Awraham beauftragt seinen Knecht Elieser damit, eine Frau für Jizchak zu finden. Dieser betet zu G'tt und bittet um ein Zeichen, um die richtige Frau zu finden und erklärt dabei, dass er sich bei einem Brunnen befindet und nun die Töchter der Familien der Umgebung vorbeikommen und Wasser aus dem Brunnen schöpfen. Das Mädchen, dass nicht nur Elieser sondern auch dessen Kamelen zu Trinken gibt, soll die richtige für Jizchak sein. Doch weshalb muss Elieser den Ort erwähnen, an dem er sich befindet. G'tt kennt diesen selbstverständlich.
Doch diese Beschreibung seines Aufenthaltsortes war bereits Teil der Beschreibung des Tests, den er mit G'tt vereinbaren wollte: Die naheliegendste Antwort eines der Mädchen auf Eliesers Wunsch, zu Trinken zu bekommen, wäre, ihn auf den Brunnen, neben dem er eben steht, zu verweisen. Allenfalls könnte man ihm ein Gefäß zum Schöpfen borgen. Doch die Frau, die G'tt für Jizchak vorgesehen hat, soll nach diesem Plan selbst das Wasser schöpfen, und in weiterer Folge auch die Kamele tränken.
Eine andere Erklärung betont, dass sich Elieser eben am Brunnen befand, zu dem nur die Kinder der umliegend wohnenden Familien kamen und keine Eltern anwesend waren. Ein gutes Wesen lässt sich wirklich nur in Abwesenheit der Eltern oder anderer Autoritätspersonen feststellen. Die Tatsache, dass Riwka sich so um Elieser und seine Kamele kümmerte, obwohl sie beim Brunnen war, ohne Aufsicht durch ihre Eltern, zeigt, dass sie ein wahrhaft gutes Wesen hat und die geeignete Frau für Jizchak sein kann.
Die Tora betont, dass Elieser, Awrahams Knecht, den er losschickte, für Jizchak eine Frau zu finden, "über alles seine waltete." Doch wofür ist diese Information relevant?
Raw Salanter war einmal unterwegs und betrat ein Gasthaus. Der Wirt, der ihn nicht erkannte, freute sich ihn zu sehen, da sein Schochet schon einige Zeit ausgefallen war und fragte ihn, ob er Schochet ist und für ihn eine Kuh schächten könnte. Raw Salanter entgegnete ihm mit der Frage, ob er ihm 100 Rubel, eine große Summe, borgen könnte. Der Wirt entgegnete entsetzt, dass er den fremden Gast ja gar nicht kenne, ohne Zeugen und Bürge könne er ihm sicher kein Geld borgen. Doch Raw Salanter sagte ihm erstaunt: "Du hättest mir anvertraut, für dich Tiere zu schlachten, und hast dich nicht gesorgt, ob ich dafür vertrauenswürdig genug bin. Aber wenn es um Geld geht vertraust du mir plötzlich nicht?"
Der Wirt hatte für sein Geld einen viel höheren Sorgfaltsmaßstab als für das einhalten der Gebote. Doch natürlich ist das nicht richtig, wie wir eben bei Awraham sehen. Dieser vertraute Elieser sein gesamtes Vermögen an. Die Tora betont diese Tatsache, um zu zeigen, dass er ihm, was das Vermögen betraf, zwar vertraute. Als e aber darum ging, eine geeignete Partnerin für seinen Sohn zu finden, verlangte er von Elieser, ihm zu schwören. Wenn es um Geistiges ging, vertraute er ihm erst nach einem Schwur. Er handelte also ganz im Gegenteil zum Wirten, der im Bezug auf Kaschrut blind vertraute, aber in Geldsachen zusätzliche Sicherheiten wollte.

