen erlaubten es ihnen, auf optimale Weise mit der neuen Situation fertig zu werden. Die Chassidischen Höfe in Wien waren kleiner und prunkloser als diese in Osteuropa. Daher zentrierten sich die Chassidim mehr um die Klaus , im II Wiener Gemeindebezirk, im Gebiet zwischen dem Donaukanal und dem Prater. Dort gab es fast keine Strasse ohne Klaus und ohne Chassidischen Hof. Dies waren die bevorzugten Wohnbezitke der Chassidim, obwohl vor allem die Chassidim des Hauses Rozin die Hauptpfeiler dieser Gemeinde waren. Weiters existierte dort unter anderem eine Klaus von Wiznitz und eine Betstube der Kosover-Chassidim. Der Rabbi von Wiznitz stattete Wien einige Male jährlich einen Besuch ab und dann ging es recht lebhaft zu. Es existierten mehrere Klausen der Belzer-Chassidut und auch Klausen von: Sassov, Gur, Zanz, Ropschitz, Seiditschov etc.. Ich persönlich konnte die Existenz von mindesten 17 dieser chassidischen Bethäuser bestimmen. Der Grossteil der Chassidim versammelte sich lediglich zum Beten und Lernen, während ihre Admorim weit entfernt lebten. Die Roziner-Chassidim hingegen, genossen auch die physische Nähe ihres Rabbis. Diese hatten auch eine grosse Chassidische Anhängerschaft, die mit ihnen betete und auch zur Beratung vorsprach. In Osteuropa gab es weitläufige Differenzen zwischen den diversen chassidischen Strömungen, dies traf aber in der Hauptstadt Wien nicht zu. Der wienerische Chassidismus war sehr wandelbar. Die ursprüngliche väterliche Tradition von Admorim und ihren Anhängern wurde zwar an und für sich weitergeführt, die Berührungspunkte mit der westlichen Welt und ihrer Kultur übten aber doch einen erkennbaren Einfluss aus. In Wien waren die Admorim gegenüber verschiedenen kulturellen Erscheinungen wesentlich geduldiger. Der Grossteil der osteuropäischen Admorim galt als extremer Gegner der zionistischen Bewegung. Auch die in Wien ansässigen Admorim waren solange sie sich in Osteuropa befanden, keine Aussnahme. Nach dem Umzug nach Wien kam es aber im Verlaufe der Zeit zu zwei interessanten Erscheinungen: 1. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen chassidischen Strömungen verwischten sich mit der Zeit. Die Flüchtlinge hatten wichtigere Sorgen, als sich wegen ideologischen Meinungsverschiedenheiten zu streiten. 2. Das Verhältnis zum Zionismus änderte sich. Selbst die polnischen Admorim, die in ihren Reden den Zionismus und die Aufklärung angriffen, verzichteten darauf, ihre Meinung zu diesen Themen in ihren Schreiben nach Wien anzusprechen.
b. Die chassidische Kunst in Wien Ein chassidischer Hof ohne Sangeskunst ist unvorstellbar, und dies gilt vor allem für die Rozin-Dynastie. In den Höfen von Sadegora, Czortkow und Husslatyn gab es einen Chor. Laut Zeugniss von Rache Gur-Arijeh, gab es eine Kapelle im Kopschitzer-Hof, die während der dritten Hakafot (am Simchat Thora selbst gibt es zwei Mal Hakafot )nach Simchat Thora ein grosses Publikum und vor allem viele Kinder anzog. In jedem Hof gab es auch einen ausgesuchten "Baal Menagen" (Hofmusikanten)und chassidische Vorbeter. Als Beispel dienen hier Leibel bei den Zanzer-Chassidim, "Pinije" Spektor bei den Bojaner- und Sadegora-Chassidim und Monasch Schwartz im Hof Czortkow. Bei besonderen Anlässen wurden von den chassidischen Komponisten neue Stücke komponiert und der Chor probte unter Geheimhaltung, um den Rabbi zu überraschen (für die Jahrzeit, den Tisch etc.) Als der Rabbi Jisrael von Husslatyn im Jahre 1937 nach Israel auswanderte kamen Chassidim aller Zweige des Hauses Rozin um ihn im Wiener Südbahnhof zu verabschieden. Sie füllten die Abfahrtshalle, rannten auf den Gleisen herum und bedingten eine Zugverspätung von zwei Sunden. Sie sangen für ihn eine neue Melodie zu den Worten "We-hawienu Lezion ircha be-Rina" (und bringe uns mit Freude in deine Stadt Zion). Die Melodie hatte der Vorbeter des Hauses Husslatyn, Kalman Schaul Willner (6), komponiert. Die Melodie entwicklete sie zu einem grossen Erfolg in der chassidischen Welt. Es ist angebracht hier auch den Rav Abraham Jaakob von Drohowitz, einen Vewandten des Hauses Koznitz, in Erinnerung zu rufen, Dieser war als Hofmaler des Admors bekannt und war der Vater des Schriftstellers S. Schalom (7). In der Haupblütezeit des Wiener Chassidismus existierten dort 15 – 20 chassidische Höfe und eine schwer abschätzbare Anzahl von Bethäusern. Besonders energetisch war die Situaton der Rozin-Dynastie.
c. Die Charakteristika des Hauses Rozin in Wien 1. Im Verlauf der Zwischenkriegszeit verliessen die meisten Admorim Wien und kehrten an ihren ursprünglichen Wohnort oder in dessen Umgebung zurück. Eine Ausnahme bildeten hier die Admorim der Rozin-Dynastie, deren Grossteil in Wien verblieb, obwohl man auch diese sehr darum ersuchte, nach Osteuropa zurück zu kehren. Es gab mehrere Gründe für das Verbleiben in Wien: • Politische Gründe: Die zaristische, ihnen gegenüber feindlich eingestellte Regierung, war zwar abgesetzt worden, es gab aber keinen Grund in das jetzt sowjetische Russland zurück zu kehren. In Rumänien und Polen herrschte ein äusserst antisemitisches Klima, wesentlich wilder als zu dieser Zeit in Österreich. • In Wien fanden die Admorim eine Herausforderung im Kampf gegen die Assimilation: Rabbi Jisrael von Czortkow brachte vielen Wiener Juden die jüdische Tradition näher. Rabbi Abraham Jehoschuah von Kopschnitz machte viel um die (Gebote für die) rituelle Reinheit der Familie zu festigen, und kümmerte sich um die Kriegswaisen. • In Wien, einer Weltstadt, fanden zwei der grossen Versammlungen der Agudath Jisrael Stadt (1923 und 1929). In diesem Rahmen versammelten sich die führenden rabbinischen Persönlichkeiten. Wien entwicklete sich zu einer einflussreichen Kraft in der charedischen Welt. Von dort war es möglich den Einfluss des Chassidismus im allgemeinen und vor allen den der Rozin-Dynastie zu vergrössern. Die Rozin-Dynastie hatte die Absicht die zentrale und führende Strömung des Chassidismus zu werden. Dort befand sich auch die wichtigste chassidische Führungspersönlichkeit – Rabbi Jisrael von Czortkow. • Wien war eines der Zentren des Weltzionismus (der Oberrabbiner Chajes war Zionist und Vorsitzender des Weltzionistenkongresses). Daher war es dort leichter als in Polen, Einreisebewilligungen für die Auswanderung nach Israel zu erhalten. • Rabbi Jisrael von Czortkow behauptete, Wien sei die Pforte zur Einwanderung nach Israel, daher sollte man nicht vom richtigen Weg abwandern.
2. Eines der Kennzeichen der Rozin-Dynastie war es, dass die Admorim sich vor Publikum mit Prunk und royalen Zeichen umgaben und die Herrscherwürde mit Ehre trugen. Im inneren Kreis waren Sie aber feinfühlig, freundlich und edel. Sie beteten immer alleine in einen kleinen Raum, der durch eine schmale Pforte mit dem grossen Bethaus der Gemeinde verbunden war.
3. Die Verwandschaftsverhältnisse zwischen den verschiedenen Rabbinern der Rozin-Dynastie waren stets positiv. Es kam nie zu Nachfolgestreitigkeiten, die bei den anderen chassidischen Strömungen gang und gebe waren. Die Chassidim eines Astes der Rozin-Dynastie beteten auch in der Klaus der anderen Admorim dieses Hauses und gingen auch zu ihren "Tischen". Manchmal teilten zwei Admorim dieser Familie die leitende Position, wie es sowohl beim Haus Czortkow als auch im Haus Sadegora vorkam. Im Haus Bojan fungierten einmal sogar vier Admorim gleichzeitig, bis sie sich im Verlaufe der Zeit an verschiedenen Orten niederliessen. Es gab keine Konkurrenz zwischen den verschiedenen Höfen des Hauses Rozin. 4. Im Allgemeinen hatten Sie eine flexible Beziehung zu der modernen Bildung (10). Die Roziner kämpften nicht gegen die sekuläre Bildung selbst ,obwohl sie diese als solche auch nicht schätzten. Ihr Kampf galt der Bewegung der Aufklärung und der Assimilation. Kinder einiger Chassidim besuchten das hebräische Gymnasium. Dort herrschte zwar keine religiöse Atmosphäre, alle Schüler bedeckten aber während des Religionsunterrichtes ihren Kopf. Ein Teil der Nachfolgegeneration der Chassidim studierten sogar an der Universität, die Medizin gilt ja schon seit der Antike als typisch jüdischer Beruf. Die Rozin-Dynastie hatte eine Tradition der Toleranz und in der Wiener Epoche war diese von noch grösserer Bedeutung, vor allem mir dem Ziel von "Kiruv Rechokim" . Die Admorim ermunterten natürlich ihre Chassidim , die Söhne in die "Chadarim" zu schicken. Einige solche existierten illegal in Wien. Anfangs lernte der Grossteil der Kinder auch wirklich in diesen Thoraschulen, da aber die Väter den Unterhalt verdienen mussten, hatten die Mütter einen grösseren Einfluss auf die Kindererziehung. Aus Sorge um die Zukunft ihrer Söhne schrieben die chassidischen Frauen ihre Söhne in die "Talmud-Thora"-Schule ein. Es handelte sich um eine Schule die im 19. Jahrhundert von der lokalen Orthodoxie gegründet worden war (11). Dort enthielt der Stundenplan laut staatlichem Lehrplan auch sekuläre Unterrichtsfächer. In grösserem Rahmen schrieben die Mütter ihre Söhne und mehr noch die Töchter in die staatlichen Schulen ein. Manchmal hatte sie nicht den Mut, dies ihren Ehemännern zu erzählen, da dies ihnen sicher nicht zusagte. Die Grossväter waren sicher absolut gegen das Studium ihren Nachkommen in den staatlichen Schulen. Viele Töchter der Chassidim studierten nach dem Abschluss der Grundschule im "Beth-Jakob"-Seminar für Lehrerinnen. Der Admor von Czortkow hatte die Absicht auch für junge Burschen eine Nachfolgeschule für Thora- und Berufsausbildung zu gründen. Diese war für Burschen bestimmt, denen das Studium in der Jeschiwah nicht zusagte (12). Er stütze sich dabei auch die Meinung des Bach , der diesen Weg vorschlug. Es kam aber sofort zu einer starken Opposition des Hauses Wohlin (13). Diese befürchteten, dass auch begabte Studenten die Jeschiwah verlassen würden. Der Grossteil der Thoragelehrten dieser Epoche drohten mit Abspaltung und Exkommunikation. Um weitere Streitigkeiten zu verhindern, verzichtete Rabbi Jisrael schlussendlich auf seine Pläne. Sein Sohn, Rabbi Nachum Mordechai, kämpfte aber nach dem Ableben seines Vaters im Jahre 5694 (1934)für die Verwicklichung dieser Idee weiter. Rabbi Jehoschoah Heschel von Kopschnitz war mit seinen Plänen erfolgreich und gründete ein jüdisches Waisenhaus in Baden.
