In der Parascha dieser Woche wird ein weiteres Mal vom Ereignis beim Berg Sinai berichtet, in dessen Zuge das Volk die Zehn Gebote hörte und die Tora erhielt. Es gibt bei dieser Erzählung eine Formulierung, die sowohl vor den Zehn Geboten als auch danach immer und immer wieder zu lesen ist: Ein Feuer brannte am Berg. Doch der Zweck der Versammlung am Berg Sinai waren die Zehn Gebote; weshalb betont die Tora dieses Feuer dann so stark?
Zu Mincha am Tischa Be'aw vergangene Woche haben wir den Segensspruch, der sich mit Jeruschalajim beschäftigt, anders beendet, als an allen anderen Tagen des Jahres, da hier die tröstenden Worte des "Nachem" eingeschaltet werden. Dieses endet mit: "Denn du, Ewiger, hast (die Stadt) durch Feuer verbrannt, und durch Feuer wirst du sie auch wieder erbauen (...)" Für uns ist in erster Linie wichtig, dass der Tempel zerstört wurde und wieder aufgebaut werden wird. Ob dies jeweils durch Feuer oder andere Gewalten geschieht, scheint nicht so relevant zu sein, und doch wird auch hier das Feuer besonders betont.
Die Kraft des Feuers vereint. So macht das Feuer aus einem Bünder von Holz eine einzelne Flamme. Doch es gibt einen Unterschied zwischen menschlichem und g'ttlichem Feuer. Während das menschliche einen Brennstoff, wie zum Beispiel Holz, benötigt, den es dabei verbrennt, lodert g'ttliches Feuer, doch es verbrennt nichts. 
Grundloser Hass, der der Grund für die Zerstörung des zweiten Tempels war, trennt Leute voneinander. Sie können sich einander aus eigenem Antrieb wieder annähern. Doch wenn das nicht geschieht, kann Feuer sie miteinander verbinden. Dafür ist Tischa Be'aw ein gutes Beispiel: Der Tempel ist verbrannt und wir sitzen alle gemeinsam und betrauern die Zerstörung Jeruschalajims und des Tempels. An diesem Tag gibt es keinen Streit, keine Eifersucht und keine Zwistigkeiten. Das Feuer des Tempels verbindet uns also miteinander, in dem es wehtut. Doch dieses Verbinden durch Feuer kann nicht nur mit menschlichem Feuer geschehen, das wie gesagt hat, lodert und verbrennt, sondern auch mit g'ttlichem Feuer, dass keinen Brennstoff konsumiert. Dieses sprituelle Feuer, das am Sinai mit der Tora verbunden war, kann uns genauso miteinander verbinden, ohne dabei zu zerstören, wie es das menschliche Feuer kann, das dabei aber zerstört. Darauf weist auch das "Nachem" hin, das Feuer sowohl mit Zerstörung als auch mit dem Wiederaufbau in Zusammenhang bringt.

 


Ein Absatz von Birkat Hamason, dem Tischgebet, behandelt diverse Dinge, für die wir G'tt dankbar sind, zum Beispiel für das Land Israel, den Auszug aus Ägypten, die Brit Mila, den Bund mit G'tt, die Tora, die Gesetze, das Leben, das er uns geschenkt hat und auch unsere Nahrung. Der folgende Absatz beginnt dann mit "Und für alles, Haschem unser G'tt, danken wir dir." Die naheliegende Frage ist, was noch übrig bleibt, wofür wir danken müssen, wenn wir uns davor bereits so detailliert für so vieles bedankt haben?

Wenn jemand ein medizinisches Problem hat und ihm durch eine Operation geholfen wird und er auch ein rechtliches Problem hat und ein Anwalt es für ihn löst, sind das zwei voneinander losgelöste Begebenheiten. Doch das verhält sich bei den Wohltaten G'ttes nicht so - alle sind Teil eines allgemeines Planes, wie es auch in der Parascha dieser Woche steht: G'tt führte uns "aus dem Eisentiegel, aus Ägypten" und "ihr aber zieht hinüber und nehmt dieses gute Land in Besitz." Vom Auszug aus Ägypten, über die Nahrung und die Toragabe bis hin zum Land Israel, gehört alles zusammen. In der Parascha dieser Woche wird die Tora beschrieben als "eure Weisheit und eure Einsicht vor den Augen der Nationen welche (...) sagen: 'Es ist doch eine weise und einsichtsvolle Nation, dieses große Volk!'" Andererseits erklärt Raschi, dass sich die Völker über unsere Gebote, wie zum Beispiel das der Roten Kuh, lustig machen. Der Widerspruch lässt sich aber auflösen: Wegen einzelner Bestimmungen machen sie sich lustig, aber die Tora als Gesamtheit sehen sie als weise und einsichtsvolles Werk. So verhält es sich auch bei unseren Danksagungen beim Tischgebet: Für dieses zusätzliche Element, das die Gesamtheit der Wohltaten G'ttes über die einzelnen Ereignisse hinausgeht, bedanken wir uns mit dem Absatz, der mit "Und für alles, Haschem unser G'tt, danken wir dir" beginnt. 


