(...) und dort hat er zu bleiben, bis der Kohen Gadol stirbt, den er mit dem heiligen Öl gesalbt hat.

Gegen Ende der Parascha dieser Woche werden die Regeln für einen Menschen beschrieben, der einen anderen tötet, ohne es zu beabsichtigen. Ein solcher Mensch muss in eine dafür eingerichtete Zufluchtsstadt fliehen, wo er bis zum Tod des amtierenden Kohen Gadol bleiben muss. Doch weshalb bezeichnet der Pasuk diesen Kohen Gadol als den, "den er mit dem heiligen Öl gesalbt hat?" Der Kohen Gadol wurde schließlich nicht von den zukünftigen Tätern gesalbt!
Die Gemara liest den Text etwas anders und verändert damit den Sinn, doch der Meschech Chochma sucht eine Erklärung, die mit dem wörtlichen Text der Tora vereinbar ist. Der Seforno erklärt, dass verschiedene Täter verschieden lange Aufenthalte erleiden müssen, entsprechend der unterschiedlichen Ausprägungen der Fahrlässigkeit, mit der sie gehandelt haben. Während der eine, der beinahe aufgrund höherer Gewalt gehandelt hat, nur kurz bleiben muss, bleibt ein anderer, der beinahe schon vorsätzlich gehandelt hat, viel länger. Im Sinne des Meschech Chochma kann man daher erklären, dass G'tt den Verlauf der Dinge so führt, dass der erste kurz vor dem Ableben eines Kohen Gadol Zuflucht nehmen muss, während dies beim zweiten Fall kurz nach Amtsantritt eines jungen Kohen Gadol geschehen wird, der noch lange im Amt bleiben wird.
In diesem Sinne ist der Pasuk zu verstehen: Der Kohen Gadol wurde gewissermaßen vom Täter für sein Amt bestimmt, den je nach Schwere der bevorstehenden legt G'tt fest, wer wie lange Kohen Gadol wird.

 


In der Parascha dieser Woche werden die 42 Stationen der Wüstenwanderung aufgezählt. Bei manchen Orten, die vom Volk während der 40 Jahre dauernden Reise besucht wurden, wird auch erwähnt, was dort passiert ist. Doch einige einschneidende Ereignisse kommen in dieser Aufzählung nicht vor. Während das bei der Sünde des Goldenen Kalbes, bei Korachs versuchter Revolte oder der Sünde der Kundschafter verständlich ist, es sollen nicht noch einmal die dunklen Episoden unserer Geschichte aufgewärmt werden, ist es auf den ersten Blick unerklärlich, weshalb ausgerechnet die Toragabe, mit Sicherheit das einschneidenste Ereignis der vergangenen 40 Jahre, nicht erwähnt wird. Die Tora begnügt sich mit der Feststellung, dass das Volk zum Berg Sinai kam.


In der Parascha dieser Woche werden die 42 Stationen der Wüstenwanderung aufgezählt. Bei manchen Orten, die vom Volk während der 40 Jahre dauernden Reise besucht wurden, wird auch erwähnt, was dort passiert ist. Doch einige einschneidende Ereignisse kommen in dieser Aufzählung nicht vor. Während das bei der Sünde des Goldenen Kalbes, bei Korachs versuchter Revolte oder der Sünde der Kundschafter verständlich ist, es sollen nicht noch einmal die dunklen Episoden unserer Geschichte aufgewärmt werden, ist es auf den ersten Blick unerklärlich, weshalb ausgerechnet die Toragabe, mit Sicherheit das einschneidenste Ereignis der vergangenen 40 Jahre, nicht erwähnt wird. Die Tora begnügt sich mit der Feststellung, dass das Volk zum Berg Sinai kam.Es wird auch die Frage gestellt, weshalb die Tora ausgerechnet am Berg Sinai gegeben wurde, mitten in der unbewohnten Wüste außerhalb Israels, und nicht in Israel, vielleicht sogar in Jeruschalajim, beim Tempelberg. Wäre die Tora in Israel gegeben worden, hätte man aber auf die Idee kommen können, dass die Tora vielleicht auch nur in Israel eingehalten werden muss. Deshalb gab G'tt uns die Tora bewusst "im Nirgendwo", damit wir die Tora an keinem Ort festmachen.Deshalb wird die Toragabe auch nicht in der dieswöchigen Parascha, in der alle Orte der Wanderung aufgelistet werden, erwähnt, denn auch hier könnte man auf den Gedanken kommen, die Tora zu sehr mit dem Ort, an dem wir sie das erste Mal erhalten haben, zu verbinden.In diesen Tagen, in denen Israel leider wieder gegen seine Feinde kämpfen muss, brauchen wir eine besonderes Enge Verbindung zu G'tt, und müssen dafür beten, dass er mit uns Erbarmen hat. Uns zeichnet als Volk die Tora aus, und deshalb müssen wir besonders in Zeiten wie diesen unsere Verbindung zur Tora stärken, in dem wir sie einhalten und sie lernen, jeder auf seiner Stufe, um damit G'ttes Erbarmen zu wecken.


