Ein Mensch (Adam), wenn er von euch ein Opfer G'tt nahe bringen will, (...) sollt ihr eure Opfer nahebringen.

Schon Raschi stellt zu diesem Pasuk zwei Fragen: Warum wird hier das Wort "Adam" (Mensch) benutzt, und nicht das üblichere "ein Mann", und weshalb beginnt der Satz in der Einzahl "ein Mensch", endet aber in der Mehrzahl ("sollt ihr")? Raschi hat für beide Fragestellungen eine Antwort: Es wird das Wort Adam benutzt, um zu betonen, dass keine gestohlenen Opfer dargebracht werden dürfen. So wie Adam, der erste Mensch, dem die ganze Welt gehörte, nur Opfer aus seinem Besitz brachte, so dürfen wir auch nur unsere eigenen Tiere opfern. Der Plural am Ende des Pasuks deutet laut Raschi an, dass ein Olah-Opfer auch wahlweise mit einem Partner dargebracht werden kann.
Die beiden Auffälligkeiten können auch gemeinsam in einer anderen Art erklärt werden: In weiterer Folge in unserer Parascha werden die öffentlichen Opfer beschrieben, die vom ganzen Volk dargebracht wurden. Ein Volk ist ein Zusammenschluss von Einzelpersonen, sofern diese Personen auch Partner füreinander sein können. Deshalb beginnt die Parascha mit dem Einzelnen ("Adam" ist ein Wort, das keinen Plural hat), betont dann die Fähigkeit, Partnerschaften einzugehen, damit dann zum Zusammenschluss als Volk übergangen werden kann.

 


Sowohl in den Zehn Geboten als auch in der Parascha dieser Woche befiehlt G'tt, dass wir sechs Tage arbeiten sollen, während der Schabbat ein Ruhetag ist. Doch die Kommentatoren stellen die Frage, ob uns tatsächlich befohlen wurde, sechs Tage zu arbeiten oder vielmehr der Befehl nur im Nicht-Arbeiten am Schabbat liegt.
Raschi erklärt, dass uns die Mizwa des Schabbat im Kontext der Arbeiten für den Aufbau des Mischkan gegeben wurde. Obwohl dieser von G'tt befohlen wurde, musste er am Schabbat unterbrochen werden. Die Tora sagt uns also damit, dass sechs Tage am Aufbau des Mischkan gearbeitet, und danach am Schabbat geruht werden soll.
Die Mischna erklärt, dass Untätigkeit zur Langeweile, und diese wiederum zur Sünde führt. Daraus ergibt sich, dass es von der Sünde abhält, beschäftigt zu sein. In diesem Sinn befiehlt uns die Tora daher, an den Werktagen beschäftigt zu sein.
Doch es gibt auch einen erzieherischen Aspekt an dieser Ausdrucksweise der Tora. Wenn man jemandem sagt, dass etwas verboten ist, wird das normalerweise als negativ aufgenommen. Wenn man aber das Erlaubte voranstellt, und das Verbot nur als Ausnahme darstellt, wird es viel leichter aufgenommen. So sehen wir bereits dass G'tt Adam und Chawa zunächst den Genuss aller Früchte erlaubte, um dann die Frucht eines einzigen Baumes zu verbieten. Erst als die Schlange das Verbot voranstellte und es so betonte, kamen die beiden zur Sünde.
Genauso verhält es sich auch mit dem Einhalten des Schabbat. Sieht man diesen als Tag der Verbote, fällt das Einhalten schwer. Sieht man jedoch die Erlaubnis, jeden Tag beliebiges Werk zu verrichten, und nur an einem einzigen Tag das Gebot zu ruhen, fällt es schon wesentlich leichter, dies zu akzeptieren. Die Tora lehrt uns so also auch einen Weg, wie wir gewisse Aufgaben vermitteln sollen.