Am Beginn der dieswöchigen Parascha fleht Mosche G'tt an, er möge ihm erlauben, das Land Israel zu betreten. Dies wurde ihm und seinem Bruder Aharon nämlich verboten, nachdem sie einen Felsen entgegen G'ttes Befehl geschlagen und nicht zu ihm gesprochen hatten, um von diesem Wasser zu erhalten.

Raschi beschäftigt sich mit der Frage, welchen Zweck dieses Gebet haben kann, wenn G'tt sich doch bereits festgelegt hatte, dass Mosche nicht nach Israel kommen wird. Er erklärt, dass Mosche nach dem Sieg gegen die Völker jenseits des Jordans vermutete, dass die Entscheidung aufgehoben worden war. Diese Überlegung ist auch nicht komplett aus der Luft gegriffen. Denn auch wenn diese Gebiete jenseits des Jordans, also außerhalb Israels liegen, gelten dort doch einige der Halachot, die sonst nur in Israel gelten. Da Mosche dieses Gebiet, das in einem gewissem Sinn Israel ist, betreten konnte, vielleicht gilt das dann auch für den Rest des Landes.

Die Gmara erklärt, dass man für jede Sünde Tschuwa machen, d.h. zu G'tt zurückkehren kann, womit die Sünde als nie begangen gilt. Dafür gibt es je nach Sünde verschiedene Vorraussetzungen, aber möglich ist es immer. Die Sünde der Entweihung des g'ttlichen Namens aber kann normalerweise nicht verziehen werden. Dies ist nur möglich, wenn man einen gegensätzlichen Akt, also eine besondere Heiligung des g'ttlichen Namens vollbringt. Mosche war sich bewusst, dass er G'ttes Namen entweiht hatte, indem er nicht wie von G'tt befohlen mit dem Felsen sprach und so eine Gelegenheit vergehen ließ, G'ttes Namen zu heiligen. Doch der Krieg gegen Og und seine Armee, bei dem das Volk objektiv betrachtet keine Chance hatte und dementsprechend ängstlich war, vergleichbar mit dem Sechs-Tage-Krieg, als Israel in einer scheinbar aussichtslosen Lage Siege vollbrachte, die nicht vorstellbar waren, führte zu einer unglaublichen Heiligung des g'ttlichen Namens. Mosche hoffte , dass diese Gegenaktion der Heiligung seine vorherige Entweihung verdrängen konnte und so zumindest noch die Chance bestand dafür zu beten nach Israel zu dürfen.

Mosches Gebete wurden dennoch nicht erhört, da hier noch ein weiterer Faktor hinzukam. Mosche sollte, erklärt uns der Midrasch, dem Felsen nicht einfach auftragen, Wasser empor zu bringen. Stattdessen sollte er mit ihm Tora lernen. Wäre daraufhin Wasser gesprudelt, hätte dies nicht nur den g'ttlichen Namen geheiligt, sondern auch das Ansehen der Tora ins Unermessliche gesteigert. Aufgrund dieser verbliebenen Sünde, diese Gelegenheit nicht genutzt zu haben, blieb Mosche das Betreten Israels weiterhin verwehrt.


Ich ersuchte (...) G'tt und sprach (...)

Mit diesem Satz beginnt Mosche seine Erzählung, wie er bei G'tt anfragte, ob er das Land Israel betreten darf. Doch welche Bedeutung steckt hinter dem an sich verzichtbaren "und sprach"?

