Ein wichtiger Aspekt des Zündens der Kerzen zu Chanukka ist "Pirsum Hanes", das Bekanntmachen des Wunders in der Öffentlichkeit. Doch was ist der Grund für die große Bedeutung, die diesem Aspekt beigemessen wird? In Israel zum Beispiel weiß so gut wie jeder bereits vom Wunder, und auch in vielen anderen Teilen ist das Wunder hinlänglich bekannt. Raw Steinmann, dessen Jahrzeit Erew Chanukka ist, erklärt dies anhand eines vergleichbaren Verhaltens: Wenn jemand eine Geburt oder eine andere Simcha in der Familie hat, erzählt er dies üblicherweise seinem Umfeld. Manche mag dies interessieren, doch in erster Linie erzählt die Person dies, um ihre eigene Freude zu erhöhen, zum Beispiel indem sich Freunde mit einem freuen. Genauso verhält es sich mit unserer Freude beim Kerzenzünden: Durch das Bekanntmachen erhöhen wir unsere Freude und verinnerlichen sie.
Das gleiche Prinzip ist auch aus Raschis Kommentar zum ersten Pasuk der Tora bekannt: Laut Rabbi Jizchak beginnt die Tora mit der Erschaffung der Welt, damit wir den Völkern in Israel einst sagen können, dass G'tt die Welt erschaffen hat und deshalb auch entscheiden kann, wer im Land Israel lebt. Doch dies wird die Völker vielleicht nicht interessieren. Wichtig ist aber, dass wir selbst diesen Umstand wissen und überzeugt sind, dass uns das Land zusteht.


Anders als zu den Feiertagen der Tora, inklusive Rosch Chodesch, sagen wir zu Chanukka und Purim nicht Ja'ale Wejawo oder eine vergleichbare Einschaltung, sonder rezitieren eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse, die zum jeweiligen Feiertag geführt haben.
Basierend auf einem Pasuk im Buch Wajikra erklärt die Gemara, dass das naheliegende Verständnis, dass Haman den Juden Böses wollte und daraufhin Mordechai und Esther sie retteten, nicht die richtige Sichtweise ist. G'tt schickte Mordechai und Esther nach Schuschan, bereits bevor Haman irgendwelche Pläne schmieden konnte. Als er damit begann, ein Problem für die Juden zu werden, war die Lösung schon bereit. Genauso verhält es sich zu Chanukka: Als Jochanan, der Kohen Gadol sowie seine Söhne schon da und im Amt waren, erhob sich das griechische Imperium gegen die Ausübung jüdischen Lebens - und die Lösung für dieses Problem war in der Person der Chaschmonaim bereits da.
Aus diesem Grund beginnen die Berichte zu Purim und Chanukka mit den Worten "In den Tagen...". Die Bedrohungen für die Juden ereigneten sich gerade in den Tagen der jeweils zur Rettung vorgesehenen Personen.
Das selbe sehen wir auch in der Parascha dieser Woche: Josef erklärt seinen Brüdern, dass sie ihm vielleicht Böses wollten, dass aber G'tt ihn mit einem Plan nach Ägypten gebracht hat. Und auch der Brunnen, der Jischmael rettete, war bereits vorher genau an dieser Stelle, um dort seine Aufgabe erfüllen zu können.
Wir sehen immer wieder Probleme und dann ihre Lösung, aber es ist wichtig zu wissen, dass es sich in Wahrheit umgekehrt verhält: Die Lösung ist bereits da, wenn das Problem entsteht.​