In Wien kleideten sich die chassidischen Frauen mehr nach der zeitgenössischen Mode. Rachel Gur-Arijeh war die Enkeltochter des alten Admor von Kopschnitz. Sie erzählte, dass die chassidischen Frauen und Töchter in Wien im Kino, Theater und Konzerte besuchten. Der Professor Marc Streinfeler und Jochanan Twerski, der Sohn des Admor Josef von Stanislaw, erzählten, dass selbst die Jungen zeitgenössische Literatur zu lesen pflegten (14). Der Admor Abraham Jakob Friedman von Sadegora wiederum berichtete, dass die Töchter aus chassidischen Häusern lediglich die geschlossenen Vorstellungen im Rahmen der "Beth-Jakob"-Schule besuchten (15). In den Familien der Admorim waren die Frauen und Töchter für alle technischen Angelegenheiten der Haushaltsführung verantwortlich. Die Admorim verliessen nur selten das Heim oder die Lernstube und auch das nur, um Thoragebote zu erfüllen. Es kam zu einer stufenweisen Schwächung der chassidischen Gebräuche und es war üblich zu sagen, dass "der Kapoten immer kürzer wird". Ein Teil der Chassidim begann sich nach der zeitgenössischen Mode einzukleiden.
5. Die Grundidee der Einheitsgemeinde war ein weiteres Charakteristikum der Rozin-Dynastie. In Wien gab es eine Spaltgemeinde spartanischer Einstellung, die sich um das orthodoxe Bethaus "Schiffschul" konzentrierte. Diese neigte zur Abspaltung von der Kultusgemeinde und bemühte sich darum, eine selbständig organisierte administrative Gemeinde zu gründen. Dies entsprach aber nicht der österreichischen Gesetzeslage. Dieser Gemeinde gelang es dennoch, viele interne Dienstleistungen anzubieten. Die Führungspersönlichkeiten dieser Gemeinde hatten die Hoffnung, das die Ankunft der chassidischen Admorim ihre Kraft stärken und die Verwirklichung ihrer Pläne ermöglichen würde. Dies schien plausibel, da die Chassidim manche Mizwoth auf noch strengere Art auslegten. Rabbi Jisrael von Czortkow sprach sich aber gegen die Abspaltung von der Einheitsgemeinde Zentralgemeinde aus und wollte diese auch nicht unterstützen (15a). Die anderen Admorim schlossen sich seiner Meinung an. Das klassische Mitglied der "Adath-Jisrael"-Gemeinde war ungarischer Herkunft und meist schon ein langansässiger Wiener. Er musterte die neuangekommenen Flüchtlinge von Kopf bis Fuss und fand diese wegen Laxheit bei Einhaltung einiger Mizwoth und Ungenauigkeit bei Beachtung von halachischen Details etwas verdächtig. Er zweifelte auch an dem Niveau der Kaschruth der Organisationen der Kultusgemeinde, für die oft Chassidim verantwortlich waren. Trotz allem kam es zum Aufbau von korrekten gesellschaftlichen Beziehungen zwischen dem Talmidei-Chachamim beider Gemeinden. Der alte Admor von Sadegora, Rabbi Mordechai Schalom Josef, der Vater des heutigen Admor, Rabbi Abraham Jakob Friedmann, erhielt sogar ein Ehrenzeugnis vom Direktorium des "Schiffschul" (16). Der Admor Mosche von Bojan (der auch der Rabbi von Schehineu genannt wurde) war ein grosser Thoragelehrter und wurde von den Mitgliedern des "Schiffschul" in besonderer Ehre gehalten. Ein Teil der Gemeindemitglieder des "Schiffschul", die Zeugen seiner spirituellen Grösse waren, wurden zu seinen Chassidim und Wohltätern, wie z.B. Menachem Pesenburg (17). Ständige Hausgäste des Rabbi Mosche waren wie grössten Poskim aus Galizien und der Bukowina, die sich zu dieser Zeit in Wien aufhielten: Rabbi Meir Arik, der Rav von Buczacz; weiters Ternov (ein Czortkower Chassid) und dessen Bruder Fischel; die Rabbiner Josef Engel aus Krakau, Rabbi Menachem Mendel Steinberg aus Brodi, Rabbi Chajim Jizchak Jerucham aus Malzstadt (Stari-Sambor) und auch Rabbi Ben-Zion Katz aus Czernowitz. Alle diese Rabbiner waren Chassidim (ausser Rabbi Chajim Jerucham waren alle Chassidim der Rozin-Dynastie) Sie kamen, um sich mit Rabbi Mosche in Sachen Thoratradition und Religionsgesetz zu beraten. Diese Persönlichkeiten wurden auch von den Mitgliedern des "Schiffschul" respektiert, die selbst keine Chassidim waren. Alle aus Osteuropa stammenden Rabbiner unterstützen die Einheit der Gemeinde (Rabbi Jizchak Jerucham stand den chassidischen Dynastien Belz und Zeiditschow nahe)(18).
6. Das sechste Charaktristikum aller Glieder der Rozin-Dynastie war eine Tradition der konkreten Aktion zur Unterstützung der Ansiedlung im Lande Israel. Jisrael Beck, ein Chassid des Rabbi von Sadegora öffnete ein landwitschaftliches Gut auf dem Berg De-J'armak. Nissan Beck erhielt vom Admor von Sadegora die Anleitung, den Aufbau des "Tiferet-Jisrael"-Bethauses in der Altstadt Jerusalems zu unterstützen (19). Auf Initiative der Sadegora-Dynastie wurden auch die Hornstein-Gebäude und die G'org'ische Nachbarschaft in Jerusalem erbaut. In Jerusalem, Safed und Tiberias wurden Lehr- und Bethäuser errichtet. In Safed wurde auch eine Nachbarschaft für Sadegora-Chassidim erbaut. Weiters kam es auch zu Berührungspunkten mit der nationalen Bewegung. Rabbi Jisrael von Sadegora war mit Sir Lorence Olifant in Kontakt, um mit ihm Besiedlungspläne zu besprechen (20). Herzl erwähnte in seinem Tagebuch, dass er den Rabbi von Sadegora zu einer Art "religiösen Vorstand des Landes" (21) ernennen wollte. Dessen zukünftigen Wohnsitz in Israel wollte er zu einer Art Pilgerstätte machen. Unter den Gründern der Siedlungen Rosch-Pinah, Jesod Hamaalah, Rischon-Lezion und Bat-Schlomo waren auch Sadegora-Chassidim (22). Rabbi Jisrael von Czortkow wurde von Herzl zu einem Treffen in Wien eingeladen. Der Rabbi stellte jedoch die Bedingung, der Zionistischen Bewegung einen religiösen Geist einzuhauchen, abgesehen davon, vernachlässigte die Zionistische Gewerkschaft die Angelegenheit, so dass es nicht zu einem Abkommen kam (23). Schon im Jahre 1917 drängte Rabbi Jisrael von Czortkow die Admorim von Gur und Schineweh (24) dazu, so viele orthodoxe Juden wie möglich ins Land Israel zu schicken, um zu vermeiden, dass die sekulären Juden, die Vorherrschaft im "Jischuw Hachadasch " an sich reissen. Die Admorim der Rozin-Dynastie waren Träger erstrangiger Positionen im Rat der Thoragelehrten der internationalen Vereinigung der "Agudath Jisrael". Sie propagierten in allen Organisationen und Zusammenkünften die Stärkung der orthodoxen Besiedlung in Israel (25). Diese Palästina-zentrierte Politik wurde aber vom Grossteil dieser Bewegung nicht adaptiert. Die Führungspersönlichkeiten der Rozin-Dynastie gaben hier auch ein persönliches Beispiel. Nachum Mordechai (26), ein Sohn des Rabbi Jisrael von Czortkow führte die pro-israelische Politik seines Vaters fort und wanderte 1939 nach Israel aus. Der Schwiegersohn des Rabbi Jisrael, Menachem Nachum, der Admor von Izikan-Stefanisch (27) zählte zu den Philantrophen, die oftmals für die nationalen Fonds spendeten und hielt pro-Israelische Reden. Er verstarb jedoch schon 1933 in Wien. >Der Admor von Mazaltopol-Czortkow (28),Zwi Arie Twerski, ein weiterer Schwiegersohn des Rabbi Jisrael und Rabbi Jakob Twerski, der Admor von Stanislaw, war eine zeitlang Vorsitzender der Misrachi in Wien und verstarb dort 1931 (29). Der zweite Admor Abraham Jakob von Sadegora wanderte 1938 nach Israel aus. Er gründete ein Bet- und Lehrhaus in Tel-Aviv und führte seine Anhänger bis zu seinem Ableben 1961. Er sah in der Staatsgründung ein g-ttliches Zeichen und propagierte in seinen Reden die vermehrte Einwanderung von orthodoxen Juden. Er ermunterte orthodoxe Juden zur Arbeit und versuchte weitere Admorim davon zu überzeugen, nach Israel zu emigrieren. Rabbi Mordechai Schalom Josef von Sadegora (30) ermunterte noch in der Diaspora Jugendliche, sich an den Vorbereitungs-Programmen der "Agudath Jisrael" zu beteiligen. Er schickte einige seiner Chassidim in die agudaische Niederlassung "Machaneh Jisrael" und plante die Errichtung einer Nachbarschaft für