Die Tora verpflichtet uns, gefundene, zuvor verloren gegangene Gegenstände zu sich zu nehmen und in der Folge dem Eigentümer zurückzustellen. Selbst wenn dieser nicht bekannt ist, dürfen wir uns dieser Pflicht nicht entziehen.
Die Tora berichtet von zwei Fällen, in denen dieser Grundsatz nicht gilt. Einerseits ein Kohen, der einen Gegenstand auf einem Friedhof sieht. Da ihm das Betreten des Friedhofs nicht erlaubt ist, trifft ihn hier nicht die Pflicht, den Gegenstand an sich zu nehmen und dem Eigentümer zurückzugeben. Das gleiche trifft auf einen älteren Menschen zu, gegen dessen Ehre es gehen würde, einen derartigen Gegenstand zu tragen.
Diese beiden Tatbestände sind recht verschieden und beim zweiten Grund würde nach manchen Meinungen gar kein Toraverbot gebrochen werden. Der Grund für diese beiden Beispiele liegt in der tieferen Bedeutung der Mizwa des "Zurückgebens einer verlorenen Sache." 
Die größte "verlorene Sache" ist das jüdische Volk. Es lebt zerstreut auf der ganzen Welt und ist nicht mehr zur Gänze in seiner Heimat. Bekanntlich verhält sich G'tt zu uns in der Art, wie wir uns mit zu unseren Mitmenschen verhalten. Wenn wir also verlorene Gegenstände zurückgeben, wird auch G'tt den "verlorenen Gegenstand", das jüdische Volk ins Land Israel zurückbringen. Doch wenn wir unrein sind, wird G'tt uns nicht zurückführen, genauso wie ein Kohen Dinge auf dem unreinen Freidhof nicht zurückgeben muss. Das gleiche ist der Fall, wenn wir einander nicht mit Respekt begegnen, genauso wie der ältere Mensch auf seine Ehre achtet, und den Gegenstand nicht zurückgibt.
Dies erklärt auch eine Besonderheit eines Textes in der Gemara. An einer Stelle wird beschrieben, wie man gefundene Gegenstände, deren Eigentümer nicht bekannt sind, zu den drei Regalim beim Beit Hamikdasch ausrufen muss. Anschließend steht, was getan werden muss, "nach der Zerstörung des Tempels, der baldigst in unseren Tagen erbaut werden möge." Während meist nur die Zerstörung erwähnt wird, wird hier ausdrücklich auf den Wiederaufbau bezug genommen, da uns diese Mizwa dem Wiederaufbau des Beit Hamikadasch noch näher bringt als andere Mizwot.

 


Du sollst nicht in deiner Tasche haben zweierlei Gewichtssteine, einen großen und einen kleinen. Du sollst nicht in deinem Haus haben zweierlei Maß, ein großes und ein kleines. Vollkommene und gerechte Gewichtssteine sollst du haben, vollkommenes und gerechtes Maß sollst du haben. Dafür werden deine Tage lange dauern (...).

Es fällt auf, dass diesem Verbot eine große Wichtigkeit beigemessen wird, denn nur für sehr wenige Gebote wird ein langes Leben als Belohnung versprochen. Direkt im Anschluss befiehlt die Tora, sich daran zu erinnern, was Amalek uns angetan hat. (Dieser Absatz wird zu "Paraschat Sachor" gelesen.) Raschi erklärt dazu, dass jemand, der unehrlich handelt, besorgt sein muss, von Feinden bedroht zu werden. Doch Tosfot suchen eine tiefere Bedeutung, denn immerhin ist das Verwenden falscher Maße auch ohne diesen Satz verboten, denn somit nimmt man etwas, das einem anderen gehört, was durch das Verbot des Diebstahls bereits geahndet wird. Und tatsächlich steht auch in Wahrheit, dass bereits der Besitz falscher Maßmittel verboten ist, selbst wenn diese nicht benutzt werden.
Den laufenden Monat Elul im Auge und bereits sehr kurz vor Rosch Haschana kann man erklären, warum die Tora das Verbot, falsche Maße auch nur zu besitzen so wichtig nimmt. Zu Rosch Haschana werden drei Bücher geöffnet. Dasjenige der Gerechten, dasjenige der Bösen und schließlich dasjenige derer, die in der Mitte stehen. Bei diesen überwiegen weder Sünden noch gute Taten, weshalb sie auf eine Wohltat G'ttes angewiesen sind, um die Waage der Taten nach der Seite der Gerechten ausschlagen zu lassen. Wenn jemandes irdische Waagen korrekt sind und die Wahrheit zeigen, lässt auch G'tt eingerechtes Urteil walten, das Barmherzigkeit einschließt. Doch jemand, der unkorrekte Waagen besitzt, muss damit rechnen, auch vor dem himmlischen Gericht keine korrekte Abwägung zu erfahren.
In diesem Sinne sollten wir uns alle bemühen, uns ehrlich zu verhalten, um ein gerechtes Urteil zu erhalten. 


