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Sinnlosigkeit der Sinnlosigkeiten, sagt Kohelet, Sinnlosigkeit der Sinnlosigkeiten! Alles ist sinnlos!
 
Dieser erste Satz des Buches Kohelet, welches wir am Schabbat Chol Hamo'ed Sukkot lesen, klingt auf den ersten Blick nach einem sehr verzweifelten Ausruf. Ähnlich verhält es sich mit einem Satz im Unetane-Tokef-Gebet, das wir zu Rosch Haschana und Jom Kippur gesagt haben: "Der Ursprung des Menschen ist Staub und sein Ende ist Staub."
Doch in Wahrheit sind diese beiden Sätze kein Zeichen der Verzweiflung sondern der Aufmunterung und ein Hoffnungsschimmer. Wüssten wir, dass unser Leben mit Gold beginnt und im Staub endet, wäre dies tatsächlich ein Grund zur Verzweiflung. Wüssten wir, dass alles im Leben eine Bedeutung hat, könnten wir leicht aufgrund jeden Verlustes verzweifeln. Doch da wir wissen, dass wir im Staub beginnen und Enden, und dass alles weltliche im Endeffekt sinnlos ist, wissen wir zumindest, dass wir nichts verlieren können. Und es bleibt sogar ein Hoffnungsschimmer: Tschuwa, Tfila und Zdakka verhindern, wie wir im "Unetane Tokef" sagen, ein harsches Urteil, und wie das Buch Kohelet am Ende sagt, können wir durch G'ttesfurcht und das Einhalten der Gebote dem Leben doch einen Sinn geben.

 Im Buch Kohelet steht, dass "G'tt den Menschen aufrecht erschuf, sie aber sie suchten viele Versuchungen." Es fällt auf, dass zuerst vom Menschen in der Einzahl gesprochen wird, der Passuk dann aber in der Mehrzahl weiterspricht.
Damit wird darauf angespielt, dass der Mensch, auch wenn er anständig und ehrlich ist, von seinem Umfeld negativ beeinflusst wurd. Der erste Teil des Satzes spricht also vom einzelnen Menschen, der sich bemüht, ehrlich und anständig zu sein, der zweite Teil spricht dann von den Menschen aus dem Umfeld, die versuchen, den Menschen von seinem Weg abzubringen.
Man kann diesen merkwürdigen Satzbau aber auch auf das jüdische Volk als ganzes beziehen. G'tt schuf uns so, dass wir der Tora folgen können und ein anständiges Leben führen können. Doch die uns umgebenden Völker versuchen, uns in Versuchung zu bringen. Gerade in der Diaspora, wo wir in unserem tagtäglichen Leben mit unserem nichtjüdischen Umfeld zu tun haben, müssen wir aufpassen, dass wir uns durch dieses Umfeld nicht beeinflussen lassen und uns nicht assimilieren.

Die Tora sagt im Buch Wajikra, dass der achte Tag, nach Sukkot, ein "Azeret" ist. Raschi erklärt, dass Azeret vom Wort "zurückhalten" kommt. Er vergleicht dieses Fest mit einem König, der seine Kinder für einige Tage einlädt. Bevor sie gehen, bittet er sie, noch einen Tag länger zu bleiben, weil es ihm schwer fällt, Abschied zu nehmen. Die Gmara ergänzt: Der König sagt noch: Macht mir eine kleine Mahlzeit, damit ich mich an euch erfreuen kann.

Und genau so ist es mit dem G'tt und dem Jüdischen Volk: Wir haben sieben Tage Sukkot gefeiert, sind in der Sukkah gesessen, hatten die Arba Minim, haben jeden Tag Hallel gesagt, und haben jeden Tag unzählige Mizwot erfüllt. Dann ist das Fest vorbei, und alle wollen nach Hause. Daher sagt G'tt: Bleibt noch einen Tag, machen wir eine kleine Mahlzeit, um uns voneinander zu verabschieden, damit ich mich an euch erfreue. Das ist Schmini Azeret.

Aber was ist mit einer "kleinen Mahlzeit" gemeint?

Es gibt zwei Arten von Treffen zwischen zwei Leuten. Entweder man trifft sich um zu Essen, aber natürlich unterhält man sich dabei auch. Oder aber man trifft sich, weil man sich unterhalten möchte, miteinander sprechen möchte, und nebenbei isst man auch etwas. Das ist mit einer "kleinen Mahlzeit" gemeint.

Sieben Tage sind wir in der Sukkah gesessen und haben gegessen, und das war der Zweck. Aber am achten Tag, zu Schmini Azeret sagt G'tt uns: Sitzt nicht mehr in der Sukkah. Macht mir eine kleine Mahlzeit. Ich möchte mit euch zusammen Tora lernen, beten und noch einen Tag zusammenbleiben. Natürlich werden wir auch Essen, wie zu jedem Feiertag, aber die Hauptsache ist, dass ich mich an euch erfreue.