G'tt ließ das Volk nicht durch das Gebiet der Plischtim ziehen, obwohl es der direkte Weg nach Israel gewesen wäre. Er befürchtete nämlich, dass das Volk es im Falle eines Krieges mit der Angst zu tun bekommen könnte und den kurzen Weg zurück nach Ägypten antreten würde. Stattdessen leitete er es durch die Wüste um. Der Ba'al Haturim und der Talmud Jeruschalmi erklären, dass die Anweisung am Sederabend angelehnt ("behasewa") zu essen vom zweiten Pasuk dieser Parascha abgeleitet wird, wo vom Umleiten durch G'tt ("wajasew") die Rede ist. Doch wo liegt außer der gemeinsamen Wortwurzel der Zusammenhang zwischen dem Umweg, den G'tt das Volk machen ließ einerseits und dem Anlehnen als Zeichen der Freiheit beim Seder andererseits?
Wenn einen das Leben statt auf dem geraden Weg über lange, komplizierte und krumme Wege führt, könnte man sich die Frage stellen, weshalb G'tt einem das antut, ob er einen gar vergessen hat. Dieser Pasuk ist ein Beispiel, dass auch gerade die Umwege, die G'tt einen machen lässt, ihren Grund haben.
Neben physischer Freiheit gibt es auch die Freiheit im Kopf. Viele Gefangene in den Konzentrationslagern sammelten schon Wochen vor Chanukka alles zusammen, was sie an acht Tagen als notdürftige Kernzen verwenden konnten, und manche schafften es, Tfilin ins Lager zu bringen und riskierten täglich ihr Leben, um nur wenige Minute Tfilin zu legen. Diese Leute waren zwar physisch gefangen, aber im Kopf waren sie frei. Wenn man seinen Glauben und sein G'ttvertrauen nicht verliert, bleibt man im Kopf frei, auch wenn man es physisch nicht mehr ist. Umgekehrt kann ein reicher Mensch so mit seinen Geschäften beschäftigt sein, dass er nicht einmal mehr Zeit hat, zu lernen. Er ist physisch frei, aber im Kopf ist er ein Gefangener. 
Gerade als das Volk aus Ägypten auszieht, führte G'tt es über einen langen, schweren und verworrenen Weg, denn dieser ist der Weg der Freiheit, weshalb gerade dieser Pasuk der ist, der uns an das Anlehnen, das Zeichen der Freiheit am Seder, 
Juden in den letzten Jahrtausenden haben teilweise nur mit einem kleinen Stück Mazza den Seder gemacht, aber sie sind dabei freie Menschen geblieben.


Während das ganze Volk den Schmuck der Ägypter, der ans Ufer des Meeres geschwemmt worden war, einsammelte, beschäftigte sich Mosche damit, den Leichnam Josefs zu transportieren. Die Gemara bezieht deshalb einen Pasuk aus Mischlej auf ihn: "Der Herzensweise nimmt sich die Mizwot." 
Doch der Begriff Herzensweise deutet an, dass Mosche besondere Weisheit besaß, die ihn dazu führte, diese Mizwa zu tun. Doch was war so besonders an diesem Gedanken Mosches? Würde es uns nicht uns allen als gute Idee erscheinen (unabhängig davon, ob wir uns dazu durchringen können, es auch zu tun)? Und wenn man diesen Pasuk auf Mosche bezieht, weshalb steht dann "Mizwot" im Plural, wenn er doch hier konkret nur eine Mizwa gemacht hat?
Eine Folge der Tatsache, dass Mosche den Transport von Josefs Leichnam organisierte, war das Vorhandensein von Leuten der Chewra Kadischa, die sich verunreinigt hatten und dadurch das Pessach-Opfer nicht darbringen konnten. In Folge ihrer Beschwerde wurde dann Pessach Scheni verkündet, ein Tag, an dem unter anderem durch Tote verunreinigte eine zweite Chance erhalten, das Opfer darzubringen. Das besondere an Mosches Weisheit war es, dass seine Tat mehrere Mizwot zur Folge haben wird. Wir lernen daraus, wie wichtig es ist, nicht nur unsere Taten, sondern auch deren Konsequenzen zu bedenken.