Zwei der vielen Themen, die in Paraschat Ki Teze besprochen werden, sind Eheschließung und Scheidung. Nach dem Toragesetz kann sich ein Mann gegen deren Willen von einer Frau scheiden lassen und auch mehrere Frauen heiraten. Vor etwa 1000 Jahren legte Rabbenu Gerschom fest, dass ein Mann sich von seiner Frau nur mit deren Einverständnis scheiden lassen kann, und er verbot es, eine zweite Frau zu heiraten, wenn man bereits verheiratet ist.

Rabbenu Gerschom wird auch "Meor Hagola" - "Licht der Zerstreuung" genannt. Dieser Beiname steht in direktem Zusammenhang mit den genannten Regelungen. Die Beziehung des jüdischen Volkes zu G'tt wird mit der zwischen einer Frau und ihrem Ehemann verglichen. Die Hochzeit fand am Berg Sinai statt, mit der Tafel mit den Zehn Geboten als Ehering. Nachdem G'tt sehr böse auf uns war, bestünde eigentlich die Gefahr, dass er sich von uns scheiden lässt. Doch die halachischen Entscheidungen der Chachamim binden nicht nur uns auf der Erde, sie binden auch G'tt selbst. Das himmlische Gerichte akzeptiert die Entscheidungen des irdischen, denn "lo baschamajim hi", die Tora ist nicht im Himmel verblieben. Aus diesem Grund ist auch G'tt an die Verfügungen von Rebbenu Gerschom gebunden. G'tt kann sich nicht von uns trennen, und er kann sich auch kein anderes Volk neben uns erwählen. Unsere Existenz als G'ttes Volk in der Zerstreuung, nach der Zerstörung des Tempels, ist also durch Rabbenu Gerschoms Entscheidungen sichergestellt, weshalb wir ihn "das Licht der Zerstreuung" nennen.
Jetzt, im Monat Elul, was auch eine Abkürzung für den Spruch "Ich für meinen Liebsten, und mein Liebster für mich" ist, wollen wir uns G'tt annähern, damit auch er sich uns annähert und uns unsere Sünden vergibt, für eine Ktiwa wechatima tova.

 In der Parascha dieser Woche wird die Mizwa erwähnt, sich zu erinnern, was Amalek uns auf dem Weg aus Ägypten getan hat, gefolgt von der Mizwa, ebendies nicht zu vergessen.
Die Gemara erklärt, dass mit dem Erinnern das mündliche Erwähnen gemeint ist, wie wir es einmal im Jahr am Schabbat Sachor tun. Nicht zu vergessen wiederum ist etwas, das im Herzen geschieht, also das innere Vergegenwärtigen der Taten Amaleks.
Doch gerade im Monat Elul ist noch eine weitere Erklärung dieser doppelten Mizwa sehr aktuell: Wenn einem etwas geschieht, sollte man sich einerseits damit beschäftigen, was geschehen ist und wie man sich darum kümmern kann. Gleichzeitig sollte man aber auch darüber nachdenken, weshalb einem überhaupt etwas passiert ist. Da alles einen Grund hat, ist es wichtig, sich bewusst zu werden, was die Gründe für negative Erfahrungen sind, die man hat. Meistens lässt man diesen zweiten Schritt aus, doch ganz allgemein und besonders im Monat Elul ist es wichtig, sich diese Gedanken zu machen und die Konsequenzen zu ziehen.
Genauso verhält es sich mit dem doppelten Befehl bezüglich der Erinnerung an Amaleks Taten: Einerseits soll man sich an die Begebenheiten erinnern, gleichzeitig aber auch nicht vergessen, was dazu geführt hat, nämlich die schwächer werdende Bindung des Volkes mit der Tora, wie es in Paraschat Beschalach beschrieben ist.

