Als sich Ja'akov an der Stelle, an der später das Beit Hamikdasch stehen sollte, hinlegte, nahm er einige Steine, um seinen Kopf darauf zu legen. Diese stritten in der Nacht darum, auf welchem von ihnen der Kopf dieses Zadiks ruhen sollte. G'tt vereinte daraufhin die vielen Steine zu einem einzelnen. Einige Kommentatoren stellen die Frage, weshalb G'tt, wenn er die Steine schon verwandelte, nicht einen bequemen Polster statt eines Steins entstehen ließ.
Raschi erklärt, dass Ja'akov, bevor er sich auf nach Charan machte, 14 Jahre in der Jeschiwa von Schem und Ewer lernte und dort nie in einem Bett schlief, um die Zeit möglich mit dem Studium der Tora zu verbringen. Als er sich nun in dieser Nacht auf den Boden legte, war es irrelevant, ob er auf einem harten Stein oder einem bequemen Polster lag, er konnte in jedem Fall tief schlafen.
Ja'akov sieht im Traum nicht nur die Leiter, sondern auch die Tempel, die in Zukunft an diesem Platz stehen sollen. Dies ist gleich im nächsten Satz durch die dreimalige Verwendung des Artikels "dieser" angedeutet, als Jaakow weiter spricht: "Wie furchtbar ist dieser Ort!" Er spielt dabei auf den ersten Tempel und dessen Zerstörung an. "Nichts ist dies anderes als G'ttes Haus!" Damit ist der zweite Tempel gemeint. "Und dies ist eine Pforte zum Himmel". Mit diesem letzten Satz spielt Jaakow auf den dritten Tempel an, den er im Traum gesehen hat. Wegen der Zerstörung der ersten beiden Tempel, die er hier wahrnahm, legte Ja'akov seinen Kopf als Zeichen der Trauer auf deinen Stein. Dies ist die Quelle für die Anordnung des Rema, zu Tischa Be'Aw einen Stein statt eines Polsters zu benutzen.
In einer dritten Erklärung bemerkt Reb Chaim Brisker, dass die Steine hier mit einem Streit beschäftigt waren. Wegen eines Streits kann aus Steinen ein großer Stein werden, aber kein Polster. Raw Elijaschiw ergänzt dazu, dass die Steine wohl beachtenswerte Motive hatten, doch ging es ihnen letztlich darum, für sich die beste Position zu haben, sie hatten aber nicht das Wohl Ja'akovs im Sinn. Deshalb konnte hier nur ein Stein entstehen, und nicht ein Polster, oder eine Decke.
Trotzdem entstand dieser Stein aus heiliger Intention, weshalb er später zum Grundstein der drei Tempel werden sollte.

 


"Wenn G'tt mit mir sein wird, und mich auf diesem Weg (...) beschützen wird, und mir Brot zu essen und Gewand zur Bekleidung geben wird und ich in Frieden zu dem Haus meines Vaters wiederkehren werde (...)"

Nachdem sich Ja'akov auf den Weg nach Charan, zur Familie seines Onkels macht, verspricht ihm G'tt, mit ihm zu sein und ihn zu schützen. Anschließend schwört Ja'akov den oben wiedergegebenen Wortlaut. Während Ja'akov zur Bedingung macht, dass G'tt mit ihm sein, ihn schützen und ihm Brot sowie Gewand geben wird, macht er das Wiederkehren ins das Haus seines Vaters nicht explizit von G'tt abhängig, denn es steht nicht: "und mich in Frieden (...) zurückbringen wird", sondern "und ich in Frieden (...) wiederkehren werde."
Der Verdienst eines Menschen wird zu Rosch Haschana für das ganze Jahr festgelegt. Man muss sich danach zwar bemühen, Geld zu verdienen um zu überleben, aber das Ausmaß des Erfolgs hängt nicht davon ab, sondern davon, was G'tt einem vorherbestimmt hat. Aber die Rückkehr nach Israel muss aus eigener Initiative geschehen. G'tt wird einem zwar helfen, doch man muss selbst den Willen haben und den Entschluss fassen. Während G'tt sich also um Nahrung und Kleidung kümmert, müssen wir selbst den Entschluss fassen, Alija zu machen. Deshalb sagt Ja'akov sehr richtig, dass er am Ende den Entschluss wird fassen müssen, heimzukehren. Tatsächlich ist es auch so geschehen: Ja'akov flüchtet mit seiner Frau und seinen Kindern und als ihm Lawan nachkommt, schaltet G'tt sich ein und untersagt Lawan, Ja'akovs Weg aufzuhalten. 