Awraham schickte seinen Knecht los, um eine Frau für seinen Sohn Jizchak zu finden. Er ließ ihn dabei zwei Dinge schwören: Der Knecht sollte keine Kna'aniterin für Jizchak wählen, und er sollte eine Frau aus Haran, aus Awrahams Familie, nehmen. Jizchak selber konnte nicht nach Haran gehen, da er seit der Beinahe-Opferung als Opfer galt, das das Gebiet des Landes Israel nicht verlassen durfte.
Wenn man jemanden beauftragt, in einem bestimmten Geschäft einen bestimmten Gegenstand zu kaufen, und der Beauftragte woanders etwas anderes kauft, ist der Auftraggeber dadurch an nichts gebunden. Er kann nur soweit gebunden sein, wie sein Auftrag ging. Genauso wird in der Gemara der Fall behandelt, dass jemand seinen Freund beauftragt, sich für ihn mit einer Frau in Jeruschalajim zu verloben. Wenn er nun versucht, eine Verlobung mit einer Frau aus einer anderen Stadt durchzuführen, ist der Auftraggeber dadurch zu nichts verpflichtet.
Dementsprechend ist nicht verständlich, weshalb Awraham seinen Knecht überhaupt schwören ließ. Der Auftrag, eine Frau aus Haran aus Awrahams Familie zu nehmen, hätte gereicht und jeder anderen Frau gegenüber wären weder Awraham noch Jizchak zu etwas verpflichtet gewesen.
Doch Awraham war besorgt, dass der Knecht ohne die zusätzliche ausdrückliche Warnung nach einer sehr wahrscheinlichen Ablehnung durch Riwka oder deren Eltern seinen Auftrag überschreiten und eine Kna'aniterin mitbringen könnte. Das würde Awraham und Jizchak zwar natürlich zu nichts verpflichten. Aber die schlussendliche Ablehnung durch Jizchak würde für die ausgewählte Frau, auch wenn Awraham nichts dafür könnte, eine große Schande bedeuten und großen Schmerz verursachen. Um auch einen solchen möglichen Schmerz einer ihm unbekannten Person zu verhindern, ließ Awraham seinen Knecht doppelt schwören.

 Als Elieser, Awrahams Knecht im Hause des Betuel, Riwkas Vater, ankommt, wird ihm sofort Essen angeboten. Doch er will erst essen, nachdem er ihnen erzählt hat, weshalb er hier ist. Doch weshalb war dies Elieser so wichtig, und weshalb betont es die Tora?
Der Chefez Chaim erklärt, dass Elieser als Awrahams Knecht auch vor der Toragabe schon die Kaschrut-Regeln einhielt. Doch wie sollte er der Verwandschaft seines Herren erklären, dass er ihr Essen nicht zu sich nehmen kann? Er versuchte - erfolgreich - es indirekt anzudeuten, in dem er zunächst sprach, und sich dabei nicht etwa als Generalsekretär von Awrahams Wirtschaftsbetrieb oder ähnliches, sondern schlicht als "Knecht Awrhams" vorstellte. Damit war Betuel und seiner Familie sofort klar, dass er bei ihnen nicht essen kann, weshalb er nach dem Gespräch auch das aus der Heimat mitgebrachte koschere Essen auspackte.
Ein anderer Grund für Eliesers Verhalten ist aber auch, dass die Tora uns damit etwas ganz bestimmtes beibringen möchte: Wenn man eine Aufgabe hat, soll man sie gleich erfüllen, und nicht erst essen. Denn das Essen kann sich in die Länge ziehen, es wird vielleicht sogar getrunken, sodass man schlussendlich die Aufgabe vergessen könnte. Aus diesem Grund darf man zum Beispiel auch nicht essen, bevor man gebetet hat, sobald die Zeit für das jeweilige Gebete begonnen hat. Und so wollte auch Elieser zunächst seine Aufgabe, den Schidduch zwischen Jizchak und Riwka, erfüllen, bevor er sich zum Essen setzte.

Awraham schickt seinen Knecht los, um eine Frau für seinen Sohn Jizchak zu finden. Er lässt ihn dabei zwei Dinge schwören: Der Knecht soll keine Kna'aniterin für Jizchak wählen, und er soll eine Frau aus Haran, aus Awrahams Familie, nehmen.
Im Prinzip würde der zweite Teil des Schwurs reichen. Wenn der Knecht jemanden aus Awrahams Familie in Haran nimmt, nimmt er damit automatisch keine Kna'aniterin. Und selbst wenn er keine geeignete Braut findet, ist sein Auftrag ausdrücklich auf eine Frau aus Haran beschränkt und umfasst die Kna'aniterinnen nicht.
Doch Awraham war besorgt, dass der Knecht ohne die zusätzliche ausdrückliche Warnung seinen Auftrag überschreiten und eine Kna'aniterin mitbringen könnte. Das würde Awraham und Jizchak zwar natürlich zu nichts verpflichten. Aber die schlussendliche Ablehnung durch Jizchak würde für die ausgewählte Frau, auch wenn Awraham nichts dafür könnte, eine große Schande bedeuten und großen Schmerz verursachen. Um auch einen solchen möglichen Schmerz einer ihm völlig unbekannten Person zu verhindern, ließ Awraham seinen Knecht doppelt schwören.

