Im Laufe der Parascha findet eine Diskussion zwischen Mosche und Pharao darüber statt, wer genau die Erlaubnis erhalten soll, das Land zu verlassen. Während Pharao zunächst nur - wenn überhaupt - den Männern die Ausreise genehmigen möchte, verlangt Mosche, dass Männer, Frauen, Kinder und sogar das Vieh Ägypten verlassen sollen. 
Einer bekannte Erklärung nach wird hier der besondere Stellenwert von älteren Leuten im Judentum deutlich. Während bei anderen Völkern die Welt den Jungen gehört, ist es der Weg der Tora, dass die Jungen den Älteren folgen. So sehen wir es auch bei der Begegnung mit Mosche: Erst als die Ältesten des Volkes Mosche vertrauten, folgten ihm alle anderen. Auch in der weiteren Geschichte wurde - und wird - das Volk von den Ältesten jeder Generation geführt, von Rebbes und Talmidej Chachamim.
Eine andere Erklärung bezieht sich auf die Tatsache, dass ein Teil des Volkes bereits einmal Ägypten in Richtung Israel verlassen hat. Dies war, als Ja'akow gestorben war und eine große Delegation seinen Leichnam nach Israel begleitete. Doch damals gingen nur Ja'akows Kinder, die Kinder blieben damals zu Hause. Dies war für Pharao eine Präzedenzfall: Wenn die Kinder damals nicht mitgenommen wurden, war es auch diesmal nicht notwendig. Doch Mosches Antwort war, dass diese beiden Ereignisse nicht vergleichbar sind: Wir erziehen kleine Kinder noch nicht dazu, zu einem Begräbnis zu gehen, doch wir erziehen sehr wohl bereits die aller kleinsten, unsere Feste zu feiern. Deshalb sagte er: "Denn es ist dies ein Fest für G'tt."


Sieben Tage sollst du dann ungesäuertes Brot essen und am siebten Tag ist dann ein G'tt geweihtes Fest. Ungesäuertes Brot soll diese sieben Tage gegessen (...) werden.

Es drängen sich mehrere Fragen bezüglich des zweiten Satzes auf:
1. Weshalb muss das Gebot, sieben Tage Mazzot zu essen, wiederholt werden?
2. Weshalb wird es in der passiven Variante ("gegessen werden") wiederholt?
3. Weshalb wird das Wort Mazzot auf Hebräisch zunächst unvollständig (מצת) und beim zweiten Mal vollständig (מצות) geschrieben?

Der Gaon von Wilna führt dazu aus, dass der zweite Satz eine ganz andere Bedeutung hat als der erste. Zunächst wird das Gebot beschrieben, sieben Tage Mazza zu essen. Dies kann auch mit einer relativ kleinen Mengen geschehen. Der zweite Satz drückt dagegen aus, dass wir uns darum kümmern müssen, dass Mazzot auch von anderen, armen Leuten, die es sich eigentlich nicht leisten können, gegessen werden sollen. Diese soll man reichlich mit Gaben bedenken, daher auch bei diesem Satz die vollständige Schreibung des Wortes "Mazzot". Dies ist auch die Quelle für das "Kimcha dePis'cha", dem Geld, das man armen Leuten gibt, damit sie Mazzot für Pessach kaufen können.

Doch weshalb gibt es diese besondere Mizwa eigentlich zu Pessach? Auch an allen anderen Tagen, insbesondere vor Schabbat und Feiertagen, benötigen arme Leute Geld für Brot. Doch an diesem Tag, Pessach, wurden wir von einer Großfamilie zu einem Volk. Ein Volk zeichnet in erster Linie nicht die Sprache oder das Land aus, denn auch Nichtjuden sprechen Hebräisch oder wohnen in Israel, sondern vor allem das Dasein füreinander. Dadurch sind wir miteinander verbunden und bilden ein Volk. Gerade an diesem Tag, an dem wir zum Volk wurden, kümmern wir uns besonders umeinander.


In der Parascha dieser Woche wird uns befohlen, die Geschehnisse in Ägypten "in die Ohren" unserer Kinder und Enkel zu sprechen.

Die Gemara sagt, dass die Tora eine Familie nicht verlässt, in der sie über drei Generationen hinweg gelernt wurde. Diese Abfolge von drei Generationen ist in unserem Passuk angesprochen, und so erklärt sich auch die Bedeutung des Sprechens "in die Ohren": Dieses Versprechen gilt, wenn drei Generationen einander begegnen und Tora lernen, wenn also der Großvater sowohl dem Vater als auch dem Sohn direkt, in sein Ohr, von den Geschehnissen in Ägypten und der restlichen Tora erzählen kann.