In der Parascha dieser Woche werden insgesamt 42 Stationen des Volkes in der Wüste  von Ägypten bis zur Grenze nach Israel aufgezählt, die dieses in den 40 Jahren besuchte. Dabei wird jeweils der Ort der Abreise und der Ort der Ankunft erwähnt.Weshalb nennt uns die Tora die Namen dieser Orte, die für uns heute keine Bedeutung mehr haben? Und wieso erwähnt sie scheinbar unnötigerweise immer den Abreise- und den Ankunftsort? Nachdem der vorige Ankunftsort bekannt ist, wüssten wir auch, wo das Volk abreiste.Es gibt zwei Gründe für einen Menschen, die Reise von einem Ort zum anderen anzutreten. Einerseits kann es sein, dass er weiß, dass es am Zielort etwas besonderes gibt, weshalb er ihn erreichen will. Andererseits kann er aber auch in erster Linie nur den Ursprungsort verlassen wollen. So war es auch bei der Reise von Ägypten nach Israel. Ein Teil wollte nach Israel reisen, während ein anderer Teil nur aus Ägypten weg, aber nicht unbedingt nach Israel wollte.Das deutet auch die Tora an, wenn sie zuerst schreibt, dass das Volk an einem Ort angekommen ist, es also einen Schritt näher nach Israel gekommen ist, und dann erwähnt, dass es sich von diesem Ort, und damit von Ägypten, entfernte.Wir hoffen, dass wir nach Israel kommen, weil wir dorthin wollen, und nicht, weil wir unseren Ursprungsort verlassen müssen, weshalb wir auch am Schabbat zu Mussaf sagen: "Bring uns mit Freude (nach Israel)".


In der Parascha dieser Woche werden die "Arej Miklat", die Zufluchtsstätte, beschrieben. Nach der Besiedlung des Landes Israel sollen sechs Städte eingerichtet werden, in die Leute, die unabsichtlich getötet haben, vor den Angehörigen des Opfers Schutz beziehen können, damit diese nicht den Tod ihres Angehörigen Rächen.In der Tora gibt es auch das Gebot, eine Beschilderung zu diesen Zufluchtsstätten einzurichten, damit ein Täter sofort die nächstgelegene findet.Interessanterweise gibt es kein derartiges Gebot beim anderen Fall, in dem Leute eine bestimmte ihnen unter Umständen nicht bekannt Stadt aufsuchen müssen: Bei den Wallfahrt nach Jeruschalajim zu den Feiertagen.Eine Erklärung hierfür besagt, dass damit die würde des Täters gewahrt werden soll. Dass er Zuflucht in einer Ir Miklat nehmen muss ist Strafe genug, er soll nicht auch noch anderen enthüllen müssen, was er getan hat, in dem er sie nach dem Weg fragt. Dies ist natürlich bei der Wallfahrt anders, wo man durch das Lob und die Anerkennung, die man beim Fragen nach dem Weg erhält, bestätigt wird.Eine andere Erklärung meint, dass die Tora Kontakt zwischen den Leute auf dem Weg und dem Täter verhindern will, den jeder Kontakt zwischen zwei Leuten schafft eine emotionelle Bindung, und jede Begegnung hat einen Einfluss auf den Menschen, was man bei jemandem, der soeben jemanden getötet hat, verhinder will. Im Falle der Wallfahrer verlangt die Tora keine Schilder, damit man unterwegs nach dem Weg fragen muss, und die Leute so in Kontakt mit Leuten kommen, die eine Mizwa auf sich genommen haben, und so von diesen Wallfahrern beeinflusst werden.