Als nun Pharao das Volk fortließ (...)

Ebenso wie am Ende der vorwöchigen Parascha wird auch im ersten Satz der Parascha dieser Woche erwähnt, dass Pharao das Volk ziehen ließ bzw. wegschickte und nicht, dass G'tt das Volk aus Ägypten führte. Eine Erklärung bezieht sich auf die Tatsache, dass das Volk tatsächlich nur 210 Jahre in Ägypten war, obwohl Awraham ein 400-jähriges Exil seiner Nachfahren angekündigt wurde: Wären wir tatsächlich aus eigenem Antrieb gegangen, könnte es sein, dass wir noch 190 Jahre nach Ägypten zurück müssten. Doch da Pharao uns wegschickte, sind wir auf jeden Fall befreit und müssen nicht zurück.

Eine andere Erklärung nimmt auf einen fundamentalen Charakterzug von Juden und Menschen im allgemeinen Bezug, nämlich auf die Dankbarkeit. Diese ist eine Mizwa ohne definiertes Ausmaß. Auf die Frage, wieviel Dankbarkeit man schuldet, antwortete Raw Eljaschiw: "Bis ans Ende deiner Tage." Hätten die Ägypter uns nun aus eigenem Willen fortgeschickt, wären wir Ihnen ewig zur Dankbarkeit verpflichtet. Dies wäre problematisch, da Dankbarkeit auch eine Verbindung zwischen Menschen herstellt, was mit Ägyptern ein Problem wäre. Immerhin verbietet es die sogar, nach Ägypten zurückzukehren. G'tt hat Pharao daher mittels der Plagen gezwungen, das Volk aus Ägypten zu vertreiben, so dass dieser es keinesfalls aus freien Stücken tut, damit wir ihm nicht zur Dankbarkeit verpflichtet sein müssen.

Auch die Dankbarkeit, die wir den Vögeln diesen Schabbat ausdrücken, weil sie das Man aufgesammelt haben, als es von einigen Leuten zur Verwirrung des Volkes am Schabbat ausgelegt wurde, verdeutlicht diesen Gedanken. Denn natürlich bringt den Vögeln unsere Dankbarkeit nichts, aber Dankbarkeit ist nicht in erster Linie für denjenigen da, bei dem man sich bedankt, sondern für einen selber, den Dankbarkeit gegenüber Mitmenschen führt zwangsläufig zur Dankbarkeit gegenüber Haschem.


In der Parascha dieser Woche wird von zwei Kriegssituationen berichtet. Nach dem Auszug aus Ägypten, als die Armee Pharaos ihnen folgte, wollte ein Teil des Volkes gegen die Feinde kämpfen. Doch Mosche sagte dem Volk, dass G'tt für sie kämpfen wird, so wie es dann auch geschah: Die Ägypter ertranken im Meer und das Volk wurde gerettet. Als später Amalek in den Krieg zog, rüstete Jehoschua eine Armee aus und kämpfte. Was ist der Unterschied zwischen den beiden Situationen, weshalb sollte man sich in einem Fall auf G'tt verlassen und im anderen selbst kämpfen?

Es gibt einen ganz wesentlichen Unterschied zwischen den beiden Feinden: Pharao bedrohte das Volk physisch, während Amalek auch die Religion bekämpfen wollte. Den physischen Kampf kann G'tt für uns führen, aber bei einer spirituellen Bedrohung müssen wir selbst tätig werden. Deshalb müssen wir auch auf die Straße gehen und für den Schabbat kämpfen, für Kaschrut und andere Mizwot, deren Einhaltung gefährdet ist.