Nach einer anderen Erklärung erklärt uns die Tora hier, wie wichtig es ist, mit anderen so zu sprechen, dass sie es verstehen können. Man soll dem Sohn ins Ohr sprechen, also so sprechen, wie es für ihn richtig ist. Jede Generation hat ein anderes Verständnis, andere Ausdrücke, eine andere Sprache. Deshalb muss man in die Ohren der Nachfahren sprechen, so dass sie es verstehen können.

Diesen Gedanken sehen wir auch bei Jehoschua, in dessen Ohren Mosche wörtlich sprechen soll um ihm zu erklären, dass das Andenken Amaleks ausgelöscht werden muss, und nicht nur, wie man auch verstehen könnte, alle männlichen Amalekiter. Doch dies wurde nicht entsprechend weitergegeben, sodass Joav, König Davids Feldherr, sowie König Schaul hier irrten und dachten, sie müssten nur alle Männer töten. 


Damit du deinem Sohn und dem Sohn deines Sohnes [...] erzählst [...] und ihr werdet wissen, dass ich G'tt bin.

Dieser Passuk erklärt uns, dass die Plagen nicht nur eine Strafe für Pharao und die Ägypter sein sollten, sondern uns auch die Kräfte G'ttes vermitteln sollen, damit wir davon unseren Kindern und Enkeln erzählen, sodass der Glaube während der Wüstenwanderung, am Sinai und im Land Israel weitergegeben wird. Schon der Or Hachajim beschäftigte sich mit der Frage, weshalb der Passuk im Singular beginnt ("du [...] erzählst") und im Plural endet ("ihr werdet wissen").

Neben dieser grammatischen Auffälligkeit ist der Passuk auch unklar; sollte es nicht heißen: "und sie werden wissen [...]?" Schließlich sagt man seinen Kindern etwas, damit sie es lernen und wissen. Doch man lernt auch wenn man eigentlich jemand anderem etwas beibringt. Durch das Vorbereiten, Wiederholen und durch die Fragen der Unterrichteten kann man oft mehr lernen als durch das eigene Lernen.

Die Verwendung der Einzahl im ersten Teil des Passuks kann man so erklären, wie es auch anderer Stelle in der Tora von Raschi getan wird: In der hebräischen Sprache kann die Einzahl (wie übrigens auch im Deutschen - "400 Mann") auch für die Mehrzahl stehen. Eine andere Erklärung für diesen Wechsel der Zahl beschäftigt sich mit der Frage, an wen dieser Befehl eigentlich gerichtet war. Immerhin waren die Kinder und Enkel, denen man die Begebenheiten erzählen soll, selbst beim Auszug aus Ägypten anwesend und haben alles mitbekommen. Doch es gab eine Person, deren Kinder nicht beim Auszug dabei waren, aber in der Wüste mit dem Volk wanderten: Mosches eigene Söhne Gerschom und Elieser. So lässt sich der Passuk erklären: G'tt trug Mosche sofort auf, seinen Nachfahren vom Auszug aus Ägypten zu erzählen, und erst in weiterer Folge sollten das auch alle anderen tun, damit sie "wissen werden, dass ich G'tt bin."


Komm zu Pharao, denn ich habe sein (...) Herz unbewegt sein lassen (...), damit du deinem Sohn und Enkel (...)erzählst, in welcher Reihe von Taten ich mich (...) gezeigt (habe).

Weshalb befiehlt G'tt, dass Mosche Pharao etwas sagen soll, weil Pharao nicht auf ihn hören wird? Und wie hängt die weitere Begründung, dass er dies tut, damit wir es unseren Nachfahren erzählen, damit zusammen?

Die größte Strafe für einen sündigen Menschen ist es, die Möglichkeit zu verlieren, Tschuwa zu machen, also zu G'tt zurückzukehren. Das ist gleichbedeutend mit dem Verlust des freien Willens, und damit mit dem Verlust des Unterschieds zwischen Mensch und Tier. So sagt es auch König Schlomo in Kohelet sinngemäß: "Der Mensch sticht gegenüber dem Tier durch nichts hervor", außer eben durch seinen freien Willen.

