Während 2500 Jahren hat die Mehrzahl der Juden nicht in Israel gelebt. Erst jetzt beginnt sich das langsam zu ändern. Und auch wenn mehr Juden in das Land ziehen, beherrschen Themen wie Hitze, Krieg, Terror und andere Nachteile die Gespräche über das Land. 
Raw Schlomo Salman Auerbach hörte einmal, dass einer seiner Schüler eine neue Wohnung gekauft hatte. Er besuchte ihn bald und schaute sich alle Räume und Wände genau an. Gefragt, was dieses seltsame Verhalten zu bedeuten hatte, entgegenete er, dass es aufgrund der schönen neuen Wohnung "Ayin Hara", bösen Blick, von anderen geben könnte, weshalb er zuerst alles wohlwollend anschauen wollte, damit die Wohnung zuerst "Ayin Hatov", wohlwollenden Blick, erfährt. Denn wenn etwas zunächst wohlwollend bewertet wurde, ist es später für den bösen Blick schwierig, die Sache zu schädigen.
Die Kundschafter haben von Anfang an schlecht über das Land Israel gesprochen und haben es damit vom ersten Moment an mit bösem Blick belegt, was bis heute erhalten geblieben ist. Dies ist der Grund, warum in vielen Perioden so viele Juden nicht dort lebten. Denn man redet sich leicht ein, dass es woanders schöner ist und es bedarf einer besonderen Mühe, das zu überwinden. Deshalb ist es unsere Aufgabe, diesen Makel zu korrigieren und positiv über das Land und seine Bewohner zu sprechen.

 


Die Gemara erklärt, dass uns der Faden der Zizzit mit dem blauen Farbton, den wir heute nicht mehr identifizieren können, an das Meer denken lassen soll, dieses an das Firmament und dieses wiederum an den himmlichen Ehrenthron. Die Tora sagt, dass die Zizzit uns davon abhalten, nach unseren Herzen und nach unseren Augen zu kundschaften. Die Gemara erklärt, dass damit gemeint ist, dass die Zizzit vor Abfall vom Glauben an G'tt (Herzen) und vor Unzucht (Augen) schützen. Doch was ist der Zusammenhang zwischen Zizzit und G'ttesglaube beziehungsweise Unzucht?   
Als Noach betrunken unbekleidet eingeschlafen war, gingen seine Söhne Schem und Jefet ihre Augen abwendend zu ihrem Vater, und bedeckten ihn mit einem Tuch. Im Verdienst dieses Tuches, mit dem sie die Würde ihres Vaters bewahrten, bekamen wir als Nachfahren Schems den Tallit.
Nach dem Kampf der vier Könige gegen die fünf, den Awraham mit seinen Verbündeten gewonnen hatte, wird diesem die Beute aus dem Kampf angeboten. Er jedoch verweigert sogar ein Schuhband zu nehmen, damit man nicht denken könnte, dass er durch den König von Sdom und seinen Götzendienst reich geworden ist. Im Verdienst dieses klarer Bekenntnisses zu G'tt und der Ablehnung aller Götzen erhielt wir die Zizzit.
Wir sehen also, dass wir die Mizwa des Tallit mit den Zizzit an den Ecken im Verdienst von Schem und Awraham haben. Der Tallit steht für Sittlichkeit und die Fäden für den Glauben an G'tt. Insofern ist es nachvollziehbar, weshalb dieses Gewand uns besonders vor der Verleugnung G'ttes oder der Unzucht schützt.


Die Parascha der Vorwoche endete mit dem Bericht über Mirjam, die bestraft wurde, weil sie Laschon Hara über ihren Bruder Mosche sprach. Die Parascha dieser Woche beginnt mit dem Bericht über die Kundschafter, die das Land Israel bereisten, wobei zehn von ihnen einen sehr negativen Bericht abgaben.

Raschi erklärt, dass diese beiden Episoden direkt nacheinander berichtet werden, weil die Kundschafter schlecht über das Land sprachen, obwohl sie gesehen hatten,  dass Mirjam für ihre üble Nachrede bestraft wurde.

