Und Ja'akov kochte das zu Kochende (...).

Weshalb leitet die Tora die Erzählung des Verkaufs des Erstgeburtsrechts durch Esaw an Ja'akov mit diesem doppelten Wortlaut (im Original: "wajased nasid") ein?
Esaw war bereit, das Erstgeburtsrecht zu verkaufen, da er darin lediglich das Recht sah, im Tempel zu dienen. Ja'akov im Gegensatz dazu erkannte dessen ungemein höheren Wert. Das Erstgeburtsrecht berechtigt nämlich auch zum Segen des Vaters und in der Folge zur sprituellen Nachfolge und Fortsetzung. Der doppelte Wortlaut deutet also auf diese doppelte Bedeutung des Erstgeburtsrechts hin, der Dienst im Tempel aber auch das Erhalten des väterlichen Segens. In der Tora haben die Worte Bchora (Erstgeburt) und Bracha (Segen) auch die gleichen Buchstaben.
Wir können daraus für uns lernen, dass eine Tätigkeit Konsequenzen hat und wir diese auch bedenken müssen. Esaw dachte nur daran, was aktuell gut war und nicht, was sich später ergeben könnte. Ja'akov, das jüdische Volk, unsere Weisen, die Nachfahren Awrahams, Jizchaks und Jakows hingegen sollten wie bereits Ja'akov die Konsequenzen ihres Tuns bedenken und entsprechend handeln. Den Hinweis dazu liefert unsere Parascha: Und Ja'akov kochte das Kochende.

 


Die Kommentatoren thematisieren, ob der Verkauf der Erstgeburt von Esaw and Ja'akow überhaupt gültig war. Einerseits standen bezahlter Preis, eine Mahlzeit, und Wert der Erstgeburt, die so vieles, nicht zuletzt den zukünftigen Tempeldienst, beinhaltete, in einem starken Missverhältnis. Außerdem handelte Esaw in einer Notsituation, und es ist auch unklar, ob so etwas wie eine Erstgeburt überhaupt verkauft werden kann, die Geburtsreihenfolge steht ja fest.

Es gibt Dinge, die einen festgelegten Wert haben, auch wenn dieser durchaus in verschiedenen Situation anders sein kann, wie zum Beispiel ein Getränk, dass in einem Restaurant wesentlich teurer ist als in einem Supermarkt. Nichtsdestoweniger gibt es aber einen jeweils gütigen Preis. Andere Dinge haben keinen festgelegten Preis. Der Preis, den man für einen Sitzplatz im Beit Knesset zu den Feiertagen zahlt, oder für eine Aliya zur Tora sind Beispiele dafür. Ganz deutlich ist es beim Maftir Jona zu Jom Kippur, für den teilweise horrende Summen gezahlt werden, an anderen Plätzen nur Bruchteile davon. Dies liegt daran, dass es keinen festgelegten Wert für diese Dinge gibt, der Preis hängt davon ab, wie wichtig einem die Sache ist. So verhielt es sich auch mit den Rechten aus der Erstgeburt des Esaw. Wie die Tora selbst sagt, verschmähte dieser sie, sie hatte für ihn also keinen Wert. Deshalb war sogar ein einfaches Gericht, das Ja'akow für seinen nach dessen Vater trauernden Vater zubereitete, ein angemessener Preis. 


Das sind die Nachfahren von Jizchak, Sohn des Awraham; Awraham zeugte den Jizchak.

Raschi erklärt, dass die Spötter dieser Zeit meinten, dass Jizchak gar nicht wirklich Awrahams Sohn war, denn Sarah bekam lange keine Kinder, und kurz nachdem sie von Awimelech entführt wurde, war sie plötzlich schwanger. Um diesen Spöttern den Wind aus den Segeln zu nehmen machte G'tt die Gesichtszüge Jizchaks denen Awrahams ähnlich, sodass die Tora feststellte: "Jizchak, Sohn des Awraham", während die Leute bestätigten: "Awraham zeugte wirklich den Jizchak!"