Die letzte Mischna in Massechet Joma erklört, dass jemandem, der sich denkt: "Ich werde sündigen und Tschuwa machen, ich werde sündigen und Tschuwa machen", der also wiederholt mit dem Gedanken, er kann später Tschuwa machen, sündigt, die Möglichkeit nicht gegeben wird, Tschuwa zu machen. Der Rambam erklärt, dass ihm der freie Wille genommen wird.

In diesem Sinne ist der genannte Pasuk zu verstehen: Komm zu Pharao, denn ich habe sein Herz unbewegt sein lassen, damit du das deinem Sohn und Enkel erzählst, nämlich dass ein Mensch in eine Situation kommen kann, in der er keinen freien Willen mehr hat.


Im Laufe der Parascha der letzten Woche findet eine Diskussion zwischen Mosche und Pharao darüber statt, wer genau die Erlaubnis erhalten soll, das Land zu verlassen. Während Pharao zunächst nur - wenn überhaupt - den Männern die Ausreise genehmigen möchte, verlangt Mosche, dass Männer, Frauen, Kinder und sogar das Vieh Ägypten verlassen sollen. In der dieswöchigen Parascha bietet Pharao nun an, dass Männer, Frauen und Kinder das Land verlassen können - nur das Vieh soll bleiben. Doch Mosche geht keinen Kompromiss ein und verkündet, dass Pharao selbst Opfertiere mitschicken wird und dass das Volk auch sonst sein Vieh mitzunehmen gedenkt, denn "von ihnen nehmen wir um G'tt zu dienen", wie es wörtlich in der Tora steht. Auf den ersten Blick versteht man diese Aussage Mosches dahingehend, dass das Volk aus der Menge der Tiere manche zur Opferung für G'tt aussuchen wird. Doch die Formulierung ist ungewöhnlich, weshalb einige Kommentatoren eine andere Erklärung anbieten:

In der Tora werden Menschen immer wieder mit Tieren verglichen: Jissachar zum Beispiel mit einem Esel, Naftali mit einer Gemse, Dan mit einer Schlange, Josef mit einem Ochs. Dies sollen keinesfalls Beleidigungen sein, wie man entsprechend dem heutigem Sprachgebrauch annehmen könnte, sondern soll andeuten, dass diese Personen jeweils bestimmte Charaktereigenschaften mit dem jeweiligen Tier teilen. So war Jissachar so fleissig und beständig im Toralernen wie ein Esel bei seiner Arbeit, Naftali flink wie eine Gemse, etc. G'tt hat den Tieren verschiedene Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen gegeben, die auch wir uns aneignen sollen. So können wir sittsames Verhalten von Katzen lernen, die bekanntlich sehr reinlich sind, ihre Ausscheidungen vergraben und ihre Notdurft nicht in der Öffentlichkeit verrichten. Natürlich folgen die Tiere dabei nur ihren Instinkten und wollen nicht G'ttes Willen erfüllen, aber trotzdem müssen wir uns von den Tieren ihre speziellen Eigenschaften für unseren G'ttesdienst herausnehmen. In diesem Sinne meinte Mosche also: Wir nehmen die Tiere mit, denn "von ihnen nehmen wir [Verhaltensweisen an] um G'tt zu dienen". Denn bei uns kann man von jedem lernen, in gewissen Sinn sogar von Tieren, denn alles und jeder hat bei uns die Möglichkeit, heilig zu werden.


(...) um diese meine Zeichen in seiner Mitte aufzustellen; und damit du deinem Sohn und Enkel ins Ohr erzählst, in welcher Reihe von Taten Ich Mich an Mizrajim gezeigt, und Meine Zeichen, die Ich unter ihnen gestiftet, so dass ihr erkennt, dass Ich G'tt bin.

Wir lernen aus diesem Passuk, dass G'tt die Wunder in Ägypten machte, damit wir unseren Kindern von ihnen erzählen. Überhaupt ist der Grund, warum G'tt das jüdische Volk erschuf, damit wir ihn loben und von seinen Wundern erzählen.

Denn das sprechen über G'tt und das erzählen seiner Wunder verbindet den Menschen mit G'tt, wodurch sein Glauben stärker wird. Wenn jemandem ein Wunder passiert, wenn er zum Beispiel von einer schweren Krankheit überraschend geheilt wird, erzählt er darüber, spendet vielleicht einen Kiddusch aus diesem Anlass, und bindet so sich selbst und sein Umfeld stärker an G'tt. Aber auch im kleinen sollten wir jedes Wunder und jede g'ttliche Fügung unseren Mitmenschen erzählen.