G'tt ließ das Volk nicht durch das Gebiet der Plischtim ziehen, obwohl es der direkte Weg nach Israel gewesen wäre. Er befürchtete nämlich, dass das Volk es im Falle eines Krieges mit der Angst zu tun bekommen könnte und den kurzen Weg zurück nach Ägypten antreten würde. Interessanterweise steht in der Tora: "Möglicherweise wird das Volk es bereuen, wenn sie Krieg sehen und sie werden nach Ägypten zurückkehren." G'tt lehnt also den direkten Weg alleine wegen der Möglichkeit ab, das Volk könnte - im Falle eines Krieges am Weg - den Auszug aus Ägypten bereuen.

Hier ist eine wichtige Botschaft zu erkennen, die G'tt dem Volk damals, auch für uns heutige Juden mitgegeben hat: Man darf sich nicht an einen Ort oder in eine Situation begeben, wenn so die Möglichkeit besteht, eine Sünde zu begehen oder einen Fehler zu machen. Das Volk lernte noch vor der Toragabe eine der wichtigen Grundlagen für das Volk, das in Zukunft nach den Worten der Tora leben sollte: Man muss ausreichend Abstand von der Sünde halten. Dies ist bis heute die Grundlage, nach der gläubige und religiöse Menschen ihren Tag gestalten: Wenn man eine Reise plant, plant man, ob die Reisezeiten mit den Gebetszeiten vereinbar sind, man kümmert sich um koscheres Essen, etc. Man könnte sich auch denken: "Es wird sich schon etwas finden!" Doch so sollten wir uns nicht verhalten. Wir sollten es tunlichst vermeiden, in eine Situation zu kommen, in der wir uns nicht richtig verhalten könnten. Dies ist es, was G'tt dem Volk mitgeben wollte, noch bevor sie die Zehn Gebote und die Tora erhalten. Dieses Prinzip haben wir verinnerlicht, und so finden wir bereits in der allerersten Mischna, in Massechet Brachot, die Regelung unserer Weisen, dass man das Schma Israel am Abend nur bis Mitternacht sagen soll, obwohl es rein theoretisch auch noch ein wenig länger erlaubt wäre. Dies ist so geregelt, damit wir gar nicht dazu kommen können, das Schma unabsichtlich einen Abend nicht zu sagen.


In der Parascha dieser Woche befindet sich das Volk in der Wüste beim Schilfmeer, als sich von hinten die Ägypter nähern. In dieser Situation fordert Mosche das Volk auf G'ttes Befehl hin auf, umzukehren und damit den Ägyptern entgegen zu ziehen. Und tatsächlich erfüllt das Volk diesen Auftrag. Raschi erklärt, dass die Tora das erwähnt, um Lob für das Volk auszudrücken, das trotz der drohenden Gefahr entgegen jeder Logik dem Feind entgegentritt, nur weil Mosche es ihnen befahl. Den selben Gedanken finden wir später in der Parascha, beim Lied am Schilfmeer: "Und sie glaubten an G'tt und an seinen Diener Mosche."

An seinem ersten Schabbat als Rebbe sprach der Imrei Emes, der dritte Gerer Rebbe,  über unsere Parascha. Er fragte, weshalb das denn ein besonderes Lob sein soll. Dem Volk wurde in der Wüste der Weg ja mittels einer Wolke und bei Nacht durch eine Feuerwolke gewiesen. Eine Erklärung dazu ist, dass die Wolke eben nicht in Richtung der Ägypter zog, sondern ihren Weg geradeaus fortsetzte. Mosche hingegen gab den Befehl, in die andere Richtung zu ziehen. Und in dieser schwierigen Situation entschied sich das Volk richtig und hörte auf Mosche.

Die Logik und die Vernunft der Tora ist nicht immer die gleiche wie unsere menschliche Logik. Deshalb ist es wichtig, dass ein Mensch, um würdig zu sein, die Tora zu empfangen, akzeptiert, dass es eine andere Logik als seine gibt, und außerdem akzeptiert, dass er deshalb auf die Propheten und Weisen hören muss, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Diese wichtige Lektion, die das Volk am Meer lernte, war eine Voraussetzung für den Empfang der Tora sechs Wochen später.


