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Gedanken zur Parascha von Raw Pardess
Die Parascha dieser Woche beginnt mit der Beschreibung, dass Korach, Datan, Awiram, On und 250 angesehene Männer aus dem Volk vor Mosche traten, um ihre Revolte zu starten. Genau betrachtet werden aber zuerst Korach, Datan, Awiram und On erwähnt, und dann steht, dass sie vor Mosche traten, "mit Männern der Kinder Israels, 250 Fürsten unter ihnen." Aus einem Passuk in den Tehillim wissen wir, dass sich die Revolte gegen Mosche und Aharon richtete. An dieser ungewöhnlichen Satzstellung erkennen wir, dass Korach, Datan, Awiram und On sich vor Mosche stellten, dass sie sich also gegen die Führung Mosches richteten, während die 250 Fürsten, die erst danach erwähnt werden, sich gegen Aharon als Kohen Gadol richteten. Deshalb waren es auch sie, die sich später bereit erklärten, ein Opfer zu bringen, um zu beweisen, dass sie genauso wie Aharon verdienen, Kohen Gadol zu sein. In der Mischna in Pirkej Awot lernen wir den Unterschied zwischen einer Meinungsverschiedenheit, die im Namen G'ttes geführt wird, und einer, die aus anderen Motiven geführt wird. Ein Beispiel für die erste Variante ist dabei die Diskussion zwischen "Schammai und Hillel", während ein Beispiel für die zweite Variante der Streit "von Korach und seinem Gefolge" ist. Fast alle Kommentatoren fragen, ob es nicht heißen müsste: "der Streit von Korach und Mosche." Doch in Wirklichkeit ist die Frage auch gleich ihre eigene Antwort: Einen Streit, der nicht im Namen G'ttes geführt wird, erkennt man daran, dass die Gruppe in sich zerstritten ist und kein gemeinsames Ziel verfolgt. Es gab also tatsächlich einen Streit zwischen Korach und seinen Anhängern, was beweist, dass es sich nicht um eine ehrlich geführte Diskussion handelt. Deshalb führt die Mischna als Beispiel für einen nicht im Namen G'ttes geführten Streit den von "Korach und seinem Gefolge" an. Unser Passuk weist auf diesen Umstand hin, indem er die Beschreibung der Revolte von Korach und seinen Anhängern auch sprachlich klar voneinander trennt, um zu zeigen, dass sie nicht die gleichen Ziele verfolgten. Das beweist, dass sie diese Revolte nur zu ihrem eigenen Nutzen geführt haben.
In der dieswöchigen Parascha lesen wir vom Aufstand Korachs mit seinen 250 Anhängern. Da wir auch lernen, dass sowohl Korach als auch seine Anhänger wichtige und angesehene Männern waren, sogar Gerichtsvorsteher, stellt sich die Frage, weshalb doch so viele so irren konnten, und die von G'tt eingesetzte Führung in Frage stellten. Die Gmara erzählt die Geschichte von Raw Ilisch, der im Gefängnis saß, wo es auch einen Raben gab, der etwas sagte. Ein nichtjüdischer Mithäftling, der die Sprache der Tiere verstand, übersetzte ihm die Worte des Raben: "Flüchte, Ilisch, flüchte!" Als schließlich auch eine Taube das gleiche sagte, flüchtete Raw Ilisch tatsächlich und hatte damit Erfolg. Doch in Wirklichkeit verstand Raw Ilisch selber die Sprache der Tiere. Er lies sich die Worte des Raben und der Taube trotzdem von seinem Mithäftling übersetzen, denn er befürchtete, dass er selbst nicht unbefangen ist, und sich vielleicht nur einbildete zu hören, was er gerne gehört hätte. Denn der Mensch ist, wenn es um ihn selbst geht, sehr leicht beeinflusst und entscheidet nicht mehr rational. Das war auch der Grund für das Verhalten von Korach und seinen Anhängern. Sie haben sich ehrenvolle Aufgaben für sich selbst erhofft, und waren deshalb nicht mehr in der Lage, die Situation objektiv zu erfassen. So ließen sie sich zu einem Aufstand gegen Mosche und Aharon hinreißen.
Im Zuge des Aufstands von Korach legen die Anführer aller Stämme jeweils einen Stab ins Stiftszelt. Am nächsten Tag sind alle Stäbe unverändert, bis auf den von Aharon, dem Vertreter des Stammes Levi. Auf dessen Stab haben Mandeln zu blühen begonnen. Die Tora will damit symbolisieren, dass die Strafe desjenigen, der sich gegen die gerechte Herrschaft auflehnt, schnell kommt, so wie auch der Mandelbaum im Vergleich zu anderen Pflanzen sehr schnell blüht. Bei anderen Sünden wir die Strafe länger hinausgezögert, um eine Gelegenheit zur Tschuwa zu geben.