seine Chassidim in deren Nähe. Während seines Israelbesuches 1933 sah er sich verschiedenen Niederlassung im Lande an. Er nahm auch an dem Anzünden des Lagerfeuers in Meron teil (dieses Recht steht im Grunde genommen der Bojan-Dynastie zu). Im Jahre 1934 migrierte er zwar mit seiner Familie nach Pczemiczel, wo er auch eine Jeschiwah Gwohah gründete, wanderte aber 1939 noch vor Ausbruch des II. Weltkrieges nach Israel aus, wo er zuerst in Süd-Tel-Aviv und später dann in Nord-Tel-Aviv (in der Pines-Str.) ein Lehr- und Bethaus eröffnete. Dieses Zentrum wird heute von seinem Sohn und Nachfolger, Abraham Jakob III. und heutige Admor geleitet. Rabbi Mordechai (Markus) erklärte, dass er Tel-Aviv als Wohnort bevorzugte, da es dort keine Kirchen gibt. Er wandte sich an seine Gemeinde in Hebräisch und nicht in Jiddisch, wie es bei den anderen Admorim üblich ist. Rabbi Schlomo Chaim Friedmann (der Reb Schloimele genannte wurde) (31) war "Der Zionist" des Hauses Sadegora. Als er 1914 nach Wien einwanderte wollte er nicht länger als Admor fungieren, Statt dessen war er seit Jugend an ein Misrachi-Aktivist. In Österreich war er für lange Zeit Präsident der Misrachi-Bewegung. Um Auswanderer auf dem Weg nach Israel zu unterstützen gründete er für sie eine Herberge in Wien. Weiters kämpfte er für die Bewilligung von Einwanderungs-Zertifikaten nach Israel für Jeschiwah-Studenten. Dies war schwierig, da das Büro für israelische Angelegenheiten sich in den Händen der Zionistischen Linken befand. Abgesehen davon war er ein scharfer Gegner der Anti-Zionisten und führte Propaganda für die "Jüdische Nationale Liste" in den österreichischen Parlamentswahlen. Er veröffentlichte auch Artikel im zionistischen Tagesblatt "Wiener Morgenzeitung". 1939 emigrierte er nach Israel und wurde in Tel-Aviv wohnhaft. Der Admor Jisrael von Husslatyn distanzierte sich zwar von jeder politischen Tätigkeit, spendete aber ständig für die Nationalen Fonds und wog jährlich den zionistischen Schekel. Wie o.e. immigrierte er schon 1937 in Israel und wurde in Tel-Aviv wohnhaft. Sein Schwiegersohn Jakob (33), sein Nachfolger als Admor, war in Wien ein führender Aktivist der religiösen Zionisten und emmigrierte gemeinsam mit seinem Schwiegervater. Die Rozin-Dynastie verbunkerte sich also nicht, wie viele andere Admorim, in Jerusalem oder Bnei-Brak. Sie zogen es vor in Tel-Aviv zu wohnen, um sekuläre Juden dem Judentum näher zu bringen. Dies schadete ihnen in der Chassidischen Welt (erst in späteren Jahren gründeten sie Jeschiwoth in Jerusalem und Bnei-Brak). Das Kronjuwel des österreichischen Chassidismus war die Gründung der Gesellschaft "Besiedlung Israels" 1918 in Wien. Vorsitzender dieser Gesellschaft war Rabbi Chajim Meir Jechiel Schapira, der Admor von Drohovicze (34), auch sein Sohn und sein Bruder der Admor Jizchak Mordechai Schapira von Goldiz (der 1930 in Wien verstarb) waren auf dem Gebiet tätig. Weiters nahmen an dem Projekt auch der Admor Jakob von Husslatyn, Rabbi Schlomo Chajim von Sadegora und die beiden o.e. Schwiergersöhne des Rabbi Jisrael von Czortkow anteil. Diese Gruppe versuchte für die Mizrachi in der chassidischen Gesellschaft eine Brücke zu bauen und verschmolz schliesslich mit dieser. Der Admor von Drohovicze immigrierte 1922 in Israel und brachte mit sich eine Buchdruckmaschine nach Jerusalem, dies galt als revolutionär. Sein Sohn, Abraham Jakob von Drohovicze, der auch aus Wien nach Israel emmigrierte, gründete gemeinsam mit den Admorim von Jablona und Koznitz und deren Chassidim im Jahre 1924 die Niederlassung "Kfar-Chassidim".
d. Die Wiener jüdische Organisation "Achduth Jisrael" Die Wiener jüdische Orthodoxie war in einer Bewegung namens "Adath- israel" organisiert. Die Hauptpfeiler dieser Bewegung waren Juden ungarisch-slowakischer Herkunft. Es gab auch einige Überbleibsel der ursprünglichen österreichischen Orthodoxie und einen Zuzug von mährischen und deutschen Orthodoxen. Eine Reihe von Bethäusern, deren Mitglieder diese Demographie teilten, ordneten sich automatisch der Führung des "Schiffschul" unter. In Wien waren zwar auch schon vor dem Ersten Weltkrieg viel polnische, vor allem galizianische, Juden wohnhaft. Ein kleiner Teil von ihnen waren auch Mitglieder der "Adath Jisrael" und genossen deren Dienstlesitungen. Nach dem Ersten Weltkrieg und mit der massenhaften Einwanderung von Flüchtlingen, zum Teil Chassidim, änderte sich das Bild. Der Grossteil der Flüchlinge, lediglich traditionell in ihrer Religionsausübung, fanden ihre politische Heimat in den diversen zionistischen Parteien, unter ihnen auch in der Misrachi. Der Grossteil der polnischen Juden blieb aber unorganisiert und zeigten weder Interesse noch Talent auf dem Gebiet der modernen gesellschaftlichen Organisation. Die religiösen Neuankömmlinge sammelten sich um die Admorim oder fanden ihr gesellschaftliches Heim in in der Gemeindestube des polnischen Bethauses "Beth Jisrael" und den anderen kleinereren Bethäusern. Der Grossteil dieser Juden besass keine österreichische Staatsbürgerschaft und hatte daher auch kein Wahlrecht für den Kultusrat. Diese Gruppe fand daher keinen gesellschaftlichen oder politischen Ausdruck. Manchmal kam es zu misslungenen Versuchen einer politischen Organisation. Ende 1923 kam es zu einem recht ernsthaften Versuch des Vorstandes des Gemeindegerichtes und Rabbis des polnischen Bethauses "Beth Jisrael", Meir Maiersohn, eine Partei namens "Achduth Jisrael" zu gründen. Die polnischen Juden, die nach dem Ersten Weltkrieg eingewandert waren, hielten nicht von der politischen Absonderung der "Adath-Jisrael", und auch die Chassidim wollten aus freiem Willen Mitglieder der Wiener jüdischen Gemeinde sein. Am 14.10.1923 kam es zu einer Versammlung im Versammlungsraum des polnischen Bethauses "Beth Jisrael". Diese Versammlung wurde von der "Achduth Jisrael"-Organisation einberufen (35), um eine Position zu der Spalt-Propaganda des "Schiffschul" zu formulieren. Abgesehen von den Vertretern des Bethauses "Beth-Jisrael" namen auch Vertreter anderer Bethaus-Vorstände teil: • "Livjat Chen" – Hollandstarsse 2, II. Bezirk • "Emeth-Ve-Schalom" – Grosse Schiffgasse 24, II. Bezirk • "Machsikeh ha-Das" – Schiffamtsgasse 20, II. Bezirk • "Bnei-Brith" – Kaschlgasse 4, XX Bezirk
Abgesehen davon nahmen auch Vertreter der folgenden Spendenfonds an der Versammlung teil: • "Seudath- Schabbat" • "Gmilut Chesed" • "Ezrat Jisrael" Der Vorsitzender dieser Versammlung, der Rav Meir Maiersohn beschrieb das Gemeindeleben und sprach sich für die Wichtigkeit der Einheit aus. In diesem Sinne erklärte auch Jisrael Hornstein (36), der Vorstand der "Beth Jisrael"-Organisation, seine Vorstellungen. Sein Stellvertreter, Jakob März, war ein Mitglied der Mizrachi Vertreter der "Machzikhe ha-Das". Alle Anwesenden sprachen sich gegen die Absichten des "Schiffschul" zur Abspaltung aus, die zu einer Zerbröckelung der Gemeinde führen und dem orthodoxen Judentum - wegen Streitigkeiten zwischen den Thora-Treuen, Teilung des Rabbinats und Verletzung der Halachah - schaden könnte. Die Versammlung verweigerte den Vertretern des "Schiffschul" das Recht, sich als universelle Abgesandte der Wiener Orthodoxie zu deklarieren. Der Vorstand der Bethaus-Organisation "Achduth Jisrael", Josef Winter und ihr damaliger Generalsekretär Malchiel Grinwald, sprachen sich gegen die Verwendung des gleichlautenden Namens "Achduth Jisrael" aus (37) Möglicherweise hatte auch das das grosse Bethaus in Wien, dessen Mitglieder ungarischer Abstammung waren, eine Aufgabe zu erfüllen. Die "Achduth Jisrael"-Organisation nahm auch an dem allgemeinen Bestreben der orthodoxen Gemeinden Anteil, dem deutschen Judentum zur Zeit der grossen Inflation zur Seite zu stehen (38). Die "Achduth Jisrael" erschien auch 1924 in den Wahllisten der Wiener Kultusgemeinde als selbständige Liste. Es war damals das religiöse Lager, das versplittert war. Die orthodoxe Partei, die während der Wahlen 1920 als selbständige Liste aufschien und 3 aus 36 Stimmen des Gemeinderates erlangte, vereinigte sich diesmal mit der "Union" (der Liste der assimierten Juden) und mit den Zionisten. Die Gründe dafür waren: • Um Wahlbudget zu sparen; • Da sie mit den neuen Partner zu Einverständmissen kommen konnte, wie sie dies auch verkündete (39); • Da sie den öffentlichen garstigen Wahlstreit wie im Jahre 1920 verhindern wollte. Abgesehen von der orthodoxen Partei, die sich in der Einheitsliste auflöste, stellte sich weitere religiöse Parteien zur Wahl: • Die Mizrachi unter dem Namen "Religiöser Block" • "Achduth Jisrael" • Die "Wirtschaftspartei" – die 1924 von einigen orthodoxen Juden gegründet worden war. Ein in Jiddisch formulierter Aufruf der "Gewerkschaft der Achduth Jisrael in Wien" wandte sich gegen die zwei konkurrierenden Listen, also die "Vereinigte Liste" und vor allem gegen die Zionisten des "Religiösen Blocks". Diese wiederum ärgerten sich über die Undankbarkeit der polnischen Juden der "Achduth Jisrael", da es die Zionisten gewesen waren, die ihnen das aktive Wahlrecht ermöglicht hatten. Die Vertreter der "Achduth Jisrael" behaupteten dagegen, dass die Gemeinde es allen Mitgliedern ermöglichen muss, ihre politische Meinung auszudrücken. Auch die polnischen Juden zahlen Kultussteuern und Tausende von ihnen sind religiös. Daher sollen auch sie eine Vertretung in dem Kultusrat haben, damit sie die Rechte ihrer Wähler sichern und für die Befriedigung der religiösen Bedürfnuisse sorgen können(40). Diese Aufgabe könne lediglich eine apolitische Liste wie die "Achduth Jisrael" erfüllen, deren Ziel es ist, die Interessen der religiösen polnisch-stämmigen Jusen zu hüten. Der "Religiöse Block" war eine Listen einiger ungarisch-stämmiger Führungspersönlichkeiten der Mizrachi, die von der Politik enttäuscht waren aber Ambitionen hatten. Sie störten die Versammlungen der "Achduth Jisrael" und versuchten das Vertrauen der polnisch-stämmigen Juden mit den Versprechen zu kaufen, ihnen eine völlige Gleichberechtigung in der Kultusgemeinde zu sichern und auch für Kaschruth und Schmirath- Schabbat zu sorgen. Sie hatten aber keine tatsächliche Möglichkeit diese Versprechen zu erfüllen, da sie nicht im vorigen Kultusrat vertreten waren. Ihre Religiosität war auch zweifelhafter Natur (41). Die "Achduth Jisrael" betonte immer wieder, dass in der Kultusgemeinde keine Gleichberechtigung existierte (42). Es kam bei den Kultuswahlen 1924 im Endeffekt zu den folgenden Wahlergebnissen für die Orthodoxen: Im Rahmen des Bundes mit der "Union" und den Zionisten erhielten die Vertreter in der Einheitsliste, wie im Jahre 1920, 3 Mandate. Die Mizrachi bekam 2 Mandate und die "Achduth Jisrael" bekam ein Mandat. Insgesamt gab es im Kultusrat jetzt 6 religiöse Vertreter aus 36 Mandaten (fast 17%). Die Zionisten verloren an Stimmen. 1920 hatten sie 13 Mandate, jetzt erhielten sie nur 10 ( Die Mizrachi lief 1920 als zionistische Listen und erhielt ein Mandat). Das dritte Mandat, das die Zionisten verloren, erhielt "Achduth-Jisrael" (43)(Die Union verlor an Mandaten – von 20 auf 15, die Sozialisten erhielten die übrigen 5 Mandate). Das relative Wahlsystem ermöglichte es auch den Kleinparteien, im Gegensatz zu vergangenen Wahlen, richtige Erfolge zu verzeichnen. "Achduth Jisrael" erhielt insgesamt 440 Stimmen (44). 5. Die Vereinigung der G-ttesfürchtigen (Vereinigung der orthodoxen osteuropäischen Juden) Die Führungspersönlichkeiten der orthodoxen osteuropäischen Juden, die in Wien wohnhaft waren, unter ihnen auch die Admorim von Czortkow, Sadegora, Husslatyn und Kopschnitz, gründeten am 7. Adar 5696 eine Organisation zur Bewahrung der Interessen ihrer Gemeinde und zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse. Die früheren Vereinigungen der osteuropäischen Juden, dienten lediglich zur Profilierung vereinzelter Ambitionisten und vermehrten den Hass gegen die alteinsässigen und ungarisch-stämmigen Wiener Juden. Die Admorim traten seinerzeit nicht der "Freien Vereinigung der orthodoxen Juden" und auch nicht der "Adath-Jisrael" bei. Auch die "Agudath Jisrael" konnte nicht immer ihre Sympathie gewinnen. Diese Vereinigungen verstärkte die ohnehin zwischen den ungarischen und polnischen Juden existierenden kulturellen Differenzen. Statt eine Zusammenarbeit zu propagieren, vertieften sie die Kluft. In der "Adath-Jisrael", die sehr viel für das Thora-Studium auftat, sahen Sie eine dem polnischen Judentum feindlich eingestellte Kraft. Während in Polen selbst für lange Zeit die "Agudath Jisrael" die grösste politische Gruppierung war, behaupteten in Wien die von polnischen Juden gegründeten Vereingungen, die "Agudah" sei unter ungarischer Vorherrschaft und polenfeindlich. Diese Propaganda wurde von den jüdischen Massen der galizianischen Flüchtlinge gut aufgenommen. Abgesehen davon, traten die polnischen Juden aus freiem Willen der Kultusgemeinde bei, auch da sie deren finanzielle Unterstützung benötigten. Gleichzeitig war die "Adath-Jisrael" auf dem Wege der Abspaltung.
Mit Gründung der neuen von den Admorim unterstützen Vereinigung hoffte die "Adath Jisrael" darauf, dass sich die Denkweise der polnischen Juden ändern würde und sie nun zentriert unterstützen würden. Die ungarisch-stämmigen Juden in der "Adath-Jisrael" waren davon überzeugt, dass die polnisch-stämmigen Juden Unterstützung benötigten, da diese weder Erfahrung bei der Bewältigung von Organisationsaufgaben in der Grossstadt hatten, noch bei der Sicherung der religiösen Dienstleistungen. Daher sahen sie sich in der Rolle des Vormundes. Der polnisch-stämmige Jude traf in Wien den Fremdenhass der Bodenständigen an und wurde benachteiligt. Die Vorurteile der westeuropäischen Juden gegen ihn glichen denen der Nichtjuden. Daher verwzeifelten viele der polnisch-stämmigen Juden an ihrem bisherigen Lebenswandel und opferten den Schabbath. Es gab auch nicht genügend passende Schulen für die Kinder der religiösen Flüchtlinge. Die nach dem Ersten Weltkrieg gegründeten Thoraschulen, deren Unterrichtsplan der osteuropäischen Tradition entsprach, hatten bald mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Es gab keinerlei Rahmen für die Mädchen. Die polnische Beth-Jakob Bewegung konnte Anfangs das Herz der polnisch-stämmigen Juden in Wien nicht gewinnen. Auch die Zusammensetzung der Familentradition wandelte sich im Laufe der Zeit. Trotz allem herrschte in den religiösen Wiener Kreisen die Meinung vor, es wäre möglich, diese Probleme ohne Spaltung des orthodoxen Judentums zu lösen. Möglicherweise konnte man nach der Gründung der neuen Vereingung sogar die positive Seite sehen, die Aufteilung der Aufgabenbereiche für zwei divergierende jüdische Einwohnerschaften. Abgesehen davon waren die Thoratreuen in Wien eine kleine und auch finanziell recht schwache Minderheit. Sie benötigten daher die gegenseitige Unterstützung. Die "Adath-Jisrael" war von der Gründung der Vereinigung nicht besonders begeistert, zeigte aber auch keine feindliche Einstellung. Auf beide Organisationen wartetetn riesige Aufgaben. Nur durch Zusammenarbeit sollte es möglich sein, minimale Bedingungen für ein religiöses Leben im der westlichen Kultur zuneigenden Wien zu ermöglichen. Die polnischen Juden hatte keine Erfahrung mit dem Lebenswandel einer Grossstadt. Daher war es wichtig, dass die beiden Vereinigungen das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen verlieren sollten. War es nun nötig, das gemeinsame Ziel auf getrennten Wegen zu verfolgen, dann