Das ist auch eine der Bedeutungen von Pessach - "Pe sach", erzählender Mund. Denn zu Pessach geht es vor allem darum, die Geschichte vom Auszug aus Ägypten zu erzählen und so den Glauben zu stärken.

Auch der Pharao erkannte diese Wirkung, als er sagte: Schwer muss der Dienst auf den Männern lasten, dass sie in ihm Tätigkeit finden und sich nicht in nichtigen Dingen herumbewegen. Raschi erklärt, dass er damit meinte, dass sie nicht über G'tt reden sollten, denn das würde ihren Glauben stärken und sie dazu bringen, dass sie aus Ägypten ausziehen wollen. Aus diesem Grund quälte er sie also mit so schwerer Arbeit, dass sie nicht zum Reden kamen. Das ist auch einer der Gründe für die Plagen: In dieser Zeit konnten die Ägypten die Juden nicht peinigen und diese hatten daher Zeit, miteinander zu reden und ihren Glauben zu stärken.

Der Malbim erklärt, dass das Volk nicht vor den Plagen das Land verlassen konnte, weil es wichtig war, dass alle die Plagen mitbekamen, und die Wunder später auch richtig an ihre Nachkommen weitergeben konnten.

Und auch wir müssen heute G'ttes große und kleine Wunder verbreiten, zum Beispiel, in dem wir Wendungen wie "G'tt sei dank" oder "mit G'ttes Hilfe verwenden." Das wird uns näher zu G'tt bringen und unseren Glauben stärken.


In der Parascha dieser Woche befiehlt uns G'tt, unseren Kindern von den Ereignissen in Ägypten zu erzählen. Doch bis zu welchem Alter soll man das seinen Kindern erzählen?

Die Antwort auf diese Frage gibt die Tora im selben Satz: "Damit du deinem Sohn und dem Sohn deines Sohnes [...] erzählst." Man muss also seinen Kindern sogar dann noch von Ägypten erzählen, wenn diese bereits selbst Kindern haben.

Doch dieser Passuk enthält noch eine andere Merkwürdigkeit. Denn es steht zuerst: "Damit du deinem Sohn  [...] erzählst", also in der Einzahl, und am Ende steht: "damit ihr wisst, dass ich G'tt bin", also in der Mehrzahl.

In der Gemara steht, dass G'tt uns damit ein Versprechen gibt: Wenn jemand ein Talmid Chacham ist, und auch sein Sohn und sein Enkel seinem Beispiel folgen, dann wird die Tora seine Nachkommen nicht verlassen.

Tatsächlich finden sich aber Beispiele von drei Talmidej Chachamim, zum Beispiel Awraham, sein Sohn Jizchak und sein Enkel Ja'akow, die trotzdem Nachkommen haben, die nicht im Weg der Tora gehen. Dazu wird erklärt, dass es zu einer Unterbrechung kommen kann, aber schlussendlich werden die Nachfahren zur Tora zurückkehren.

Ein anderer Erklärungsansatz besagt, dass die Tora zwar zu jedem kommt, aber dass man sie wollen muss. Die Tora verspricht zwar, dass sie zu jedem Nachfahren von drei Talmidej Chachamim kommen wird, aber man muss auch bereit sein, sie zu "empfangen", also sie zu halten und zu lernen.


In der Parascha dieser Woche erwähnt die Tora, dass die Leute beim Auszug aus Ägypten die Pakete auf ihren Schultern hatten. Doch weshalb ist es wichtig zu erwähnen, wie die Pakete getragen wurden?

Wenn man einen nichtjüdischen Knecht hat, einen "Ewed Kna'ani", muss man ihn in die Mikwe schicken, wie bei einem Übertritt. Denn wie bei einem Übertritt wird der Knecht dazu zu einigen Mizwot verpflichtet. Um zu verhindern, dass der Knecht die Gelegenheit nutzt, und in der Mikwe mit dem Zweck untertaucht, zu übertreten, muss der Besitzer ihn direkt nach dem Auftauchen packen und gleich eine Arbeit geben, damit klar ist, dass er kein freier Mensch ist, auch wenn er vielleicht diesen Gedanken beim untertauchen hatte.

Damit ist das jüdische Volk vergleichbar, dass der Knechtschaft Pharaos entging: G'tt musste sofort klarstellen, dass das Volk jetzt nicht frei war, sondern ab nun unter der seiner Dienerschaft stehen sollte. Er musste sie daher sofort mit Arbeit "beladen", um diesen Anspruch deutlich zu machen.


