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Der anstehende Feiertag hat in der Tora mehrere Namen. Einer davon ist Schawuot, doch auch Chag Habikkurim und Azeret (Unterbrechung, Einschränkung) sind Namen, mit denen die Tora das Fest bezeichnet. In der Gemara wird diskutiert, ob die Feiertage ganz G'tt (zum Lernen), ganz uns (zum Essen und Trinken) oder doch beiden zur Hälfte gewidmet sind. Bezüglich Schawuot sind sich aber alle einig, dass man auch Zeit dem Essen und Trinken widmen muss. Dies ist überraschend, da man gerade am Tag der Toragabe meinen könnte, dass man nur fasten und lernen soll. Die Grundlage der Tora ist das Aufhören. Die Tora ist eine Tora des Lebens. Man soll lernen, aber auch genauso Essen (und Birkat Hamason) sagen. Dies steht im Gegensatz zu diveren Sekten, die eine asketische Lebensweise predigten. Es ist also alles erlaubt, aber die Tora gibt uns die notwendige Balance, wie die Dinge zu tun sind, und wo wir aufhören sollen, die Dinge zu tun. Wir dürfen Fleisch essen, aber danach dürfen wir nicht sofort Milch trinken. Wir dürfen Brot essen, aber wir müssen vorher die Hände waschen und nachher Birkat Hamason sagen. Das ist die Bedeutung des Namens Azeret für das Fest, an dem wir die Tora bekommen haben, die uns die notwendigen Einschränkungen gibt. Weshalb heißt der Berg, an dem wir die Tora bekommen haben, Sinai? Aufgrund der Toragabe beneideten uns die anderen Völker und hassten uns in der Folge. Das Wort für Hass, "Siná" ist dem Wort Sinai sehr ähnlich. Doch dieser Hass ist eines der Geschenke G'ttes an uns, denn dieser erzwungene Abstand von den anderen Völkern verhindert Assimilation, die uns ansonsten bedrohen würde. Die Toragabe unterbricht also die Assimilation , und auch das ist eine Bedeutung des Namens Azeret für den Feiertag, an dem wir die Tora erhalten.

 


Es gibt den Minhag, zu Schawuot milchig zu essen. Eine Erklärung dazu von Raw Chaim Vital ordnet jedem Tag des Sonnenjahres eines der 365 Verbote der Tora zu. Dieses Verbot hat eine besondere Verbindung zu diesem Tag, an diesem muss auf dieses Verbot besonders geachtet werden. Das Schawuot zugeordnete Verbot ist jenes, Fleisch und Milch zusammen zu genießen.

Eine andere Erklärung des Be'er Hetev bezieht sich auf einen Midrasch. Als Mosche die Tora empfangen wollte, wendeten die Engel ein, dass Menschen gar nicht würdig sind, die heilige Tora zu empfangen. Diese soll statt dessen ihnen, den Engeln, gegeben werden. Doch G'tt wendete ein, dass die Engel bei Awraham Fleisch und Milch zusammen gegessen haben. Sie haben damit gezeigt, dass sie keine wirkliche Verbindung zur Tora haben, die Tora steht also uns Menschen zu. Das Verbot, Fleisch und Milch zusammen zu essen hat uns also überhaupt erst die Tora für uns gesichert.

Aus diesen Gründen bemühen wir uns an diesem Tag, an dem wir die Tora erhalten haben, besonders, dieses Verbot einzuhalten: Wir essen milchig und fleischig und sind so gezwungen, die damit einhergehenden Halachot einzuhalten.


Als Ruth Boas erzählt hatte, wer sie für ihn war und was ihr Plan ist, antwortete ihr dieser zwei Mal, dass sie belohnt werden wird. Eine Belohnung stand ihr für ihre Taten zu, für ihre Entscheidung, mit Naomi mitzugehen und sich dem jüdischen Volk anzuschließen. Doch davon abgesehen stellte ihr Übertritt auch das Vorbild für alle Übertritte bis heute dar, ihr Verhalten lehrt uns, wie ein richtiger Übertritt aussieht. Dafür, dass sie uns das beigebracht hat, stand ihr eine zweite Belohnung zu.

Auch wenn wir lernen, in der Nacht von Schawuot, aber auch zu jeder anderen Zeit, tun wir dies nicht nur für uns. Wir sind so G'tt will auch ein Vorbild für unsere Familie, unsere Freunde und Nachbarn, und in weiterer Folge auch für alle weiteren Generationen, die von uns die Wichtigkeit des Lernens der Tora und des Einhaltes ihrer Gebote lernen.


Nachdem Naomi nach dem Tod ihres Mannes und ihrer Söhne mit ihrer Schwiegertochter Ruth von Moaw zurück nach Israel gekehrt ist, geht Ruth zu den Feldern um Getreide für sich und ihre Schwiegermutter zu sammeln. Sie kommt zum Feld des Boas, der ein Cousin von Naomi ist. Naomi will daraufhin, dass Boas Ruth heiratet. Boas ist damit einverstanden, muss aber noch einen näheren Verwandten fragen, da dieser ein Vorrecht für den Jibum, also die Schwagerehe, hat. Als Ruth vom Gespräch mit Boas zurückkommt, beruhigt Naomi sie: "Bleibe ruhig sitzen, meine Tochter, bis du weißt, was sich ergibt, denn der Mann wird nicht ruhen, bis er die Sache heute geklärt hat."

Weshalb war diese Sache so wichtig, und woher wusste Naomi, dass Boas sich noch am selben Tag darum kümmern würde?

Boas, der ein Mitglied des Sanhedrin war, berücksichtigte das Prinzip "Srisim makdimim lemizwot", d.h. dass man die Mizwot so bald erfüllen soll, wie man kann. Wenn man eine Mizwa heute erledigen kann, soll man sie nicht auf morgen verschieben. Deshalb war es ihm wichtig, Ruth noch am selben Tag zu heiraten. Das ist allgemein ein wichtiges Prinzip der Tora: Wenn man zum Beispiel lernen will, soll man es gleich machen, und es nicht verschieben.

Der Midrasch sagt, dass Boas am Tag nach der Hochzeit gestorben ist. Es gibt auch einen Hinweis darauf, denn später in der Megilla steht, dass Ruth einen Sohn bekommen hat, Boas wird aber nicht mehr erwähnt. Hätte er sich also nicht beeilt, und auch nur einen Tag gewartet, wäre die Hochzeit nicht zustande gekommen und König David, der Ururenkel der beiden, wäre nie geboren worden. Wir haben König David, und damit auch seinen Nachfahren, den Maschiach, also im Verdienste von "Srisim makdimim lemizwot" erhalten.

Man sollte sich also immer denken, dass es kein Morgen gibt, denn morgen könnte die Gelegenheit, eine Mizwa zu machen oder jemanden zu helfen schon vorbei sein.