In der Parascha dieser Woche wird zuerst das Olah-Opfer beschrieben, und anschließend das Chatat-Opfer. Wenn jemand sowohl ein Olah- als auch ein Chatat-Opfer darbringen wollte, musste das Chatat-Opfer zuerst dargebracht werden. Die Gemara beschäftigt sich mit der Frage, weshalb die Tora die beiden Opfer dann scheinbar in der verkehrten Reihenfolge aufzählt. Die Gemara erklärt, dass diese Reihenfolge zum Lesen gedacht ist, während die Reihenfolge der Darbringung tatsächlich umgekehrt ist.
Raschi erklärt, dass das Olah-Opfer zwar ein frewilliges Opfer war, im Gegensatz zum Chatat-Opfer, das für besonders schwere Vergehen gebracht werden musste, sofern diese unabsichtlich begangen wurden. Doch es sollte vor allem dann dargebracht werden, wenn man schlechte, sündige Gedanken hatte. G'tt rechnet einem die Gedanken zwar nicht als Sünde an und deshalb sind wir zu keinem Opfer verpflichtet, aber wenn jemand dies will, kann er die schlechten Gedanken mit einem Olah-Opfer sühnen.
Normalerweise beginnt man nicht mit direkt mit einer schwerwiegenden Sünde. Jemand der koscher isst, genießt nicht plötzlich ein Schwein. Doch ein langsamer Prozess kann dazu führen, dass die Grenzen immer weiter verschwimmen, man erlaubt sich immer mehr, bis man G'tt behüte irgendwann dazu kommt, tatsächlich Schwein zu essen. Alles beginnt mit sündigen Gedanken. Wenn diese sich festsetzen, kann es im nächsten Schritt dazu kommen, dass man unabsichtlich sündigt.
Auf diese Abfolge weist uns die Tora mit der scheinbaren falschen Reihenfolge der Opfer hin: Das Chatat musste zwar in direkter Konkurrenz zuerst dargebracht werden, doch üblicherweise begeht der Mensch zuerst Verfehlungen, die ihn zu einem Olah-Opfer bringen können.
So verstehen wir auch die Schlussfolgerung der Gemara besser: Die Reihenfolge in der Tora ist "zum Lesen", zum Verinnerlichen und zum Verstehen gedacht, damit man begreift, wie die Entwicklung vor sich geht, dass man überhaupt zum Sündigen kommt. Denn spirituell ist man immer in Bewegung, entweder hinauf, oder G'tt behüte hinab.


(...) männlich soll er es bringen, zum Eingang des Stiftszelts soll er es bringen, freiwillig, vor G'tt."
Die Gemara erklärt, dass hier gemeint ist, dass er das Opfer bringen muss und sogar dazu gezwungen werden kann. Doch damit widerspricht sich der Satz selbst: Wenn er das Opfer bringen muss und sogar gezwungen werden kann, ist es nicht freiwillig. Die Erklärung ist, dass man ihn zwingt, bis er sagt: "Ich will!"
Unter der Leitung von Rabban Gamliel wurden in das Beit Midrasch in Jawne nur Leute eingelassen, deren Inneres und Äußeres einander entsprachen, das heißt, nur wahre Zaddikim. Als Rabbi Elasar ben Asarja das Amt übernahm, ließ er den Wächter abberufen, der den Eingang bewacht hatte, und öffnete den Lehrbetrieb für jeden Interessierten. Als Rabban Gamliel das sah, bedauerte er seine frühere Entscheidung und machte sich Vorwürfe, dass er Juden vom Lernen abgehalten hatte. Der Kotzker Rebbe stellt die Frage, was Rabban Gamliel denn zuvor gedacht hatte? Es war ja klar, dass Juden vom Lernen abgehalten werden, wenn man sie nicht hereinlässt. Doch Rabban Gamliel hielt die Leute, die seinen Kriterien nicht entsprachen, ja nicht für würdig, Tora zu lernen. Als er aber sah, wie sie sich zum positiven entwickelten, als sie eingelassen wurden, bereute er seine Entscheidung, da er den Einfluss, den das Beit Midrasch auf die Schüler haben werde, unterschätzte.
Es gibt mehrere Erklärungen für den oben zitierten Passuk. Eine nimmt auf die eben beschriebene Erklärung vom Kotzker Rebben bezug: Die Anweisung, dass die Person gezwungen werden kann, und die Feststellung, dass sie das Opfer freiwillig bringt, beziehen sich auf verschiedene Zeitpunkte bzw. Handlungen: Ein Jude, der sich weigerte, das Opfer, das er zugesagt hat, zu bringen, wurde gezwungen, mit dem Opfertier nach Jeruschalajim zum Tempel zu gehen. Sobald er aber dort ankam, hatte der Tempel mit dem stattfindenden Dienst einen so starken Einfluss auf ihn, dass er vollkommen freiwillig das Opfer brachte. Denn heilige Orte, wie auch heute zum Beispiel ein Beit Midrasch und eine Beit Knesset, beeinflussen den Menschen und können ihn zum positiven verändern.


In der Parascha dieser Woche wird die Sühne für die Sünden der Anführer des Volks - Kohen Gadol, Sanhedrin, König - beschrieben. Unter anderem steht: "Wenn der Kohen Gadol zum Verschulden des Volks sündigt." Raschi erklärt, dass es zum Verschulden des Volks führt, wenn der Kohen Gadol sündigt, da er sie führt und für sie Sühne erlangt, was durch seine Sünde behindert wird.
Es gibt dazu mehrere Erklärungen. Der Sforno sagt, dass der Kohen Gadol der Vertreter des Volkes ist. Wenn er sündigt, dann gibt es anscheinend auch beim Volk ein Problem. Denn jede Generation bekommt die Führer, die sie verdient. So wie es auch ein schlechtes Zeichen für die ganze Gemeinde ist, wenn der Vorbeter einen Fehler macht, da er ihr Vertreter für das Gebet ist.
Wenn in diesem Kontext von einer Sünde gesprochen wird, ist von einer unabsichtlichen Sünde (Schogeg) die Rede. Doch wenn das Volk von dieser Sünde hört, kann es nach einer anderen Erklärung sehr leicht dazu kommen, dass die Leute davon ausgehen, dass der Kohen Gadol die Sünde mit Absicht begangen hat (Mesid). Die Sünde des Kohen Gadol führt also dazu, dass er vom Volk beschuldigt wird.
Diese beiden Erklärungen lassen sich auch verbinden: Wenn ein Anführer des Volks eine Sünde begeht, müssen wir diese Sünde auf uns beziehen. Wir müssen schauen, ob wir absichtliche oder unabsichtlichte Sünden begehen, und uns in einen Zustand bringen, um es zu verdienen, würdige Anführer zu bekommen, durch deren Sünden wir nicht verschuldet werden.