Maos Zur, das bekannte Lied, das jeden Chanukkaabend gesungen wird, enthält Strophen zu mehreren Erlösungen des jüdischen Volkes: Der Auszug aus Ägypten, die Rückkehr nach dem Exil und der Zerstörung des ersten Tempels, die Purim-Episode und natürlich auch die Chanukka-Geschichte.
Die Gemara erklärt, dass man einen bestimmten Segen sprechen muss, wenn man  wieder an einen Ort kommt, an dem einem, seinen Eltern oder seinen Großeltern ein Wunder geschehen ist und man in den vergangenen 30 Tage nicht an diesem Ort war. Man erwähnt dabei, dass einem an diesem Ort ein Wunder geschehen ist. Geschahen einem allerdings mehrere Wunder, so erwähnt man alle Orte, wenn man an irgendeinem dieser Orte vorbeikommt. Kommt man an einem Ort vorbei, an dem dem ganzen Volk ein Wunder geschehen ist, muss jeder diesen und alle Orte, an denen dem ganzen Volk ein Wunder geschehen ist, erwähnen.
Der Ramban erklärt am Anfang von Paraschat Behalotcha, dass Aharon betrübt war, als er sah, dass die Fürsten aller Stämme Opfergaben darbrachten, außer einem Vertreter des Stamms Levi. Doch er wurde damit entschädigt, dass er die Mizwa des heiligen Kerzenleuchters im Mischkan und im Tempel erhielt. Diese ist größer als die Opfergaben der Fürsten, denn die Kerzen werden immer gezündet werden - selbst nach der Zerstörung des Tempels in Form der Chanukkakerzen, die wir Jahr für Jahr acht Tage lang zünden.
Dementsprechend sind die Kerzen heilig, wie diejenigen des Bet Hamikdasch, wir dürfen sie nicht verwenden, und wir sind im Zeitpunkt des Kerzenzündens als würden wir im Beit Hamikdasch stehen und den Kerzenleuchter erleuchten. Da wir dann also am Ort des Wunders sind, das zu Chanukka geschah, erwähnen wir dieses Wund im Maos Zur - aber auch alle anderen Wunder, die dem Volk widerfahren sind.


Wie auch im bekannten Lied Ma'os Zur erwähnt wird, verunreinigten die Feinde den gesamten Ölvorrat im Tempel, außer einem kleinen Krug. Doch weshalb verunreinigten sie überhaupt das Öl? Weshalb reichte es ihnen nicht, das Öl zu verschütten? Weshalb achteten sie darauf, das Öl zu behalten, aber den gesamten Vorrat zu verunreinigen?
Der Tempel in Jeruschalajim symbolisierte die Verbindung zwischen G'tt und dem jüdischen Volk. Das westlichste Licht der Menora, dem Kerzenleuchter im Tempel, war ein Zeugnis für das Ruhen der g'ttlichen Gegenwart. Dieses erlosch, anders als die anderen Kerzen, während der Zeit des ersten Tempels nie. Doch einige Zeit vor der Zerstörung des ersten Tempels hörte dieses Wunder auf, woraufhin klar wurde, dass es ein Problem in der Verbindung mit G'tt gibt. In der Zeit des zweiten Tempels leuchtete das westlichste Licht nur periodenweise durchgehend, manchmal länger und manchmal kürzer.
Die besondere Bedeutung von Kerzen für das jüdische Volk erkennt man an einem Brauch, den der Rema erwähnt: Vor Jom Kippur zündete man nach diesem Brauch für jedes Familienmitglied eine Kerze. Kerzen haben eine besondere Bedeutung, denn die Seele des Menschen wird mit einer g'ttlichen Kerze verglichen, denn wie der Mensch hat auch die Kerze einen körperlichen und einen unkörperlichen Anteil. Da eine Kerze, die für einen Menschen gezündet wird, daher symbolisch für dessen Seele steht, befürchteten manche ein schlechtes Zeichen, wenn die Kerze während Jom Kippur ausging. Der Brauch wurde deshalb später dahingehend geändert, dass man einen Nichtjuden alle Kerzen wieder löschen lies, damit man nicht wissen konnte, ob eine Kerze auch so ausgegangen wäre.
Die Feinde wussten um diese Verbindung zwischen dem jüdischen Volk und den Kerzen im Tempel, und ihnen war bewusst, dass sich diese Verbindung mit unreinem Öl, obwohl erlaubt gewesen wäre, es zu benutzen, nicht gezeigt hätte. Dies war auch der Grund, weshalb es den Chaschmonaim so wichtig war, gerade mit reinem Öl zu zünden. 