Elieser, Awrahams Knecht, genoss dessen vollstes Vertrauen und war für dessen gesamten Besitz verantwortlich. Doch als Awraham seinen Knecht losschickte, um eine Frau für Jizchak zu finden, ließ er ihn schwören, dass er keine Frau aus Kanaan für ihn suchen wird. Solch eine Maßnahme deutet normalerweise auf mangelndes Vertrauen hin, denn wenn man einer Person traut ist ein Schwur nicht notwendig. Wenn Awraham Elieser aber nicht voll vertrauen würde, hätte er ihm nicht die Verantwortung über sein gesamtes Vermögen übertragen.
Nach einer Erklärung vertraute Awraham seinem Knecht in dieser speziellen Sache nicht, da Elieser selbst eine Tochter hatte, die er mit Jizchak verheiraten wollte. Er hat also eigene Interessen und Awraham befürchtete, dass er deshalb seine Mission verteiteln könnte.
Raw Salanter war einmal unterwegs und betrat ein Gasthaus. Der Wirt, der ihn nicht erkannte, freute sich ihn zu sehen, da sein Schochet schon einige Zeit ausgefallen war und fragte ihn, ob er Schochet ist und für ihn eine Kuh schächten könnte. Raw Salanter entgegnete ihm mit der Frage, ob er ihm etwas Geld borgen könnte. Der Wirt entgegnete entsetzt, dass er den fremden Gast ja gar nicht kenne, ohne Zeugen und Bürge könne er ihm sicher kein Geld borgen. Doch Raw Salanter sagte ihm erstaunt: "Du hättest mir anvertraut, für dich Tiere zu schlachten, und hast dich nicht gesorgt, ob ich dafür vertrauenswürdig genug bin. Aber wenn es um Geld geht vertraust du mir plötzlich nicht?" Der Wirt war peinlich berührt und wollte wissen, woher Raw Salanter diesen Gedanken hat. Dieser erklärte ihm, dass er ihn aus der Parascha dieser Woche hat: Awraham vertraute Elieser sein gesamtes Vermögen an. Aber wenn es um Geistiges ging, vertraute er ihm erst nach einem Schwur. Er handelte also ganz im Gegenteil zum Wirten, der im Bezug auf Kaschrut blind vertraute, aber in Geldsachen zusätzliche Sicherheiten wollte.

Die Parascha dieser Woche beginnt mit dem Tod Sarahs. Sarah erfährt vom Auftrag G'ttes an Awraham, ihren Sohn Jizchak zu opfern, und noch bevor ihr von der letzten Wendung berichtet werden kann, verstirbt sie aufgrund des Schockes. Anscheinend hat Sarah die Prüfung, anders als ihr Mann Awraham, nicht bestanden.
Als es einen Konflikt zwischen Awraham und Sarah um den Verbleib von Jischma'el, Awrahams Sohn mit Sarahs Magd Hagar, bei Awraham gab, weil Sarah Angst vor dem schädlichen Einfluss von Jischma'el auf ihren Sohn Jizchak hatte, sagte G'tt Awraham, dass er auf die Stimme Sarahs hören soll. Unsere Weisen erklären diese Formulierung damit, dass Sarah als Prophetin etwas sah, das Awraham nicht gesehen hat. Anscheinend war Sarah also eine größere Prophetin als Awraham und eine heiligere Person. Wieso konnte dann nur Awraham die Prüfung bestehen, und Sarah nicht?
In Wahrheit sind die beiden Situationen nicht vergleichbar: Awraham wurde langsam an das Thema herangeführt, dann macht er sich auf den Weg. Sarah hingehen hörte auf einmal von G'ttes Befehl und dass Awraham und Jizchak unterwegs sind. Awraham hatte anders als Sarah eine Vorbereitung, die ihm half, mit diesem Thema umzugehen.
Es gab immer wieder die Behauptung, dass Awraham nicht so g'ttgläubig war, wie man denkt, denn es kann gar nicht sein, dass er bereit war, seinen Sohn zu töten. Er war laut dieser Behauptung zu diesem Zeitpunkt geistig nicht bei sich. Doch wie wir gerade gelernt haben, hatte Awraham, anders als Sarah, genügend Zeit, den Befehl zu verinnerlichen, und bei klarem Kopf selbstständig zu entscheiden. Denn hätte er diese Vorbereitung nicht gehabt, wäre er wie seine Frau aufgrund einer solchen Meldung sofort verstorben.

Wir lernen aus diesen Begebenheiten, wie wichtig es gerade in der heutigen Welt, in der alles schnell gehen muss, und in der keine Zeit für Vorbereitungen oder intensives Nachdenken bleibt, ist, innnezuhalten, sich gut vorzubereiten und über jeden Schritt nachzudenken, wie es in den Jeschiwot, in denen intensiv gelernt, gedacht und überlegt wird, praktiziert und gelehrt wird.