Diese Woche beginnen wir ein neues Buch der Tora zu lesen - das Buch Wajikra. Das erste Wort dieses Buches ist "Wajikra [el Mosche]" ("und er rief [Mosche]...") und hat eine bemerkenswerte Besonderheit: Das Wort ist mit einem besonders kleinen "Alef" am Wortende geschrieben. Dies soll auf die besondere Bescheidenheit Mosches hindeuten, der sich kleiner machen wollte, als er eigentlich war. Doch natürlich wissen wir, dass Mosche trotz seiner Bemühungen berühmt und bekannt für seine Taten ist.
Denn jemand, der vor Ruhm flieht, dem jagt der Ruhm nach, und jemand, der dem Ruhm nachjagt, vor dem flieht er. Eigentlich sollte einen das nicht zufriedenstellen: Wenn jemand das Jagen nach Ruhm zurecht als schlechte Charaktereigenschaft ablehnt, weshalb wird er ausgerechnet mit Ruhm belohnt?
Der Sfat Emet erklärt, dass hier von zwei verschiedenen Arten von Ruhm die Rede ist: Wegen seiner Äußerlichkeiten und Fähigkeiten will man nicht bewundert werden. Doch wenn man vor diesem falschen Ruhm flieht, jagt einem der Ruhm des Tora-Gelehrten nach. Und so zeigt sich auch, dass uns heute noch Namen von unseren Weisen geläufig sind, die vor Jahrtausenden verstorben sind, während die vielen "reichen" und "wichtigen" Leute, die seither gelebt haben, größtenteils keiner mehr kennt.
Diese Ruhm muss einen aber nicht stören, denn wenn die Leute einen wegen seines Tora-Wissens bewundern, dann bewundern sie eigentlich nicht einen selbst, sondern eben sein Tora-Wissen, und damit die Tora selbst.


In der Parascha dieser Woche steht: "Und eine Person, die gesündigt hat hört einen Schwur, und sie ist ein Zeuge - hat etwas etweder gesehen oder davon erfahren; wenn sie nicht aussagt trägt sie eine Sünde." Die Gemara erklärt, dass es dabei um folgenden Fall geht: Re'uwen hat Schimons Auto beschädigt. Levi ist Zeuge dieses Unfalls. Schimon will nun, dass Levi vor Gericht gegen Re'uwen aussagt. Levi verweigert das aber. Nun kann Schimon Levi dazu verpflichten, vor Gericht zu schwören, dass er nichts zur Aufklärung des Verbrechens beitragen kann.
Doch der Wortlaut des Passuks besagt, dass die Person einen Schwur hört und nicht spricht. Aus dem direkten Wortlaut leitet sich daher eine andere Deutung ab, (wobei die Halacha, die die Gemara aus dem Passuk lernt natürlich auch richtig ist):
Ein Jude kam einmal zu seinem Rabbiner und beklagte sich über die Zustände in seinem Haushalt. Es wird nur geflucht und geschimpft, und einer redet schlecht über den anderen. Er wollte wissen, was er tun soll. Der Rabbiner entgegnete: "Was fragst du mich, frag dich selber!"
Dieser Jude hat anscheinend selbst nicht immer darauf geachtet, wie er redet. Der Passuk sagt uns: Wenn eine Person sündigt, dann wird sie auch selber hören, wie Leute falsch schwören, fluchen, Laschon Hara reden oder lügen. Wenn man aber auf sich selbst schaut, dann wird man auch nicht Zeuge von Sünden anderer Leute.
Man sollte deshalb immer auf sein eigenes Verhalten schauen, wenn man sich über schlechte Zustände oder Verhalten anderer Leute beschwert.
Vor Pessach muss man zuerst Chamez suchen, am nächsten Tag verbrennt man es, dann muss man noch verbleibendes Chamez für herrenlos erklären, und darf dann den ganzen Feiertag kein Chamez besitzen. Doch genauso wichtig ist es auch, den "Chamez im Herzen", also die schlechten Anlagen die man im Herzen trägt, zu vernichten. Dies tut man auch, indem man sich immer, wenn man Leute lügen oder fluchen hört, überlegt, ob man nicht vielleicht selbst genauso sündigt, und was man an sich selbst verbessern kann.