Im Gebet "Al Hanissim", das wir zu Chanukka bei der Tefila und bei Birkat Hamason sagen, erwähnen wir die Wunder, Heldentaten, Erlösungen, aber auch die Kriege, die G'tt uns zuteil werden ließ. Doch sind es nicht die Siege, über die wir uns freuen? Sind wir wirklich für die Kriege dankbar? Und weshalb steht das Wort im Plural, es wurde doch nur ein Krieg geführt?
Nachdem nach der Schoa von manchen Familien oder Dörfern nur ein oder zwei Juden geblieben sind, haben diese wenigen doch sehr oft wieder Familien gegründet und sich ein neues Leben aufgebaut. Woher schöpften sie diese Kraft, nach ihrer persönlichen Katastrophe parallel zur nationalen Katastrope wieder neu zu beginnen, wenn man genausogut in Depressionen hätte versinken können?
Diese Kraft kam von G'tt, genauso wie die Kraft, mit der der Kohen Gadol Matitjahu, seine Söhne und ihre zunächst sehr wenigen Gefolgsleute nach vielen Jahren der Unterdrückung den Aufstand wagen konnten. Denn es gab zwei parallel laufende Kriege: Den physischen Krieg gegen das hellenische Imperium, und den geistigen Krieg für die Einhaltung der Gebote, für Schabbat, Tora, Rosch Chodesch und die anderen Gebote, deren Einhaltung unter Strafe stand.
Wir bedanken uns im "Al Nanisim" also auch und gerade dafür, dass es überhaupt dazu kam, dass jemand diese beiden Kriege zu führen bereit war und dafür die notwendige Kraft hatte. 


Im Vergleich der "Al Hanissim"-Texte von Purim und Chanukka fällt auf, dass beim Text für Purim steht, dass Haman sich "gegen sie erhob", während zu Chanukka steht, dass sich das griechische Imperium "gegen dein Volk Israel erhob."
In Paraschat Weot Habracha segnet Mosche die einzelnen Stämme. Dem Stamm Levi segnete er dabei im Kampf gegen Feinde. Raschi erklärt dazu, dass Mosche den Kampf der Chaschmonaim gegen die Griechen vorraussah, die Levi'im waren, und deshalb für ihren Erfolg betete. Im Al Hanissim wird auf dieses Gebet Bezug genommen, wenn erwähnt wird, dass G'tt in seinem großen Erbarmen den Sieg brachte.
Doch warum betete Mosche nicht auch für Mordechai und Esther? Die Bedrohung Hamans richtete sich gegen die jüdische Bevölkerung. Die Bedrohung, der sich die Chaschmonaim zu stellen hatten war andererseits gegen den jüdischen Glauben an sich gerichtet. Aus diesem Grund erwähnt das Al Hanissim, dass sich zu Chanukka das griechische Imperium "gegen dein Volk Israel" erhob. 


Zu Chanukka ergänzen wir die Tfila und das Birkat Hamason mit einem Einschub, in dem unter anderem G'tt dafür gerühmt wird, dass er die Helden den Schwachen auslieferte. Doch die Makkabäer, die gegen die Griechen kämpften, waren alles andere als schwach, immerhin nahmen einige wenige es mit der gesamten griechischen Armee auf. Wenn sie auch in der Unterzahl waren, so waren im direkten Vergleich doch eher sie die Helden als die Griechen.

Jeder Mensch ist manchmal erfolgreicher und manchmal weniger erfolgreich. Die Natur des Menschen lässt ihn den Erfolg normalerweise sich selbst, den Misserfolg aber G'tt zuschreiben. Wenn etwas klappt, dann war es das eigene Verhalten, das immerhin zum Erfolg geführt hat, wenn es nicht klappt, dann hat G'tt einem nicht geholfen und nur deshalb ging es schief.

In Megillat Ruth sagt die Namensgeberin, nachdem sie, die einst mit ihrer Familie und großem Vermögen nach Moaw zog, nun verwitwet, verarmt und ohne Kinder zurückkehrte: "Als eine vollkommen Erfüllte bin ich fortgezogen, als eine Hoffnungslose hat G'tt mich wieder heimgebracht." Die Mussar-Bewegung sieht darin eine Andeutung an dieses menschliche Denk-Schema: Bei vollkommener Erfüllung bezieht man es auf das "ich", auf sich selbst, in der Hoffnungslosigkeit aber auf G'tt.