Awraham wurde von G'tt versprochen, dass seine Nachkommen wie die Sterne am Himmel sein werden. Ja'akow dagegen wurde eine Nachkommenschaft wie der Staub der Erde zugesichert. Obwohl mit beiden Formulierungen eine unzählbare Menge gemeint ist, stellt sich die Frage, weshalb G'tt unterschiedliche Formulierungen verwendet.
Die Gemara erklärt, dass dies eine Andeutung auf den Charakter des jüdischen Volks ist. Wir können auf höchste Ebenen aufsteigen und die Sterne erreichen, doch wenn wir absteigen, können wir die tiefsten Stufen erreichen, gleichsam den Staub der Erde. Es gibt keinen statischen Mittelweg für das jüdische Volk. Bei Ja'akow wurde das Gleichnis des Staubs der Erde gewählt, denn als er träumte, sah er die Zerstörung der beiden Tempel, zu deren Zeitpunkten das Volk sprituell die niedrigsten Stufen erreicht hatte. Er machte sich daraufhin einen Polster aus Stein, weshalb es diesen Minhag bis heute zu Tischa Be'aw gibt. 
Der Seforno erklärt, dass der Segen, dass sich Ja'akows Nachkommen in alle Himmelsrichtungen im Lande ausbreiten werden, erst eintreten kann, wenn das Volk unterdrückt wird. Es wird daher mit dem Staub der Erde verglichen, und gleich darauf erfolgt der Segen.
Der Kli Jakar präzisiert das. Solange das Volk nicht unterdrückt wird, wendet es sich nicht an G'tt. Er ist in der Not können die Gebete bewirken, dass es sich über das ganze Land verteilt.
Als Raw Israel Salanter von Rusland nach Frankreich kam, wo es zu der Zeit starke Assimilation und Abfall vom Judentum gab, wurde sein Wirken kritisiert. Es gäbe schließlich auch in Rusland noch genug zu tun, er müsste die Leute in Frankreich nicht betreuen. Doch Raw Salanter entgegnete: Einen Wagen, der auf abschüssiger Bahn fährt, kann man nicht aufhalten. Sobald er im Tal stehengeblieben ist, kann man sich mit ihm beschäftigen. Die Juden Ruslands der damaligen Zeit waren noch am absteigenden Weg. In Frankreich, das sprituell damals besonders tief im Staub der Erde lag, konnte er etwas bewirken und neu aufbauen. 


Ja'akow verlässt Lawan, nachdem er zuerst 14 Jahre fürs seine Frauen, und dann weitere sechs Jahre für das eigene Einkommen bei seinem Onkel Lawan gearbeitet hat. Er tut dies, nachdem die Söhne Lawans begonnen haben, sich darüber zu beschweren, dass Ja'akow auf Kosten ihres Vaters reich geworden sei. Doch weshalb störte Ja'akow dieser Vorwurf so, dass er ihn zum Anlass nahm, Lawan zu verlassen?

Ja'akow und Lawan führten ein Streit, in dessen Verlauf sie nicht vor "krummen Tricks" zurückschreckten. Nachdem Ja'akow von seinem Onkel mehrfach betrogen wurde, durfte er auch die Zucht der Herden manipulieren, da er so nur zu erreichen versuchte, das ihm sowieso zustand, nicht mehr als das.