Jisraels Söhne kamen hinein ins Meer im Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zu ihrer Rechten und zu ihrer Linken (...) und Jisraels Söhne gingen im Trockenen durchs Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zu ihrer Rechten und zu ihrer Linken.

Als G'tt dem Volk befahl, ins Meer zu gehen, da sich dieses spalten werde, wollte zuerst niemand der ersten Schritt machen, bis Nachschon ben Aminadav vom Stamm Jehuda, von seinem Stamm gefolgt, mutig voranging, woraufhin sich das Meer spaltete. Die beiden Psukim deuten diese Überlieferung an: Der erste Passuk bezieht sich auf Nachschon und den Stamm Jehuda: Sie gingen ins Meer und dann im Trockenen. Der zweite Passuk bezieht sich dann auf den Rest des Volkes, das im Trockenen durch das Meer gehen konnte.

Rabbi Elimelech von Lisensk hatte noch ein weitere Erklärung für den zweiten Passuk:

Nicht nur die Wunder, die wir als solche wahrnehmen, sind Wunder, sondern alles, was auf der Welt geschieht, inklusive der Natur, sind g'ttliche Wunder. Wir haben uns nur daran gewöhnt, dass zum Beispiel Kinder sehr schnell wachsen, dass Pflanzen aus dem Boden sprießen, etc. G'tt macht aber auch offene Wunder. Das sind Wunder, die uns nicht natürlich erscheinen, an die wir uns noch nicht gewöhnt haben, wie zum Beispiel die zehn Plagen, aber auch zum Beispiel jedes Mal, wenn jemand einen Unfall oder eine Krankheit überlebt, die schlimmer hätten ausgehen können. Er tut das, um uns daran zu erinnern, dass auch die "normalen" Geschehnisse Wunder sind.

Deshalb sagt uns der Passuk, dass das Volk im Trockenen durchs Meer ging, denn so wie es damals ein Wunder war, dass das Volk im Trockenen durchs Meer gehen konnte, ist es auch heute ein Wunder, wenn wir auf dem trockenen Land, das vom Meer umringt ist, leben, auch wenn wir uns daran schon gewöhnt haben und es nicht als Wunder betrachten.


In der Parascha dieser Woche wird über das Man, das in den vierzig Jahren der Wüstenwanderung täglich vom Himmel kam, berichtet.

In der Gemara wird erzählt, dass die Schüler von Rabbi Schimon bar Jochai diesen einmal fragten, weshalb das Man nicht nur einmal im Jahr auf die Erde kam. Man kann dieser Frage nicht entgegnen, dass das Man nicht so lange genießbar gewesen wäre, denn es kam zum ersten Mal überhaupt erst einen Monat nach dem Auszug aus Ägypten. In der Zwischenzeit aß das Volk noch die Überreste der Mazzot aus der Sedernacht. Und zwischem dem 7. Adar des 40. Jahres, als Mosche starb und das Man aufhörte, vom Himmel zu kommen, bis zum Betreten des Landes Israel am 10. Nissan, aß das Volk die Überreste des Mans vom 7. Adar.

Daher ist die Frage der Schüler Rabbi Schimon Bar Jochais berechtigt, und man könnte sogar noch weitergehen und fragen: Wieso ist nicht einfach einmal eine große Menge Man vom Himmel gekommen, die für die gesamten 40 Jahre reichte?

Rabbi Schimon Bar Jochai antwortete mit einem Gleichnis: Ein menschlicher König gibt seinem Sohn eine große Menge an Geld, von der dieser für ein Jahr leben soll. Das führt dazu, dass ihn sein Sohn nur noch einmal im Jahr besucht, wenn sein Geld aufgebraucht ist. Doch G'tt will, dass wir, seine Kinder, ihn täglich besuchen, in dem wir uns in unseren Gebeten an ihn wenden. Deshalb kam das Man jeden Tag vom Himmel, sodass das Volk jeden Tag mit G'tt in Verbindung war.