In der Parascha dieser Woche kündigt Mosche dem Pharao an, dass "ungefähr um Mitternacht" die Erstgeborenen getötet werden. G'tt hatte Mosche aber angekündigt, dass dies genau um Mitternacht geschehen würde. Raschi erklärt, dass Mosche befürchtete, dass die Ägypter den genauen Zeitpunkt von Mitternacht nicht feststellen können, und deshalb annehmen könnten, dass die Plage unpünktlich begonnen hat. Damit könnte die g'ttliche Herkunft der Plage in Zweifel gezogen werden. Um dem vorzubeugen, legte Mosche sich nicht fest und sagte nur "ungefähr um Mitternacht."

Man könnte aber eigentlich davon ausgehen, dass die Tatsache, dass von Mosche angekündigt in jedem ägyptischen Haus jeweils der älteste Sohn und andererseits sonst niemand gestorben ist, reichen müsste, um zu beweisen, dass G'tt existiert und über Mosche zu Pharao spricht. Doch die Natur eines Menschen, der den Glauben kategorisch ablehnt, bringt ihn dazu, sich manchmal in Details zu verlieren, und eindeutige Zeichen aufgrund kleiner Abweichungen zu ignorieren. Ein normaler Mensche hätte den Tod der Erstgeborenen auch einige Minuten vor oder nach Mitternacht als g'ttliche Plage akzeptiert - aber hartnäckige ägyptische Ungläubige hätten bei der kleinsten Ungenauigkeit von Mosches Prophezeiung die g'ttliche Herkunft bezweifelt.


Noch bevor die letzte der zehn Plagen den endgültigen Auszug aus Ägypten einleitet, borgen sich die Juden von ihren Nachbarn teure Geräte aus. Die Ägypter borgen ihnen diese gerne, denn "G'tt gab Gunst dem Wolk in Mizrajims Augen". Und weiter steht: "Auch der Mann Mosche war im Land Mizrajim sehr groß, in den Augen der Diener Pharaos und in den Augen des Volkes."

Es fällt die klare Reihenfolge auf, in der der Passuk beschreibt, wo Mosche Ansehen genießt. Zuerst sieht der Herrscher des Landes Mizrajim, also Pharao, Mosches Größe. Dann folgen seine Diener, also die wichtigsten Minister und Beamten des Staates. Und dann, in Folge dieser Einschätzung der Elite, stieg auch Mosches Ansehen beim Volk. Dieses Modell ist ein Anzeichen für wahre Größe und bleibende Beliebtheit.

Das andere Extrem wäre zum Beispiel ein Politiker oder eine andere Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die zuerst beim Volk sehr beliebt ist. Dieser große Unterstützung und Sympathie durch die Massen kann dann dazu führen, dass die Person auch bei den Eliten Anklang findet. Doch diese Beliebtheit ist beschränkt und befristet. Sie beruht meistens nicht auf wohldurchdachten und tiefgründigen Überlegungen, sondern ist die Folge einer hauptsächlich durch Äußerlichkeiten bestimmten Massenbewunderung.

Mosche hingegen erfuhr aufrichtige Gunst, zunächst vom Pharao, und dann auch vom ganzen Ägyptischen Volk.


In der dieswöchigen Parascha erlaubt Pharo den Juden aus Ägypten zu gehen, und er fragt Mosche, wer gehen wird. Mosche antwortet ihm: "Mit unsern Jungen und mit unsern Alten wollen wir gehen, [...] denn wir haben ein Fest für Haschem." Die Kommentatoren fragen zu dieser Stelle, weshalb Mosche die Jüngeren vor den Älteren nennt.
In einem Notfall, wenn zum Beispiel nur ein Arzt sich um zwei Verletzte kümmern müsste, muss er zuerst den Patienten behandeln, der sich in Lebensgefahr befindet. Dieses Prinzip gilt aber nicht nur bei körperlicher, sondern auch bei geistiger Gefahr, wenn der Mensch durch die Gesellschaft und die Umgebung in seinem Glauben oder seiner Lebensführung gefährdet wird. So ein negativer Druck aus der Gesellschaft bestand nirgendwo mehr als in Agypten, zu der Zeit, als die Juden dort waren. Aber die Gefahr, dass der Aufenthalt einen schlechten Einfluss auf Älteren hat, war geringer, als dass er einen schlechten Einfluss auf die Jüngeren hat. Deshalb entschied Mosche, dass die Jüngeren zuerst gehen, und dann erst die Älteren.