sollte doch jeder thoratreue Juden in Wien die Gründung der neuen Vereingung freudig begrüssen und diese seinen Kräften nach moralisch und finanziell unterstützen (45). Eine zeitweilige Konferenz wählte als Vorstand der Vereinigung "Hitachduth ha-Jirim" Herrn Samuel Nüssenbaum und als Stellvertreter Nachum Löw. Als weitere Vertreter im Vorstand wurden gewählt: 1. Marcus Hornsetin 2. Schlomo Aschkenazi 3. Mosche Fränkel 4. Berisch Kleinmann 5. Abraham Schpira 6. Lippe Goldwirt als Kassenwart 7. Schabtai Schönfeld als Registrator (46) Während der Gründungsversammlung der "Hitachduth ha-Jirim" wurde ein erweitertes Direktorium von 39 Vertretern gewählt. Dies war ungünstig, da mit so einer schweren Körperschaft nur schwer gehandelt werden konnte. Das Direktorim der "Adath-Jisrael" war zahlenmässig wesentlich kleiner und daher viel leistungsfähiger. Leider fanden die beiden Organisationen keinen gemeinamen Nenner. Bis dahin gab es im Kultusrat keinen Vertreter des chassidischen Judentums zur Wahrung seiner Interessen. Osias März (47) war im Rahemn der orthodoxen Partei der "Adath Jisrael" aktiv. Der Vertreter der "Achduth Jisrael" vertrat das Gemeinde-Judentum, dass nach dem "Nussach Aschkenaz " betete. Deshalb hatten die polnisch-stämmigen Juden viele Beschwerden. Der Gemeindevorstand Scharfstein vertrat die Interessen des osteuropäischen Judentums im Kultusrat, wurde jedoch von allen Versammlungne "ferngehalten". Bei der Gründungsversammlung der "Hitachduth ha-Jirim" wurde das folgende Direktoriun gewählt: • Mosche Seidmann • als sein Stellvertreter Samuel Nüssenbaum und Marcus Hornstein • Nachum Löw • Schlomo Aschkenazi • Abraham Schapira • Chajim Koral als Kassenwart und Registrator
Die zweite allgemeine Versammlung der "Hitachduth ha-Jirim" fand im Saal der "Seudath Schabbath"-Organisation (der Mizrachi) statt. Als Vorstand der Organisation fungierte der damalige Admor von Kopschnitz, Abraham Jehoschua Heschil (der nach Ableben seines Vaters zum Admor ernannt wurde). Weiters waren auch die Admorim von Czortkow, Husslatyn und Sadegora anwesend. Samuel Nüssbaum verlas die Berichte. Der Stellvertreter Marcus Hornstein beschwerte sich über die weiter bestehende Benachteiligung der osteuropäischen Juden. Sie fühlten sich in der religiösen Entfaltung behindert. Sie beschwerten sich auch über das nicht funktionierende Kontrollorgan der Kultusgemeinde. Die polnisch-stämmigen Juden mussten auch weitere Hürden überwinden. Sie fühlten eindeutig, dass ein Grossteil der Wiener jüdischen Gemeinde in ihnen keinen Gewinn sondern eine Last und Existenzbedrohung sah. Das osteuropäische Judentum konnte nicht aus eigenen Kräften einen erzieherischen Rahmen schaffen und die Kultusgemeinde unterstütze es kaum. Ihre erziehrischen Anstalten hatten keine passenden Gebäude. Hunderte Kinder besuchten Thoraschulen, deren Unterrichtsräume sich in Kellern unter substandart Bedingungen befanden. In den Kultusräten hatten ihre Verteter, da sie keine österreichischen Staatsbürger waren, nicht einmal das passive Wahlrecht, obwohl auch sie alle Gemeindesteuern zahlten. In Deutschland und anderen Ländern stand (bei den meisten jüdischen Gemeinden) allen Gemeindemitgliedern, ohne Beachtung ihrer Staatsbürgerschft, das aktive und passive Wahlrecht zu. Marcus Hornstein, einer der Vorstände der "Hitachduth ha-Jirim", wandte sich in dieser Angelegenheit an den Kultusrat und verlangte das Wahlrecht für alle in Wien ansässigen Juden, die keine österreichische Staatsbürgerschaft besassen. Eine der Kultusräte, Max Markus versprach, diese gerechten Ansuchen bei der nächsten Kultussitzung anzusprechen. Auch Wolff Pappenheim, der Vertreter der der orthodoxen Partei sagte seine Hilfe zu. Die "Jiddische Merse" veröffentliche wöchentlich den Zeitpunkt des Schabbath-Einganges laut der Berechnung der polnischen Rabbiner, die von der im Westen üblichen divergierte. In der Abschlussrede des Präsidenten der Vereinigung, Abraham Heschil, drückte er seine Absicht aus, bis Ende des Kalenderjahres die Mitgliedschaft auf 2000 Mitglieder zu erweitern. Die Reaktion der "Adath Jisrael" auf die Gründung der "Hitachduth ha-Jirim" war ziemlich kühl doch nicht ganz ohne Kritik. Ihrer Meinung nach wurde diese Vereinigung gegründet obwohl alle Dienstleistungen für das polnische Judentum auch im Rahmen der "Adath Jisrael" gegeben waren. Trotz dessen entschlossen sich diese zur Gründung einer 1200 Mitglieder starken Vereinigung. Die "Adath Jisrael" sprach keiner Gruppe das Recht ab sich im Rahmen der Thoragesetze zur Wahrung ihrer spezifischen Rechte zu organisieren, warnte sie aber davor, das allgemeine Wohl wegen kleinlichen Abrechnungen zu vernachlässigen. Nun würde sich auch die "Adath Jisrael" zu einer Landsmannschaft wandeln, die lediglich die ungarische Orthodoxie vertreten würde. Sie darf zwar keine Neutralität gegnüber den Absichten anderer religiöser Gruppierungenzeigen, diese dürften aber auch nicht versuchen die eigene Position auf Kosten des "Schiffschul" zu verbessern. Die Führungspersönlichkeiten beider Gruppen konnten auf die gesamte lokale Orthodoxie Einfluss nehmen und für das Allgemeinwohl wirken. Die Vertreter der "Adath Jisrael" sahen es als ihre Pflicht ihren Brüder aus Osteuropa bei der Organisation zu helfen, da die "Hitachduth ha-Jirim" an technischen Schwierigkeiten litt. Auch drei Jahre nach ihrer Gündung im Jahre 1928 litt sie weiter an organisatorischen Schwächen. Die "Hitachduth" führte eine Art Scheindasein. Die "Adath Jisrael" bedauerte dagegen den Verlust der Mitgliedschaft von etwa 1000 Familien, die einen Gewinn für das Charedische Judentum in Wien darstellen könnten. Sie fürchtete um die Nachfolgegeneration der orthodoxen polnischen Einwanderer, deren Kinder in den staatlichen Schulen und nicht in der "Talmud Thora"-Schule erzogen worden waren. Diese Jugendlichen neigten, auf Grund der Notwendigkeit ein Einkommen zu erwerben, eher zum Chilul Schabbath , da die ursprünglichen Wiener und die ungarisch-stämmigen orthodoxen Familien finanziell bereits gesichert waren. Die polnisch-stämmigen Juden bewunderten das organisatorische Geschick der "Adath Jisrael", wollten aber keine Mitglieder werden. Die "Adath Jisrael" lernte aus Erfahrung das beide Gruppen Hand in Hand arbeiten müssen, um die Zukunft der religiösen Jugend zu sichern. Trotz aller Annäherungsversuche der "Adath Jisrael" war diese nicht dazu bereit, auf die Schlüsselpositionen in der "Agudath Jisrael" zu verzichten, da sie sich als erfahrener sah. Zu dem annonym erschienenen Artikel "Osteuropäische Juden – die Thoratreuen" (49), der die o.e. Ideen ausdrückte, nahm Marcus Hornstein, Generalsekräter der "Hitachduth ha-Jirim" (50) Stellung. Er erklärte folgende Punkte: • Warum die "Hitachduth ha-Jirim" nicht der "Adath Jisrael" beitrat, obwohl diese über einen Organisationsrahmen verfügte, der ideal für die religiösen Bedürfnisse sorgen könnte. • Warum die Organisation der osteuropäischen Juden keinen Vormund in Form der "Adath Jisrael" benötige. "Die vorzüglichsten Elemente aus dem osteuropäischen Judetum waren Mitglieder der "Hitachduth ha-Jirim". So kam es auch zu einigen Neuerungen, die in den vorherigen Vereinigungen nicht existierten. Vor dem Ersten Weltkrieg schlossen sich die osteuropäischen Juden Wiens der "Adath Jisrael" an, da es sich zahlenmässig um eine kleine Gruppe handelte, die ein religiöses Netzwerk suchte. Später aber wanderten tausendn osteuropäischen Juden ein, die zur Mehrheit der orthodoxen Gruppe wurden. Ihr Einfluss auf der religiös-kulturellen Ebene war spürbar. Sie konnten der Kultusgemeinde einen religiösen Geist einhauchen und die Kaschruth-Dienstleistungen verbessern (wie z.B. im Rothschild-Hospital). Mann