Doch nun erreichte der Streit eine neue Dimension, als die Kinder involviert wurden. Nachdem Lawans Kinder sich einmischten, hätte Ja'akow nun auch seine Kinder beteiligen und ihnen die Details erklären müssen. Doch das war für ihn keine Option, da er seine Kinder zu einem anständigen und ehrlichen Leben erziehen und sie nicht in der Kunst der Tricks und Manipulationen einweihen wollte, selbst wenn diese zulässig waren. Er musste daher seinen Onkel sofort verlassen.

Es gibt Menschen, die an entfernte Orte gehen, um dort eine Aufgabe zu erfüllen und sehr gut leben zu können. Doch oft kommt es vor, dass sich, wenn die Kinder größer werden, herausstellt, dass der richtige Chinuch für die Kinder an diesem Ort nicht möglich ist. In dieser Situation packen viele sofort ihre Sachen und gehen in ihre Heimat zurück, auch wenn sie dort von einem Bruchteil leben müssen und möglicherweise gar keinen Job finden. Die Kraft dazu nehmen sie vom Beispiel Ja'akows, der diese Bedeutung erkannt hat und sofort die Konsequenzen gezogen hat. 


In der Parascha dieser Woche träumt Jaakow seinen berühmten Traum, in dem er eine Leiter sieht, die von der Erde bis zum Himmel reicht und auf der Engel auf- und absteigen und in dem G'tt ihm Beistand verspricht. Gleich nachdem er aufwacht sagt Jaakow: "G'tt ist an diesem Ort und ich habe (es) nicht gewusst!" Raschi erklärt, dass Jaakow damit meint, dass er nicht an diesem Ort geschlafen hätte, wenn ihm klar gewesen wäre, was das für ein Ort ist.

Doch andere Kommentatoren gehen noch weiter: Jaakow sieht im Traum nicht nur die Leiter, sondern auch die Tempel, die in Zukunft an diesem Platz stehen sollen. Dies ist gleich im nächsten Satz durch die dreimalige Verwendung des Artikels "dieser" angedeutet, als Jaakow weiter spricht: "Wie furchtbar ist dieser Ort!" Er spielt dabei auf den ersten Tempel und dessen Zerstörung an. "Nichts ist dies anderes als G'ttes Haus!" Damit ist der zweite Tempel gemeint. "Und dies ist eine Pforte zum Himmel". Mit diesem letzten Satz spielt Jaakow auf den dritten Tempel an, den er im Traum gesehen hat.

Jaakow sah in seinem Traum, den er träumte, als er selber gerade am Tiefpunkt war, gerade dem Tod entronnen, ausgeraubt, auf der Flucht, ohne Familie und ohne Geld, also die Zerstörung der beiden Tempel, die auch die Zerstörung der Stadt und die Vertreibung des ganzen Volkes und den Tod vieler seiner Nachfahren mit sich brachten. Mit "nichts ist dies" spielt er auf die lange Phase des "Hester Panim" an, die Periode in der G'tt sich dem Volk nicht mehr in offenen Wundern zeigt. Und in diesem selben Traum hört er, wie G'tt ihm versichert: "Ich bin mit dir", ihm verspricht, ihn zu schützen und ins Land Israel zurückzubringen. Das meinte Jaakow, als er aufwachte und sagte: "G'tt ist an diesem Ort und (vom Versprechen beginnend mit) 'Ich' habe (ich) nicht gewusst!"


Ja'akow verließ Be'er Schewa und ging nach Charan.

Es stellt sich die Frage, weshalb erwähnt werden muss, dass Ja'akow Be'er Schewa verließ. Es ist ja bekannt, dass er sich zuvor dort aufhielt. Es hätte also gereicht zu sagen, dass er nach Charan ging. Raschi erklärt dazu, dass der Weggang eines Zaddiks einen Eindruck auf die Stadt macht. Solange er dort ist, prägt er ihre Pracht und ihr Ansehen. Wenn er weggeht, verlässt diese Prägung, die er ihr gab, die Stadt.