Und auch heute müssen wir wissen, dass wir uns zwar bemühen müssen, etwas zu verdienen, dass aber unser Einkommen trotzdem letztlich vom Himmel kommt, genauso wie das Man in der Wüste. Deshalb müssen wir uns jeden Tag aufs Neue an G'tt wenden, und für unsere Parnassa beten.


In der dieswöchigen Parascha steht, dass G'tt das Volk nicht durch das Land der Plischtim führte, was der direkte Weg gewesen wäre, um zu verhindern, dass das Volk im Angesicht eines Krieges nach Ägypten zurückkehren könnte, "da es nahe ist".

Naheliegenderweise ist damit gemeint, dass die Leute Angst vor einem Feind haben könnten, vor dem sie in das ihnen bekannte Nachbarland Ägypten hätten flüchten können.

Im übertragenen Sinn kann auch der schlechte Einfluss der Plischtim gemeint sein, die moralisch auf selben Stufe standen wie die Ägypter, also ihnen "nahe" waren. Dieser Einfluss, dem das Volk ausgeliefert gewesen wäre, hätte sie wieder auf das Niveau in Ägypten gebracht.

Nach einer dritten Erklärung schickte G'tt das Volk zuerst durch die Wüste, damit sie dann, wenn sie ins Land Israel kommen, zu schätzen wissen, was sie dort haben. Denn der Mensch kann etwas oft nicht wirklich schätzen, solange er es gewohnt ist. Erst wenn er es für einige Zeit entbehren muss, schätzt er, dass er es jetzt wieder hat. So ist es zum Beispiel bei jemandem, der eine Zeit lang arbeitslos war, oder an einer Krankheit litt. Wenn er wieder einen Job bekommt oder geheilt wird schätzt er den Zustand, der zuvor für ihn ganz normal war, wieder als das Besondere, das er eigentlich ist. Genauso hätte das Volk das prachtvolle Land Israel nicht zu schätzen gewusst, wenn es davor nicht die Entbehrungen der Wüste erlitten hätte.


Nach dem zweiten Weltkrieg kam der Belser Rebbe einmal nach Tel Aviv. Dort besuchte ihn ein ehemaliger Belser Chassid, der im Krieg alles verloren hatte und vom Weg der Tora abgekommen war. Im Zuge des Gesprächs fragte der Chassid den Rebbe, wie er, nach allem, was passiert war, noch mit der Religion weiter machen könne.
Das Gespräch ereignete sich in der Woche von Paraschat Beschalach, der Parascha dieser Woche. In dieser Parascha durchquert das Volk das gespaltene Meer und singt anschließend das bekannte Loblied an G'tt, das wir auch jeden Tag beim Morgengebet sagen. Der Belser Rebbe fragte den Chassid, wie die Juden damals dieses Lied singen konnten. Am Anfang der Parascha steht nach einer Erklärung von Raschi, dass nur ein Fünftel des Volkes Ägypten verließen. Die anderen 80%, die das Land nicht verlassen wollten, starben während der Plage der Finsternis. Das bedeutet, dass jeder der verbliebenen 20% irgendeinen Angehörigen verloren hatte. Dennoch sangen alle ein wunderschönes Loblied an G'tt.
Die Lösung liegt im Anfang des Liedes. Dort steht: "As Jaschir", wörtlich "damals wird (Mosche) singen." Raschi erklärt, dass das eine Andeutung auf die Wiederauferstehung der Toten ist. Wir werden - nach der Erlösung - so singen, wie wir damals gesungen haben. Das beudetet, dass diejenigen, die damals, trotz der großen Verluste und der großen Trauer gesungen haben, an die Erlösung und damit an die Wiederauferstehung der Toten geglaubt haben. In diesem Bewusstsein kann man auch nach einer so großen Katastrophe Hoffnung schöpfen und einen Neuanfang versuchen.