 In der Parascha, die diese Woche gelesen wird, wird vom "Ben Sorer uMore", dem "missratenen und aufmüpfigen Sohn" erzählt. Dies ist ein fast 13jähriger Sohn, der nicht auf seine Eltern hört und stiehlt, um sich die Unmengen an Fleisch und Wein, die er täglich verschlingt, finanzieren zu können.
Auch Bestrafungen seiner Eltern bringen ihn nicht von seinem Verhalten ab. Die Tora sagt uns, dass so jemand früher oder später zum Mörder wird. Deshalb soll er bereits, bevor es soweit kommt, getötet werden.Die Gemara im Traktat Sanhedrin erklärt aber, dass sechs Bedingungen erfüllt sein müssen, damit jemand als "Ben Sorer uMore" getötet werden kann. Alle Bedingungen zu erfüllen ist fast nicht möglich. Es gibt die Bestimmung aber trotzdem, damit wir anhand ihrer Halachot wichtige Lektionen über Erziehung - Chinuch lernen können.
Eine der Bedingungen, damit jemand ein Ben Sorer uMore ist, sind zwei Eltern, die beide hören können. Wenn einer der Elternteile taub ist, ist der Sohn auf jeden Fall kein Ben Sorer uMore. Diese Bedingung kann als Metapher für richtige Erziehung verstanden werden: Wenn jemand nicht auf sich selbst hört, sich nicht selbst an das hält, was er sagt, dann wird auch niemand anderer auf ihn hören. Wenn Eltern das, was sie ihren Kindern weitergeben, nicht selbst tun und einhalten, werden die Kinder es auch nicht halten, und sind daran auch nicht schuld. Deshalb wird man in diesem Fall auch nicht zu einem Ben Sorer uMore.
Deshalb ist es wichtig, dass wir im Umgang mit anderen Menschen, und besonders in der Erziehung, durch gutes Verhalten, schönes Sprechen und das Einhalten der Mizwot ein Vorbild sind.

 Die Tora verbietet es, Ammoniter und Moabiter ins Volk aufzunehmen, weil diese uns beim Durchzug durch ihr Gebiet kein Brot und kein Wasser angeboten haben.
Bekanntlich war das Volk bei der Wanderung durch die Wüste durch das Man, das täglich vom Himmel kam und durch das Wasser des mit ihm mitwandernden Brunnens versorgt. Warum hätten die Amoniter und Moabiter trotzdem Verpflegung anbieten müssen?
Die Wichtigkeit, einem Volk, das eigentlich bereits versorgt ist, trotzdem Wasser und Brot anzubieten, verstehen wir vielleicht besser, wenn wir uns eine Halacha aus der Parascha der vergangenen Woche ansehen: Wenn außerhalb einer Stadt ein Mordopfer gefunden wird, müssen die Weisen der nächstgelegenen Stadt eine Zeremonie durchführen und bekennen, dass sie dieses Blut nicht vergossen haben. Raschi erklärt, dass natürlich niemand davon ausgeht, dass die Weisen der Stadt dieses Blut buchstäblich vergossen haben. Doch sie bekennen, dass sie Reisende, die ihre Stadt verlassen, mit Wegzehrung versorgen und dafür sorgen, dass sie die ersten Schritte auf dem Weg begleitet werden, weshalb sie für den Tod dieses Menschen nicht verantwortlich sind. Damit ist natürlich nicht gemeint, dass die Wegzehrung und die kurze Begleitung verhindern, dass jemand von Räubern oder wilden Tieren überfallen wird. Doch wenn jemand verabschiedet wird und ihm durch das Anbieten von Nahrung und Begleitung Wertschätzung ausgedrückt wird, stärkt das sein Selbstbewusstsein. Wenn er im Gegenteil aber gar nicht verabschiedet wird, wenn man sich vielleicht sogar sehr freut, dass er geht, kann dies sein Selbstvertrauen zerstören. In einer solchen Situation ist er dann ein viel leichteres Opfer für die Gefahren des Weges.
Dem Volk beim Durchwandern der Wüste diese Mindestwertschätzung, zumindest etwas Speis und Trank anzubieten, zu verwehren, drückt eine sehr starke Geringschätzung von Fremden aus und aufgrund dieses so tief in den beiden Völkern verankerten Charakterzugs, verbietet die Tora Angehörigen dieser Völker, Juden zu werden.
Wir sollten versuchen, unsere Mitmenschen zu schätzen und ihnen den ihnen gebührenden Respekt zu erweisen, damit wir in diesem Verdienst für ein gutes Jahr eingeschrieben werden!