Doch Raw Jonathan Eibeschütz weist darauf, dass es noch viel naheliegender ist, dass es sich hier einfach um die chronologische Reihenfolge der Ereignisse handelte. Er erklärt Raschis Frage und Antwort so: Weshalb hat Mosche die Kundschafter gerade jetzt geschickt, nachdem Mirjam Laschon Hara gesprochen hatte? Mosche hatte bereits seit einiger Zeit den Druck aus dem Volk,  das Land, in das sie ziehen sollten, vorher zu erkunden. Da er jedoch das negative Ergebnis voraussah, schob er diese Reise eine Zeit lang auf. Jetzt, nachdem das ganze Volk gesehen hatte, wie schlimm es ist, negativ zu reden und dass Mirjam bestraft wurde, hoffte er, die Kundschafter würden nun positiver über das Land berichten.

Wir können daraus lernen, wie wichtig es ist, aus allem, was man beobachtet und mitbekommt, etwas mitzunehmen und die Augen nicht zu verschließen. Deshalb erwähnen wir auch jeden Tag bei den Brachot, dass G'tt uns die Fähigkeit gegeben hat, zwischen gut und schlecht zu unterscheiden, denn es ist unsere Aufgabe, diese Fähigkeit zu benutzen und mitzudenken.


Und sie gingen und kamen zu Mosche und Aharon (...)

Dieser Satz steht am Ende der Beschreibung der Erkundungsreise der Kundschafter durch das Land Israel. Raschi erklärt die scheinbar überflüssige Feststellung "und sie gingen" damit, dass die Tora hier das Gehen und das Zurückkehren der Kundschafter vergleichen will: So wie Ihre Rückkehr von schlechten Absichten begleitet war, so war auch ihr Gehen bereits von schlechten Absichten begleitet.

Doch einige Psukim früher erklärt Raschi, dass die Kundschafter zum Zeitpunkt ihrer Abreise rechtschaffen waren.

Doch der Widerspruch lässt sich auflösen: Beim Aufbruch, als sie alle rechtschaffen waren, hatten sie nur schlechte Absichten. Bei ihrer Rückkehr haben sie diese Absichten aber in die Tat umgesetzt, weshalb die Tora die Absichten rückwirkend auch für die Abreise erwähnt.

Mit diesem Gedanken lässt sich auch eine andere Frage beantworten: Es gilt der Grundsatz "Der Gesandte eines Menschen ist wie er selbst." Der Gesandte zieht seine Kraft und Motivation vom Auftraggeber. Doch in diesem Fall war Mosche, der Auftraggeber, voller Liebe zum Land Israel und träumte davon, es besiedeln zu dürfen, während die Kundschafter ganz im Gegenteil das Land schlecht redeten. Doch der erwähnte Grundsatz gilt nur, wenn der Beauftragte wirklich die Mission erfüllen will, zu der er beauftragt wurde. In diesem Fall hatten die Kundschafter aber, wie erwähnt, von Anfang an ganz andere, eigene Ziele, und waren so nicht wirklich Gesandte von Mosche.

Seit dieser Episode ist die Verknüpfung zwischen den Juden und Erez Israel leider beschädigt. Während die Tora noch vom Volk als Einheit, ohne Vorbehalte angenommen wurde, gab es in Bezug auf das Land Israel von Anfang an einen Schatten. Deshalb befinden sich bis heute manche Juden in Israel, aber auch manche außerhalb.

Zu Mussaf am Schabbat beten wir deshalb darum, dass uns G'tt nach Israel bringt - und uns in seiner Erde einpflanzt.


In der dieswöchigen Parascha werden von Mosche 12 Kundschafter ins Land Israel geschickt. Sie sollen die Besiedlung und die vorhandenen Ressourcen erforschen und dann Mosche darüber berichten. Doch als sie zurückkehren berichten zehn von ihnen, dass die Bewohners des Landes sehr stark sind und das Volk das Land sicher nicht einnehmen könne. Das Volk lässt sich von den Kundschaftern überzeugen und will nicht mehr ins Land Israel ziehen. Schließlich wird das ganze Volk bestraft. Es darf nicht den direkten Weg nehmen, sondern muss zunächst 40 Jahre durch die Wüste wandern, bevor die Kinder der Generation des Auszugs aus Ägypten nach Israel einwandern.

Doch was ist eigentlich die Sünde der Kundschafter? Das Kundschaften an sich kann es nicht sein, denn 40 Jahre später schickt Mosches Nachfolger Jehoschua, einer der beiden Kundschafter aus der Parascha, der die Meinung seiner Kollegen nicht teilt, selbst zwei Kundschafter aus, um das Land auszuspionieren. Denn schließlich darf man sich nicht auf ein Wunder verlassen, weshalb Jehoschua die Einnahme Israels strategisch planen muss.