Die Parascha dieser Woche beginnt mit dem Tod Sarahs. Sarah erfährt vom Auftrag G'ttes an Awraham, ihren Sohn Jizchak zu opfern, und noch bevor ihr von der letzten Wendung berichtet werden kann, verstirbt sie aufgrund des Schockes. Anscheinend hat Sarah die Prüfung, anders als ihr Mann Awraham, nicht bestanden.

Als es einen Konflikt zwischen Awraham und Sarah um den Verbleib von Jischma'el, Awrahams Sohn mit Sarahs Magd Hagar, bei Awraham gab, weil Sarah Angst vor dem schädlichen Einfluss von Jischma'el auf ihren Sohn Jizchak hatte, sagte G'tt Awraham, dass er auf die Stimme Sarahs hören soll. Unsere Weisen erklären diese Formulierung damit, dass Sarah als Prophetin etwas sah, das Awraham nicht gesehen hat. Anscheinend war Sarah also eine größere Prophetin als Awraham und eine heiligere Person. Wieso konnte dann nur Awraham die Prüfung bestehen, und Sarah nicht?
In Wahrheit sind die beiden Situationen nicht vergleichbar: Awraham wurde langsam an das Thema herangeführt, dann macht er sich auf den Weg. Sarah hingehen hörte auf einmal von G'ttes Befehl und dass Awraham und Jizchak unterwegs sind. Awraham hatte anders als Sarah eine Vorbereitung, die ihm half, mit diesem Thema umzugehen.
Es gab immer wieder die Behauptung, dass Awraham nicht so g'ttgläubig war, wie man denkt, denn es kann gar nicht sein, dass er bereit war, seinen Sohn zu töten. Er war laut dieser Behauptung zu diesem Zeitpunkt geistig nicht bei sich. Doch wie wir gerade gelernt haben, hatte Awraham, anders als Sarah, genügend Zeit, den Befehl zu verinnerlichen, und bei klarem Kopf selbstständig zu entscheiden. Denn hätte er diese Vorbereitung nicht gehabt, wäre er wie seine Frau aufgrund einer solchen Meldung sofort verstorben.

Wir lernen aus diesen Begebenheiten, wie wichtig es gerade in der heutigen Welt, in der alles schnell gehen muss, und in der keine Zeit für Vorbereitungen oder intensives Nachdenken bleibt, ist, innnezuhalten, sich gut vorzubereiten und über jeden Schritt nachzudenken, wie es in den Jeschiwot, in denen intensiv gelernt, gedacht und überlegt wird, praktiziert und gelehrt wird.


In der Parascha dieser Woche kauft Awraham die Höhle, in der er seine soeben verstorbene Frau Sarah begraben möchte. Dabei kommt es zu langwierigen Verhandlungen, zuerst zwischen Awraham und den Söhnen Chets, und dann mit dem Grundeigentümer Efron. Schließlich wird noch umständlich über den Preis des Grundes verhandelt, bevor der Kauf endlich abgeschlossen werden konnte.

Weshalb wird dieser Vorgang von der Tora so genau beschrieben? Wieso reicht es nicht zu erwähnen, dass Awraham die Maharat HaMachpela erworben hat?

Es ist eine wichtige Sache, auf seinem eigenen Grund und Boden begraben zu werden. Dieses Thema kommt im Tanach einige Male vor, so zum Beispiel bei Aharons Enkel, Pinchas, dem Kohen Gadol zur Zeit von Jehoschua, der als Mitglied des Stammes Levi zwar keinen eigenen Anteil am Land zugewiesen bekam, aber von seinem vorverstorbenen Schwiegervater und seiner Frau ein Stück Land erbte, auf dem er begraben wurde. Denn ein Zaddik, ein Gerechter Mensch, soll nicht auf fremden Land begraben werden. Deshalb ist es auch wichtig, einen Grabplatz für verstorbene Verwandte zu bezahlen, denn auch wenn die Chewra Kaddischa ihn auf jeden Fall begräbt, würde der Tote sonst darunter leiden.

Die Tora will also eindeutig klarstellen, dass Awraham den Grabplatz für Sarah rechtmäßig erworben hat. Doch weshalb musste Awraham zuerst mit den Söhnen Chets, den neuen Nachbarn, verhandeln, bevor er mit dem eigentlichen Grundeigentümer sprach?