Normalerweise verspricht sich der Sprecher von Laschon Hara etwas von seiner Tat. Doch welchen Grund hatten die Spötter die Geburt Jizchaks Awimelech zuzuschreiben? Awrahams überraschende Vaterschaft war ein Wunder, und das Anerkennen dieses Wunders hätte logischerweise den Glauben an G'tt und die Abkehr von den Götzen verlangt. Doch das wollten sie nicht akzeptieren, weshalb sie die Tatsache ins Lächerliche zogen. Doch was hatten die Spötter zum noch erstaunlicheren Wunder der Mutterschaft Sarahs im hohen Alter zu sagen? Doch die Wahrheit ist, erklärt uns die Gemara, dass Spötter keine logische Diskussion führen müssen oder wollen. Einmaliger Spott verdrängt 100 Beweise. Es reicht, sich einen Aspekt oder ein Detail herauszunehmen und dieses ins Lächerliche zu ziehen, um eine Behauptung insgesamt zu verunglimpfen. So konnten die Spötter Awrahams Vaterschaft ins Lächerliche ziehen und sich so vor der Konsequenz retten, an G'tt glauben zu müssen.


Als nun die Knaben heranwuchsen, da war Esaw ein Mann, der den Fang versteht, ein Mann des Feldes; und Jaakow ein sich ganz hingebender Mann, der in Zelten wohnt.

In der Erziehung eines Kindes sind zwei Dinge wichtig: Einerseits eine klare Linie, ein eindeutiges Ziel, das man erreichen will. Andererseits aber ein auf das konkrete Kind abgestimmter Weg zu diesem Ziel.

Raw S.R. Hirsch erklärt, dass man, als Esaw und Jaakow klein waren, nicht auf ihre verschiedenen Anlagen geachtet hat. Sie genossen die gleiche Erziehung, die gleiche Ausbildung. Erst als sie größer wurden, "als die Knaben heranwuchsen", wurde der sehr verschiedene  Charakter der beiden Zwillingsbrüder offensichtlich. Esaw und Jaakow hatten von Geburt an zwar unterschiedliche Anlagen, aber beide hätten bei auf sie abgestimmter Erziehung den richtigen Weg einschlagen können. Da dies nicht geschah, entwickelten sich die beiden Zwillinge trotz des gleichen Ziels ihrer Eltern so unterschiedlich.


In der Parascha dieser Woche verkauft Esaw sein Erstgeburtsrecht an seinen Bruder Jaakow. Es stellt sich die Frage, ob man etwas wie ein Erstgeburtsrecht überhaupt verkaufen kann. Dazu kommt, dass die Hauptbedeutung des Erstgeburtsrechts der zukünftige Tempeldienst war. Etwas, das es noch gar nicht gibt, kann man nicht jemand anderem übergeben.

Woher hatte dann Jaakov die Idee, das Erstgeburtsrecht zu kaufen?

Der Tag, an dem Esaw Jaakow hungrig begegnete und ihm sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht verkaufte, war der Todestag Awrahams. Jaakow kochte die Linsen für seinen trauernden Vater Jizchak, denn bei der ersten Mahlzeit nach dem Begräbnis soll man etwas Rundes essen, um das Auf und Ab des Lebenskreises zu symbolisieren. Doch obwohl Jaakow seinem Bruder Linsen anbot, sagte dieser nur: "Gib mir von dem Roten." Ihm war egal, was und warum Jaakow kochte, er wollte sich damit auch nicht beschäftigten und er hatte auch keinen Respekt für seinen eben verstorbenen Großvater Awraham.

Jaakow folgerte, dass das Erstgeburtsrecht und die damit verbundenen Folgen, nämlich das Fortführen des Weges des Vaters, für Esaw keine Relevanz hatten, weshalb er zu der ungewöhnlichen Idee kam, ihm dieses Recht schlicht abzukaufen.


Ja'akow wird in der Tora als "Isch Tam" beschrieben. Dieser Ausdruck wird gewöhnlich mit "naiv, einfältig, einfach" beschrieben. Raschi erklärt, dass die Tora mit "Tam" jemanden meint, der fern von jedem Betrug und jeder Täuschung ist. Doch wir wissen, dass Ja'akow durchaus wusste, Täuschung und Erpressung für sich zu benutzen: Er erlangte das Erstgeburtsrecht von Esaw und redete seinem Vater ein, er sei Esaw. Auch wenn diese Taten erlaubt und richtig waren stellt sich die Frage, ob man jemanden, der sich so verhalten kann, als naiv, einfältig, oder fern jeder Täuschung bezeichnen kann.

Wie gesagt wird Ja'akow aber nicht einfach als "Tam", sondern als "Isch Tam" bezeichnet. Isch bedeutet in der Sprache der Tora nicht nur "Mann", sondern steht auch für eine wichtige Person, die zielstrebig handelt. Ja'akow war ein "Isch Tam", das heißt, er wusste, wann es angebracht war, hart durchzugreifen, aber er wusste auch, wann es besser war, still und bescheiden für sich zu leben und zu lernen.