Raschi erklärt, dass Mosche hier nicht nur zu G'tt betete, sondern auch informiert werden wollte, ob sein Gebot erhört wird oder nicht. Dieser Bitte ist G'tt auch nachgekommen, Mosche erhielt sofort die Antwort, dass er das Land nicht betreten, sondern nur von Außen betrachten darf.

Eine andere Erklärung bezieht sich darauf, dass es eigentlich keine Selbstverständlichkeit ist, dass wir jederzeit zu G'tt beten können. Wenn jemand mit dem Bundeskanzler oder auch nur dem Bürgermeister sprechen will, muss er sich einen Termin ausmachen, falls er überhaupt einen erhält. Aus diesem Grund bitten wir auch vor der Schmona Esra, dass G'tt unsere Lippen öffnen möge, denn ohne seine Zustimmung dürften wir gar nicht beten.

Doch in diesem Fall wusste Mosche sogar schon, dass G'tt ihn nicht nach Israel lassen will. Dies hatte er ihm bereits direkt nach dem Vorfall mit dem Brunnen angekündigt. In diesem Fall gibt es eigentlich keine Berechtigung, mit dem König aller Könige zu sprechen. Deshalb musste Mosche vorher anfragen, ob er überhaupt noch die Gelegenheit erhält, für sein Anliegen zu beten.


In der Parascha dieser Woche fleht Mosche G'tt an, dass er ihn ins Land Israel hineinlassen oder es ihn zumindest kurz besuchen lassen soll. Im Passuk steht "Und er flehte zu G'tt (...) zu sagen." Der Ausdruck "zu sagen" scheint überflüssig, da ihm Wort "flehen" das sprechen zu G'tt bereits enthalten ist. Raschi erklärt das Wort damit, dass dies eine der drei Stellen in der Tora ist, in denen Mosche G'tt auffordert, ihm zu sagen, ob sein Gebet angenommen wird oder nicht.

Rabbi Chanina ben Dossa war bekannt dafür, dass er für Kranke betete und nach dem Gebet sagen konnte, ob die Person wieder gesund wird oder sterben wird. Er wurde gefragt, wie er das macht und erklärte, dass er merkt, ob seine Gebete angenommen werden oder nicht, je nachdem, wie flüssig das Beten funktioniert. Wenn er sich gut konzentrieren kann, keine Fehler macht und flüssig beten kann, werden seine Gebete angenommen und die Person wieder gesund.

Nicht immer lässt G'tt einen beten. Man will beten, aber man kann nicht, da man sich nicht richtig konzentrieren kann oder nicht die richtigen Worte findet. Man muss daher manchmal darum beten, überhaupt beten zu können. Daher sagen wir auch am Anfang der Tefila: "G'tt, öffne meine Lippen und mein Mund wird dein Lob sprechen." Nach einer anderen Erklärung ist das mit dem Ausdruck "zu sagen" gemeint. Das heißt, Mosche betete G'tt an, die Möglichkeit zu erhalten, darum zu beten, ins Land Israel zu kommen.

Auch wir haben in der aktuellen schweren Situation für das Volk nicht immer die richtige Konzentration und finden nicht die richtigen Worte zu beten. Deshalb sollten wir uns besonders auf den erwähnten ersten Satz in der Tefila konzentrieren, damit wir die Möglichkeit erhalten, zu beten und so G'tt will werden unsere Gebete erhört werden.


Die Haftara dieser Woche beginnt mit den Worten "Tröstet, tröstet mein Volk", die G'tt an die Propheten richtet.

Einfacher Trost besteht darin, dass man einer Person sagt, dass sich ihre Situation verbessern wird. In diesem Fall bedeut das, dass die Propheten dem Volk sagen sollen,  dass nach der Zerstörung des Tempels auch die Erlösung kommen wird. Doch wahrer Trost geht noch eine Stufe weiter: Solange ein Mensch nicht versteht, wieso ihm etwas widerfahren ist, wird er auch nach seiner Rettung nicht vollständig getröstet.