Als Josef nach seinem Verkauf bei Potifar tätig war, erkannte dieser sofort, dass alles, was Josef tat, gelang und er erkannte auch, dass G'tt mit ihm ist und ihn alles erreichen lässt. Potifar erkannte dies, da auch Josef selbst es, sogar im Falle des Erfolges, ausschließlich auf G'tt und dessen Handeln zurückführte und keinesfalls auf sein eigenes.

In diesem Sinne erklärt der Keduschat Lewi den eingangs erwähnten Satz aus unseren Gebeten: Die Makkabäer waren zwar objektiv betrachtet Helden, sie selbst sprachen den Sieg aber nur G'tt zu, sich selbst betrachteten sie als schwach. Die Griechen dagegen sahen sich selbst als die Helden. Damit wir nicht beginnen zu denken, dass wir und unsere Vorfahren den Sieg durch unsere Kraft errungen haben, legten sie nur das Zünden der Kerzen als Erinnerung an das Wunder mit dem Öl fest, während es an das Wunder des Sieges gegen die große griechische Armee kein Zeichen gibt. 


Im Gebet "Al Hanissim", das wir zu Chanukka bei der Tefila und bei Birkat Hamason sagen, erwähnen wir die Wunder, Heldentaten, Erlösungen, aber auch die Kriege, die G'tt uns zuteil werden ließ. Doch sind es nicht die Siege, über die wir uns freuen? Sind wir wirklich für die Kriege dankbar?

Tatsächlich war es, unabhängig vom Ausgang des Krieges, schon an und für sich bemerkenswert und unerwartet, dass sich 600 Kohanim zusammentun und alleine für die Werte der Tora gegen eine Großmacht kämpfen. Für diese Initiative, den Krieg trotz der Aussichtslosigkeit zu wagen, bedanken wir uns, neben den Wundern und der Erlösung, zu Chanukka. Nicht nur damals haben die Leute nicht verzweifelt oder aufgegeben. Auch in der Shoa gab es viele, die trotz allem versucht haben, zum Beispiel Schabbat zu halten, am Jom Kippur zu fasten oder Chanukka-Kerzen zu zünden.

Menschen sind nicht immer dazu bereit, die Hand G'ttes im alltäglichen zu sehen. In Notsituationen wenden sich ihm die meisten zu, doch wenn alles normal verläuft, denken viele nicht daran. In der Zeit vor dem Krieg war ein Großteil des Volkes assimiliert und lebte in der griechischen Kultur. Erst durch den Krieg wurde ein Teil der Bevölkerung dazu aufgerüttelt, sich G'tt und der Tora zu besinnen, wodurch Zehntausende zum Judentum zurückgekehrt sind. Auch aus diesem Grund erwähnen wir auch die Kriege in "Al Hanissim". Als Symbol für diesen Effekt, der immer mehr Juden zur Religion zurückbrachte, zünden wir in der ersten Nacht von Chanukka ein kleines Licht, doch von Nacht zu Nacht werden es mehr und die Flamme wird größer, bis wir schlussendlich eine voll erleuchtete Chanukkia haben.


Zu Chanukka ergänzen wir die Tfila und das Birkat Hamason mit einem Einschub, in dem unter anderem G'tt dafür gerühmt wird, dass er die Helden den Schwachen auslieferte. Doch die Makkabäer, die gegen die Griechen kämpften, waren alles andere als schwach, immerhin nahmen einige wenige es mit der gesamten griechischen Armee auf. Wenn sie auch in der Unterzahl waren, so waren im direkten Vergleich doch eher sie die Helden als die Griechen.

Jeder Mensch ist manchmal erfolgreicher und manchmal weniger erfolgreich. Die Natur des Menschen lässt ihn den Erfolg normalerweise sich selbst, den Misserfolg aber G'tt zuschreiben. Wenn etwas klappt, dann war es das eigene Verhalten, das immerhin zum Erfolg geführt hat, wenn es nicht klappt, dann hat G'tt einem nicht geholfen und nur deshalb ging es schief.