Der Passuk will uns also sagen, dass der Eindruck Ja'akows mit ihm Be'er Schewa verließ, als er nach Charan ging.

Man könnte Raschis Erklärung so verstehen, dass Ja'akow die Stadt verlässt, sodass diese nun eine Stadt ganz ohne Zaddikim ist. Doch Ja'akows Eltern blieben ja in Be'er Schewa. Er hinterließ also eine Stadt, in der weiterhin ein jüdisches Leben geführt und G'ttes Wille gelebt wurde. Interessanterweise wird auch bei Awraham nicht erwähnt, welche Stadt er verließ, als er wegen einer Hungersnot nach Ägypten ging, obwohl er eine Stadt hinter sich ließ, in der danach gar keine Zaddikim mehr übrig blieben.

In Wahrheit verdeutlicht diese Tatsache aber Raschis Erklärung sogar: In einer Stadt, in der keine Menschen leben, die in G'ttes wegen gehen, gibt es gar niemanden, dem es auffallen könnte, dass Ja'akows Eindruck die Stadt verlässt. Gerade weil seine Eltern in der Stadt blieben, gab es jemanden, dem die Änderung aufgefallen ist, und der bedauert hat, dass der Eindruck Ja'akows die Stadt verlassen hat. Awraham hingegen verließ eine Stadt voller Götzendiener, die gar nicht zu schätzen wissen konnten, was der Zaddik für sie bedeutete. Deshalb prägte dieser Abgang die Stadt nicht so, wie der Abgang Ja'akows Be'er Schewa prägte.


Ja'akow verlies Be'er Schewa und ging nach Charan.

Raschi erklärt uns, dass es eine Stadt prägt, wenn ein Zaddik sie verlässt, da die ganze Pracht, die er der Stadt bringt, sie verlässt. Deshalb steht auch, dass Ja'akow Be'er Schewa verlies, obwohl es bekannt ist, dass Ja'akow und seine Familie dort zu Hause waren und es gereicht hätte zu schreiben, dass er nach Charan ging.

Interessanterweise wird bei Awraham nicht erwähnt, welche Stadt er verlässt, als er wegen einer Hungersnot nach Ägypten ging. Doch Awraham verlies eine Stadt voller Götzendiener, die gar nicht zu schätzen wissen konnten, was der Zaddik für sie bedeutete. Deshalb prägte dieser Abgang die Stadt nicht so, wie der Abgang Ja'akows Be'er Schewa prägte.

Manche Leute erkennen die Konsequenzen einer Tat vorher, manche währenddessen und manche erst nachher. Ein Beispiel dafür ist Esaw: Er verkaufte sein scheinbar wertloses Erstgeburtsrecht, und merkte erst später, als Ja'akow ihm den Segen wegnahm, dass er damals einen Fehler gemacht hatte. Denn als Jizchak bemerkte, dass das Erstgeburtsrecht an Ja'akow übertragen wurde, störte es ihn nicht mehr, dass Ja'akow statt Esaw den Segen bekommen hatte. Esaw verstand jetzt, dass das Erstgeburtsrecht auch den wichtigen Segen durch den Vater beinhaltete. Genauso verhielt es sich mit den Bewohnern von Be'er Schewa. Normalerweise prägt ein Zaddik auch schon durch seine Anwesenheit in einer Stadt diese. Doch so wie Esaw erkannten die Bewohner erst später, was sie verloren haben, und deshalb prägte Ja'akow Be'er Schewa erst bei seiner Abreise.