kann es daher von dieser zahlenmässig und moralisch überlegenen Gruppe nicht verlangen, die Herrschaft einer viel kleineren Gruppe zu akzeptieren ohne vorher durch Verhandlungen einige Zugeständnisse zu erhalten" (51). Gleich nach ihrer Gründung schickte die "Hitachduth ha-Jirim" ihre Vertreter Samuel Nüssbaum unbd Marcus Hornstein um Verhandlungen mit der "Adath Jisrael" zu führen, Ihr Ziel war es eine gemeinsamen orthodoxen Block mit gleichberechtigen Parteien zu schaffen. Der Vertreter der "Adath Jisael" gab ihnen aber zu verstehen, dass diese wegen organisatorischer Schwächen keine Legitimation hätte. Darauf reagierte die "Hitachduth ha-Jirim" damit, dass sie eine 1200 Mann starke Mitgliedschaft hätte und im wachsen wäre. Sie sei nicht für die Spaltung der Wiener Orthodoxie veantwortlich. In punkto oranisatorische Schwächen – dies könnte man erst nach einigen Jahren beurteilen. Die Redaktion der "Jiddische Presse" veröffentliche daraufhin einen Artikel, der zu den Behauptungen des Herrn Hornstein Stellung nahm: (52) Die "Hitachduth ha-Jirim" bestehe erst seit zwei Jahren und Herr Hornstein irre sich in mehreren Punkten. • Die "Adath Jisrael" habe sich mit der Gründung dieser Organisation abgefunden. • Man habe es dem Herrn Hornstein nicht vorgeschlagen die "Hitachduth ha-Jirim" solle von der "Adath Jisrael" lernen. Man habe lediglich Unterstützung bei der Organisation angeboten. Herr Hornstein hatte schon 1923 die "Achduth Jisrael" zu Organisation der osteuropäischen Juden gegründet, diese sei aber nicht erfolgreich gewesen. Im Jahre 1928 musste sich die "Hitachduth ha-Jirim" den Wiener Kultuswahlen stellen. Mit jiddischer Propaganda wandten sich die Vertreter der Mizrachi an die Mitglieder der "Hitachduth ha-Jirim" und forderten diese auf, die Mizrachi zu wählen. Ein Teil der "Hitachduth ha-Jirim" schloss ein Übereinkommen mit einer apolitischen Liste obwohl die Vorsteher und andere Ratsmitglieder sich dagegen ausprachen. (53) Die Wahlpropaganda der "Vereinigte Wahlliste der Apolitischen" erklärte die Notwendigkeit der politischen Einheit der Gemeinde und "jeder Jude hat das Recht für den Kultusrat einen Vertreter zu wählen, der ihm vom Gefühl und Abstammung her am nähesten steht". Aus diesem Grunde vereinigten sich mehrere Betstuben und andere jüdische Organisationen unter Führung des "polnischen Bethauses" und der grossen Organisaton der osteuropäischen Juden "Hitachduth ha-Jirim" zu der o.e. Wahlliste. Diese Liste wollte endlich die Position der polnischen Einwanderer, die nach dem Ersten Weltkrieg zu einer zahlenmässigen Kraft wurden, stärken und die ihnen zustehenden Recht und Vertretung im Kultusrat sichern.(54) Die Vereinigte Wahlliste wandte sich nicht mit grosssartigen Versprechungen an die potenteillen Wähler. Ihrer Meinung nach sei es die Aufgabe der Kultusgemeinde, sich ausschliesslich den religiösen, kulturellen und sozialen Bedürnissen der Juden Wiens zu widmen. Das Bestehen des Judentums hänge von der Religion ab, daher sei es die Aufgabe der Gemeinde alle religiösen Institute zu unterstützen. Die Kultusgemeinde müsse auch alle Jugendorganisationen unterstützen, die sich mit der Sportkultur der jüdischen Jugend beschäftigten. Man müsse den Wiederuafbau des Lande Israel unterstützen. Weiters müsse die Kultusgemeine die Sozialhilfe verstärken. Um diese Zielsetzung zu verwirklichen, müsse man als Kultusräte Personen wählen, die sich im Dienste des Judentums bewiesen hätten und die alltäglichen Bedürfnisse der Juden und vor allem der sozial schwachen unter der Wirtschaftskrise leidenden Bevölkerung kannten. Die jiddisch- und deutschsprachige Wahlpropaganda der "Hitachduth ha-Jirim" erlärte die Wichtigkeit der Wahlen, um die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ihrer Wähler zu vergegenwärtigen. Sie hätte es vorgezogen als selbständige Wahlliste aufzuscheinen, dies war aber nicht möglich, da ihre Mitglieder und Verteter keine österreischischen Staatsbürger waren und daher kein Anrecht auf passives Wahlrecht hatten. Daher wurde während einer Generalversammlung nach Abstimmung beschlossen, sie unabhängige apolitische Wahlliste zu unterstützen (55). Laut Wahlstatuten vom April 1924 wurde auch Juden ohne österreichische Staatsbürgerschaft, dass aktive Wahlrecht gewährt. Die Wahlpropaganda aller Listen wandte sich daher an die neue Wählerschaft. Diese waren fast alle aus Osteuropa und zu Grossteil religiös. Fast alle Listen veröffentlichen daher, zur Vergrösserung des Wählerpotentials, ihre Wahlpropaganda auch auf Jiddisch. Die "Vereinigte Wahlliste der Apolitischen" erhielt bei den Wahlen vom 2.12.1928 insgesamt 758 Stimmen und ein Mandat im Kultusrat. Dies war fast so viel wie die Mizrachi, die 789 Stimmen und auch ein Mandat erhielt. Die Orthodoxen in der Unions-Liste konnte ihre Kraft wahren und erhielten auch diesmal drei Mandate. (56). Auch bei den nächsten Wahlen 1932 erhielten die Apolitischen und die Mzsrachi jeweils ein Mandat (57). Abgesehen davon stellten sich noch eine weitere othodoxe Liste (nicht von Seiten der "Adath Jisrael") und eine allgemeine jüdische Liste zur Wahl, diese erhileten aber nicht genug Stimmen für eine Vertretung im Kultusrat. In den Dreissigerjahren verstärkte sich die politische Aktivität der polnisch-stämmigen Wiener Juden. Trotz allem wollte die "Adath-Jisrael" ihre Vormachtsstellung nicht aufgeben. Ein Mitglied der "Adath Jisrael" veröffentlichte anonym einen Artikel (58) der zu erklären versuchte, dass die in Wien ansässige osteuropäische Orthodoxie es zum Grossteil noch nicht verstehe, dass man sich in einer Gemeinde mit einer nicht religiösen Mehrheit anders positionieren muss als in einer Gemeinde mit orthodoxer Mehrheit in Galizien. Auch die der Spaltung zuneigenden orthodoxen Gruppierungen nahmen nicht zur Kenntnis, dass sich die Umstände seit der Absplatung zwischen Neologie und Orthodoxie in Ungar von Grund auf verändert hatten. Es war schwer die beiden Zugänge , den offenen der osteuropäischen Juden und den zur Spaltgemeinde neigenden auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Es war aber nötig einen Kompromiss im Rahmen der "Agudath Jisrael" zu finden, einen gemeinsame Zukunftsplanung zu ermöglichen und sich wenn nötig mit Fragen an die Rabbiner zu wenden. Man durfte selbverständlich die bereits erlangten Erfolge der "Adath Jisrael" nicht beeinträchtigen und das Ziel war es im Rahmen der "Agudath Jisrael" die gesamte Wiener Orthodoxie zu vereinen. Hier musste man einen Plan zur Fusion der orthodoxen Strömungen verwirklichen. Die einzigen Nutzniesser der inner-religiösen Uneinigkeit waren die Gegner der Orthodoxie. Ab 1932 stellte sich die orthodoxe von der "Adath Jisrael" gegründete Liste nicht mehr zur Kultuswahl auf. Die an den Wahlen 1932 teilnehmende orthodoxe Liste und auch die "jüdische ökonomische Vereinigung" (59) wurden von anderen unverantwortlichen orthodoxen Führungspersönlichkeiten gegründet und bekam nur wenige Stimmen. Bei den Kultuswahlen an 8.11.1936 wurde keine Liste von polnischen orthodoxen Juden aufgestellt, sondern nur eine allgemeine Liste von polnischen Juden auf Namen Adolf Stand. Diese erlangte mit den überflüssigen Stimmen der Jugendliste auf Namen Malchiel Grinwald einen Sitz (60). Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die orthodoxen polnischen Juden in die anderen Listen eingefügt. Die Mizrachi lief als Bestandteil der zionistischen Listen. Die ursprünglichen Einwanderer starben langsam aus und die Nachfolgegeneration hatte sich integriert. Die Problematik der orthodoxen polnischen Einwanderer hatte sich mehr oder minder gegeben, obwohl man in dern Strassen Wiens auch weiterhin viele Chassidim in den traditionellen Gewändern sah.