In der Parascha dieser Woche befiehlt G'tt Mosche, die Stationen der Wanderung der Juden in der Wüste aufzuschreiben. In der Tora steht: "Er schrieb ihre Aufbrüche zu ihren Weiterzügen (...) und dies sind ihre Weiterzüge zu ihren Aufbrüchen." Was will uns die Tora mit diesen beiden Formulierungen sagen?Nach dem Auszug aus Ägypten bewegten sich die Juden zunächst vorwärts. Anschließend bewegten sie sich aber wieder in die andere Richtung - in Richtung "ihrer Aufbrüche" um so die Ägypter anlocken zu können, damit G'tt diese bestrafen konnte.Während der 40jährigen Wanderung durch die Wüste suchten die Juden einige Male darum an, fremdes Gebiet durchqueren zu dürfen. Wenn ihnen das untersagt wurde, mussten sie den Weg, den sie gekommen waren, wieder zurück gehen - sie mussten zu "ihren Aufbruchsorten weiterziehen."Nach Aharons Tod verschwanden die g'ttlichen Schutzwolken, die Ananej Kawod, die in Aharons Verdienst die Juden in der Wüste vor allen Gefahren bewahrten. Das Volk geriet daraufhin in Panik und zog sehr schnell den Rückzug von der Richtung Land Israel in Richtung Wüste an: Sie zogen zu ihren Aufbruchsorten weiter.Alle drei Episoden erklären die eingangs zitierte Formulierung. Es gibt aber auch einen philosophischen Ansatz zu dieser Frage:Es kann im Leben immer wieder geschehen, dass jemand ins Ausland oder in eine andere Stadt siedelt. Dafür kann es oberflächlich betrachtet verschiedenste Gründe geben, zum Beispiel eine Eheschließung, ein besserer Job, etc. In den Worten des Passuks: "man bricht auf und zieht weiter." Man muss aber wissen, dass es neben den offensichtlichen Anlässen für so eine Übersiedlung immer auch einen tieferliegenden Grund gibt. Man geht woanders nicht um dieses "Weiterziehens" Willen, sondern man zieht weiter, um zum Beispiel Erfahrungen mitzunehmen, oder Gelegenheiten zu ergreifen, die es am Aufbruchsort nicht gibt. In den Worten des Passuks: "man zieht weiter um der Aufbrüche willen".Die Tora will uns also auch vermitteln, dass wir uns bei jedem Ereignis, das das Leben entscheident ändert, auch überlegen sollen, was die tieferliegenden Gründe dafür sind, und wie wir uns dementsprechend verhalten.


In der dieswöchigen Parascha werden die Arej Miklat besprochen. Jemand, der unabsichtlich einen Menschen tötet, musste in eine dieser Zufluchtsstädte fliehen, um der Blutrache der Angehörigen des Opfers zu entgehen. Nach einer anderen Erklärung diente der Aufenthalt in der Zufluchtsstadt auch der Buße. Der Täter musste dann dort bleiben, bis der amtierende Kohen Gadol verstarb.Es gibt drei Meinungen über die halachische Einstufung der Blutrache nach einer solchen Tötung: Nach einer Meinung war die Blutrache erlaubt, aber freiwillig. Nach einer anderen Meinung war sie eine Mizwa, und nach der dritten Meinung sogar eine Pflicht.Doch wie ist es erklärbar, dass die Tora den Angehörigen eines unabsichtlich getöteten erlaubt, oder sogar befiehlt, den Täter zu töten?Die Erklärung liegt darin, dass der Mensch für alles verantwortlich ist, was er tut, und es deshalb so etwas wie "unabsichtliches Töten" eigentlich gar nicht gibt. Man muss auf jede Bewegung und jede Handlung genau achten, weshalb man auch für unabsichtliches Verhalten haftet, sei es duch das Leisten von Schadenersatz oder durch das Erleiden einer Strafe.Dementsprechend ist es ein Akt der Barmherzigkeit G'ttes, dass es die Möglichkeit gab, der Blutrache zu entgehen, und die Zeit in der Zufluchtsstadt für Buße und Besserung zu nutzen.