In Megillat Ruth sagt die Namensgeberin, nachdem sie, die einst mit ihrer Familie und großem Vermögen nach Moaw zog, nun verwitwet, verarmt und ohne Kinder zurückkehrte: "Als eine vollkommen Erfüllte bin ich fortgezogen, als eine Hoffnungslose hat G'tt mich wieder heimgebracht." Die Mussar-Bewegung sieht darin eine Andeutung an dieses menschliche Denk-Schema: Bei vollkommener Erfüllung bezieht man es auf das "ich", auf sich selbst, in der Hoffnungslosigkeit aber auf G'tt.

Als Josef nach seinem Verkauf bei Potifar tätig war, erkannte dieser sofort, dass alles, was Josef tat, gelang und er erkannte auch, dass G'tt mit ihm ist und ihn alles erreichen lässt. Potifar erkannte dies, da auch Josef selbst es, sogar im Falle des Erfolges, ausschließlich auf G'tt und dessen Handeln zurückführte und keinesfalls auf sein eigenes.

In diesem Sinne erklärt der Keduschat Lewi den eingangs erwähnten Satz aus unseren Gebeten: Die Makkabäer waren zwar objektiv betrachtet Helden, sie selbst sprachen den Sieg aber nur G'tt zu, sich selbst betrachteten sie als schwach. Die Griechen dagegen sahen sich selbst als die Helden. Damit wir nicht beginnen zu denken, dass wir und unsere Vorfahren den Sieg durch unsere Kraft errungen haben, legten sie nur das Zünden der Kerzen als Erinnerung an das Wunder mit dem Öl fest, während es an das Wunder des Sieges gegen die große griechische Armee kein Zeichen gibt.


An vorderster Front im Kampf der toratreuen Juden gegen die Griechen standen die Familie des Kohen Gadol und 600 weitere Männer aus dem Stamm Levi. Doch weshalb waren es in erster Linie Nachfahren von Levi, die diesen Kampf führten, und nicht auch Personen aus anderen Stämmen?

Eine Erklärung liegt sicher in der geistigen Natur dieses Krieges. Den Griechen ging es nicht wie zum Beispiel Haman um die Vernichtung des Volkes, sondern um die Unterdrückung des jüdischen Glaubens und seiner Ausübung. Die Kohanim und Levi'im als Vertreter des geistigen Elements waren als erste berufen, zu kämpfen. So war es auch bei der Sünde des Goldenen Kalbes, auch damals folgten die Levi'im Mosche beim Kampf gegen die Götzendiener im Volk. Dies blieb bei den Nachfahren eingeprägt, sodass sie auch viele Jahre später im Kampf gegen die Hellenisierung die Initiative ergriffen. Wir lernen daraus, dass unsere Taten nicht jetzt und für uns eine Bedeutung haben, sondern auch die Wurzel für die Taten unserer Nachkommen bilden. Einen geistigen Kampf, die wichtigsten Wertvorstellungen, gibt man auch seinen Nachfahren weiter.


Zu Chanukka wird "Mismor Shir Chanukkat Habajit" gesagt. In diesem Psalm geht es um die Einweihung des Tempels in Jeruschalajim. Doch warum wird er zu Chanukka gesagt?

Der 25. Kislew war nicht zufällig der Tag, an dem die Juden in den Tempel zurückkehrten und den Krug mit Öl fanden. Am 25. Kislev viele Jahre früher wurde der Mischkan, das Stiftszelt in der Wüste am 25. Kislev fertiggestellt. Da dieser Tag der Einweihung eines Tempels gewidmet wurde, sollte dieser Tag auch später der Neueinweihung des Tempels dienen. Denn der Zeitpunkt jedes Ereignisses ergibt sich nicht durch Zufall und der Jahrestag eines Ereignisses birgt das Potential für eine solche Aufrüttelung in sich , wie sie beim ursprünglichen Ereignis geherrscht hat. Deshalb feiern wir Chanukka genau an dem Tag, an dem einst der Mischkan fertiggestellt wurde und an dem einst die Feinde besiegt wurden und das Wunder mit dem Öl geschah.