6. Die besonderen Beziehungen zwischen Vertretern der "Adath Jisrael" und den Chassidim
Die Verhältnisse zwischen den einfachen Juden ungarischer und polnischer Abstammung waren etwas angespannt. Gleichzeitig entfalteten sich aber besondere Beziehungen zwischen den vorrangigen Thoragelehrten der diversen Strömungen. Der heutige Admor Abraham Jakob von Sadegora besitzt ein Ehrenzeugnis, das seinem Vater, Mordechai Schlom Josef, für seine herausragenden Tätigkeit für das Allgemeinwohl von den Vorständen der "Adath Jisrael" verliehen wurde (61). Menachem Fliesenburg, einer der Kommunalpolitiker der "Adath Jisrael" und und einer der Führungspersönlichkeiten der Wiener Orthodoxie wurde vom Admor Mosche Friedman von Bojan beeinflusst, der während des Ersten Weltkrieges als mittelloser Flüchtling in Wien ansässig wurde. Der Admor war ein Gelehrter und aussergewöhnlich begabter Possek. Für seine Studien benötigte er eine Thorabibliothek und leihte sich daher Literatur aus dem Schiffschul aus. Menachem Fliesenburg erkannte sein Genie und sorgte nicht nur für die Bücher sondern auch für eine passende Wohnung und entsprechende Einrichtung. Einige der zentralen Gründungsfamilien des "Schiffschul" Fliesenburg, Herzog, Glück und Klein wurden seine Chassidim und auch weitere Mitglieder der "Edath Jisrael" suchten seine Nähe. Auch nach der Emmigartion des Rabbi Mosche von Bojan 1925 von Wien nach Krakau wandten sich Mitglieder des "Schiffschul" weiter zur Beratung schriftlich an ihn. So fragte z.B. Wolff Pappenheim, welche Stellung man zu jemandem nehmen sollte, der die Kremierung seiner Leiche erbeten hatte (63). David Seidmann fragte, ob die "Adath Jisrael" die Abspaltung von der Kultusgemeinde anstreben sollte (64). Der Admor antwortet auf beiden Fragen. Zur ersten lieferte er den genauen Abstand, der zwischen dem Grab dieser Person und den Gräbern der G-ttesfürhctigen zu halten sei. In der Frage der Abspaltung erbat er sich weitere Informationen, aber auch die orthodoxen Gemeinderabbiner erhielten von ihm die Antwort, dass eine Abspaltung negativ sei. Im Allgemeinen verehrten die Mitglieder des "Schiffschul" die Admorim. Der Admor Aharon Rokeach von Belz stattete Wien 1927 einen Besuch ab. Man veranstaltete zu seinen Ehren einen grossen Empfang in der Bahnstation und im Hotel des Aharon Barschak in der Grossen Schiffgasse. Die Belzer Chassidim wollten am Schabbat einen besonderen Platz für die Schabbatgebete in der Nähe des Hotels organisieren. Der "Schiffschul" bot sich an und es kam zu einem zweiten Minjan unter Leitung des Rav Fürst. Weiters besuchte eine Delegation des "Schiffschul" die sich aus Isidor Reininger, Wolff Pappenheim und Franz Neumann zusammensetzte den Admor und ersuchte diesen, dort zu beten und einen "Tisch" im Hochzeitshof des Bethauses zu halten (65). Die guten Beziehungen zwischen dem Admor von Belz und dem "Schiffschul" reichten jahrzehnte zurück. Daher stimmte der Admor dieser Bitte zu. Es handelte sich hier um langjährige Partner im Kampf für die Orthodoxie. Dieser Freitagabend war für alle ein erhebendes Erlebnis. Unzählige Chassidim drängten sich, Massen kamen um den Admor zu sehen und Neugierige umstellten das Hotel. Der Besuch des Admor wurde in den Chassidischen Kreisen in Wien diskutiert. Wolff Pappenheim und Dr. Pinchas Kohen besprachen mit dem Admor Angelegenheiten des jüdischen Allgemeinwohls, vor allem die Situation der Charedim in Israel. Sie hofften auf eine Einigung der charedischen Strömungen in Israel und darauf, dass der Admor seine Chassidim dorthin schicken würde. Der Admor war schwach, er sprach wenig und verbrachte viel Zeit beim Thorastudium. Die berühmten Wiener Ärzte empfahlen ihm, sich zu Erholen und schickten ihn nach Sauerbrunn ins Burgenland zur Kur. Dort gab es Herbergen unter orthodoxer Leitung und koschere Gasthäuser. Der Admor besuchte auch einige orthodoxe Wiener Führungspersönlichkeiten. In gewissem Mass fand der Chassidismus auch in der Jeschiwah von Deutschkreuz zutritt und einige Jugendliche aus den Kreisen der "Adath Jisrael" studierten in den polnischen Jeschiwoth. Als Beispiel kann hier Rabbi Schmuel ha-Levi Wosner dienen, der heute einer der grossen Poskim in Israel ist. Er studierte in der Jeschiwah von Lublin und wurde ein Chassid. Auch Mattitjahu Gellmann war ein wiener Jugendlicher der zuerst religiös wurde und zum "Schiffschul" gehörte und dannach in einer polnischen Jeschiwah studierte (er war ein Führer der Partisanen in der Schoah). Es gab viele andere die in Polen und nicht in Ungarn studierten. Andererseits gab es keine nahen freundschaftlichen Beziehungen zwischen den ungarisch- und polnischstämmigen Familien. Dies ist auch aus den Verlobungslisten der "Jiddischen Presse" ersichtlich, die David Schlesinger 1931-1936 zusamenfasste (es gibt weitere Indizien) (66). Nachfolgend eine Aufspaltung der Verlobungspartner von Mitgliedern der "Adath Jisrael" nach Abstammung: • Ungarn – 28% • Slowakei – 26% • Wien – 20% • Burgenland – 6% • Schweiz – 4% • Deutschland – 3% • Niederösterreich – 2% • Jugoslawien – 2% (Teile die vorher zu Ungarn gehörten) • Israel – 2% • Galizien – 2% • Belgien – 2% • Mähren – 1% • Rumänien – 1% (Transsylvanien) • Lettland – 1% Weiters kam es zu Beziehungen mit Ungarn, der Slowakei und dem Burgenland. Viele Jugendlichen reisten mit Unterstützung der "Tiferet Bachurim"-Organisation in diese Länder um in den lokalen Jeschiwoth zu studieren.
XV – Der Chassidismus in Wien und die Beziehungen zwischen polnischer und ungarischer Orthodoxie 1. über die jüdischen Flüchtlinge in Wien: a. Meir Heinisch, Galician Jews in Vienna, in: Josef Fraenkel (ed.), "The Jews of Austria"; London, 1967, S. 314, 361 b. Arieh Tartakower, "Migracy Movements in Recent Generations", S. 285-310; c. Mosche Ungarfeld, "Wien", Tel-Aviv 5715 (1955), S. 120-121 d. Siehe auch "Daath Mosche Haschalem", Jerusalem 5716 (1956) 2. über Jisrael von Rozin: a. Jizchak Alfasi, "Der Chassidismus", Tel-Aviv, 1974, S. 36 b. über dessen Ansichten s. Rav Aharon Piz'nik, "Die Gerechten aus Rozin und Cernobil und deren Beziehung zum heiligen Land" in der Sammlung "Chassidismus und Zion" (Edition Dr. Schimon Federbusch) S. 171 ff. (vor allem S. 174-175 u. 179 – 184) 3. dazu weitere Beispiele. Martin Buber war zum Verständnis des Chassidismus tätig. 4. Zum Verständnis der ökonomischen Aklimatisierung der Flüchtlinge und der Entwicklung der chassidischen Kultur und Kunst in Wien basierte ich auf einem in "Jad va-Schem" aufgezeichnetem Interview, in dem Dr. Herbert Rosenkranz den Dr. Jisrael Weinstock befragte. In der gedruckten Version s. S. 21, 30-31. 5. über Pinijeh Spektor s. Schimschon Chasidah, "Poesie und Gesang im Hofe Rozin", in: "Pfade zu G-tt", Journal der Sadegora-Rozin Chassidim, 15. Schvat 5744 S. 12-13; Der Admor Abraham Jakob Friedman von Sadegora erzählte mir über weitere Kantoren in einigen Interviews am 2.5.1985/ 3.5.1985 u. 25.5.1986; Herr Rosmann aus dem Moschav Chemed übergab mir eine "Ordnung der Hakafoth für Schmini Azeret und Simchat Thora" des Kantoren Mordechai Daviv Reichman (Wien 1931). 6. Rav Weinstock (s.P. 4); weitres interviewte ich die Frau Schulamit Hackenbroch-Willner über deren Vater, Kalman Schaul Willner am 12.12.1987. 7. Weinstock 40 (Listenname); S. Schalom "Die Einwanderungen der Chassidim" (Erstes Band, Jedioth Achronoth, Bücherserie – Edition Azriel Karlebach, ohne Jahres- und Ortsangabe). 8. Die Ordnung der Charakteristika ergaben sich auf Anregung des heutigen Admor von Sadegora, Abraham Jakob Friedman (Daten s. P. 5) unter Mithilfe des Rav Jizchak Flintenstein, eines Urenkels des Admor Meir von Kopschnitz am 8.7.1985. Beide übergaben eine Fülle relevanten Materials. Weiters erhielt ich Material von der "Tifereth Jisrael"-Jeschiwah in Jerusalem. 9. Arijeh Backenrot, Zum Todestag des Admor Rabbi Jisrael von Czortkow, in "Pfade zu G-tt", Chanukah 5743 A. 12; weiters s. bei Jakob Katz "Rabbi Jisrael von Czortkow" in "Das Czortkow-Buch", Tel Aviv – Haifa, 5727 S. 63-61 (Verlag: Organisation der Czortkower Einwanderer in Israel); weiters s.: J. Heshil, "The History of Hassidim in Austria" in: Josef Fraerkel (ed.) "The Jews of Austria", S. 354-355. 10. laut einem Interview mit Rav Daviv Tierhaus, einem vormaligen Chassid von Husslatyn und heutigen Chassid von Sadegora. Er verbrachte seine Jugend in Wien und studierte in Hebräischen Gymnasium (Interview von 5.5.1985); weiters laut Interview mit Rav Dr. Jisrael Weinstock (s. P. 4) S. 33,39. 11. Anton Fried, "Zur Geschichte des Vereins – Volksschule mit Öffentlichkeitsrecht: Talmud Thora", in: J.P. Nr. 2, 7.1.1923; L. Moses, "Talmud-Thora Volksschule in Wien", in: J.P. (3 Artikel in Fortsetzung) 21.10, 24.10, 31.10.1930. 