Die Gemara erzählt, wie Rabbi Gamliel, Rabbi Elieser, Rabbi Tarfon und  Rabbi Akiwa Füchse am Platz des zerstörten Tempels herumstreunen sahen. Während die anderen drei ob dieses Anblicks weinten, lächelte Rabbi Akiva. Seine Kollegen wollten verstehen, wieso er lächelt, wenn man doch beim Anblick des zerstörten Tempels, der von Füchsen als Unterschlupf genutzt wird, nur weinen kann. Doch Rabbi Akiva entgegnete ihnen: Solange ich nicht wusste, dass die Prophezeiung der Zerstörung des Tempels erfüllt wurde, konnte ich mir nicht sicher sein, dass auch die Prophezeiung der Erlösung erfüllt werden wird"." Die Zerstörung ist ein notwendiger Schritt zur vollständigen Erlösung. Die anderen entgegneten ihm darauf: "Akiva, du hast du uns getröstet, Akiva, du hast uns getröstet."

Auch unsere Weisen verwendeten also den doppelten Ausdruck des Trostes, denn auch Rabbi Akiva hatte sie nicht nur getröstet, in dem er sie auf die bevorstehende Erlösung hinwies, sondern auch, in dem er ihnen den Sinn der Zerstörung begreiflich machen konnte, genauso wie die Tora die Propheten anweist, das Volk in beiden Stufen zu trösten - "tröstet, tröstet mein Volk."


Mosche sagt dem Volk, dass er zu G'tt betete, damit Er ihn das Land Israel betreten lässt. Doch G'tt war "um euretwillen zornig" und lies ihn nicht ins Land. Raschi erklärt den seltsam anmutenden Ausdruck "um euretwillen" mit "für euch, ihr habt es für mich veranlasst." Eigentlich müsste es hier, wie es auch im Buch Dewarim steht, "euretwegen" und nicht "um euretwillen" heißen.

In der Gemara in Massechet Sota steht, dass alles, was David und Mosche aufgebaut haben, nie zerstört werden kann. Der Or Hachaim erklärt, dass G'tt, wer er zornig auf uns ist, uns entweder vernichtet oder seinen Zorn auf den Tempel richtet und diesen zerstört. Wäre Mosche nach Israel gegangen, hätte er den Tempel aufgebaut, und dieser hätte nie zerstört werden können. G'tt hätte dann keine Wahl gehabt, als uns zu vernichten. Deshalb steht im Passuk "um euretwillen": Damit wir später nicht vernichtet werden, konnte Mosche das Land nicht betreten. Wir können an diesem Beispiel erkennen, dass nicht immer schlecht ist, was auf den ersten Blick schlecht erscheint, und dass man in negativen Entwicklungen auch etwas positives sehen kann. Wäre Mosche ins Land Israel gekommen, wäre der Tempel zwar nie zerstört worden, dafür würde es unser Volk aber vielleicht nicht mehr geben.


In der Parascha dieser Woche steht der Satz: "Und dies ist das Gesetz, welches Mosche vor die Kinder Israels gelegt hat."

Laut Raschi sind mit dem "Gesetz" die im nächsten Absatz erwähnten "Gesetze und Verordnungen" gemeint.

In der unmittelbar vorangehenden Parascha beschäftigt sich die Tora mit den Zufluchtsstädten und erwähnt, dass Mosche bereits die drei Städte im Gebiet östlich des Jordan festlegte, obwohl diese drei Städte, genauso wie ihre Gegenstücke auf der Westseite erst relevant geworden sind, als die Juden nach 14 Jahren das Land erobert und verteilt hatten. Doch Mosche hatte bereits die Gelegenheit, einige der Städte zu benennen, und obwohl er damit eigentlich nur eine halbe Mizwa erfüllt hat, wollte er das sofort tun und nicht unnötig aufschieben.

Nach einer anderen Erklärung ist genau das das "Gesetz" im eingangs erwähnten Passuk, das wir von Mosche lernen können, der sich bemühte, jede Mizwa oder auch nur Teile davon sofort zu erfüllen.


In der Parascha dieser Woche lässt Mosche drei der sechs Zufluchtsstädte für Menschen, die unabsichtlich geötet haben, außerhalb des Landes Israel errichten. Die anderen drei werden dann später, nach der Eroberung des Landes, errichtet werden.
Es stellt sich die Frage, weshalb die Städte überhaupt schon errichtet wurden, da sie erst nach Eroberung des Landes und Errichtung der anderen drei Städte überhaupt in Betrieb genommen werden sollten. Mit dem Bau wurde die Mizwa der Tora nicht erfüllt, denn diese ist nur erfüllt, wenn alle sechs Städte errichtet werden. Es wurde also nur ein Teil getan, beziehungsweise ein erster Schritt zur Erfüllung einer Mizwa gesetzt.