Die Parascha dieser Woche beginnt mit dem Satz: "Und Ja'akow ging weg von Be'er Schewa und ging nach Charan." Es stellt sich die Frage, weshalb erwähnt werden muss, dass Ja'akow aus Be'er Schewa wegging. Es ist ja bekannt, dass er sich zuvor dort aufhielt. Es hätte also gereicht zu sagen, dass er nach Charan ging. Raschi erklärt dazu, dass der Weggang eines Zaddiks einen Eindruck auf die Stadt macht. Solange er dort ist, prägt er ihre Pracht und ihr Ansehen. Wenn er weggeht, verlässt diese Prägung, die er ihr gab, die Stadt. Der Passuk will uns also sagen, dass der Eindruck Ja'akows mit ihm Be'er Schewa verlies, als er nach Charan ging.

Man könnte Raschis Erklärung so verstehen, dass Ja'akow die Stadt verlässt, sodass sie nun eine Stadt ganz ohne Zaddikim ist. Doch Ja'akows Eltern und sein Großvater blieben ja in Be'er Schewa. Er hinterlies also eine Stadt, in der weiterhin ein jüdisches Leben geführt und G'ttes Wille gelebt wurde.

In Wahrheit verdeutlicht diese Tatsache aber Raschis Erklärung: In einer Stadt, in der keine Menschen leben, die in G'ttes wegen gehen, gibt es gar niemanden, dem es auffallen könnte, dass Ja'akows Eindruck die Stadt verlässt. Gerade weil seine Eltern in der Stadt blieben, gab es jemanden, dem die Änderung aufgefallen ist, und der bedauert hat, dass der Eindruck Ja'akows die Stadt verlassen hat.


In der dieswöchigen Parascha steht, dass Ja'akow Be'er Shewa verließ, doch in der dazugehörigen Haftara steht, dass er von dort floh.

Seine Mutter Rivka legte ihm nahe zu fliehen, um dem Zorn seines Brudes Esaw zu entgehen, dem er gerade erst den Segen des Vaters vorenthalten hatte. Doch ihrem Mann Jizchak sagte sie, um ihn zu schonen, dass sie sich Sorgen darum macht, dass Ja'akow heiraten wird, und keine kna'anitische Frau nehmen soll. Deshalb schickt dieser Ja'akow zur Familie von Rivka nach Haran.

In der Tora steht, dass er auf seinen Vater und seine Mutter hörte. Damit ist gemeint, dass er vor seinem Bruder Esaw floh, wie es seine Mutter ihm aufgetragen hatte, und zu seinem Onkel Lawan ging, um dort eine Frau zu finden, wie es sein Vater wollte. Das wird auch durch die beiden Formulierungen in der Parascha (verlassen) und der Haftara (fliehen) angedeutet.

In diesem Sinne gibt es auch eine Geschichte über Raw Solovejcik:

Ein Jeschiwa-Schüler wollte einmal ein Empfehlungsschreiben von seinem Rosch Jeschiwa, Raw Solovejcik, um in eine andere Jeschiwa zu gehen. Dieser meinte, dass das kein Problem sei, dass er aber wissen wolle, warum der Schüler die Jeschiwa wechseln will. Dieser meinte, dass die andere Jeschiwa besser ist, als die jetzige. Der Rosch Jeschiwa sagte daraufhin, dass man zwei Gründe braucht, um an einen anderen Ort zu gehen: Einen Grund, weshalb es am Ursprungsort schlecht ist, und einen, wieso es am neuen Ort besser ist. Der Schüler fragte, ob das ein Ratschlag oder Halacha ist. Raw Solovejcik entgegnete, dass es so in der Tora steht, denn die Tora sagt, dass Ja'akow Be'er Schewa verließ, und nach Haran ging. Es musste die selbstverständliche Tatsache erwähnt werden, dass Ja'akow Be'er Schewa verlassen musste, um nach Haran zu gelangen, weil er für beide Orte einen Grund brauchte. Der Grund, Be'er Schewa zu verlassen, war sein Bruder. Der Grund, nach Haran zu gehen, war, dort eine Frau zu finden.


