In den zehn Tagen von Rosch Haschana bis Jom Kippur soll man noch genauer mit der Einhaltung der Gebote sein als im restlichen Jahr. Jemand, der das Jahr über koscheres Brot von einem nichtjüdischen Bäcker isst, soll sich zum Beispiel in diesen zehn Tagen bemühen, nur Brot von einem koscheren Bäcker zu essen. Doch auch die Einhaltung aller anderen Gebote sollen wir genauer nehmen. Doch was ist der Sinn darin, wenn wir nachher wieder so wie bisher weitermachen?
In Israel saß einmal ein Mann im Gefängnis, weil er sich weigerte, seiner Frau einen Get zu geben. Als einmal ein Rabbiner das Gefängnis besuchte, bat der Gefängnisleiter diesen, mit dem Häftling zu sprechen. Nach einiger Zeit war sich der Rabbiner sicher: Dieser Mann wird seiner Frau keinen Get geben, da er sich an den Alltag im Gefängnis gewöhnt hatte. Nach einigem bürokratischen Aufwand konnte aber eine ungewöhnliche Lösung gefunden werden: Der Häftlinge wurde bedingungslos entlassen und ein halbes Jahr später ebenso plötzlich wieder eingesperrt. Innerhalb kürzester Zeit gab dieser Mann seiner Frau den Get, da seine Gewöhnung an den Gefängnisalltag gebrochen war und er wieder gerne in Freiheit Leben wollte.
Ein Mensch gewöhnt sich leicht an das Begehen von Sünden oder das Anwenden von halachischen Erleichterungen. Ähnlich wie in der Geschichte aus dem israelischen Gefängnis brechen wir durch unsere besondere Bedachtnahme auf die Gebote in den zehn Tagen unsere schlechten Gewohnheiten und haben so die Chance, das neue Jahr unbelastet zu beginnen. Unabhängig vom weiteren Verhalten nach Jom Kippur haben wir unsere Gewöhnung an manche Taten zumindest beendet.