Wir lernen daraus, dass wir uns nicht nur bemühen sollen, Mizwot zu erfüllen, sondern sogar, nur zu beginnen, Mizwot zu erfüllen und einen ersten Schritt zu setzen, selbst wenn ein anderer den Rest tun muss. So wie auch König David, dem von G'tt gesagt wurde, dass nicht er, sondern sein Sohn Schlomo den Tempel errichten wird, zumindest Geräte und andere Gegenstände für den Tempel vorbereiten lies, obwohl er wusste, dass er die Mizwa der Tempelerrichtung sicher nicht erfüllen wird.

Das ist auch die Bedeutung des Verses, der unmittelbar darauf in der Tora steht: "Das ist die Lehre, die Mosche vor die Kinder Israels brachte." Die Lehre, die Mosche uns übermittelte ist es, die Erfüllung von Mizwot sofort anzugehen, ohne Rücksicht darauf, ob wir sie schlussendlich alleine komplett erfüllen können.


Als die Lewi'im im Zuge des Aufstands von Korach, Datan und Awiram mehr Aufgaben für sich beansprucht hatten, hatte Mosche sie mit den Worten "Es ist zu viel für euch" zurechtgewiesen. Doch diese Zurechtweisung war unangebracht. Die Lewi'im hatten zwar tatsächlich keinen Anspruch auf andere als die ihnen zugewiesenen Aufgaben. Aber unabhängig davon, ist es ein guter Gedanke, mehr heilige Aufgaben übernehmen zu wollen. Mosche hätte ihnen also erklären müssen, dass ihre Aufgaben festgelegt sind, und mehr Einsatz von ihnen nicht gefordert wird. Für die dennoch erfolgte kritische Zurechtweisung wurde Mosche später, kurz vor seinem Tod, von G'tt bestraft, in dem er ihn mit seinen damaligen Worten zurechtwies:

Mosche und Ahron hatten in der Wüste einen Stein geschlagen, um an Wasser zu kommen, anstatt wie befohlen mit dem Stein zu reden. Daraufhin verbot ihnen G'tt, das Land Israel zu betreten. Hätte Mosche 515 Gebete gesprochen, wäre sein Wunsch dennoch erfüllt worden. Nach dem 514. Gebet jedoch wurde er von G'tt mit den Worten "Es ist zu viel für dich, sprich nicht weiter mit mir über diese Sache" davon abgehalten, ein weiteres Mal zu beten.

Doch warum wollte G'tt Mosche eigentlich nicht weiter beten lassen? Was wäre das Problem daran, wenn Mosche das Land Israel betreten dürfte?

In der Gemara steht, dass ein Gebäude, das von Mosche oder von König David erbaut wurde, niemals zerstört werden kann. Hätte Mosche die Juden nach Israel gebracht, hätte er dort sofort ein Beit Hamikdasch, einen Tempel, aufgebaut, der nie zerstört worden wäre. Als G'tt dann später vom Volk enttäuscht wurde, wollte er eigentlich das Volk vernichten. Stattdessen zerstörte er den Tempel, gewissermaßen stellvertretend für das Volk. Ein von Mosche erbauter Tempel wäre aber nicht zerstört worden - was zur Vernichtung des Volkes geführt hätte.

Wie man sieht, kann es also viele Gründe geben, warum auch ernste und intensive Gebete manchmal ihren Zweck nicht erfüllen. Wir Menschen mit unserem beschränkten Verstand können G'ttes Wege und Entscheidungen nicht ergründen. Deshalb müssen wir trotz unserer Gebete akzeptieren, dass G'tt manchmal auch zu unserem Besten unsere Wünsche und Gebete nicht erfüllt.


In der Parascha dieser Woche kommt das "Schma Israel" vor. Ein Bestandteil des Schma Israel, und damit anscheinend eine Basis des jüdischen Glaubens, ist die Mizwa der Tefilin. Umgekehrt enthalten die Tefilin den Text des Schma, genauso wie die beiden anderen Mizwot, die im Schma erwähnt werden, Torarolle und Mesusa.
Es stellt sich die Frage, weshalb die Tefilin so eine zentrale Stellung haben, dass sie im Schma Israel erwähnt werden, und nicht eine andere Mizwa, zum Beispiel der Schabbat.