Doch weshalb kam die Strafe gegen Korach und seine Verbündeten eigentlich so schnell und hart? Weshalb wurden die Aufrührer unmittelbar vom Erdboden verschluckt? Die Tora erwähnt andere Fälle von Aufständen, in denen wesentlich leichtere Strafen, wie zum Beispiel ein Zara'at-Aussatz verhängt wurden.
Ein Aufstand gegen Mosche und Aharon war mehr als ein gewöhnlicher Aufstand gegen eine Regierung. Ein solcher Aufstand stellte nicht nur Mosches Führung, sondern damit auch seine Berufung durch G'tt in Frage. Damit war aber sofort auch die Urheberschaft der Tora und aller ihrer Anweisungen durch G'tt in Frage gestellt. Es ist deshalb auch einer der 13 Glaubensgrundsätze, dass Mosche ein wahrer Prophet ist und allen anderen vorangeht.
Letztlich wurden die Aufständischen lebendig verschluckt, sind also nicht gestorben. Dies geschah, damit sie noch die Gelegenheit haben, Tschuwa zu machen, da ihnen sonst wegen ihrer Sünden der Zugang zu Olam Haba, zur kommenden Welt, verwährt gewesen wäre. In der Parascha dieser Woche wird vom Aufstand Korachs gegen Mosche und Aharon berichtet. Nach einer Diskussionen verfügte Mosche schlussendlich, dass am nächsten Morgen von allen Aufrührern Weihrauch dargebracht werden soll. Raschi gibt zwei Begründungen für diese Verzögerung an: Es war bereits Abend, und deshalb standen einige bereits unter Alkoholeinfluss. In diesem Zustand ist es natürlich nicht möglich, vor G'tt zu treten.
In der Parascha der letzten Woche wollte Kalew ben Jefune, einer der beiden Kundschafter, der positiv über das Land Israel gesprochen hat, das Volk davon überzeugen, nicht auf den Bericht der zehn anderen Kundschafter zu hören. Um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen tat er zunächst so, als wollte er gegen Mosche sprechen, denn er fühlte, dass er so leichter Gehör beim Volk erreichen würde. Dann sprach er aber in Mosches Sinn weiter. Allerdings hörte das Volk nicht auf ihn. Obwohl das Volk seine Meinung nicht änderte, war Kalews Initiative dennoch wichtig: Das kurze Innehalten und Zuhören hat den Leuten die Möglichkeit geboten, zumindest noch einmal darüber nachzudenken, was sie eigentlich tun.
Das trifft auch auf die Stelle aus der dieswöchigen Parascha zu: Mosche vertröstete die Aufrührer auf den nächsten Morgen. So hatten sie die Gelegenheit, noch einmal über alles nachzudenken. Und tatsächlich war die Initiative diesmal von Erfolg gekrönt: On ben Pelet, der am Anfang noch am Aufstand beteiligt gewesen war, zog sich zurück, und entging so auch der Bestrafung.
Auch wir haben die Gelegenheit, über unsere Taten nachzudenken, um auf den richtigen Weg zurückzukehren: Zu Rosch Haschana und Jom Kippur gibt G'tt uns die Möglichkeit, Abstand zu gewinnen, und drei Tage lang intensiv über unser Verhalten nachzudenken, damit wir zu G'tt und dem Weg der Tora zurückkehren, und unsere Sünden verziehen werden.
In der Mischna, im Traktat Awot, steht: "Jeder Streit, der im Namen G'ttes geführt wird, hat zuletzt bleibenden Erfolg. Der aber nicht im Namen G'ttes geführt wird, hat keinen bleibenden Erfolg. Welches ist ein Streit, der im Namen G'ttes geführt wird? Das ist der Streit von Hillel und Schammai. Der nicht im Namen G'ttes geführte, das ist der Streit von Korach und seiner Gruppe.
Die Mischna bezieht sich dabei auf Korach, der in der dieswöchigen Parascha einen Aufstand gegen Mosche anzuzetteln versucht. Auffallend ist, dass beim Streit zwischen Hillel und Schammai beide Streitparteien genannt werden. Korachs Gegenspieler, Mosche und Aharon, werden aber nicht genannt. Der Grund ist, dass Korachs Gruppe nicht vereint für ihren Standpunkt gekämpft hat - es gab also eigentlich auch einen Streit innerhalb der Gruppe, zwischen Korach und der Gruppe, da alle Beteiligten andere Motive hatten. Daran erkennt man auch, dass der Streit nicht "im Namen G'ttes" geführt wurde.