Im Al-Hanissim-Gebet, das wir zu Chanukka gesagt haben, ist die Reihenfolge der Dinge, für die wir uns bedanken, scheinbar verkehrt: Die Ereignisse nahmen mit den Kriegen, die ganz am Ende der Aufzählung stehen, ihren Anfang, und endeten mit dem Wunder, das ganz am Anfang des Gebets erwähnt wird.

Beim Handeln eines Menschen ist immer entscheidend, weshalb er es tut. Jemand kann den ganzen Tag arbeiten, weil er das als Sinn seines Lebens sieht. Er kann aber auch den ganzen Tag arbeiten, um Geld zum Leben zu verdienen, damit er sich der Tora und den Mizwot widmen kann. Für diesen Menschen ist die Arbeit dann nur das Mittel zum Zweck.

Das Ziel G'ttes bei der Chanukka-Geschichte war es, die Juden durch ein Wunder wieder zur Tora und den Mizwot zu bringen. Doch die Menschen neigen dazu, es sich einfach zu machen und erst nach einem aufrüttelnden Ereignis den wahren Weg zu finden. So finden manchmal Söhne erst dadurch wieder ins Beit Knesset zurück, dass sie den Wunsch der verstorbenen Eltern, für sie Kaddisch zu sagen, erfüllen. Aus diesem Grund waren ein Wunder, die Befreiung, die Heldentaten, die Errettung und letzten Endes auch der Krieg notwendig, um das Ziel zu erreichen. Die Aufzählung bei "Al Hanissim" ist also keine chronologische, sondern drückt die Kette aus, in der die einzelnen Ereignisse notwendig waren, um die Juden zum Glauben zurückzuführen.


Anders als allen unseren anderen Feinden, ging es den Griechen nicht darum, alle Juden zu vernichten, sondern das Judentum als Religion zu bekämpfen. Während die anderen Völker uns aus dem Heiligen Land vertrieben und es eroberten, ließen die Griechen die Juden im Land leben und zerstörten auch den Tempel nicht. Doch was hat sie an der Religion so sehr gestört, warum bekämpften sie diese so vehement?

Die Griechen stammen von Jefet, Sohn des Noach ab, der gemeinsam mit seinem Bruder Schem den Vater bedeckte, als dieser unbekleidet im Zelt lag. Schem, der die Initiative ergriff, weil er die tiefere Bedeutung darin erkannte, wieso man nicht unbekleidet sein sollte, auch wenn man von niemandem gesehen wird, wurde dafür gesegnet. Jefet erkannte diese tiefe Bedeutung nicht, aber er stimmte Schem zu, dass es schöner und eleganter ist, wenn man den Vater bedeckt. Er wurde dafür mit oberflächlicher Schönheit gesegnet, und ihm wurde prophezeit, dass er "in den Zelten Schems" wohnen sollte. Mit den Zelten Schems ist die Tora gemeint. Die Nachfahren von Jefet, unter anderem die Griechen, haben einen gewissen Anteil an der Tora, zumindest an deren Äußerlichkeiten. Das manifestiert sich unter anderem darin, dass ein Sefer Tora auf Griechisch geschrieben werden kann.

Die Griechen haben also Anteil an der Äußerlichkeit der Tora, doch an den tiefergehenden Bedeutungen haben sie keinen Anteil. Die griechischen Philosophen haben viel erreicht und entdeckt, doch ihr Ansehen beschränkte sich auf das Äußerliche - im Privatleben, im Zwischenmenschlichen, waren sie nicht besser als andere Leute. Doch im Judentum hängen diese beiden Aspekte zusammen - ein großer Toragelehrter muss auch im Privatleben an seinem Charakter arbeiten, seine Mitmenschen gut behandeln. Die Griechen störte diese tiefe Verbindung der Juden mit der Tora, weshalb sie diese zu bekämpfen versuchten. Sie wollten, dass auch die Juden die Tora zwar in ihrer Schönheit wahrnehmen, aber nicht ihr ganzes Leben nach ihr ausrichten.