Doch können wirklich die Worte der Kundschaften die Sünde sein? Schließlich hat man sie ausgeschickt, damit sie von ihren Beobachtungen berichten können. Doch das Problem ist, dass sie mehr tun, als ihnen aufgetragen wurde. Sie müssten ihre Aufgabe genau erfüllen und dem nichts hinzufügen, wie es auch für alle anderen Mizwot gilt. (Wir dürfen zum Beispiel nicht fünf Sorten zu Sukkot nehmen oder bei Birkat Kohanim, dem Priestersegen, mehr als die drei vorgesehenen Segen sprechen.) Sie sollten nur Fakten darlegen, aber nicht ihre Meinung kundtun.

Als Jehoschua die Kundschafter ausschickt, weist er sie an, leise vorzugehen. Raschi erklärt, dass das Wort für Leise auch als "Ton" gelesen werden kann. Das bedeutet, dass Jehoschua sie anweist, sich als Tonhändler zu verkleiden, um nicht aufzufallen. Im übertragenen Sinn sollten sie sich so einfach und unbedeutend nehmen, wie Tongeschirr, das im Vergleich zu Gold- oder Silbergeschirr sehr einfach und billig ist. So können sie den Auftrag ausführen, ohne etwas hinzuzufügen, und tatsächlich ihre eigenen Empfindungen, Wünsche und Vorlieben beiseite lassen, wie es auch die Mischna von uns verlangt: "Stelle deinen Willen für seinen (G'ttes) Willen zurück, damit auch er seinen Willen für deinen zurückstellt."

Die beiden Kundschafter, die Jehoschua ausschickt, sind Kalew, der bereits 40 Jahre zuvor mit Jehoschua von Mosche geschickt wurde, und Pinchas, der Enkel von Ahron, also zwei der wichtigsten Führungspersönlichkeiten des Volkes. Man hätte annehmen können, dass Jehoschua zwei jüngere Leute auf diese anstrengende Mission schickt, und dass diese beiden respektierten Persönlichkeiten als "Kundschafter-Veteran" bzw. als Hohepriester darauf verzichten würden, sich diese Reise anzutun. Doch sie verzichteten auf ihren Komfort und ließen ihre Wünsche außer acht, um ganz neutral und objektiv ihre Aufgabe zu erfüllen.


In der Parascha dieser Woche werden zwölf Kundschafter ins Land Israel geschickt, um dessen Besiedlung vorzubereiten. Mosche beauftragt diese Kundschafter unter anderem, festzustellen, ob die Bewohner stark oder schwach sind, ob es viele oder wenige sind, und ob das Land gut oder schlecht ist.

Es ist interessant, wie Mosche diese Fragen stellt: Es hätte doch durchaus gereicht, nur zu fragen, wieviele Bewohner das Land hat und ob es gut ist. Es wäre nicht notwendig gewesen, den Kundschaften die negativen Antworten in den Mund zu legen, und es ihnen so leichter zu machen, schlecht über das Land Israel zu sprechen, wie es dann auch geschehen ist.

Wenn man sich den hebräischen Text genauer ansieht, steht im ganzen Abschnitt nie das hebräische Wort für "oder". Tatsächlich fragt Mosche zum Beispiel, ob es "gut ist, wenn es schlecht ist." Mosche wusste natürlich, dass das Land gut ist, er wusste aber auch, mit wem er es zu tun hatte. Das Aussenden der Kundschafter ging vom Volk aus, das in allem etwas Negatives sehen wollte. Er trug den Kundschaftern also auf, festzustellen, ob das Land gut ist, auch wenn sie es auf den ersten Blick als schlecht empfanden.

So ist es auch heute für uns eine Mizwa, am Land Israel das Gute zu sehen, selbst wenn etwas auf den ersten Blick negativ erscheinen mag. Denn alles hat auch negative Seiten, doch wir tendieren dazu, an uns selbst nur die positiven Seiten zu sehen, während wir an den anderen nur die nagativen sehen. In Wahrheit sollte es umgekehrt sein: Auch wenn bei anderen etwas negativ scheint, sollten wir das Positive sehen, und auch wenn wir an uns Positives erkennen können, müssen wir auch das Negative sehen.


In der dieswöchigen Parascha werden die zwölf Kundschafter des Volkes ausgeschickt, um das Land Israel zu entdecken und auszuspionieren. Mosche gibt den zwölf Gesandten, einer pro Stamm, einige Anweisungen, was sie erkunden sollen. Unter anderem stellt er folgende Fragen: Ist das Land gut oder schlecht? Ist es fruchtbar oder mager? Wachsen Bäume oder nicht? Die Fragen scheinen sich sehr ähnlich zu sein. Das Land ist doch gut, wenn es fruchtbar ist, und wenn Bäume wachsen, ist es fruchtbar.