Ein Grundeigentümer darf auf seinem Grund nicht tun, was er will. Es gibt verschiedene Regelungen, wie auf die Nachbarn Rücksicht genommen werden muss. Unter anderem ist es verboten, einen Friedhof innerhalb des bewohnten Gebietes zu errichten, weil es die Nachbarn stören könnte.

In der Höhle befanden sich bereits die Gräber von Adam und Chawa (Eva). Wenn jetzt ein drittes Grab hinzugefügt wird, wird aus den beiden Gräbern halachisch betrachtet ein Friedhof. Daher sprach Awraham zuerst mit den potentiellen Nachbarn. Erst als diese ihm bestätigten, dass sie mit der Verwendung als Friedhof einverstanden sind, konnte er mit Efron verhandeln.


In der dieswöchigen Parascha will Awraham seine Frau Sarah begraben, und sucht dafür die passende Grabstätte. Als er sie findet, meint der Eigentümer des Grundstücks, Efron, zunächst, dass er einer so wichtigen Persönlichkeit wie Awraham dieses Feld natürlich umsonst geben will. Awraham bietet aber trotzdem deine Zahlung an, und tatsächlich erweist sich daraufhin, dass Efron das Feld sogar sehr teuer verkaufen will - seine Versprechungen zu Beginn waren nur Gerede.

Doch wie hat Awraham erkannt, dass Efron in Wahrheit verkaufen will?

Im Passuk steht: "Das Feld habe ich dir gegeben [...] vor den Augen der Söhne meines Volks." Efron deutete damit an, dass er zwar nach Außen hin, vor den Augen seines Volkes, ein Geschenk zu machen scheint, aber "unter uns" wollt er das Feld auf jeden Fall verkaufen. Deshalb sagt er auch, als Awraham auf eine Bezahlung bestand: "[...] 400 Schekel, Silber, was bedeutet das zwischen mir und dir?"

Wer von jemanden, der selber keine vollständig sättigende Mahlzeit einnimmt, um etwas von diesem Essen bittet, gilt halachisch als Dieb. Wenn also jemand zum Beispiel ein Eis isst, oder einen anderen Snack, darf man ihn nicht darum bitten, einen Anteil zu bekommen. Denn man stellt ihn damit vor die Wahl, entweder als unfreundlich oder geizig zu gelten, oder auf einen Teil der kleinen Portion zu verzichten, die einen ohnehin nicht sättigen wird. Das selbe gilt auch zum Beispiel für jemanden, der eine Wette gewonnen hat: Die andere Seite will ihm das Geld gar nicht geben, sie hat der Wette nur eingewilligt, weil sie von ihrem Sieg überzeugt war.

Deshalb hätte Awraham, nachdem er Efrons Zeichen verstanden hatte, eine Awera begangen, wenn er das Geschenk angenommen hätte - denn Efron wollte nicht wirklich schenken, es war ihm in der Öffentlichkeit nur unangenehm, von einem so anerkannten Mann so viel Geld zu verlangen.


Awraham schickt seinen Knecht Elieser aus, um für seinen Sohn Jizchak eine Frau zu finden. Als dieser schließlich Rivka findet, fragt er sie, ob es bei ihr zu Hause einen Platz zum Schlafen für ihn gebe. Rivka antwortet darauf, dass es bei ihr zu Hause genügend Platz zum Übernachten gibt, sogar für mehrere Nächte.

Wenn man den Dialog genauer betrachtet, fällt allerdings auf, dass Rivka die Frage gar nicht beantwortet. Awrahams Knecht fragt sie, ob es für ihn einen Schlafplatz gib, doch Rivka stellt nur allgemein fest, dass es Schlafplätze gibt. Die Wahrheit ist, dass das Haus Betuels, in dem Rivka lebte, ein Haus des G'tzendienstes ist, weshalb es für Elieser nicht geeignet ist. Rivka antwortet daher absichtlich so undeutlich. Erst später, nachdem Rivka ihrer Familie den Besuch ankündigt, entfernt diese alles ungeeignete aus dem Haus, und lädt Elieser ein.

Während die Tora, in der kein Buchstabe umsonst steht, zum Beispiel für die Erwähnung der 39 am Schabbat verbotenen Tätigkeiten einen einzigen Passuk gebraucht, wird die Episode von Elieser und Rivka sogar zweimal in aller Ausführlichkeit beschrieben. Die Tora will uns damit den zwischenmenschlichen Umgang und die richtige Form diplomatischen Verhaltens lehren, denn derartige Werte kann man nicht einfach trocken erklären, man muss sie anhand von Beispielen erläutern.