Nachdem Ja'akow 14 Jahre (statt der vereinbarten sieben Jahre) für seine Frau Rachel und anschließend weitere sechs Jahre für seinen Schwiegervater Lawan unter ständig wechselnden, ihn benachteiligenden Bedingungen gearbeitet hatte, entschloss er sich, zurück zu seinen Eltern nach Erez Israel zu gehen. Doch sein Schwiegervater reiste ihm nach und stellte ihn zur Rede. Er warf Ja'akow vor, dass er die Frauen, die Kinder, und seinen ganzen Besitz von ihm habe, und wollte Ja'akow verbieten, zu gehen.

Nach den vielen harten Jahren, die Ja'akow mit Lawan hatte, nach seiner Täuschung bei der Hochzeit, nach den Schikanen in den sechs Jahren, in denen er für ihn arbeitete, und nachdem ihm obendrein noch vorgeworfen wird, Personen und Besitz mitzunehmen, die Lawan gehören, hätte man von Ja'akow erwarten können, dass er sich wehrt, oder zumindest etwas zu entgegnen hat. Doch Ja'akow schwieg.

Wir können aus diesem Verhalten zwei Charaktereigenschaften lernen:
Wenn jemand streitet und lautstark ungerechtfertigte und überzogene Vorwürfe macht, hat es oft keinen Sinn zu antworten. Es ist in diesen Fällen besser, einfach zu schweigen. Denn so eine Person hört nicht zu, sondern wirft nur vor, und jedes weitere Diskutieren führt nur zu verzichtbaren Streitereien.

Ja'akow hat seine beiden Frauen rechtmäßig mit Lawans Einverständnis geheiratet, und auch seinen Besitz hat er sich in den sechs Jahren redlich verdient. Doch Lawan hatte mit seiner Aussage auch recht, wonach die Frauen, die Kinder, und der ganze Besitz Ja'akows von ihm sind, d.h. Ja'akow, der vor 20 Jahren komplett mittellos bei seinem zukünftigen Schwiegervater auftauchte, hat sie diesem zu verdanken. Und da Lawan also nicht ganz unrecht hatte, entgegnete Ja'akow ihm nichts. Denn wenn in einer Diskussion die andere Seite mit etwas recht hat, muss man ihr das zugestehen, auch wenn man sich im allgemeinen im Recht sieht.


Ja'akow ist auf dem Weg nach Charan, als er sich zum Schlafen an der Stelle niederlegt, an der Später der Tempel erbaut wurde. Im Traum spricht G'tt zu ihm, und verspricht ihm, dass seine Nachfahren das Land Israel bekommen werden, und dass sich seine Nachfahren zu einem großen Volk entwickeln werden, das unter G'ttes Schutz steht. Als er aufwacht sagt er: "G'tt ist an diesem Ort und ich wusste es nicht!" Raschi ergänzt: "Hätte ich das gewusst, hätte ich nicht an solch einem heiligen Platz geschlafen," denn es ist verboten, am Ort des Tempels zu schlafen.
Man muss sich vor Augen halten, dass Ja'akow damit riskiert hätte, dass G'tt nicht zu ihm gesprochen hätte, und er damit die wichtigen versprechen über das Land Israel und das entstehende Volk vielleicht nicht bekommen hätte.

Später in der Parascha will Ja'akow Rachel heiraten. Da das Brautpaar den Verdacht hat, dass der Brautvater Lawan Rachel bei der Hochzeit mit der älteren Schwester Lea austauschen könnte, machen sie sich drei Zeichen aus, anhand derer Ja'akow Rachel erkennen kann. Da Rachel aber merkt, dass eine Zurückweisung durch Ja'akow Lea sehr beschämen würde, gibt sie die drei Zeichen ihrer Schwester bekannt. Damit hat sie aber riskiert, dass Ja'akow sie nicht heiratet, und damit auch, dass sie nicht Stammmutter des jüdischen Volkes wird.