Raschi erklärt, dass mit "Gut" bzw. "schlecht" gemeint ist, ob es Wasserstellen und gute Vorraussetzungen für gute Bewirtschaftung gibt, und mit der zweiten Frage, ob auch tatsächlich etwas wächst.
Man erkennt hier, worauf man vor einer wichtigen Anschaffung oder Entscheidung schauen muss. Es kommt nicht nur auf den jetzigen Zustand an, sondern auch auf das Potential. Mosche wollte nicht nur wissen, wie gut das Land jetzt gerade, in diesem Zustand ist, sondern vor allem, welches Potential es hat, wenn das Volk es erstmal in Besitz nimmt. Aber dieses Potentiel haben die Kundschafter nicht erkundet, sondern lediglich den aktuellen Zustand des Landes.

Ein weiterer Auftrag von Mosche war es, Früchte des Landes mitzunehmen. Denn an den Früchten erkennt man die wahre Qualität des Landes, so wie man allgemein an den Früchten eines Gebietes oder eine Arbeit die Qualität der Quelle erkennen kann.


In der Tora steht dreimal Mal "Und sehet": Einmal "und sehet das Land" bei der Episode der Kundschafter in der dieswöchigen Parascha, einmal "und ihr seht ihn" im dritten Absatz des "Schma Israel" und "sehet Ägypten" beim Auszug aus Ägypten.

In der Mischna steht in Pirkej Awot 3,1: "Wisse woher du kommst, wohin du gehst, und vor wem du einmal Rechenschaft wirst ablegen müssen." Die drei oben erwähnten Stellen aus der Tora sind Hinweise auf diese drei Elemente: "Sehet Ägypten (aus dem ihr kommt)", "und sehet das Land (Israel, in das ihr geht)", und "sehet Ihn (G'tt, vor dem ihr einmal Rechenschaft ablegen werdet)".


In der Parascha dieser Woche wird das Gebot erwähnt, Zizzit zu tragen. Der Vers gibt auch den Sinn dieser Mizwa an: "sodass ihr sehet und euch an alle Gebote G'ttes erinnert und sie erfüllet." Wie soll man sich das vorstellen, dass man sich anhand der Zizzit an alle Gebote der Tora erinnert?

Raschi erklärt, dass der Zahlenwert von Zizzit 600 ist. Dazu kommen die acht Fäden und die fünf Knoten der Zizzit, was zusammen 613 ergibt. Das ist genau die Anzahl der Gebote der Tora.

In der Gmara wird erklärt, dass das "Tchelet", also der hellblaue Faden, der ursprünglich die Zizzit ergänzte, den wir aber heute nicht mehr tragen, weil wir nicht wissen, wie die Farbe genau gewonnen wird, an das Meer erinnert, dieses wiederum an den Himmel, und dieser an den Thron G'ttes im Himmel.

Eine dritte Erklärung bezieht sich auf die Ursprünge des Gebotes der Zizzit:
Als Noach betrunken und nackt in seinem Zelt lag, bedeckten ihn seine Söhne Schem und Jefet mit einem Tuch. Laut Raschi war Schems Lohn für diese Mizwa der Tallit, also das Gewand, an denen die Zizzit befestigt werden.
Zehn Generationen später befreite Awraham seinen Neffen Lot aus der Gefangenschaft, und mit ihm auch die Bewohner und den König von Sdom. Obwohl alle Befreiten den damalien Gesetzen entsprechend Awraham als Knechte zustanden, bat der König ihn, die Leute ziehen zu lassen und nur die Beute zu behalten. Awraham jedoch antwortete: "Nicht vom Faden bis zum Schuhriemen werde ich nehmen", denn "du sollst nicht sagen: Ich habe den Awram reich gemacht." Er wollte sein Vermögen nur G'tt zu verdanken haben. Die Gmara erklärt, dass die Belohnung dafür war, dass die Juden die Mizwa der Zizzit-Fäden erhalten werden.
Das Gewand mit den Fäden verdanken wir also dem sittsamen Schem, der seinen Vater mit einem Gewand bedeckte, und dem g'ttesfürchtigen Awraham, der nicht einmal einen Faden als Beute behielt, da er sein Vermögen ausschließlich von G'tt abhängig machte.