Eine der Mizwot der dieswöchigen Parascha ist das Wegschicken des Muttervogels, bevor man die Jungen oder die Eier nimmt. Der Lohn für diese Mizwa ist ein gutes Leben auf dieser Welt und ein langes Leben in der kommenden Welt. Wir können daran erkennen, wie hoch die Lohn für eine Mizwa ist. Selbst bei einer so "preiswerten" Mizwa, die uns keine Kosten und kaum Mühe verursacht, erhalten wir so viel, um wieviel mehr muss der Lohn für Mizwot sein, in die wir viel Zeit und/oder Geld investieren?
In der Tora wird eine weitere Mizwa mit langem und gutem Leben belohnt: Das Ehren von Vater und Mutter. Doch weshalb trifft das ausgerechnet auf diese beiden Mizwot zu?
Vater und Mutter zu ehren ist eine durchwegs logische und nachvollziehbare Mizwa. Schon die Dankbarkeit gegenüber denen, die das eigene Leben ermöglicht haben, gebietet diese Ehre, obwohl sie mitunter sehr schwer einzuhalten ist. Das Wegschicken des Muttertieres hingegen ist weder logisch nachvollziehbar, noch würde sich jemand ohne die Verpflichtung der Tora so verhalten, obwohl diese Mizwa so leicht zu erfüllen ist. Doch beide Mizwot werden mit dem gleichen Versprechen der Tora verbunden, denn wir können nicht wissen, welche Mizwot wichtiger sind und welche unwichtiger.

Gerade jetzt, in der Zeit kurz vor Rosch Haschana, sollten wir uns daher bemühen, so viele Mizwot wie möglich zu machen, denn wir können nicht wissen, welche Mizwa wichtiger ist, oder den größeren Lohn verspricht.


In der Parascha dieser Woche wird bestimmt, dass Amoniter und Moabiter keine Jüdinnen heiraten dürfen. Als Begründung wird angegeben, dass diese Völker uns auf der Wanderung durch die Wüste kein Brot und kein Wasser angeboten haben, und weil sie Bil'am gerufen haben, um uns zu verfluchen.

Es gibt über diese beiden Begründungen verschiedene Meinungen. Zunächst stellt sich die Frage, was diese Völker, anders als andere, verbrochen haben, dass sie eine so strenge Bestrafung erhalten. Die Begründung finden wir in der Tatsache, dass diese Völker, wie zum Beispiel auch Amalek, keinen Grund hatten, dem Volk gegenüber feindselig zu sein. Sie wurden nicht bedroht, es gab keine Aggression und auch sonst keinen Grund für das feindliche Verhalten.

Außerdem stellt sich die Frage, welcher der beiden Gründe den nun ausschlaggebend für die Bestrafung war, oder ob es tatsächlich die Kombination aus beiden ist. Eine Meinung besagt, dass Amon uns kein Brot und kein Wasser angeboten hat, und Moaw Bil'am beauftragt hat, weshalb beide nicht in das Volk einheiraten dürfen.

Es kommt vor, dass Menschen Mizwot nicht einhalten, oder Verbote übertreten, und dafür gute Begründungen liefern: Der eine meint, er kann prinzipiell nicht vor acht Uhr aufstehen und betet deshalb nicht im Minjan, der andere kann es nicht einen Tag lang aushalten, ohne zu rauchen, auch nicht am Schabbat. Doch dann kann es passieren, dass der Mensch seine eigene Argumentation zerstört. Wenn er zum Beispiel einen Flug am frühen Morgen hat, und es plötzlich schafft, aufzustehen. Oder wenn er plötzlich aufhört zu rauchen, wenn es ihm ein Arzt anordnet. Es gelingt uns Menschen leicht, uns selbst und anderen etwas vorzuspielen. Doch G'tt weiß, ob wir nur eine Ausrede vorschieben oder nicht.