Wir lernen daraus, dass keine gute Tat und kein noch so großer potentieller Vorteil, den man aus eine Handlung haben könnte, auch nur die kleinste Kränkung oder gar die Verletzung eines Tora-Gebotes rechtfertigen kann. Deshalb hätte Ja'akow nicht an der Stelle des späteren Tempels geschlafen, auch wenn das bedeuten könnte, dass seine Nachfahren das Land nicht bekommen, und deshalb hat Rachel die Kränkung ihrer Schwester verhindert, obwohl sie damit ihre Eheschließung mit Ja'akow riskierte.


In der dieswöchigen Parascha wird berichtet, dass Lea ihren vierten Sohn bekam. Daraufhin sagte sie: "Dieses Mal werde ich G'tt danken." Sie nannte diesen Sohn "Jehuda", was sich vom hebräischen Wort für Dank ableitet. Raschi erklärt, dass sie sich deshalb so sehr bedankte, weil sie nun mehr Söhne hat, als ihr bei gleichmäßiger Verteilung (12 Söhne bei 4 Müttern) zugestanden wären.
Der Midrasch erklärt, dass sie es deshalb verdiente, dass von ihr Leute abstammen werden, die es verstehen, sich zu bedanken.

Auf Hebräisch wird für "danken" und "etwas eingestehen" das selbe Verb verwendet. Der Midrasch führt daher weiter aus, dass einerseits König David in seinen Psalmen viel Dank an G'tt richtete, und andererseits Jehuda selber, beim Vorfall mit Tamar, "eingestand", dass Tamars Söhne von ihm waren.
Es stellt sich aber die Frage, wie Jehudas "Eingestehen" mit dem großartigen Dank seiner Mutter an G'tt verglichen werden kann.

Danken und etwas eingestehen bewirken in der Psyche das selbe. Bei beiden Vorgängen muss der Mensch akzeptieren, dass jemand anderer etwas geleistet hat oder recht hatte, und er selber nicht. Lea hatte also mit ihrem großen Dank verdient, dass unter ihren Nachkommen Leute sein werden, die keine Hemmungen haben, derartige Tatsachen zu akzeptieren. Dies ist deshalb so wichtig, weil eine derartige Einstellung auch für einen echten Glauben an G'tt und an die Tora notwendig ist. Denn auch zum Glauben muss man akzeptieren, dass jemand anderer etwas leistet, was man selber nicht kann.


Ja'akow wacht nach einem Traum auf, in dem ihm G'tt erschienen ist. Er merkt, dass der Ort, an dem er sich befindet, heilig sein muss. In der Früh steht er auf, nimmt den Stein, auf dem er in der Nacht gelegen ist, gießt Öl über ihn und nennt den Ort Beit-El (Haus G'ttes).

Es ist eine Mizwa für das jüdische Volk, einen Tempel, den Bejt HaMikdasch, zu errichten. Eine Halacha besagt, dass der Tempel am Tag und nicht in der Nacht gebaut werden muss.
Das erklärt, wieso Ja'akow bis zum Morgen gewartet hat, um den Stein mit Öl zu begießen, und dies nicht gleich getan hat, nachdem er aufgewacht ist; denn dieser Stein war der Grundstein für den Tempel, den König Schlomo über tausend Jahre später fertigstellte, und wie bereits gesagt, darf der Tempel nur am Tag gebaut werden.

Diese Episode ereignete sich, als Ja'akow gerade auf der Flucht vor seinem Bruder Esaw war, weg vom Ort, wo seine Eltern wohnten, einer ungewissen Zukunft entgegen. Es war eine sehr schlechte Zeit für ihn. Damit symbolisiert Ja'akow das jüdische Volk, das ausgerechnet in so einer Zeit des Leidens Hoffnung bewahrt und den Grundstein für die Geula, die Erlösung legt.

Wir hoffen, dass wir in unseren Tagen den dritten Tempel und die endgültige Erlösung erleben werden!