Das ganze Buch Dwarim, aus dem wir momentan lesen, ist in erster Linie eine Wiederholung und Präzisierung der vorigen vier Bücher. Es zeigt uns, dass die Tora zwar auf mehrere Teile aufgeteilt ist, aber dennoch eine Einheit darstellt.
Die Kopftefilin enthalten vier Stellen aus der Tora auf vier Pergamentrollen. Diese stehen für die ersten vier Bücher der Tora. Die Handtefilin enthalten dieselben vier Torastellen, aber auf einer einzigen Pergamentrolle. Diese steht für das Buch Dwarim, das auch eine Wiederholung der anderen Bücher darstellt. Diese Pergamentrolle symbolisiert die Einheit der Tora.

Wir sollten diese Sichtweise auch für unser tägliches Leben übernehmen. Es kann oft etwas passieren, dass wir nicht verstehen, oder als ungerecht empfinden. Das liegt aber daran, dass wir nur einen Teil des ganzen sehen. Würden wir die Geamtheit betrachten, wie im Buch Dwarim und in den Tefilin, würden wir sofort verstehen, weshalb die Dinge so geschehen, wie sie geschehen.


In der dieswöchigen Parascha kommt die bekannte erste Zeile des "Schma Israel" vor. Beim Sagen des "Schma" muss man die ersten beiden Gebote der zehn Gebote im Sinn haben. Bei "Schma Israel, Haschem Elokenu" - "Höre Israel, Haschem ist unser G'tt", soll man das erste Gebot im Sinn haben, dass Haschem als unseren G'tt deklariert. Bei "Haschem Echad" - "Haschem ist einzig" soll man das zweite Gebot im Sinn haben, das besagt, dass man keine anderen Götter neben Haschem anbeten darf.
Es ist daher wichtig, das Kriat Schma langsam und kozentriert zu sagen, um sich genau mit der Bedeutung des Gesprochenen beschäftigen zu können.

Die Gmara erzählt, dass Rabbi Akiva das "Schma Israel" sagte, als er von den Römern verhaftet und getötet wurde. Seine Schüler fragten ihn, wie er das tun könne, und er antwortet: "Ich habe mein ganzes Leben auf die Gelegenheit gewartet, für Kiddusch Haschem, die Heiligung von G'ttes Namen, zu sterben.

Weder die Frage noch die Antwort sind wirklich verständlich.

Es wird erklärt, dass die Schüler Rabbi Akiva fragten, woher er die seelischen Kräfte nahm, in solch einer Situation, wo er zu seiner Hinrichtung geführt wird, ein Gebet an Haschem zu richten. Und er antwortete sinngemäß: Mein ganzes Leben, immer wenn ich Schma Israel gesagt habe, hatte ich im Sinn, dass es nur einen G'tt gibt. Ich habe mich mein ganzes Leben darauf vorbereitet, für Kiddusch Haschem zu sterben. Deshalb bin ich jetzt, wo es soweit ist, vorbereitet, und habe auch die Kraft dazu.


Mosche bittet G'tt in der dieswöchigen Parascha noch einmal, Erez Israel betreten zu dürfen. Doch dieses Ansinnen wirkt auf den ersten Blick aussichtslos: Ein einzelner kann ein g'ttliches Urteil nicht zu Fall bringen. Nur die Gemeinschaft kann unter Umständen ein schon gefälltes himmlisches Urteil aufheben. Weshalb hat Mosche dann trotzdem zu Haschem gebetet?

Zwischen einer Privatperson und der Gemeinschaft gibt es noch eine Zwischenstufe: eine Person, die eine Funktion in der Gemeinde hat. Diese wird wie eine Gemeinschaft behandelt, und hat es daher leichter, Tschuwa (Buße) zu machen. Mosche hat 515 mal zu G'tt gebetet, dass er das Land Israel betreten dürfe, und der Midrasch sagt, dass er sein Ziel erreicht hätte, wenn er noch eine Tfila mehr gesprochen hätte, und dies dank seiner Funktion für die Gemeinschaft, wegen der er den Status einer Gemeinschaft, und damit die Chance hatte, ein G'ttliches Urteil anzufechten.

Wir lernen daraus, dass es leichter ist, Tschuwa zu machen, wenn man eine Funktion in der Gemeinschaft einnimmt, und es lohnenswert ist, sich für die Allgemeinheit zu engagieren.