Genau das erklärt auch die oben gestellte Frage: Amon und Moaw hätten argumentieren können, dass sie es sich schlicht nicht hätten leisten können, einem Volk mit Millionen Menschen und noch viel mehr Vieh Essen und trinken anzubieten. Doch dann engagierten sie Bil'am, und boten ihm unglaublichen Mengen an Gold an. Plötzlich hatten sie genug Geld zur Verfügung, und zerstörten so ihre eigene Argumentation.

Aus diesem Grund ordnete G'tt an, dass diese Völker nicht ins jüdische Volk einheiraten dürfen.


In der Parascha, die diese Woche gelesen wird, wird vom "Ben Sorer uMore", dem "missratenen und aufmüpfigen Sohn" erzählt. Dies ist ein fast 13jähriger Sohn, der nicht auf seine Eltern hört, und stiehlt, um sich die Unmengen an Fleisch und Wein, die er täglich verschlingt, finanzieren zu können.

Auch Bestrafungen seiner Eltern und des Gerichts bringen ihn nicht von seinem Verhalten ab. Die Tora sagt uns, dass so jemand früher oder später zum Mörder wird. Deshalb soll er bereits bevor es soweit kommt getötet werden.

Die Gmara sagt uns, dass viele Bedingungen erfüllt sein müssen, damit jemand als "Ben Sorer uMore" getötet werden kann. Diese Bedingungen sind nie alle eingetreten, sodass es nie zu einer Hinrichtung eines solchen Sohnes kam. Wieso gibt es diese Bestimmung dann überhaupt?

Wir sollen dieses Gesetz lernen, damit wir uns der Konsequenzen bewusst werden, die unser Verhalten haben kann. Die Parascha dieser Woche beginnt mit den Regelungen, wann ein Krieger eine Frau des Feindes mitnehmen und heiraten darf. Anschließend wird der Fall beschrieben, dass ein Mann zwei Frauen hat, von denen er eine liebt und eine hasst. Als dritte Szene in dieser Geschichte taucht nun der missratene Sohn auf: Die Tora warnt uns, dass nichts ohne Konsequenzen bleibt. Wenn ein Mann sich im Krieg von seinen Trieben überwältigen lässt, und eine Frau nach Hause bringt, die er schlussendlich hasst, führt das unweigerlich zu Problemen in der Erziehung der Kinder - im schlimmsten Fall zu einem Ben Sorer uMore. Doch sich dann darüber zu beschweren, wenn es so weit ist, ist zu spät. Man hätte schon viel früher nachdenken müssen.

An der polnisch-russischen Grenze gab es einmal ein Dorf, das von einem Tag auf den anderen in der Mitte zwischen den beiden Ländern geteilt wurde. Die Stadt hatte natürlich nur einen jüdischen Friedhof, und die Bewohner des Stadtteils, der nun ohne Friedhof blieb handelten schnell mit der Grenzwache aus, dass sie zu Begräbnissen den Begräbniszug begleiten dürfen. Bald kamen sie auf die Idee, dass sich dieses Übereinkommen ideal zum Schmuggel eignet, und schon bald gab es fast wöchentlich ein Begräbnis. Einem Grenzbeamten fiel auf, dass die Begleiter gar nicht traurig oder gefasst wirkten, sondern im Gegenteil, eine sehr gelöste Stimmung herrschte. Er wurde misstrauisch, und der Sarg, in dem das Schmuggelgut transportiert wurde, sollte geöffnet werden. Nun begannen die Leute zu klagen und zu weinen. Der Grenzbeamte, der die große Menge an Schmuggelgut entdeckte sagte ihnen: "Jetzt weint ihr? Hättet ihr vorher geweint, dann hättet ihr jetzt gar keinen Grund zu weinen."

Genauso verhält es sich auch mit dem Ben Sorer uMore: Wenn man immer wieder den richtigen Weg ingoriert, ist es irgendwann zu spät. Deshalb finden wir in der Tora diese Bestimmungen, damit wir sie lernen, darüber nachdenken, und damit es gar nicht soweit kommt, dass wir sie anwenden müssen.