In der Gemara gibt es eine Meinungsverschiedenheit über den richtigen Ort für die Chanukkia. Eine Meinung besagt, dass die Chanukkia rechts beim Wohnungseingang stehen soll, wie jede andere Mizwa, die auf der rechten Seite oder mit der rechten Hand erfüllt werden soll. Die andere Meinung besagt, dass sie links vom Wohnungseingang stehen soll, damit die Mesusa rechts von einer eintretenden Person steht und die Chanukkia links. Der Midrasch ergänzt, dass die Person dann von Mizwot umringt ist und ihn das dazu führen wird, auch weiter Mizwot auszuführen.

Die Kommentatoren erklären, dass in Wirklichkeit auch nach der zweiten Meinung sowohl Chanukkia als auch Mesusa rechts sind: Die Mesusa rechts beim Eintreten, und die Chanukkia rechts beim Austreten. Denn die Mesusa steht für die Kontrolle dessen, was in die Wohnung hineinkommt. Nur Personen, die den Werten, die im Schma Israel, das auf der Schriftrolle der Mesusa steht, erwähnt werden, entsprechen, sollen die Wohnung betreten. Nicht alles und jeder soll die eigene Wohnung betreten. Die Chanukkia dagegen steht für das Wirken nach Außen, für die Bekanntmachung des Wunders allen Menschen gegenüber.

Doch es steckt noch ein weiterer philosophischer Gedanke dahinter: Nur wenn sich die Mesusa rechts beim Eintreten befindet, kann sich die Chanukkia rechts beim Austreten befinden. Nur, wenn die Mesusa darüber wacht, was die Wohnung betritt und was nicht, kann man das Wunder von Chanukka nach Außen tragen und bekannt machen.


Nach dem Kerzenzünden zu Chanukka sagen wir, dass wir kein Recht haben, die Kerzen zu benützen, sondern sie nur ansehen dürfen. Es stellt sich die Frage, weshalb betont wird, dass man die Kerzen anschauen soll.

Die Mizwa des Chanukka-Kerzen-Zündens können wir eigentlich mit einer einzigen Kerze täglich erfüllen. Um die Mizwa aber schöner zu erfüllen, zünden wir jeden Tag eine Kerze mehr, bis wir schließlich acht Kerzen zünden. Wenn jemand, aus welchem Grund auch immer, nur eine Kerze zünden kann, hat er die Mizwa aber trotzdem vollständig erfüllt. In diesem Fall steht zum Beispiel am achten Tag Chanukka die eine gezündete Kerze für alle acht Kerzen, die man eigentlich zünden würde.

Im Judentum wird der Mensch mit einer Kerze verglichen, denn wie der Mensch aus einem Körper und einer Seele besteht, besteht die Kerze aus einem Docht und einer Flamme. So werden die Chanukka-Kerzen mit dem jüdischen Volk verglichen, und so, wie jede einzelne Kerze für mehrere Kerzen stehen kann, so steht auch jeder Mensch im Volk für mehrere Menschen, nämlich seine Nachfahren.

Wir dürfen die Kerzen zu Chanukka nicht benutzen, wir sollen sie aber ansehen. Wir sollen uns jeden einzelnen Juden ansehen und verstehen, dass er nicht nur für sich steht, sondern auch für das Potential, das in ihm steckt, und für seine Nachfahren.


Zu Chanukka feiern wir den Sieg der Juden über die Griechen, und das Wunder, dass im zerstörten Beit Hamikdasch ein versiegeltes Krüglein Öl gefunden wurde, das zum Entzünden des Leuchters im Tempel für acht Tage reichte. Dieser Feiertage wurde aber erst ein Jahr nach den Ereignissen als dauerhafter Feiertag festgesetzt. Dafür gibt es mehrere Erklärungen:

Dem Sieg über die Griechen ging ein blutiger Kampf voraus, in dem viele gefallen sind. Dementsprechend war ein großer Teil des Volkes in Trauer, weshalb nicht sofort ein Feiertag festgesetzt wurde. Nach einem Jahr, als das Trauerjahr vorbei war, konnte dann ein Fest- und Feiertag für das ganze Volk eingeführt werden.