Wenn man sich die Zizzit also anschaut sieht man, nach den verschiedenen Erklärungen, die 613 Mizwot, durch den Zahlenwert repräsentiert, den Thron G'ttes, der dem blauen Faden ähnlich ist, und die Sittsamkeit und G'ttesfürchtigkeit Schems und Awrahams.

Als der Gaon von Wilna im Sterben lag, weinte er. Sein Schüler, Reb Chaim Woloschiner, fragte ihn, wieso er weine, ein so heiliger Mann würde doch sicher gleich in den Himmel kommen, also sei das doch ein Grund zur Freude. Der Gaon von Wilna antwortete: Auf dieser Welt habe ich die Möglichkeit, für wenig Geld eine Mizwa zu erfüllen, die so wichtig ist, wie die ganze Tora, nämlich die Mizwa der Zizzit. Und in ein paar Minuten bin ich tot und kann gar keine Mizwot mehr erfüllen...


Als die 12 Kundschafter ins Land Israel gehen, um es zu erkunden, geht einer der zwölf, Kalew, nach Chewron, um dort bei den Gräbern der Vorväter und - mütter dafür zu beten, dass er von den anderen Kundschaftern, die von Anfang dem Land gegenüber negativ eingestellt waren, nicht beeinflußt werde.
Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt einen Grund gibt, weshalb man bei Gräbern von Vorfahren beten sollte. Ist die Seele des Verstorbenen dort? Merkt sie etwas vom Besuch?

Die Gmara erklärt, dass man auf einem Friedhof seine Zizit einstecken soll, denn Verstorbene können keine Mizwot erfüllen, und würden sie unsere Zizit sehen, würden sie daran erinnert werden. Daraus kann man lernen, dass sich die Seelen manchmal noch bei den Gräbern befinden. Das ist zum Beispiel im Trauerjahr oder zur Jahrzeit so.

Es gibt auch einen Engel namens Duma, der die Seelen über Besuche an ihrem Grab informiert. Es ist deshalb auch ein Brauch, am Grab Neuigkeiten aus dem eigenen Leben zu erzählen, damit die Verstorbenen erfahren, wie es ihrer Familie geht.
Es gibt auch einen Brauch, um sicherzugehen, dass die verstorbenen Vorfahren am Grab sind, wenn man sie besucht: Man spendet am Friedhof Geld für Zdakka und sagt: "Ich spende 'leiluj Nischmat' der Seele, die zur Seele meines Vaters oder meiner Mutter geht und ihr sagt, dass ich an ihrem Grab bin." Eine der anwesenden Seelen wird daraufhin die gesuchte Seele informieren.

Man sieht also, dass sich die Seelen der Verstorbenen zuweilen bei ihrem Grab aufhalten, und es daher einen Sinn hat, an diesem für sich zu beten. Daher ist auch Kalew nach Chewron gegangen, wo seine Vorfahren Adam, Chawa, Awraham, Sarah, Jizchak, Riwka, Ja'akow und Lea begraben waren.


Die Kundschafter, die Mosche ausgesandt hat, um das Land Israel zu erkunden, kamen zum Volk zurück. Zehn der zwölf Kundschafter waren der Meinung, dass das Volk das Land nicht erobern wird können. Nur zwei waren der Meinung, dass das Volk sofort das Land betreten soll.

Bekanntlich hat das Volk auf die Mehrheit der Kundschafter gehört, und sie wurden daraufhin von Haschem bestraft. Die Kommentatoren beschäftigt die Frage, weshalb es eine Strafe gab; es ist doch legitim, dass das Volk auf die Kundschafter hört, und diese haben nur ihre ehrliche Meinung mitgeteilt.
Der Or Hachajim erklärt, dass es in der Halacha keinen Unterschied gibt, ob zwei oder 100 Leute etwas bezeugen - beides hat die selbe Beweiskraft. Das bedeutet nicht, dass es immer richtig ist, was zwei Leute sagen, aber das ist der bestmögliche Beweis, der zur Verfügung steht.

Die Juden haben in dieser Halacha geirrt, weil sie eigentlich beiden Meinungen den gleichen Glauben hätten schenken müssen. Die Meldungen hätten sich gegenseitig aufgehoben, übrig geblieben wäre der g'ttliche Befehl, nach Israel zu gehen. Doch das Volk hörte nur auf das, was es hören wollte, nämlich auf die Kundschafter, die negativ über das Land Israel sprachen.