Diese Mischna gibt uns aber auch ein weiteres Erkennungsmerkmal eines "im Namen G'ttes geführten" Streits: ein solcher wird bleibenden Erfolg haben, so wie die talmudischen Diskussion der Schulen von Hillel und Schammai, die bis heute gelernt werden, während ein aus persönlichem Interessere geführter Streit keinen bleibenden Erfolg haben wird.
Korach war der Anführer einer versuchten Rebellion des jüdischen Volks in der Wüste. Er warf Mosche und Aharon vor, sich und ihren nächsten Verwandten Posten zu geben, obwohl er, Korach, selber auch Anspruch darauf hätte. Bei der ersten Erwähnung von Korach werden seine Vorfahren bis zu seinem Urgroßvater Lewi angegeben. Dessen Vater, Ja'akow, wird nicht mehr erwähnt, obwohl er bei der Erwähnung von Korachs Sohn an einer anderen Stelle schon erwähnt wird. Raschi erklärt, dass Ja'akow sich vor seinem Tod von G'tt erbeten hat, nicht in Zusammenhang mit dieser Rebellion gennant zu werden.
Es stellt sich die Frage, weshalb er darum gebeten hat. Einerseits ist es kein Geheimnis, dass Korach, sowie das jüdischen Volk mit Ausnahme der Übertretenen, von Ja'akow abstammt. Andererseits wird die Abstammung Korachs von Ja'akow ja an anderer Stelle dokumentiert.
Ja'akow hatte einen anderen Grund, weshalb er in diesem Zusammenhang nicht erwähnt werden wollte: Charaktereigenschaften können vererbt werden. Dies ist nicht immer der Fall, und die Charakterbildung hat auch viel mit der Erziehung und dem Umfeld zu tun, aber Anlagen für bestimmte Charakterzüge können unter Umständen von Vorfahren geerbt werden. Ja'akow wollte im Zusammenhang mit diesem Streit nicht genannt werden, damit nicht der Verdacht aufkomme, die Anlage zu diesem schlechten Charakter Korachs sei von ihm vererbt worden.
Die dieswöchige Parascha erzählt vom Streit zwischen Korach und Mosche. Korach beschwert sich darüber, dass Mosche und Ahron die Posten - seiner Meinung nach - nach eigenen Vorlieben vergeben. Als Strafe wird Korach schlussendlich vom Erdboden verschluckt. Anschließend wollte Haschem den Juden noch ein sicheres Zeichen geben, dass er selber, und nicht Mosche, die Postenvergaben entschieden hat. Dazu legte der Führer jedes Stammes einen Stock ins Allerheiligste. Am nächsten morgen wuchsen nur auf dem Stab Ahrons Blumen und Mandeln. Damit war allen klar, dass Ahron von G'tt auserwählt wurde.
Doch wieso geschah dieses Wunder ausgerechnet mit Mandeln, und nicht zum Beispiel mit einer der sieben Früchte von Erez Israel? Die Mischna erklärt im Zusammenhang mit Truma (eine Abgabe an die Kohanim), die nur von reifen und eßbaren Früchten gegeben werden muss, dass es zwei Arten von Mandeln gibt: eine ist zuerst süß, wird dann aber bitter und ungenießbar. Die andere ist zuerst bitter, wird dann aber süß und genießbar. Raw Kook, der erste Oberrabbiner von Erez Israel (vor der Staatsgründung), deutet die Mandeln, die auf dem Stab Ahrons wuchsen, so: Ein Streit zwischen zwei Personen ist zuerst "süß", man streitet, diskutiert, etc. Aber dann wird er "bitter", die Beteiligten leiden unter dem Streit, reden nicht mehr miteinander. Dies entspricht der ersten Mandel. Eine Versöhnung ist zuerst "bitter": Man muss sich entschuldigen, Kompromisse eingehen. Doch dann ist sie "süß", man ist wieder befreundet, redet miteinander. Das ist die zweite Mandel. Die Mandel steht also für Streit und Versöhnung. G'tt will uns damit sagen, dass wir uns an die "zweite Mandel" halten sollten, uns nach einem Streit wieder versöhnen sollen. Deshalb hat er auf den Stab des Ahron, der den Frieden liebte, Mandeln wachsen lassen.
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