In der Parascha dieser Woche verkauft Esaw sein Erstgeburtsrecht für eine Mahlzeit an seinen Bruder Ja'akow. Doch objektiv betrachtet war die Mahlzeit nicht annähernd so viel wert, wie das Erstgeburtsrecht. Es stellt sich die Frage, wieso der Verkauf dann überhaupt gültig war.

In Wirklichkeit hat etwas so abstraktes wie ein "Erstgeburtsrecht" keinen messbaren Wert. Natürlich enthält es finanzielle Vorteile, wie ein doppeltes Erbteilsrecht, aber den tatsächlichen Wert dieses Rechtes kann man nicht allgemeingültig bestimmen. Das ist zum Beispiel mit einem Tallit des Bal Schem Tow vergleichbar: Für einen chassidischen Juden hat er unendlichen Wert, für einen anderen Juden, der ihn als gebrauchten Tallit sieht, keinen besonders hohen, und für einen Nichtjuden hat er vermutlich gar keinen Wert.

Für Esaw war das Erstgeburtsrecht, das zum Beispiel damals den Dienst im Tempel beinhaltete, kaum bis gar nichts wert. Im Vergleich dazu war die Mahlzeit für ihn, der gerade am Verhungern war, ein Vielfaches wert.


Jedem Kind wird vor der Geburt von einem Engel die Tora beigebracht. Kurz vor der Geburt vergessen wir alles Gelernte aber, und müssen es uns im Verlaufe unseres Lebens wieder aneignen. Dies ist nötig, weil wir ohne jegliches Vorwissen gar nicht die Möglichkeit hätten, Tora zu lernen. Die Tatsache, dass wir sie schon einmal kannten, und unser Wissen eigentlich nur auffrischen müssen, ermöglicht es uns, überhaupt erst Tora zu lernen.

In der Parascha dieser Woche steht, dass sich die Zwillinge Esaw und Ja'akow in Riwkas Bauch "heftig gegeneinander bewegten". Raschi erklärt dazu, dass das Bewegen daher rührte, dass Ja'akow jedes Mal, wenn Riwka an den Lehrhäusern von Schem und Ewer vorbeikam, den Bauch verlassen wollte, um dort zu lernen. Esaw hingegen wollte den Bauch immer dann verlassen, wenn Riwka an einer Stätte des Götzendienstes vorbeiging. Jeder der beiden strebte zu dem, was seiner Veranlagung näher lag.

Raw Kook stellt dazu die Frage, weshalb es Ja'akow in das Lehrhaus (die Lehrhäuser?) hinausdrängte, obwohl er im Bauch seiner Mutter doch einen Engel als Lehrer hatte.

Es ist nicht nur wichtig, von wem man lernt, sondern auch, in welcher Gesellschaft. Denn der Mensch wird von seinem Umfeld und von seinen Mitmenschen beeinflusst, und muss sich deshalb gute Freunde, Nachbarn, aber auch Lernpartner suchen. Deswegen war es für Ja'akow in dieser Situation besser, Tora von einem Menschen in guter Gesellschaft zu lernen, als von einem Engel, in Gesellschaft seines Bruders Esaw.


In der Parascha dieser Woche wird vom Verkauf des Erstgeburtsrechts von Esaw an Ja'akow erzählt. Dieser Verkauf fand am selben Tag statt wie der Tod Awrahams. Ja'akow bereitete für seinen trauernden Vater Jizchak gerade ein Linsengericht vor, als sein hungriger und müder Bruder Esaw ihm sein Erstgeburtsrecht für eine Portion Linsen verkaufte. Die Tora erwähnt bei dieser Erzählung zweimal, dass Esaw müde war. Raschi erklärt, dass er müde war, weil er gerade Nimrod getötet hatte.

Welche Bedeutung hat es, dass Awraham und sein großer Widersacher Nimrod, der ihn und seinen Bruder ins Feuer schickte und gegen G'tt kämpfte, gleichzeitig verstorben sind?

Im Leben hat alles zwei Seiten: Es gibt gut und böse, rein und unrein, heilig und profan. So wie es einen bösen Trieb gibt, gibt es auch einen guten Trieb. Und diese beiden Triebe stehen immer auf einer Höhe. Als zum Beispiel den Menschen die große Lust auf Götzendienst genommen wurde, wurde ihr im selben Ausmaß auch die Prophetie weggenommen.
Als nun Awraham, der größte Zaddik seiner Zeit, der seine Mitmenschen G'tt näher brachte, gestorben ist, schied gleichzeitig sein Widerpart Nimrod, der seine Mitmenschen zum Sünden verleitete, aus dem Leben, denn alles im Leben hat zwei Seiten. Wenn ein großer Zaddik die Welt verlässt, muss sich auch das Böse auf der Welt im selben Ausmaß veringern, da sonst das Gleichgewicht gestört wäre. Denn wenn es nur noch ein großes positives oder ein großes negatives Vorbild in der Welt gäbe, wäre auch der freie Wille der Menschen beeinträchtigt.