12. Jizchak Alfasi, "Der Rav von Apta und seine Nachkommen", Jerusalem 5741, S. 209 13. laut Gesprächen mit Admor Abraham Jakob von Sadegora (s. P. 5) 14. Laut Zeugnissen von Rachel Gur-Arijeh, Enkelin des Admor Jizchak Meir von Kopschnitz am 4.2.1986, von Max Streifler (Famile von Czortkower-Chassidim) am 21.5.1986 und von Jochanan Twerski, Sohn des Admor von Stanislaw, Jakob Josef Twerski am 27.5.1956. 15. s. p. 5. (15a) über die Ansichten des Rabbi Jisrael von Czortkow zur Einheit der Gemeinde: Weinstock 2, "Pfade zu G-tt" II. S. 10 16. Das Zeugnis befindet sich in Besitz des heutigen Admors, Jakob Josef II. Von Sadegora, Sohn des Admor Mordechai Schalom Josef, Verfasser des "Knesset Mordechai" 17. Dr. Hillel Seidmann anlässlich des Todestages des Admor Mosche Friedman ges.A.; Admor von Bojan in: "Pfade zu G-tt" IV, s. 35; weiters der Artikel 18 in "Daath Mosche", halachische Korrespondenz, Jerusalem 5744, S. 24 (Mosche von Bojan an Daviv Seidmann). 18. über Rav Josef Engel: "Enzyklopädie der galizianischen Gelehrten" (ed. Rav Meir Wander), Teil I., Jerusalem 5738, s. S. 228-229; über Rav Meir Erik dort S. 313-321; über Chajim Jizchak Malzstadt: "Sefer Birkat Chajim", Jerusalem 5716 und in "Daath Mosche Haschalem" (ed. Rav Efraim Rabbinowitz), Jerusalem 5717, S. 128, Antwort des Rav Erik an Mosche Friedman von Bojan; S. 127 in der halachischen Korrespondenz "Machazeh Abraham" von Rav Steinberg von Brodi, 8. Elul (ohne Jahresangabe), Wien, Brodi 5687. 19. Josef Chassidah, " Die Gründngsgeschichte des Bethauses "Tifereth Jisrael" in "Pfade zu G-tt" III., Channukah 5745, S. 18 ff.; Famile Beck (Kap. 1) in: "Pfade zu G-tt" VIII., Purim 5745, S. 24 ff.; der Kampf für die Gründung und Geldsammlung (Fortsetzung 2. Kap.): "Pafde zu G-tt" IX., Elul 5744: Die Fertigung des Prunkbaus und dessen Einweihung (Fortsetzung Kap. 3); "Pafde zu G-TT" XI:, Purim- Pessach 5746, S. 9-11: Zur Gestalt des Rabbi Nissan Beck und die Beziehungen der Chassidim zum Bethaus (Fortsetzung Kap. 4); Rav Daviv Rabbinowitz, "Michtaweij Kodesch", Sendung des Nissan Beck in: "Tiferet Jisrael – der Rozin Dynastie", Sammlung über Thora und Chassiduth, Nissan-Ijar 5746 S. 39-27. 20. Briefe des Rabbi Jisrael von Sadegora und Rabbi Jisrael von Czortkow in: "Pfade zu G-tt" XXV., 5744, S. 21 (s. auch in Kerem Chassiduth II. Ed. Chajim Silberschlag, Jerusalem 5745 S. ff.367-372) 21. Schriften des B.S. Herzl, Memoiren in sechs Bänden, Tel-Aviv 5710, Band I. S. 35, 153/ Herzl schreibt dort über Sadegora (er wollte ihn als religiösen Leiter einsetzen und seinen Wohnort als Wahlfartsstätte). 22. Ben-Zion Dinburg (Dinor), Chibat Zion, Tel-Aviv 5692, 2. Teil. 23. N.M. Gelber meint, dass die Vertreter der Zionistischen Gewerkschaft für das scheitern der Verhandlungen mit dem Vermittler Aharon Markus verantwortlich seien (10. Jahres Jubiläums-Journal des Hazofe 9.1.1948). Mordechai Seilberg im "Buch Czortkow" (Ed. Jeschajahu Oster-Dan), Haifa – Tel-Aviv, 5727, S. 56 meint dagegen, es sei der Gabai (eine Art Buttler und Stellvertreter) des Admor (Mosche David Vater des Rabbi Jisrael) gewesen, der den Kontakt mit ihm erschwert hätte. 24. Rabbi Jisrael von Czortkow lud noch 1917 vor Verlautbahrung der Balfour-Dekleration dem Admor Mosche Halberstamm von Schineweh zwei mal ein und korrespondierte in der o.e. Angelegenheit mit dem Admor Abraham Mordechai von Gur (Rabbi Mordechai Nachum von Czortkow, Buch "Doresch Tow", Jerusalem, 5724, S. 161) 25. Rabbi Jisrael von Czortkow war eine der Zentralveranstalter der Gründungsversammlung der Agudath Jisrael in Kattowitz (1912). Sein Sohn, Dov Bär, und Rabbi Schlaom Josef von Sadegora waren Mitglieder der Föderation der Agudath Jisrael, der letztere war auch Mitglied des Thora-Fonds und der internationalen Leitung. Jakob Rosenheim beriet sich üblicherweise mit ihm. Rabbi Abraham Jakob II. Von Sadegora und Rabbi Mosche von Bojan waren Mitglieder des Rates der Thoragelehrten. Der Rabbi von Gur und Rav Chajim Ojzer Grodj'enski berieten sich oft mit Rabbi Mosche. 26. Schimschon Chassidah, zum 39. Todestag des Admor Rabbi Nachum Mordechai von Czortkow ges.A., in "Pfade zu G-tt" VIII., purim 5745, S. 16-17. Er verstarb 1946. Nach dem Tode seines Sohnes Schlomo starb dieser Ast der Dynastie aus. ("Das Buch Czortkow", Haifa – Tel-Aviv, 5727, ed. Dr. Hjeschajahu Oster-Dan; dort David Seilberg, die Czortkow-Dynastie, S. 55-60). 27. Weinstock, S. 14 28. über Rabbi Zwie Arijeh Twerski, Verfasser von "Hatow ve-Hatachlith", s. Alfasi, "Der Chassidismus", S. 71, 86. 29. über Rabbi Jakob Josef Twerski interviewte ich seinen Sohn Jochanan am 27.5.1986. S. dazu auch J. Alfasi, in "Der Chassidismus". Herr Jochanan Twerski übergab mir Dokumente über seinen Vater, die mir beim Verfassen mehrerer Kapitel halfen. 30. "Malchuth sche-Bagwura", anlässlich des Todestages des Admor Mordechai Schlaom Josef ges.A., Tel-Aviv, 5741, S. 10-13. 31. Auszug aus "Mein Tagebuch" von Rabbi Schlomo Chajim Friedmann, "Dwarim be-Itam", S. 27, Weinstock S. 11-12. 32. Abraham Jakob Silberschlag über den Admor Rabbi Jisrael von Husslatyn ges.A. in "Pfade zu G-tt" X., Channukah 5741, S. 10 ff. 33. Weinstock S. 14-15. Rabbi Jakob verstarb 1957. Sein Nachfolger war sein Sohn Jizchak, der 1969 verstarb. Dies war das Ende der Dynastie ("Buch Husslatyn", Verlag der aus Husslatyn stammenden, Tel-Aviv 1975) 34. über den Admor Chajim Jechiel Schapirah, s. weiters Kap. 16, P. 8. Weiters über die Gründung der Gesellschaft zur Besiedlung des Heiligen Landes über seinen Sohn und die Gründung von Kfar Chassidim, dort Fussnoten 10 u. 11. 35. Jüdische Woche, Nr. 1, 19.10.1923; Schon ab 1903 kam es seitens Meir Maiersohn und anderen zu Versuchen eine Vereinigung mit Manen "Machsikeh ha-Daas" zu gründen. Diese Vereinigung konnte sich aber nur kurz erhalten. 1920 kam es zu einem Versuch auch die "Agudath Jisrael" zu gründen. (B. Komet, Esrat Jisrael –Hilfe für Israel, Wien 1921) 36. Jisrael Hornstein gehörte zu den Kreisen der Chassiduth Sadegora aber der Ritus des polnischen Bethauses war doch Aschkenaz. 37. J. Wo. Nr. 3, 2.1.1923, S. 5 38. J. Wo. Nr. 5, 16.11.1923, S. 2 39. Palmon 106 40. Palmon 108 41. dort: s. dazu auch: J.P. Nr. 43, 24.10.1924, S. 285 –die Wahlen in der Kultusgemeinde 42. Palmon 110 43. Palmon 122 44. Palmon 123: diese Wahlliste erhielt 451 Stimmen laut: Materialmappe zum Thema Juden in Österreich 1938 (Zusammengestellt von Avschalom Hodik, Peter Machina, Gustav Spann vom Institus für zeitgeschichte der Universität Wien und der I.K.G. Wien, redaktionelle Betreuung, Gerlinde Reppl, Februar 1982, S. 16, Bericht der I.K.G. 1922 – 1924, 4) 45. J.P. Nr. 9, 19.2.1926: Die Gründerversammlung der "Hitachduth ha-Jirim" fand im Turnsaal der "Talmud-Thora"-Schule stadt (Malzgasse 16). Die Adresse der Organisation war in der Heinestrasse 15/30. -J.P. Nr. 15, 20.4.1928, S.105 46. J.P. Nr. 18, 30.4.1926, S. 133 47. Ich interviewte Frau Ida Stern, die Tochter des Osias März über ihn am 10.1.1986. 48. In Deutschland waren die Verhältnisse ähnlich; Yehuda ben Avner schrieb dazu: " so war dies nun, da die Deutsche Orthodoxie sehr an der Zusammenarbeit mit den Neuankömmlingen in Gemeindeangelegenheiten interessiert war...es gab aber Gemeinden, die den osteuropäischen Juden jahrelang das Waghlrecht verweigerten (s. Kap. I, Yehuda ben Avner: "Vom Orthodoxen Judentum zwischen den Weltkriegen", Hildesheim Zürich – New York 1987, S. 11 49. J.P. Nr. 15, 20.4.1928, S. 101 "Die Thoratreuen Ostjuden"; Ein Aufruf der "Achduth Jisrael" der zur Vereinigung aller jüdischen Brüder aufrief... 50. J.P. Nr. 17, 4.5.1928, S. 188; Zuschriften an die Redaktion 51. dort 52. dort 53. Palmon 166 54. dort 55. Palmon 166-167 56. Palmon 167 57. "Die Apolitischen" erhielten 1041 Stimmen und die Mizrachi 837 Stimmen (Palmon 213) 58. J.P. Nr. 9, 2.3.1934, Briefe an die Redaktion, S. 5 – die Redaktion wies darauf hin, sie sei für den Inhalt der Briefe nicht verantwortlich 59. dort, Hinweis 57 60. Palmon 270: Die Liste des Adolf Stand erhielt 767 Stimmen (er war Vertreter der galizianischen Juden), die Liste der Jugendlichen erhielt 190 Stimmen. 61. Der Admor Abraham Jakob von Sadegora zeigte mir dieses Zeugnis während unseres Interviews am 2.5.1986 62. Herr Sigmund Stern schrieb mir am 23.12.1986 von London über diese angelegenheit und Herr Schlomo Spitzer (Jerusalem) bestätigte dies. 63. "Daath Mosche", halachische Korrespondenz, Jerusalem, 5744, zeichen 39 (Die Frage aus dem Jahre 5692) 64. dort S. 24, 18. Schreiben 65. J.P. Nr. 27, 8.7.1927, 179 "Der Belser" 66. Dies Listen des Davis Schlesinger waren im Anhang der "Jiddischen Presse", die mir der Rav Jakob Pollak geborgt hat (Auszug 1931 – 1936)
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