Hätten die Chachamim bereits direkt nach dem Krieg gegen die Griechen den Feiertag eingeführt, hätte es passieren können, dass er vom Volk nicht richtig akzeptiert wird. Damit wäre aus einem großen Nutz ein großer Schaden entstanden. Ein Jahr nach dem Sieg und dem Wunder mit dem Ölkrüglein sahen die Chachamim aber, dass die Erinnerung an die Ereignisse, und das Bedürfnis, diese zu feiern, ungebrochen hoch sind. Dann erst konnten sie guten Gewissens einen Feiertag für das ganze Volk einführen.


Im ganzen Talmud gibt es keinen eigenen Traktat über Chanukka, obwohl dieses Fest aus sehr vielen Mizwot und Gebräuchen besteht. Stattdessen sind alle Bestimmungen für Chanukka in anderen Teilen des Talmud beschrieben. Natürlich stellt sich die Frage, wieso ausgerechnet Chanukka keinen Traktat hat, und Purim zum Beispiel schon.

Reb Salman Auerbach erklärt, dass das Wunder des Olivenöls (das acht Tage brannte, obwohl es nur ausreichend für einen Tag vorhanden war) gar nicht notwendig gewesen wäre: Einerseits kann der Dienst im Tempel in Zeiten, in denen die Mehrheit des Volkes unrein ist, wie es nach einem Krieg vorkommen kann, auch in unreinem Zustand vollzogen werden. Andererseits sind Flüßigkeiten im Beit Hamikdasch, wie zum Beispiel das Olivenöl für die Menora, im Zweifelsfall immer rein. Deshalb musste man nicht auf das vom Kohen Hagadol versiegelte Ölkrüglein zurückgreifen.
Von den Weisen wurde aber angeordnet, dass man besser auf Öl zurückgreifen soll, das sicher rein ist. Dies ist Teil der mündlichen Tora. Nach den Bestimmungen nur der schriftlichen Tora hätte es genug Öl gegeben.
Das bedeutet, dass das Wunder von Chanukka nur notwendig wurde, weil die Juden damals auch die Anordnungen der Weisen, und damit die mündliche Tora - trotz der Schwierigkeiten die es bereitete - einhalten wollten. Als Symbol für die Bedeutung der mündlichen Tora wurde kein schriftlicher Traktat für Chanukka eingeführt.


Nach dem Kerzenzünden zu Chanukka sagt oder singt man "Hanerot halalu". Dort steht: "Und alle acht Tage Chanukka sind diese Kerzen heilig, und wir dürfen sie nur sehen und sonst nicht verwenden."
Es ist eine Mizwa, acht Tage Chanukkakerzen zu zünden. Es ist daher eigentlich selbstverständlich, dass die Kerzen, wenn sie am ersten Tag heilig sind, auch an allen anderen heilig sind. Wieso wird trotzdem betont, dass die Kerzen "alle acht Tage" heilig sind?

Man ist jeden Tag nur verpflichtet, eine Kerze zu zünden. Es ist ein "Hidur Mizwa", eine Verschönerung der Mizwa, dass wir jeden Tag eine Kerze mehr zünden. Am ersten Tag zünden wir nur eine Kerze, und diese ist heilig. Ab dem zweiten Tag ist jeweils immer nur eine Kerze die Mizwa, die anderen sind die Verschönerung. Man könnte daher denken: Nachdem außer dem Licht der ersten Kerze auch andere Lichter brennen, die nicht zur Mizwa gehören, sondern nur Verschönerung sind, können wir deren Licht verwenden. Heute Abend zum Beispiel wären sechs Kerzen, die eigentlich nicht zur Mizwa gehören, und man könnte denken, diese kann man doch verwenden!
Deswegen haben unsere Weisen betont, dass an allen acht Tagen Chanukka die Kerzen heilig sind, und wir sie nicht verwenden dürfen.

Daraus lernen wir, dass eine Verschönerung, die wir zu einer Mizwa dazugeben, zum Teil dieser Mizwa wird, und diese vergrößert.