In der Parascha, die diese Woche gelesen wird, wird vom "Ben Sorer uMore", dem "missratenen und aufmüpfigen Sohn" erzählt. Dies ist ein fast 13jähriger Sohn, der nicht auf seine Eltern hört, und stiehlt, um sich die Unmengen an Fleisch und Wein, die er täglich verschlingt, finanzieren zu können.
Auch Bestrafungen seiner Eltern und des Gerichts bringen ihn nicht von seinem Verhalten ab. Die Tora sagt uns, dass so jemand früher oder später zum Mörder wird. Deshalb soll er bereits bevor es soweit kommt getötet werden.
Die Gemara im Traktat Sanhedrin erklärt aber, dass dafür sechs Bedingungen erfüllt sein müssen. Darunter fällt unter anderem, dass die Eltern keine körperliche Behinderung haben dürfen, und dass es im Ort weise Gelehrte gibt, die sich um die Bildung und Erziehung der Jugend kümmern. Wenn allerdings eine der Bedingungen nicht zutrifft, gilt der Sohn nicht als "Ben Sorer uMore", und darf daher nicht getötet werden.
Aber weshalb hängt dies von diesen sechs Bedingungen ab?

Das Umfeld eines Menschen beeinflußt ihn, und gesunde Eltern und eine gute Erziehung der Jugend in einem Ort halten normalerweise jeden davon ab, sich zu einem "Ben Sorer uMore" zu entwickeln.
Wenn aber die Eltern aufgrund ihrer körperlichen Beinträchtigungen ihren Sohn vielleicht nicht im gleichen Maße erziehen können wie gesunde Eltern, oder wenn eine Erziehung der Jugend fehlt, da es keine geeigneten Lehrer gibt, kann dies der Grund für das Verhalten des Sohnes sein - dann ist er daran nicht alleine schuld, und kann deshalb auch nicht bestraft werden.

Wir lernen daraus, dass wir immer daran denken müssen, dass wir nicht nur für uns selbst verantwortlich sind, sondern auch unser Umfeld beeinflussen. Gerade vor Rosch Haschana und Jom Kippur müssen wir nicht nur für unsere eigenen Sünden um Verzeihung bitten, sondern auch für das, was wir bei anderen durch unser Verhalten verursacht haben.
Wir müssen uns nicht nur bemühen, selber gute Taten zu vollbringen, sondern auch, bei anderen gute Taten zu verursachen.


Paraschat Ki Teze beinhaltet das Thema "Ben sorer umore", den störrischen und widerspenstigen Sohn, der auf die Stimme seines Vaters und auf die Stimme seiner Mutter nicht hört. Sie züchtigen ihn, er aber hört nicht auf sie.
Darunter ist ein Sohn zu verstehen, der keine Autorität kennt, der macht, was er will, und von niemandem beherrscht werden kann.

Einen solchen Sohn befiehlt die Tora zu töten.
Der Grund ist, dass so ein Sohn die Anlage hat, einmal ein Mörder zu werden. Deshalb tötet man ihn, bevor er zum Mörder werden kann. Seine Sünden sind noch "im Rahmen", aber wenn keine Erziehungsmaßnahme hilft, und man nicht einschreitet, wird es zu schlimmerem kommen.

Wenn man sich die Worte, mit der die Tora von diesem Sohn spricht, genau anschaut, merkt man, dass es sich um einen Sohn handelt, der einen Vater und eine Mutter hat. Warum beginnt der entsprechende Abschnitt dann aber mit dem Satz: "Wenn ein Mann einen Sohn hat...", und nicht, "Wenn Eltern einen Sohn haben"?

Die Antwort finden wir einen Absatz weiter vorne in der Tora:
Um die jüdischen Soldaten abzulenken, schickten die Feinde gutaussehende Frauen vor. Die Tora erlaubt, eine solche Frau zu heiraten, wenn sie zum Judentum übertritt. Doch die Tora erlaubt dies zwar, warnt aber gleich vor den Folgen einer solchen Beziehung: der Geburt eines "Ben sorer umore". Denn die Mutter, auch wenn sie übertreten ist, wurde selber nicht im Weg von Tora und Mizwot erzogen, und wurde vom Vater des Kindes aus ihrer Umgebung und Kultur gerissen. Und wer ist schuld an dieser Entwicklung? Der Vater!

Und deswegen beginnt der Absatz auch mit dem Satz: "Wenn ein Mann einen Sohn hat...".