Am Anfang der dieswöchigen Parascha wird vom Auszug der Juden aus Ägypten berichtet. Mitten in der Erzählung, kurz bevor das Volk zum Roten Meer kommt, steht: "Mosche nahm die Gebeine Josefs mit sich, denn dieser hatte Jisraels Söhnen schwören lassen: G'tt wird euch bestimmt erlösen, dann nehmet meine Gebeine von hier mit euch." Diese Satz steht scheinbar ohne Zusammenhang mitten in der Beschreibung des Weges der Juden in der Wüste, und nicht an der Stelle, wo er chronologisch passen würde.

Das jüdische Volk hatte seit dem Tod Josefs eine Überlieferung, dass ein Anführer kommen wird, der das jüdische Volk aus der Knechtschaft in Ägypten führen wird. Dieser Anführer wird sich durch einen bestimmten "Code" zu erkennen geben, der von den Weisen von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Dieser Code war der Ausdruck "G'tt wird euch bestimmt erlösen." Eine Erklärung besagt deshalb, dass dieser Passuk symbolisiert, dass die Juden nur wegen dieses Codes an Mosche geglaubt haben, und deshalb der Auszug überhaupt erst möglich geworden ist.

Im Hallel steht über die Meerspaltung: "Und das Meer sah und floh." Doch was hat das Meer gesehen, dass es gleich "geflohen" ist? Der selbe Ausdruck "fliehen" begegnet uns auch bei der Geschichte von Potiphars Frau, die Josef verführen wollte. Josef konnte hier der Versuchung widerstehen und "floh und ging hinaus." Eine zweite Erklärung zum oben zitierten Passuk besagt, dass das Meer Josefs Sarg gesehen hat, und sich deshalb gespalten hat. Denn die Juden hatten sich zwar noch in Ägypten beschnitten und das Pessach-Opfer gebracht, und es so verdient, aus Ägypten auszuziehen. Aber als sie zum Roten Meer kamen, hatten sie nicht genug Verdienste, um ein so großes Wunder wie die Meerspaltung zu rechtfertigen.
Doch Josef, der Jahre zuvor ohne Eltern, Familie oder sonstiges Umfeld, ganz alleine in Ägypten gelandet war, hat es dort geschafft, auch größten Versuchungen zu widerstehen, und ein g'ttesfürchtigtes Leben zu führen, ohne von den Wegen seiner Vorfahren abzukommen. In seinem Verdienst konnte es überhaupt erst zur Meerspaltung kommen. Der Passuk steht deshalb genau an dieser Stelle - direkt bevor sich das Volk zum Meer begibt - denn nur weil Mosche Josefs Wunsch erfüllt und seinen Sarg mitgenommen hat, hatte das Volk das Wunder verdient.


Nach dem Auszug aus Ägypten steht das jüdische Volk am Roten Meer und singt "Schirat Hajam" (das Lied am Schilfmeer). Darin kommt folgender Satz vor: "Er ist mein G'tt, und ich will ihn preisen, der G'tt meines Vaters, und ich will ihn erheben." Die Gmara erklärt dazu, dass "erheben" in diesem Fall bedeutet, dass man die Mizwot schöner erfüllt. Man sollte versuchen, die Mizwot so schön wie möglich zu erfüllen, um G'tt zu erheben.
Wieso singt das jüdische Volk dieses Lied aber ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt, während der Flucht aus Ägypten, an diesem Ort, am Schilmeer direkt nach der Meeresspaltung? Ist das der richtige Ort, um Mizwot besonders "schön" zu erfüllen?
Haschem hätte uns auch anders retten können, als durch aufwendige und spektakuläre Wunder, wie die Meeresspaltung oder auch das Manna. Doch er hat es besonders "schön" ausgeführt. Zum Dank dafür bemühen wir uns, die Mizwot besonders schön zu vollbringen.