In der Parascha dieser Woche erhält Ja'akow durch eine List den Segen, den sein Vater Jizchak eigentlich seinem älteren Sohn Esaw geben wollte. Ja'akows und Esaws Mutter Riwka erfährt durch eine Prophezeiung, dass Esaw Ja'akow deshalb töten will. Sie ruft Ja'akow zu sich und trägt ihm auf, das Land zu verlassen und zu seinem Onkel Lawan nach Charan zu gehen, um vor der Rache Esaws sicher zu sein.
Anschließend geht sie zu Jizchak, um ihn davon zu überzeugen, dass Ja'akow das Land verlassen muss. Sie begründet diese Idee aber diesmal ganz anders: Ja'akow muss eine Frau zum Heiraten finden, und sie will nicht, dass er eine Frau der ortsansässigen Bevölkerung nimmt. Stattdessen soll er in Charan, bei seiner Familie, eine geeignete Ehegattin finden.
Beide Gründe, die Riwka genannt hat, sind natürlich zutreffend und gut. Trotzdem stellt sich die Frage, weshalb Riwka den wahren ursprünglichen Grund für ihre Überlegung vor ihrem Mann geheimhalten wollte.
Aus dem Text der Tora ergibt sich, dass Jizchak die Prohpezeiung, dass Esaw Ja'akow töten will, nicht erhalten hat. Riwka wollte ihn vor der unangenehmen Feststellung bewahren, dass G'tt ihm anscheinend eine Information vorenthält, die sie selbst erhalten hat. Dieses Verhalten war nicht nur für Riwka angemessen. Vielmehr sollten wir aus dieser Stelle der Tora lernen, dass man anderen gegenüber nicht grundlos zeigen soll, dass man etwas kann oder weiß, das sie nicht wissen, denn es könnte das Gegenüber beschämen oder verärgern.


In Paraschat Toldot möchte Jizchak seinen erstgeborenen Sohn Esaw segnen. Doch Jizchaks Frau Rivka weiß, dass der Segen Ja'akow gebührt und trägt diesem daher auf, sich als Esaw zu verkleiden, um den Segen von seinem Vater zu bekommen.
Jizchak war verwirrt, er hörte die Stimme Ja'akows, aber er spürte die behaarte Haut Esaws. Da er blind war, wusste er nicht, wer vor ihm stand. Also sagte er: "Tritt doch heran und küss mich, mein Sohn!" In der Tora steht weiter: "Da trat er heran und küßte ihn. Und als er den Geruch seiner Kleider roch, da segnete er ihn und sprach: Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch eines Feldes, das Haschem gesegnet hat." Raschi sagt, dass Jizchak hier den Geruch des Gan Eden (Paradies) roch.
Doch zu dieser Stelle drängen sich zwei Fragen auf:
1. Jizchak sagt: "Siehe, der Geruch". Doch einen Geruch kann man nicht sehen.
2. Wem sagt Jizchak den letzten Satz? Würde er Ja'akow ansprechen, würde er ja nicht in der dritten Person über ihn sprechen.

Wie bereits erwähnt war Jizchak blind, wie es etwas weiter vorne in der Tora steht: "Und es geschah, als Jizchak alt geworden und seine Augen trübe waren, so dass er nicht mehr sehen konnte."
Der Grund für seine Bildheit war, dass G'tt nicht wollte, dass er sieht, wie schlecht sein Sohn ist, und darüber bekümmert ist. Mit dieser Erklärung werden auch unsere zwei Fragen beantwortet:
Nicht Jizchak, sondern G'tt spricht den Satz. Die Blindheit war nur, damit Jizchak Esaw nicht sehen muss; aber als dieser wunderbare Sohn vor Jizchak stand, öffnete G'tt ihm die Augen, und sagte: Schau ihn dir an, dies ist der Sohn den du segnen sollst!
Möge uns G'tt den S'chut geben, dass wir sehen, wie unsere Kinder dem richtigen Weg folgen, ins Beit Haknesset kommen und Mizwot halten!